Protocol of the Session on February 4, 2021

Die Baumart der Zukunft wird nur noch an wenigen Standorten die Fichte sein. Bekannt ist schon länger, dass die Fichte im Tiefland und in den unteren und mittleren Lagen des Mittelgebirges keine Zukunft hat. Die Fichte war ursprünglich auch nur in den höheren Lagen der Mittelgebirge verbreitet; erst der Mensch hat sie quasi falsch verpflanzt, um möglichst hohe Erträge zu erzielen. Das Ergebnis lässt sich eindrucksvoll im Harz beobachten.

Die Baumarten der Zukunft stehen nicht allein. Diversifizierung ist das Stichwort.

(Zustimmung)

Mehrere Baumarten gemeinsam bilden den klimastabilen Mischwald. Damit wird das Risiko auf mehrere Baumarten verteilt. Das ist die einzig sinnvolle Strategie. Die bisherige Forstwirtschaft und die Monokulturen sind gescheitert.

Auch wenn noch nicht alle wissenschaftlichen Fragen geklärt sind, haben wir bereits eine gute Orientierung und verfügen über eine Waldbaustrategie. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt hat Modelle entwickelt, die die Leistungsfähigkeit der Baumarten auf bestimmten Standorten einschätzen. In einer Broschüre sind alle Ergebnisse zusammengefasst und leicht verständlich dargestellt. So findet sich für jeden Standort in Sachsen-Anhalt die passende Hauptbaumart mit passenden weiteren Baumarten.

Diese Unterstützung bei der Waldbaustrategie stellt eine wissenschaftlich abgesicherte Entschei

dungsgrundlage dar, natürlich auch für die künftigen Fördermaßnahmen des Landes.

Darüber hinaus ist die Beschaffung von hoch qualitativem Saatgut von großer Bedeutung. Gegenwärtig verfügt Sachsen-Anhalt über Samenplantagen von rund 87 ha in den unterschiedlichen Qualitätskategorien einschließlich der gebietsheimischen Gehölze. Unser Ziel ist es, bis 2025 den heimischen Pflanzenmarkt für alle Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen im Land Sachsen-Anhalt zu versorgen.

(Zustimmung)

Der Wald der Zukunft braucht heimisches Saatgut. Um die Wiederaufforstung zu sichern, werden etwa 20 ha an Samenplantagen in den nächsten Jahren hinzukommen. In den Jahren 2019 und 2020 wurden bereits zwei Samenplantagen der Baumart Traubeneiche unter wissenschaftlicher Begleitung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt angelegt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Wald der Zukunft braucht viel Pflege in der Kinderstube. Durch die zunehmende Frühjahrs- und Sommertrockenheit ist die Anwachswahrscheinlichkeit bei Jungbäumen je nach Standort deutlich reduziert. Junge Bäume haben in den ersten zwei bis drei Jahren, teilweise sogar in den ersten zehn Jahren, ein hohes Risiko, in langfristigen Trockenperioden einzugehen. Daher muss an manchen Standorten zweimal oder öfter nachgepflanzt werden. Darauf stellen wir uns ein, indem wir in unseren Programmen auch das Nachpflanzen fördern. Auch verstärkte Containerpflanzungen oder gar professionelle Gießtechniken können trotz der Mehrkosten lokal durchaus eine sinnvolle Lösung sein.

Der Wald der Zukunft gefällt auch dem Wild. Der Wildverbiss durch Reh- und Rotwild ist ein Problem. Das ist es grundsätzlich schon länger, nicht erst seit 2018. Deswegen werden Neuanpflanzungen und Naturverjüngungen großflächig per Drahtzaun oder per Einzelverdrahtung geschützt. Aber dieser Aufwand kostet natürlich erheblich und ist auch ökologisch nachteilig, weil er ganze Waldflächen dem Wild als Nahrungs- und Wanderungsraum entzieht.

Eines ist gewiss: Ohne die Unterstützung und den festen Willen der Verantwortlichen in der Fläche - dazu zählen neben den Grundeigentümern unsere rund 12 000 Jäger und Jägerinnen in SachsenAnhalt - werden wir es schwer haben, unsere wald- und umweltpolitischen Zielstellungen der kommenden Jahre zu erreichen.

Aus heutiger Sicht setze ich auf die Weiterentwicklung des Jagdrechts, zunächst auf der Bundesebene, durch die Novellierung des Bundes

jagdgesetzes, und vertraue gleichzeitig auf die Unterstützung durch den Landesjagdverband.

(Zustimmung)

Lassen Sie uns zu einem weiteren Risiko kommen: das Risiko Waldbrände. Insgesamt gehen wir davon aus, dass das Waldbrandrisiko im Kontext der Klimakrise in den nächsten Jahren steigen wird, auch wenn dies bei uns in den letzten beiden Jahren glücklicherweise nicht der Fall war.

Neben gut ausgestatteten Feuerwehreinsatzkräften ist vor allem die Erhöhung des Laubholzanteils die zentrale Stellschraube, um die Waldbrandgefahr zu reduzieren. Zur Früherkennung von Waldbränden wurde die Überwachung mit Kameras modernisiert. Um die Waldbrand

bekämpfung zu verbessern, fördern wir den Wegebau und den Brunnenbau im Wald. Darüber hinaus stimmt sich das Landeszentrum Wald eng mit den Feuerwehren vor Ort ab und erstellt Waldbrandeinsatzkarten für die Wälder.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe jetzt viel über Herausforderungen gesprochen. Diese Herausforderungen müssen unter äußerst schwierigen Rahmenbedingungen angegangen werden. Seit nunmehr drei Jahren sind alle Forstleute, Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen, Forstunternehmer und Forstunternehmerinnen im Ausnahmezustand.

Sie arbeiten buchstäblich an ihrer Belastungsgrenze. Denn die reinen Waldschäden sind das eine. Aber mindestens im gleichen Maße problematisch sind die geringen Holzpreise aufgrund des Überangebots. Der Holzpreis ist in allen Sortimenten um bis zu zwei Drittel eingebrochen. Ausnahmen sind hochwertige Laubhölzer.

Die privaten, kommunalen und staatlichen Betriebe müssen mit unplanmäßiger Betriebsführung, Zuwachsverlusten und höheren Aufarbeitungskosten umgehen. Und dazu kommt natürlich der außerordentliche Verschleiß an Gerät und Wegen durch den hohen Maschineneinsatz.

Oft hat der Erlös in den Nadelhölzern nicht einmal mehr die Werbungs-, geschweige denn die Holzlagerkosten decken können. Und da der Holzverkauf die hauptsächliche Einnahmequelle darstellt, wären ohne Hilfe von außen die Wiederaufforstungen und der Waldumbau gefährdet.

Aber der Wald der Zukunft ist ein unerlässlicher Baustein im Ökosystem. Der Wald der Zukunft ist Lebensraum für bisweilen sehr seltene Pflanzen und Tiere. Er dient als Wasserspeicher, als Luftfilter und nicht zuletzt als CO2-Speicher. Und der Wald der Zukunft dient natürlich der Erholung und auch dem möglichst naturnahen Tourismus.

Deshalb bin ich davon überzeugt, dass der Landesforstbetrieb den richtigen Weg in die Zukunft

eingeschlagen hat, indem er seine Arbeit an Klimaschutz und Artenreichtum ausrichtet. Es ist aus meiner Sicht sinnvoll, die Reviere des Landesforstbetriebes zu verkleinern und den gesamten Landeswald schrittweise der FSC-Zertifizierung zu unterziehen. Gerade die FSC-Zertifizierung besitzt gegenüber anderen Zertifizierungen einen höheren Standard. Und sie erfolgt umweltgerecht, sie ist sozial förderlich und für ein zertifiziertes Unternehmen wirtschaftlich tragfähig.

Der Wald der Zukunft wird zu einem Teil Wildnisgebiet sein. 8,4 % des Landeswaldes sind schon Wildnisgebiet. Hier ist die Natur sich selbst überlassen. Hier haben Pflanze und Tiere freien Raum, ohne menschliche Eingriffe. Man kann sozusagen von Reallaboren des Naturschutzes sprechen, die zugleich auch wertvolle Hinweise für die nachhaltige Holzwirtschaft in Wirtschaftswäldern geben können. Ich gehe davon aus, dass wir unser 10-%-Ziel noch in der laufenden Legislaturperiode erreichen werden. Damit leistet Sachsen-Anhalt einen wichtigen Beitrag, um die Artenvielfalt zu erhalten und um seltene Arten zu schützen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Wald der Zukunft hat starke Partner in der Wirtschaft. Auch wenn 10 % der Fläche dem Naturschutz vorbehalten sind, werden 90 % ja aktiv bewirtschaftet. Holz ist ein wertvoller nachhaltiger Rohstoff, den wir sehr vielfältig einsetzen können. In der stofflichen Nutzung bleibt das CO2 gebunden. Ich denke, da haben wir noch viel Luft nach oben, zum Beispiel beim Bauen mit ökologischen Baustoffen. Der Holzbau liegt mir als Klimaministerin natürlich sehr am Herzen. Der Punkt wurde ja auch als eigene Maßnahme in das Klima- und Energiekonzept Sachsen-Anhalts integriert.

Natürlich ist Holz der historische Baustoff

schlechthin, wobei Sachsen-Anhalt zudem auch ein klassisches Lehmbauland ist. Im 20. Jahrhundert ist die Holzbautradition durch die Moderne in der Architektur doch etwas aus dem Blick geraten. Von daher kann ich dem Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, eine am Klimaschutz orientierte neue europäische Bauhaus-Bewegung anzustoßen, viel abgewinnen. Herr Kollege Robra hat im Oktober des letzten Jahres ebenfalls bereits seine Unterstützung zugesagt. Eine an Klimaschutz und Nachhaltigkeit orientierte Bewegung „Bauhaus 2.0“ wäre eine großartige Chance, die BauhausTradition Sachsen-Anhalts für das Bauen der Zukunft zu nutzen.

(Zustimmung)

Dabei können Häuser zu großen Teilen und eben nicht nur Dachstühle aus Holz gebaut werden. Auch mehrgeschossig, wie beispielsweise unsere Weltkulturerbestadt Quedlinburg zeigt, kann ge

baut werden. Dank moderner Techniken gibt es weltweit auch bereits Holzbauprojekte bei Hochhäusern.

Daher war sich die Regierungskoalition bei der Novellierung der Bauordnung im letzten Jahr einig, dass die Potenziale beim Holzbau gefördert werden müssen, auch bei mehrgeschossigen Bauten. Die Anforderungen an den Brandschutz wurden mit der Bauordnungsnovelle angepasst. Ich hoffe sehr, dass diese Novellierung einigen Holzbauprojekten einen Schub geben wird.

Dies gilt aber nicht nur vorwiegend für Einfamilienhausprojekte, sondern es eröffnet auch zum Beispiel bei der Quartierverdichtung neue Potenziale. So kann der eher leichte Baustoff Holz bei Dachaufbauten auf Bestandsbauten statische Hürden überwinden helfen. Insofern kann ich nur alle Bauherren und Bauherrinnen und alle Architekten und Architektinnen dazu aufrufen, über möglichst hohe Holzanteile im Rahmen ihrer Bauprojekte nachzudenken. Damit fördern sie im Idealfall die heimische Holzwirtschaft. In jedem Fall tun sie aber etwas Gutes für den Klimaschutz.

(Zustimmung)

Und auch in der Industrie gibt es Absatzpotenziale für Waldbesitzende. Ich möchte hier allen voran auf das finnische Unternehmen UPM verweisen, welches sich im letzten Jahr im industriellen Herz Sachsen-Anhalts, in Leuna, angesiedelt hat und innovative Biochemikalien auf Laubholzbasis produzieren wird. Insofern passt die Ansiedlung von UPM zu unserer Waldumbaustrategie.

So hat der Landesforstbetrieb im Oktober des letzten Jahres mit UPM einen Rahmenvertrag zur Belieferung mit Buchenindustrieholz unterzeichnet. Dabei handelt es sich um Durchforstungsholz, welches auf dem Holzmarkt schwer oder nur zu geringen Preisen verkaufsfähig ist. Und die Buche ist ein wichtiger Baum beim Waldumbau in Sachsen-Anhalt.

Der Wald der Zukunft braucht also Ideen und Innovationen. Ich bin davon überzeugt, dass bei der stofflichen Nutzung von Holz noch mehr möglich ist. Weitere Unternehmensansiedlungen könnten gerade dem Strukturwandel im Süden Sachsen-Anhalts große Impulse geben.

Um dem gesamten Thema moderne Holznutzung und Strukturwandel noch mehr Schwung zu geben, haben das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie und der Landkreis MansfeldSüdharz im Dezember eine Absichtserklärung zur Schaffung eines Innovationshubs „Zukunft Holz und Klima“ unterzeichnet. Finanziert werden soll das aus Strukturwandelgeldern.

Das Ziel des Innovationshubs ist die Vernetzung mit bereits vorhandenen Informationsclustern im

Fachgebiet Holz und angrenzenden Bereichen. Es sollen Projekte zu Forschung und Entwicklung mit regionalen Forschungsinstituten, zur Aus- und Weiterbildung sowie zur Verfahrens-, Produkt- und Konzeptentwicklung rund um das Thema Holz umgesetzt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf nachhaltigen und klimaneutralen Systemen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die durch die Extremwetterereignisse der letzten drei Jahre verursachten Waldschäden in Deutschland und in Sachsen-Anhalt haben ein historisches Ausmaß eingenommen. Die Beseitigung der Schäden bedarf erheblicher gesellschaftlicher und privater Anstrengungen.

Der Wald der Zukunft braucht uns und unser vorausschauendes Handeln. Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Wälder Sachsen-Anhalts zukunftsfest zu machen, damit sie der Klimakrise trotzen können. Dabei sitzen Holzwirtschaft und Ökologie in einem Boot.

Monokulturen mögen in der Vergangenheit zeitweilig finanzielle Vorteile gebracht haben. Aber sie sind immer anfälliger für Schäden, bis hin zum Totalverlust. Zukunftsfähig ist allein der eingeschlagene Weg des Waldumbaus. Durch die Mehrbaumartenstrategie werden die Risiken für Waldbesitzende überhaupt erst wieder kalkulierbar.

Der Wald der Zukunft wird am besten nachhaltig bewirtschaftet. Wenn man sich an der wirklich nachhaltigen Dauerwaldbewirtschaftung orientiert, werden auch die Kinder und Kindeskinder der jetzigen Waldbesitzergeneration eine Perspektive haben. Nur mehrschichtig aufgebaute Mischwälder haben eine reale Chance, in der Klimakrise zu bestehen.

Wir können jetzt sehr viel gestalten. Gehen wir es gemeinsam an. Dann hat unser Wald eine Zukunft, meine Damen und Herren.

(Zustimmung)

Vielen Dank, Frau Ministerin. Ich sehe keine Fragen.

Somit kommen wir zur

Aussprache zur Regierungserklärung