Sagen Sie das den landwirtschaftlichen Betrieben bitte auf Ihren Agrarveranstaltungen, Frau Frederking.
Direktzahlungen sind ein wichtiges Element der Einkommenssicherung gerade bei diesen volatilen Preisen. Das ist wichtig fĂŒr die landwirtschaftlichen Betriebe, und ich halte nichts davon, gerade angesichts der ökonomisch schwierigen Situation, unsere landwirtschaftlichen Betriebe noch weiter zu verunsichern und ihnen das GefĂŒhl zu geben, die Politik verlĂ€sst sie. Das ist der falsche Rat, meine Damen und Herren!
Wir werden gemeinsam mit dem Bundesministerium an Lösungen arbeiten, wie wir landwirtschaftlichen Betrieben helfen können. Das steht im Vordergrund. Das lag mir auĂerordentlich am Herzen, dieses zu diesem wichtigen Tierschutzthema zu sagen. Wir werden es gemeinsam mit den Tierhaltern versuchen zu lösen. Wir arbeiten engagiert an dem Thema Tierschutz.
Ich werde am Montag der Presse unseren Tierschutzbericht vorstellen. Ich will ganz eindeutig sagen, Frau Frederking: Die Landesregierung braucht keine âgrĂŒneâ Nachhilfe. Wir sind im Tierschutz gut aufgestellt und engagiert unterwegs. - Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Minister, ich kann wirklich nicht begreifen, warum Sie sich so aufgeregt haben ĂŒber den Vorschlag, mehr von der ersten in die zweite SĂ€ule zu geben. Denn es ist in meiner ErklĂ€rung so, dass ein höherer Aufwand bezahlt werden muss. Das habe ich gesagt, und ich habe in meiner Rede auch deutlich gemacht, wo das Geld herkommen soll. Einmal ĂŒber den Verkauf, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher mehr bezahlen mĂŒssen, dass wir höhere Erzeugerpreise kriegen.
Und ein höherer Aufwand muss unterstĂŒtzt werden. Das heiĂt, die Betriebe, die einen höheren Aufwand haben, sollen mehr Geld bekommen. Aber Sie haben sich jetzt so aufgeregt, als wenn ich jemandem etwas wegnehmen möchte. Da, wo ein höherer Aufwand ist, soll mehr Geld hinflieĂen. Das ist doch die Idee hinter der Vorstellung, mehr Geld von der ersten in die zweite SĂ€ule zu geben. Ich habe wirklich nicht begriffen, warum Sie das jetzt so negieren.
Frau Frederking, Ihr Vorschlag lÀuft doch erst einmal darauf hinaus, dass ich den landwirtschaftlichen Betrieben Geld wegnehme, mit dem sie rechnen, das sie nötig und dringend brauchen, insbesondere die tierhaltenden Betriebe.
Der zweite Punkt, ob das Geld dann wieder ĂŒber den Umweg von Politikertischen und Beamtentischen auf den Konten der Landwirte landet, das kann ihnen kein Mensch vorher prognostizieren. DafĂŒr haben Sie auch den Mechanismus noch nicht erfunden. Das ist das Fatale an Ihrem Vorschlag.
Mir ist es lieber, die Direktzahlungen bleiben bei den landwirtschaftlichen Betrieben - Förderprogramme haben wir ohnehin. Und mit der Bereitschaft der Verbraucher, mehr Geld fĂŒr Produkte auszugeben - wie es immer in Umfragen betont wird -, ist es leider nicht weit her. Da mĂŒssen wir noch am Verbraucher arbeiten, dass er diese Bereitschaft stĂ€rker entwickelt. Da bin ich ganz gerne bei Ihnen.
Habe ich Sie richtig verstanden, dass es fatal ist, diesen Weg zu gehen, weil man nicht weiĂ, ob die Behörden in der Lage sind, das Geld zu den Landwirtinnen und Landwirten zu geben?
Passen Sie einmal auf. Frau Frederking, nun will ich Ihnen noch ein bisschen aus meiner Lebenserfahrung erzÀhlen, wie das so ist.
Wenn Sie eine Diskussion beginnen: âWir nehmen Geld aus der ersten SĂ€ule weg.â, dann ist das erst einmal weg von den landwirtschaftlichen Betrieben. Dann kommt der zweite Teil der Diskussion in jeder politischen Partei, bei jeder politischen Konstellation: âWas machen mit diesem Geld, was wir den Landwirten weggenommen haben?â
Diese Diskussion zu fĂŒhren, kenne ich aus politischer Erfahrung bei verschiedenen Runden. Die Begehrlichkeit, das Geld der ersten SĂ€ule, was den Landwirten weggenommen worden ist, fĂŒr andere Dinge - fĂŒr durchaus sinnvolle Dinge - als fĂŒr Dinge, die beim Landwirt ankommen, einzusetzen, ist in der Politik weit verbreitet.
Das heiĂt, Sie können keinen Mechanismus garantieren, dass das Geld bei landwirtschaftlichen Betrieben ankommt.
- Nein, können Sie nicht. - Sie können dann, zweitens, nicht garantieren, dass es bei den Betrieben wieder ankommt, denen Sie es weggenommen haben. Entschuldigen Sie, Frau Frederking, ich will es einmal so deutlich sagen: Das ist naiv. So lÀuft das politische Leben nicht.
Danke schön, Herr Minister. - Frau Frederking, Sie haben nachher noch die Möglichkeit zu erwidern. Ja? - Okay. - Wir haben eine FĂŒnfminutendebatte vereinbart. FĂŒr die Fraktion der SPD spricht der Kollege Barth.
Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Nach der engagierten Einbringung von Frau Frederking ist es jetzt natĂŒrlich schwierig, fachlich die Dinge noch zu toppen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der routinemĂ€Ăige nicht-kurative Eingriff des Kupierens von SchwĂ€nzen bei Ferkeln ist mit der geltenden Rechtsgrundlage nicht vereinbar. Das hat Frau Frederking auch schon gesagt. âNicht-kurativâ heiĂt nicht heilend. Eigentlich setzt man das nur ein, wenn man heilt, aber hier wird der Schwanz kupiert, also abgeschnitten, als vorbeugende MaĂnahme.
Das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft setzt klar auf das Prinzip der Freiwilligkeit. Es macht allerdings auch klar, dass ohne Engagement der Wirtschaft eine Ănderung des Rechtsrahmens erforderlich wird. Das ist so.
Derzeit gibt es ĂŒber 30 Forschungsprojekte in Deutschland, die sich mit dem Ausstieg aus dem SchwĂ€nzekupieren befassen. Die bisherigen Ergebnisse verdeutlichen, dass es einer optimalen Begleitung der Tierhalter vor allem durch eine gezielte Beratung bedarf. Ich denke, da herrscht Konsens in diesem Haus.
Lösungswege gibt es. Allerdings gibt es nicht d i e richtige Lösung, sondern jeder Tierhalter muss fĂŒr sich entscheiden, welcher Weg fĂŒr seinen Betrieb der richtige ist. Dies ist kein einfacher Prozess und wir wollen und mĂŒssen die Tierhalter dabei unterstĂŒtzen.
Meine Damen und Herren! Letzten Sonntag hatte ich ein bisschen Zeit und habe Fernsehen geguckt. Es gab es Gott sei Dank einen interessanten Bericht vom ZDF ĂŒber dieses Thema. Da wurden die beiden Varianten nebeneinandergestellt. Es kam auch ganz klar zum Ausdruck, es gibt d i e Lösung noch nicht. Ich denke, vor dem Hintergrund sollten wir die ganze Diskussion weiterfĂŒhren.
Herr Minister hat es angefĂŒhrt, der Punkt mit der Umschichtung der Mittel in die zweite SĂ€ule wĂ€re zum jetzigen Zeitpunkt, denke ich, nicht sehr produktiv, sondern im Gegenteil sehr kontraproduktiv. Wir kennen alle die Agrarpreise bei der Milch. Frau Frederking, Sie haben selber die Schweinefleischpreise angefĂŒhrt. Ich denke, betriebswirtschaftlich haben es die Betriebe schon schwer genug. Das wĂŒrde die Dinge noch verschĂ€rfen.
Mag sein, dass sich ein Schwein mit Ringelschwanz wohler fĂŒhlt; ich weiĂ es nicht. Dies Ă€ndert sich aber schlagartig, wenn dieser angebissen wird. Wenn erst einmal Blut geflossen ist - das weiĂ jeder Praktiker -, dann hat man den Bestand nicht mehr im Griff. Die Bisswunden, die sich die Schweine dann gegenseitig zufĂŒgen, sind aus Tierschutzgesichtspunkten untragbar. Das sollte man bei diesem Thema immer vor Augen haben.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit unserem Ănderungsantrag greifen wird das auf, was machbar ist und in unserem Bundesland umgesetzt werden kann. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Ănderungsantrag und bedanke mich fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.
Danke sehr, Herr Kollege Barth. - FĂŒr die Fraktion DIE LINKE spricht der Abgeordnete Herr Krause. Auch Herr Krause möchte nach seinem Beitrag ein paar persönliche Gedanken Ă€uĂern.
Frau PrĂ€sidentin! Sehr verehrte Damen und Herren! Dass ich mich in meiner letzten Rede in diesem Hohen Haus - dies immerhin nach ĂŒber 25 Jahren parlamentarischer Arbeit mit meinem Engagement um die Landwirtschaft und die lĂ€ndlichen RĂ€ume - zu den RingelschwĂ€nzen der Schweine positionieren muss, das hĂ€tte ich mir eigentlich nicht so gedacht.
Ich denke, wir sind uns einig, Frau Frederking, dass es hierbei um mehr geht, als Ihr Antrag auf den ersten Blick offenbart. Das hat dieser Disput zwischen Ihnen und dem Herrn Minister gezeigt. Zum Beispiel geht es auch um Fragen der Regionalisierung der Schweinehaltung bis zur Schlachtung und Verarbeitung, also auch insgesamt um die Ausrichtung der modernen Landwirtschaft und auch die Arbeits- und Lebensbedingungen der BĂ€uerinnen und Bauern eingeschlossen.
Es ist also ein umfassendes Thema, das eigentlich - ich möchte es ruhig so formulieren - zu schade ist, um in der letzten Sitzung des Landtages in dieser Wahlperiode bzw. im Wahlfieber oder auch im Vorfeld des Aschermittwoch verbrannt zu werden,
zumal wir doch, Frau Frederking, die derzeitigen MehrheitsverhĂ€ltnisse in diesem Haus kennen. Der Umgang mit unserem Gesetzentwurf zum Verbandsklagerecht spricht BĂ€nde. Ja, ein Ănderungsantrag der Koalition liegt wieder einmal vor. Alles sei wie immer schon lĂ€ngst in die Wege geleitet, also weiter so.
Mein Vorschlag, Frau Frederking - ich habe es schon vor der Beratung gesagt - bringen Sie den Antrag in der kommenden Legislaturperiode erneut ein. Dann mit anderen und, wie ich hoffe, besseren MehrheitsverhÀltnissen hat der Antrag eine echte Chance. So optimistisch bin ich jedenfalls mit Blick auf den 13. MÀrz.
- Frau PrĂ€sidentin, Entschuldigung. - Vielen Dank dafĂŒr, dass Sie mir gestatten, anlĂ€sslich dieser letzten Sitzung des Landtages in dieser Legislaturperiode und meiner letzten Rede in diesem Hohen Haus nach nunmehr ĂŒber 25-jĂ€hriger AbgeordnetentĂ€tigkeit einige persönliche Gedanken zu Ă€uĂern.
25 Jahre, ein Vierteljahrhundert in diesem Landtag - und vor allem die ersten Jahre waren fĂŒr uns alle, die dabei waren, eine groĂe Herausforderung; fĂŒr manche mehr, fĂŒr andere etwas weniger. FĂŒr mich und fĂŒr meine Fraktion trifft hier wohl eher âmehrâ zu.