Sehr geehrte Frau Präsidentin! Gleich vorweg will ich sagen, dass wir diesen Antrag begrüßen und ihm auch zustimmen werden. Warum tun wir das? Auch wir haben im Zusammenhang mit dem Lehrkräftemangel immer wieder darauf hingewiesen, dass vor allem die Fächer, die die Kreativität und musischen Fähigkeiten fördern, nicht unter die Räder geraten dürfen. Das wäre bei den gesellschaftlichen Entwicklungen im Land eine Katastrophe.
Das liegt daran, dass wir einen Bildungsbegriff verfolgen, der allen jungen Menschen die Chance gibt, ihre Persönlichkeit und ihre Talente zu entfalten. Für uns ist die soziale, die kulturelle und die politische Bildung nicht weniger wichtig als die technische und die naturwissenschaftliche Bildung. Nur aufgeklärte und mündige Menschen werden den wirtschaftlichen Erfolg Sachsens in der Zukunft sichern und zugleich – darin bin ich sicher – für eine demokratische und weltoffene Kultur im Land streiten.
Nun zu Ihrem Antrag. Das eine ist der Berichtsteil. Natürlich muss man erst einmal eine Analyse vornehmen. Das ist völlig klar. Dennoch muss ich sagen, dass der aktuelle Zustand nicht völlig unerwartet kam, da wir jahrelang zu sehr auf die MINT-Fächer gesetzt und die sogenannten kreativen Fächer zu wenig gefördert haben. Deshalb braucht man sich am Ende nicht zu wundern.
In Ihrem Antrag fordern Sie unter anderem die Evaluation der Studiengänge für ein Lehramt in den Fächern Musik und Kunst. Dabei soll zum Beispiel auf die Aufnahmebedingungen, die Studienerfolgsquote und die berufliche Orientierung nach Studienabschluss eingegangen werden.
Gleichzeitig soll ein Handlungskonzept gegen den Unterrichtsausfall entwickelt werden, indem für ein entsprechendes Lehramtsstudium bzw. eine entsprechende Lehrkraft geworben werden soll. Dabei kann ich gleich hinterherschieben, dass es vielleicht klug wäre, das nicht nur für diese Fächer zu tun, sondern sich ein solches Konzept für mehrere andere Fächer zu überlegen. Das wäre schlau, finde ich.
Jenseits davon vermissen wir die eine oder andere konkrete Idee, wie das Anwerben von Kunst- und Musiklehrkräften aussehen soll. Die Einstellung von Ein-Fach- und DoppelFach-Lehrkräften für die Fächer Musik und Kunst an allen Schularten halten wir ebenfalls für sehr sinnvoll. Zumindest ist es eine Idee, um zügig Lehrkräfte zu gewinnen. Sabine Friedel ist bereits darauf eingegangen. Wenn nun – ich glaube, seit dem 15. März – die Kultusministerkonferenz genau das empfohlen hat – ich war ähnlich positiv überrascht wie Sabine Friedel –, dann finde ich, sollten wir in Sachsen schnell dazu kommen, das umzusetzen.
In meiner Welt gehört es aber dazu, dass eine Lehramtsausbildung in einem Fach grundsätzlich auch für Quereinsteiger(innen) möglich sein muss. Das gilt für alle Fächer.
Gegen die Forderung nach einer Teilzeitanstellung haben wir erst recht nichts, weil wir unbedingt alles versuchen und probieren müssen, was möglich ist und was geht. Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass Sie erneut eine unserer Forderungen aufgegriffen haben. Sie erinnern sich, wie oft ich hier gestanden und dafür geworben habe, mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern zusammenzuarbeiten. Nicht nur, was den Lehrkräftemangel angeht, sondern ganz prinzipiell bin ich der festen Überzeugung, dass diese Art des Unterrichts eine absolute Bereicherung wäre. Das gilt im Übrigen für alle Fächer, aber ganz besonders für den künstlerischen und musikalischen Bereich.
Ja, Frau Firmenich hat es angesprochen und ich kann es nur zurückgeben, dass wir mit dem Herzen dabei sind und dabei Frau Kollegin Firmenich und Frau Kollegin Leithoff an unserer Seite wissen. Als Präsidentin des Sächsischen Chorverbandes kann ich ein Lied davon singen, was es bedeutet. Es ist vor allem die Möglichkeit, in eine andere Welt und über den Tellerrand hinaus zu blicken. Auch das muss Bildung leisten, heutzutage noch mehr, als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren.
Wir müssen zur Kenntnis nehmen: Jede Kooperation braucht Ressourcen, um die genannten Stellen zusammenzubringen und um eine Zusammenarbeit zu verstetigen. Im Handlungskonzept, welches mit dem Antrag entwickelt werden soll, müssen also finanzielle und personelle Ressourcen mitgedacht werden, damit diese Aufgaben auch umgesetzt werden können. Anders wird es nicht gehen.
Was uns fehlt, sind sofortige Lösungen wie die bessere Anbindung des Referendariats an den Schuldienst. Zurzeit können angehende Musiklehrkräfte im Doppelfach-Studium nur an fünf Gymnasien in Sachsen ihr Referendariat ablegen. Damit das für alle allgemeinbildenden Schulen geöffnet wird, braucht es keine Entwicklung eines Handlungskonzepts; das kann doch eigentlich sofort umgesetzt werden. Selbst in Bayern – Sabine Friedel hat auch das schon gesagt – ist das Doppelfach besser an den Schuldienst angebunden, obwohl dort der Musik- und Kunstunterricht an den Grundschulen gerade massiv gekürzt wird bzw. gekürzt werden soll.
Grundsätzlich müssen wir das Studium nicht nur inhaltlich anpassen – also Lehrinhalte, Lehrmethoden und Studieninhalte –, sondern auch strukturell schauen, was man verändern kann und vor allem auch verändern muss. Dafür brauchen insbesondere die Kommunen dringend Unterstützung, gerade im Hinblick auf das – ich sage das schlimme Wort – Herrenberg-Urteil.
Was nicht geht, ist, dass wir im Jahr 2022 knapp 3 600 junge Menschen auf der Warteliste für einen Musikschulplatz haben, die Hälfte davon im ländlichen Raum. Die urbanen Zentren können möglicherweise ihre Bildungseinrichtungen halten. Aber was ist denn dann mit dem ländlichen Raum? Wir haben vor Kurzem darüber diskutiert. Ich muss nur in meinen Landkreis – Nordsachsen – schauen. Wenn sich nicht dringend und bald etwas ändert, dann brauchen wir kaum noch Musikschullehrkräfte auszubilden, weil es vermutlich gar keine Arbeitsplätze mehr dafür geben könnte. Auch darüber hat sich meine Fraktion bereits Gedanken gemacht. Im nächsten Wissenschaftsausschuss werden wir zu einem von uns gestellten Antrag anhören.
Ohne die Förderung von Kreativität und ohne die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln und auszuprobieren, wird auch das Bild, welches junge Menschen von der Welt malen, immer pessimistischer. Das dürfen wir keinesfalls zulassen. Es geht natürlich auch um Wertschätzung in der Kunst- und Kulturszene.
Gerade während der Coronapandemie haben wir gemerkt, dass dieser wertvolle Bereich unseres Lebens zu wenig beachtet worden ist. Leider scheint das an Stellen auch heute noch so zu sein. Was bleibt, ist, dass sich immer weniger junge Leute für einen sogenannten perspektivlosen Beruf entscheiden.
Wir als Linksfraktion und insbesondere mein Kollege Franz Sodann kämpfen seit Jahren darum, dass wir in Sachsen endlich eine faire Vergütung in der Kunst- und Kulturszene haben. Im Übrigen kämpft er auch morgen schon wieder darum. Das Hohe Haus hätte die Gelegenheit, bei der Abstimmung über unseren Antrag zur fairen Vergütung mit Ja zustimmen. Ich finde, so schwer wäre das eigentlich gar nicht.
Gibt es weiteren Redebedarf vonseiten der Fraktionen? – Das scheint nicht der Fall zu sein. Herr Minister, Sie haben das Wort.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was gehört eigentlich zum Bildungs- und Erziehungsauftrag an unseren sächsischen Schulen? Wie viele und welche Jahreszahlen müssen Schülerinnen und Schüler parat haben? Wie detailliert müssen heute noch die chemischen Prozesse der Fotosynthese unterrichtet werden?
Vieles wurde im Rahmen des Strategieprozesses „Bildungsland Sachsen 2030“ angesprochen. Über vieles wurde teils kontrovers diskutiert. Unbestritten war hingegen, dass der Erziehungs- und Bildungsauftrag für die sächsischen Schulen weiterhin ein ganzheitlicher sein soll – ja, ein ganzheitlicher sein muss –, dass also selbstverständlich auch künstlerisch-musische Fähigkeiten in der Schule entwickelt werden sollen, und dies nicht nur im Rahmen von Fachunterricht, sondern auch unter Berücksichtigung außerschulischer Lernorte oder entsprechender Ganztagsangebote. Schule ist mehr als Unterricht und Unterricht ist mehr als Wissensvermittlung.
Um diesem hohen Anspruch an die schulische Bildung gerecht werden zu können, sind gut qualifizierte Lehrkräfte unerlässlich. Das gilt in allen Fächern. Das gilt gerade in den kreativen Fächern Kunst und Musik. Diese Fachlehrerinnen und Fachlehrer müssen ausgebildet bzw. gewonnen werden, um den hohen fachlichen Standard im jeweiligen Unterricht zu sichern, in allen Schularten sowie in allen Regionen Sachsens – eine Aufgabe, die in allen Fächern große Anstrengungen erfordert.
Die Ausbildung in den Fächern Musik und Kunst und die spezifische Arbeitsmarktsituation für potenzielle Lehrkräfte ist aber eine besondere. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist daher sehr sinnvoll, genauer hinzuschauen, wo besondere Bedarfe bestehen und ob – und wenn ja, welche – spezifische Maßnahmen zur Sicherung des Kunst- und Musikunterrichts zielführend sein können. Genau dort setzt der Antrag der Koalitionsfraktionen richtigerweise an.
Unser Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, im Rahmen der grundständigen Lehrkräfteausbildung dem Bedarf entsprechend Absolventinnen und Absolventen in den Fächern Musik und Kunst zu gewinnen. Hierbei gelingt in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Wissenschaft, mit den lehrkräftebildenden Universitäten und mit den Musikhochschulen schon sehr viel. Grundlage des gemeinsamen Agierens sind unter anderem die Zielvereinbarungen, die durch das Wissenschaftsministerium mit den Hochschulen geschlossen werden. Insbesondere den Musikhochschulen sind wir dankbar dafür, dass sie sich trotz oft schwieriger Konstellationen der besonderen Gruppe der Lehramtsstudierenden im Fach Musik gut annehmen.
Durch ihre Werbung, Beratung und Begleitung gewähren Sie eine große Unterstützung, um Studierende zu gewinnen und dann auch erfolgreich zum Abschluss zu führen. Diesen grundständigen Weg müssen wir aber weiter flankieren.
Eine Option dabei ist der Studiengang im Doppelfach Musik. Dieser ist inzwischen akkreditierungsfähig. Für die Absolventinnen und Absolventen eröffnen sich dadurch weitere Perspektiven. Im Rahmen eines – wenn auch begrenzten – Zugangs zum Vorbereitungsdienst kann dieser direkt absolviert werden. Mit der zweiten Staatsprüfung kann die Lehramtsbefähigung erworben werden.
Um in den kreativen Fächern den Unterricht abzudecken, sehen wir auch die Möglichkeit der Beschäftigung in Teilzeit vor, um weitere Personengruppen für den Schuldienst in Sachsen zu gewinnen. So können Künstler bzw. Musiklehrer eingestellt werden, die weiterhin auch in anderen Institutionen aktiv sind. Das ist nicht nur für die ländlichen Regionen ein für alle gewinnbringendes Modell, um musisch-künstlerische Bildung abzusichern und individuelle Lösungen vor Ort zu ermöglichen. Für die nächsten Zielvereinbarungen mit den Hochschulen ist unser Anliegen deshalb, die Studienplätze im Doppelfach Musik deutlich aufzustocken.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine weitere Option eröffnen wir mit den schon bestehenden Einstellungsangeboten über den Seiteneinstieg. Auf diesem Weg gewinnen wir Absolventinnen und Absolventen fachwissenschaftlicher Bachelor- und/oder Masterstudiengänge für den Schuldienst. Für den Seiteneinstieg gelten die von der KMK verabschiedeten Mindestanforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken.
Gemeinsam mit den Hochschulen gilt es, entsprechende Qualifikationswege zu finden, die diese Standards über berufsbegleitende Wege erreichbar machen. Es muss gelingen, für die jeweiligen Vorqualifikationen möglichst angepasste Weiterbildungen zu ermöglichen. Sachsen hat hierzu seit dem Jahr 2015 ein kompaktes Modell, dass wir kontinuierlich weiterentwickeln und ausbauen.
Wir nutzen als Kultusministerium alle Ihnen bekannten Kanäle: Print, Social Media und zielgruppenspezifische Veranstaltungen. Erst vor zwei Wochen war ich selbst bei der Schulmesse an der Uni Leipzig dabei. Wir haben Studentinnen und Studenten direkt mit Schulen aus den Bedarfsregionen zusammengebracht. Für die Fächer Musik und Kunst informieren wir über die beschriebenen Möglichkeiten zielgruppenspezifisch. So brachte sich das SMK zum Beispiel im November 2023 beim 2. Symposium Sächsische Schulchöre ein. Erst im Februar dieses Jahres folgten wir der Einladung des Sächsischen Musikrats zu einem Austausch in der Sache. Der hier zur Abstimmung stehende Antrag ordnet sich gut in diese Bemühungen ein. Im empfehle daher die Zustimmung.
Das war Herr Staatsminister Christian Piwarz. Meine Damen und Herren, gibt es jetzt weiteren Aussprachebedarf? – Frau Firmenich, vermutlich schon das Schlusswort? – Ja. Ich sehe keinen weiteren Aussprachebedarf; dann bitte schön.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir uns hier weitestgehend einig sind, und bedanke mich sehr für die konstruktive Diskussion.
Ja, das Lehramt Musik – ich glaube, es geht schon eher los, und zwar an den Musikschulen im Land, an denen wir die Begabten unter den Musikschülerinnen und -schülern besser fördern müssen, damit sie die Aufnahmeprüfung an den Musikhochschulen schaffen. Das ist zum Beispiel ein Weg. Deshalb ist es so wichtig, dass wir diese Lösungen, diese innovativen, konstruktiven Lösungen schaffen, dass wir das Lehramt an einer Schule mit dem Instrumentallehrer an einer Musikschule verbinden, dass wir auch die außerschulischen Angebote aufrechterhalten oder ausbauen.
Ich denke, dieser gesamte Komplex ist notwendig, wenn wir das erreichen wollen, was wir uns als Bildungsziel vorgenommen haben.
Ich bedanke mich bei Christian Piwarz und seinem Haus. Ich weiß, dass es dieses Antrags nicht bedurft hätte, sondern dass ihr euch schon auf den Weg gemacht habt nach den ersten Besprechungen und Gesprächen, die es dazu gegeben hat. Ich denke auch, das SMWK wird uns auf diesem Weg sehr konstruktiv unterstützen.
Lassen Sie uns also die Türen an unseren Schulen für diese Lehrkräfte weit öffnen und Perspektiven schaffen. Das ist gut für unser Land, gut für unsere Kinder.
Das war Frau Kollegin Firmenich mit dem Schlusswort. Meine Damen und Herren! Ich stelle nun die Drucksache 7/16133 zur Abstimmung und bitte bei Zustimmung um Ihr Handzeichen. – Vielen Dank. Gibt es Gegenstimmen? – Sehe ich keine. Stimmenthaltungen? – Sehe ich ebenfalls nicht. Damit ist diese Drucksache ohne Stimmenthaltungen und ohne Gegenstimmen einstimmig beschlossen, meine Damen und Herren. Dieser Tagesordnungspunkt ist beendet.
Die Fraktionen können wie gewohnt Stellung nehmen, meine Damen und Herren. Für die einreichende Fraktion, die AfD-Fraktion, beginnt wer? – Herr Schreyer, alles klar. Bitte schön. Es sah aus, als seien Sie sich nicht ganz einig, wer zuerst spricht.