Der Stärkung des Holzbaus und der Idee der Holzbauinitiative können wir trotzdem etwas abgewinnen. Wir werden uns deshalb bei der Abstimmung enthalten.
Kollege Hein sprach für die AfD-Fraktion. Für die Fraktion DIE LINKE spricht nun Frau Kollegin Mertsching, bitte schön.
Werter Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Es war Weihnachten 2020, als wir im Plenum das erste Mal über die Stärkung des Holzbaus in Sachsen sprachen. Bauen mit Holz war und ist eine super Sache. Der Bericht der Staatsregierung auf den Antrag zeigt, dass das Holzbau-Kompetenzzentrum seine Arbeit leistet.
Schaut man sich die Antwort der Staatsregierung auf den Antrag zum Thema Holzbau an, dann scheint es ein Thema der Großstädte zu sein; dabei wächst der Rohstoff im ländlichen Raum. Dort findet auch die Verarbeitung statt, dort werden mühsam Entwicklungen vorangebracht, dort liegen Schätze verborgen.
Als wir vor dreieinhalb Jahren im Plenum über die Stärkung des Holzbaus in Sachsen sprachen, brauchte es erst eine Lausitzer Abgeordnete, um die Herrschaften im Regionalministerium auf Niesky aufmerksam zu machen, jene Kleinstadt in der Oberlausitz mit einer echten Holzbautradition. Doch wer hält dort bei Personalmangel und knapper Kasse dieses Zukunftsthema über Wasser? – Die Stadt selbst!
Kollegin Mertsching, vielen Dank. Ich bin nicht so auf dem Laufenden: Wer war denn die Abgeordnete aus der Lausitz, die diesen Hinweis gegeben hat? Können Sie das beantworten?
Doch wer hält bei Personalmangel und knapper Kasse dieses Zukunftsthema über Wasser? Die Stadt selbst! Sie schrieb sich ihren eigenen Antrag, kratzte die Eigenmittel zusammen, beschäftigt nun seit September 2023 einen Holzbaumanager, der die so dringende Netzwerkarbeit in der Region voranbringt; denn aus Dresden ist keine Hilfe zu erwarten. Bis Ende des Jahres ist die Stelle gesichert, und es ist unklar, ob und wie es weitergeht.
Der Freistaat hat aber bisher 5,2 Millionen Euro für die Stärkung des Holzbaus ausgegeben. Kam davon auch etwas in Niesky an? Ich verstehe bis heute nicht, warum die Holzbautradition von Niesky im Freistaat keine ausdrückliche Berücksichtigung findet. Das Kompetenzzentrum in Dresden, das LEP in Bautzen, und in Leipzig stellt die HTWK ein Holzbauprojekt für den sozialen Wohnungsbau vor.
Gibt es in Dresden oder in Leipzig einen Mangel an Forschungseinrichtungen? Der Bedarf an Wohnraum jetzt neu und nachhaltig aus Holz be- und entsteht in Großstädten. Aber den Rohstoff liefert doch immer noch der ländliche Raum.
Wenn man das LEP in Bautzen ansiedelt und Nebenstellen verspricht, warum eröffnet man dann in Kleinstädten wie Niesky, denen aktuell auch noch ein wichtiges industrielles Standbein des Schienenfahrzeugbaus weggebrochen ist, nicht gezielt eine Perspektive? Ich rede hierbei nicht von Tagesseminaren und Workshops oder Studien, mit denen man die Stadt bisher abgespeist hat, sondern von klaren Ansagen zum Aufbau von Außenstellen.
Wenn man schon den Waggonbau nicht retten konnte oder wollte, weil sich die Politik nicht in den freien Wettbewerb einmischen will, dann wäre doch genau an dieser Stelle die Chance, den Menschen vor Ort zu sagen: Wir erkennen die schwierige Lage an, und wir stärken das einzige, noch realistisch hebbare wirtschaftliche Potenzial, indem wir die erste Außenstelle des LEP Bautzen im Landkreis Görlitz in Niesky ansiedeln. Oder wir schicken von den Millionen Euro zur Verstärkung des Holzbaus etwas nach Niesky, damit die geschaffene Stelle und Expertise nicht gleich wieder verschüttgeht. Denn es sind Steuergelder und Forschungsgelder, über die Sie entscheiden können.
Das Thema hat auch eine demokratietheoretische Komponente. Politik muss verstehen, dass dieser Rechtsruck im ländlichen Raum auch ein Ausdruck des kulturellen Auseinanderdriftens von Stadt und Land ist. Wenn die nachhaltige Innovation für die Lösung eines gewichtigen sozialen Problems in den Großstädten Sachsens aus einer Kleinstadt in der Oberlausitz käme, wäre dies insofern ein wichtiges Signal und würde zu mehr Wertschätzung des ländlichen
Aber in der Landeshauptstadt scheint man über die Talwände kaum hinausschauen zu können. So kann es aber passieren, dass die aktuellen Finanzprobleme jede Zukunftsvision für Niesky zunichtemachen – und bei allen Fortschritten beim Holzbau: Dieses lautlose Opfer haben Sie dann vollbracht.
Interessant wäre es zu wissen, wenn Sie die Holzbauinitiative fortsetzen wollen, ob Sie sich noch mit einigen Sachverhalten beschäftigen. Bisher wird nur über Weiterbildung im Bereich Holzbau gesprochen bzw. in diesem Fall berichtet. Wie steht es um die Ausbildung oder das Studium?
Eine andere offene Frage ist auch: Inwieweit und wie lange noch kann der Bedarf einer angekurbelten Holzbauwirtschaft aus nachhaltigen, bestenfalls heimischen, Quellen gedeckt werden? Und vor allem: Was kann die Politik tun, um Fehlentwicklungen – weltweit wird mehr Holz verbraucht als nachhaltig geerntet werden kann – nicht auch noch zu befeuern? Eine Möglichkeit wäre, ein gutes Vergabegesetz zu verabschieden, das diese Problematik im Blick hat, und die Gestaltung von Förderprogrammen dahingehend zu entwickeln, dass öffentliche Gelder nicht auch noch dazu beitragen, die weltweite Übernutzung von Wäldern zu befördern, und auf Holz aus Sachsen zu achten.
Man könnte auch den gesetzlichen Rahmen für mehr Kreislaufwirtschaft schaffen – der Bund – und die Investitionen in den Aufbau von Infrastruktur und das Know-how oder in die Bewusstseinsbildung für ein hochwertiges Recycling und zur stofflichen Weiterverwendung von Holzabfällen tätigen. Eine offene Problematik bleibt weiterhin das Thema Verbundwerkstoffe.
Deshalb bleibt mir an dieser Stelle nur, Sie darum zu bitten, sich diesen offenen Fragen in Zukunft zu widmen. Ansonsten wünschen wir viel Erfolg bei der Fortsetzung.
Mertsching sprach für die Fraktion DIE LINKE. Wir können jetzt eine zweite Rederunde eröffnen, wenn seitens der Fraktionen noch Redebedarf vorherrscht. – Das sehe ich nicht. Dann übergebe ich jetzt an die Staatsregierung, Herrn Staatsminister Schmidt. Bitte schön, Herr Staatsminister.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herzlichen Dank für den vorliegenden Antrag; denn im Holzbau wurde in Sachsen einiges auf den Weg gebracht, was das SMR umsetzen durfte. Aber ohne die Unterstützung des Sächsischen Landtags, die bereitgestellten Mittel, die Initiativen – es ist nicht der erste Antrag
Es wurde bereits im Koalitionsvertrag der Auftrag formuliert, in Sachsen ein Holzbau-Kompetenzzentrum zu etablieren. Dieser Aufgabe ist das SMR mit der Unterstützung des Aufbaus der Holzbau-Kompetenz Sachsen GmbH, kurz HKS, im Jahr 2021 nachgekommen. Seit ihrer Gründung hat sich die HKS inzwischen hervorragend etabliert, sodass man in Sachsen in Sachen Holzbau nicht mehr an dieser HKS vorbeikommt.
Das geschah aber immer nach dem Grundprinzip, Entwicklungen zu unterstützen, die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln und dadurch neue Synergien zu heben, und nicht alles vorzugeben und so regionale Initiativen zu behindern oder zu ersetzen. Das war letztendlich das Erfolgskonzept, was in anderen Bundesländern oder auch im Ausland inzwischen mit großem Respekt gesehen wird.
Neben einer Vielzahl von Veranstaltungen, mit denen in der Öffentlichkeit für das Bauen mit Holz geworben wurde und der Durchführung von Fachberatungen und Ganztagsseminaren zu holzbaubezogenen Themen hat die HKS eine berufsbegleitende Fortbildung Fachingenieur/Fachplaner für Holzbau zur Vermittlung praxisorientierten Fachwissens konzipiert.
So soll künftig in größerem Umfang der Bau von auch mehrgeschossigen Gebäuden aus Holz gefördert werden.
Sehr gern erinnere ich mich an den bereits durch Herrn Löser erwähnten 1 Sächsischen Holzbautag – der zweite wird bald folgen –, der im vergangenen Jahr durch die HKS organisiert wurde. Aufgrund des außerordentlich positiven Echos findet nun eine Fortsetzung statt. Am 19. April wird der 2. Sächsische Holzbautag folgen.
Wie bereits einleitend gesagt, arbeitet die HKS dabei nicht nur an einem einzigen Standort in Sachsen. Vielmehr geht es darum, verschiedene Orte im Freistaat in puncto Holzbau zu vernetzen. So engagiert sich die HKS wie bereits erwähnt in Leipzig, aber auch in Niesky und an vielen anderen Orten im Lande.
Frau Mertsching, ich möchte an dieser Stelle sagen: Es wurde am Anfang immer daraus geschlossen, es werde irgendwohin ein Haus gebaut, aber es ist ein Kompetenzzentrum. Dort sollen Kompetenzen gebündelt, regionale Initiativen unterstützt und Wissenstransfer gefördert werden. Es ist nun einmal in Leipzig die Initiative entstanden, ein Holzbauforschungszentrum zu etablieren. Im InnovationsPark Bautechnik, gleich neben dem Carbonbetontechnikum
wird diese Halle nun errichtet – man kann sie schon sehen –, die inzwischen fast 1 000 Quadratmeter misst. Dort sollen zukünftig moderne Verfahren für den Holzbau experimentell erprobt werden.
Dieses einzigartige Forschungsprojekt verknüpft das Handwerk mit digitalen Methoden und additiver Fertigung.