Protocol of the Session on March 21, 2024

Es gibt in Sachsen noch weitere spannende Projekte. Sie sind gerade angesprochen worden. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgen alle Interessierten in diesem Bereich das

Holzhochhaus, das gerade in Leipzig-Paunsdorf mit sehr vielen Etagen entstehen soll und das überwiegend als Sozialwohnungsbau geplant wird. Anderswo auf der Welt, zum Beispiel in Norwegen oder in Österreich, sind Hochhäuser mit Holztragwerken schon länger etabliert. Für uns in Deutschland ist das noch nicht alltäglich. Umso mehr freue ich mich, dass wir in Sachsen damit jetzt deutlich vorangehen.

Holzkonstruktionen eignen sich in ganz besonderer Weise auch für die Vorfertigung von Elementen, also von ganzen Decken oder Wänden, die komplett mit allen gewünschten Oberflächen, seien es Fliesen oder gespachtelte Platten und mit den nötigen Installationen für Kabel oder Wasserleitungen bis hin zu Fußbodenheizungen, vorgefertigt auf die Baustelle gebracht werden und dann in kürzester Zeit montiert werden können. Hier in Dresden haben wir das am Schilfweg mit einem Schulgebäude ausprobiert, das dringend als Ausweichstandort für die Sanierung anderer Schulen benötigt wurde. Und das hat sehr gut geklappt. Es ist nicht nur vorzeitig fertig geworden, sondern die Architektur und die Qualität der Innenräume sind sehr ansprechend und überzeugend.

Neben Holz als Material für tragende Strukturen, aber auch im Ausbau für Bodenbeläge oder ganz klassisch für Fenster oder Türen, möchte ich noch auf eine andere wichtige Materialgruppe eingehen, nämlich nachwachsende und naturnahe Baustoffe wie Stroh, Lehm oder Hanf. Einzeln oder auch in sinnvoll gewählten Kombinationen können sie für die Wärmeisolierung oder den Ausbau von Gebäuden eingesetzt werden. Das Potenzial dieser Baustoffe muss dringend aus der Nische geholt werden, in der sie bis jetzt noch steckt. Wir verwenden zurzeit – das kennen Sie – für den Trockenbau vor allem Gipskartonplatten oder Dämmstoffe aus erdölbasierten Rohstoffen, die in der Herstellung vor allem energieintensiv sind und am Ende ihrer Lebenszeit als Sondermüll Probleme bereiten und auf Deponien landen. Das kann man heutzutage mit Trockenbauplatten aus Lehm und Dämmungen aus Holzwolle und Hanffasern ersetzen. Auf der Baumesse letzte Woche hier in Dresden waren zahlreiche erprobte Anwendungen des sächsischen Handwerks zu sehen.

Wir BÜNDNISGRÜNE wollen diese Bauwende, eine Ausrichtung der Bauindustrie beim Neubau und der Sanierung dieser Bestände auf Klimaneutralität und den Schutz unserer Lebensgrundlagen. Natürlich bedeutet das, dass wir uns von mancher Gewissheit der Vergangenheit und Gegenwart abwenden müssen, um Ressourcen mit Weisheit zu verwenden und negative Folgen, zum Beispiel Bauschutt als Sondermüll, nicht auf kommende Generationen abzuwälzen. Es bedeutet aber auch eine fortwährende Evaluation unserer Bauweise. Wenn man den Begriff der Bauwende nicht mag, kann man gern von Bauevolution oder von Baurevolution sprechen.

Erst vor wenigen Tagen durfte ich an der Preisverleihung des Sächsischen Baupreises für das Bauen der Zukunft teilnehmen. Nachhaltig, innovativ und zirkulär waren die Leitkriterien für viele wirklich beeindruckende Ideen aus ganz

Sachsen. Unter anderem wurde ein neu entwickelter Verbundziegel vorgestellt, der komplett aus Ziegelbruch – also aus alten Ziegelsteinen, die zerhackt werden – gebildet wird und die gleichen Anforderungen wie der Originalziegel erfüllt. In dieser Richtung müssen wir weiterkommen und deshalb haben wir den vorliegenden Antrag eingebracht. Wer schon einen Blick in die Stellungnahme der Staatsregierung geworfen hat, konnte sehen, dass vieles schon auf einem guten Weg ist. Ich werbe deshalb um Zustimmung für unsere Initiative. Halten wir das Thema weiter auf der Agenda und geben wir der Sache Rückenwind.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der CDU)

Kollege Löser sprach für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Kollege Winkler spricht nun für die SPD-Fraktion.

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine Vorredner haben zu diesem Antrag schon alles gesagt: zum Holzbau in Sachsen, zu dieser Initiative der Koalition, den Holzbau weiter voranzubringen und dafür noch bestehende Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um in die Zukunft zu blicken; denn Holz hat Zukunft. In Zukunft wird Holz nicht nur als Baumaterial betrachtet, sondern als eine zentrale Säule der nachhaltigen Bauweise und des innovativen Designs. Der Holzbau wird zum Synonym für Fortschritt, Ästhetik und Umweltverträglichkeit. In dieser Zukunft sind die Möglichkeiten des Holzbaus nahezu unbegrenzt. Wir werden mehr Hochhäuser aus Holz sehen, die nicht nur durch ihre imposante Architektur, sondern auch durch ihre Nachhaltigkeit und ihre geringen CO2-Emissionen beeindrucken. Diese Gebäude sind nicht nur technische Meisterwerke, sondern auch Orte des Lebens, der Arbeit, der Begegnung, die Menschen auf der ganzen Welt inspirieren und verbinden.

Neben den Hochhäusern werden auch kleine Gemeinden und ländliche Gebiete vom Holzbau profitieren. Hier entstehen charmante Holzhäuser, die sich harmonisch in die natürliche Umgebung einfügen oder ein Gefühl von Geborgenheit und Nachhaltigkeit vermitteln. Diese Häuser sind nicht nur energieeffizient, sondern auch gesundheitsfördernd und bieten ihren Bewohnern ein Höchstmaß an Lebensqualität.

Auch im öffentlichen Raum und in der Infrastruktur finden sich immer mehr Holzkonstruktionen – das ist schon durch meine Kollegen genannt worden –, die durch ihre Vielseitigkeit, Langlebigkeit und Ästhetik überzeugen. Darüber hinaus wird der Holzbau in dieser Zukunft auch eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Durch die Verwendung von Holz als nachwachsendem Rohstoff können wir nicht nur CO2 speichern, sondern auch den Einsatz von nicht erneuerbaren Ressourcen redu

zieren, um letztendlich einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder ist daher entscheidend, um sicherzustellen, dass genügend Ressourcen für den Holzbau zur Verfügung stehen, ohne die Ökosysteme zu gefährden.

Als Sozialdemokrat betrachte ich den Holzbau nicht nur als eine Bautechnik, sondern als einen zentralen Baustein für eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft. Was kann der Holzbau dazu beitragen? Ich nenne ein Beispiel: bezahlbares Wohnen für alle. In einer Zeit, in der bezahlbarer Wohnraum zunehmend knapp wird, wenn viele Menschen unter hohen Mieten und Wohnungsnot leiden, ist es von entscheidender Bedeutung, kostengünstige Lösungen zu finden. Der Holzbau bietet die Möglichkeit, Wohnraum schnell, effizient und kostengünstig zu errichten, was dazu beitragen kann, den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken und soziale Ungleichheiten zu verringern.

(Beifall bei der SPD)

Zum Beispiel schafft die Förderung regionaler Wertschöpfung und Beschäftigung im Holzbau Arbeitsplätze, Einkommen in ländlichen Gebieten und trägt zur

wirtschaftlichen Entwicklung und Stärkung lokaler Gemeinschaften bei. Durch den Einsatz von regionalem Holz und die Unterstützung lokaler Unternehmen können wir die regionale Wertschöpfung steigern und die Lebensqualität der Menschen vor Ort verbessern.

Innovation und Forschungsförderung ist ein weiteres Beispiel. Als Sozialdemokraten glauben wir an die Bedeutung von Innovation und Forschung für eine fortschrittliche Gesellschaft. Der Holzbau bietet viele Möglichkeiten für technologische Weiterentwicklung und Innovationen sowohl im Bereich der Baumaterialien als auch der Bauverfahren. Indem wir Forschung und Entwicklung im Bereich des Holzbaus fördern, können wir die Effizienz und Leistungsfähigkeit des Holzbaus weiter verbessern und neue Standards setzen.

Insgesamt bietet der Holzbau also eine Vielzahl von Möglichkeiten, um unsere sozialen und ökologischen Ziele zu erreichen. Indem wir verstärkt auf den Holzbau setzen und seine Potenziale voll ausschöpfen, können wir dazu beitragen, Sachsen ein Stück weit gerechter, nachhaltiger und lebenswerter zu machen. Schauen Sie sich die bereits realisierten Projekte des Freistaates in Holzbauweise, die schon genannt wurden, an, demnächst auch die im Bau befindlichen weiteren Modellprojekte. Sie werden sehen: Der Holzbau vereint Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Mit der Holzbauinitiative und dem Holzbaukompetenzzentrum werden wir den Holzbau in Sachsen weiter voranbringen. Ich bitte deshalb um Zustimmung zu unserem Antrag.

(Beifall bei der SPD, der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN)

Kollege Winkler sprach für die SPD-Fraktion. Nun spricht für die Fraktion der AfD Kollege Hein. Bitte schön.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen Abgeordnete! Wir als AfD-Fraktion begrüßen den Holzbau.

(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ach!)

Zu den allgemeinen Vorzügen wurde dankenswerterweise vieles von meinen Vorrednern bereits gesagt. Der Startschuss für die Holzbauinitiative fiel im Dezember 2020 hier im Landtag. Ein Satz ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Staatsminister Schmidt sagte damals – ich zitiere –: „Am Ende wird es nur erfolgreich sein, wenn wir für den Holzbau Begeisterung wecken.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Laut der Staatsregierung wurden im Jahr 2023 zwar 20 Beratungsanfragen an das Holzbaukompetenzzentrum gestellt. Ob oder wie viele hauptsächlich durchgeführt wurden, bleibt nebulös. Oder der Podcast „Alles Holz“: Ausgaben in fünfstelliger Höhe für magere 1 850 Zugriffe sind jedenfalls kein Erfolg. Das Holzbaukompetenzzentrum kostet jährlich mehr als eine Dreiviertelmillion Euro. Dafür sind uns die Ergebnisse zu mager. Es besteht dringender Handlungsbedarf, der aber in Ihrem Antrag nicht erwähnt wird.

Sachsen kann nur etwa zwei Drittel seines erntefähigen Holzes nutzen. Die großen Vorräte akkumulieren sich in den älteren Fichtenbeständen, und die sind für Borkenkäfer, Schneebruch und Windwurf besonders anfällig. Das ist nichts Neues; das ist seit mindestens einem Jahrzehnt bekannt. Daran wird die Holzbauinitiative auch nichts ändern. Es fehlt an Kapazitäten entlang der gesamten Holzwertschöpfungskette – im Einschlag bis zur Veredlung. Werter Kollege Flemming, es war Ihre CDU, die die Forstpolitik seit der Wiedervereinigung bestimmte in diese Fehlentwicklung weitgehend tatenlos beobachtete.

(Sören Voigt, CDU: Das passt nicht!)

Moment: – seit der Wiedervereinigung bestimmte und diese Fehlentwicklung weitgehend tatenlos beobachtete.

(Ah-Rufe von der CDU, den LINKEN und den BÜNDNISGRÜNEN)

Man möge mir meine fehlerhafte Betonung verzeihen.

Andere Bundesländer haben das besser gemacht, Herr Gebhardt. 2018 verschlechterte die Borkenkäferplage abermals die Situation.

Eine erfreuliche Entwicklung gibt es aber dennoch: Der Anteil forstbetrieblich bewirtschafteter Flächen ist sprunghaft angestiegen. Die Zusammenfassung der Holzernte und der Angebotsmengen ruft nach Professionalisierung und größeren Verarbeitungseinheiten. Es braucht Investitionen in die Holzwertschöpfungskette, zu denen die Unternehmen grundsätzlich bereit sind. Aber dafür braucht es Planungssicherheit.

Großtechnik amortisiert sich erst nach mehreren Jahrzehnten. Wenn ein Unternehmen nicht mit einem stabilen Holzangebot über Jahrzehnte rechnen kann, verschuldet es sich weder für ein Sägewerk noch für Holzerntemaschinen und

Technik und schon gar nicht für Holzbaufertigungsstätten. Diese Sicherheit bekommen die Unternehmen nicht von der EU-Kommission – denn die will mit ihrer Biodiversitätsstrategie noch mehr Flächen stilllegen und noch mehr Bewirtschaftungseinschränkungen verhängen – und auch nicht von der Bundesregierung.

Schaut man in den Entwurf des neuen Bundeswaldgesetzes, sieht man Vorgaben für die Baumartenwahl, die Herabstufung der Holzproduktion, die Einschränkung der waldbaulichen Entscheidungsfreiheit und mal wieder viel mehr Bürokratie. Die Holznutzung wird – gemessen an den Potenzialen – weit dahinter zurückbleiben, wenn die grüne Ideologie von CDU und SPD weiter mitgetragen wird. Wo die GRÜNEN Macht ausüben, geht es abwärts, ob im Bund oder im Land, ob Habeck als Wirtschafts- oder Özdemir als Landwirtschaftsminister oder unser – leider ist er nicht da – Staatsminister Günther in der Forstwirtschaft.

Schlusswort:

(Heiterkeit bei allen Fraktionen)

Es herrscht – Ja, das Schlusswort halte ich gleich selbst. Es herrscht Uneinigkeit in der Regierung.

(Unruhe im Saal – Glocke des Präsidenten)

Das Chaos bei einer Holzbautagung im letzten Monat spricht Bände. Sowohl Minister Duligs Haus als auch Minister Schmidts Regionalministerium wollten die Holzwirtschaft im Erzgebirge voranbringen. Wegen inhaltlicher Befindlichkeiten sagte Minister Günther – leider ist er nicht da – nicht nur seine Teilnahme ab, sondern verbot sogar seinen Ministeriumsmitarbeitern und dem Sachsenforst die Teilnahme und Unterstützung. Wie ein beleidigtes Kind schlägt der Minister um sich, wenn es einmal nicht nach seiner grünen Pfeife geht. Es ist kein Geheimnis, dass Minister Günther statt der Steigerung der Holzwirtschaft lieber Luchse, Moore und Windräder im Erzgebirge haben möchte.

(Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE)

Was wollen Sie Ihren Enkeln später sagen, Herr Gebhardt? – Wir haben euch einen schönen bunten Wald gepflanzt, ihr könnt Raubtiere beobachten und Moorwanderungen machen, aber die Balken und Bretter für eure Häuser müsst ihr euch aus den Raubbaugebieten im Ausland holen.

(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Das ist jetzt ein bisschen Quatsch!)

Das ist grüne Umwelt- und Wirtschaftskompetenz.

Ich gebe den GRÜNEN keine Schuld, sie verfolgen nur ihre Ideologie, aber Ihnen, werte CDU-Kollegen, schon. Nur mit Ihrer Hilfe kann diese Partei den Landbewohnern, von denen sie nicht gewählt wurden, den Willen ihrer grünen Großstadtwähler aufzwingen. Solange Sie mit Brandmauern statt mit Sachpolitik regieren, debattieren wir weiter über eine Handvoll staatlicher Holzbauten

(Zuruf des Abg. Sören Voigt, CDU)

sie wurden genannt, schön –, teure Seminare und Vernetzungstreffen, aber nicht über die Begeisterung im Holzbau und eine florierende Holzwirtschaft.

Der Stärkung des Holzbaus und der Idee der Holzbauinitiative können wir trotzdem etwas abgewinnen. Wir werden uns deshalb bei der Abstimmung enthalten.