Protocol of the Session on January 31, 2024

Ich rufe auf

Tagesordnungspunkt 16

Beschlussempfehlungen und Berichte der Ausschüsse

Sammeldrucksache –

Drucksache 7/15642

Die AfD-Fraktion hat Aussprachebedarf zur Beschlussempfehlung und den Bericht des Ausschusses für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zum Antrag in der Drucksache 7/13867 mit dem Thema „Kinderschutz stärken, Pubertätsblocker und Werbung für Geschlechtsumwandlung untersagen“ angekündigt. Das Präsidium hat eine Redezeit von insgesamt 10 Minuten je Fraktion sowie Staatsregierung festgelegt. Das Wort ergreift zuerst Herr Kollege Prantl von der AfD-Fraktion.

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen Abgeordnete! Chaos der Hormone, Chaos der Gefühle und ein Körper, der sich massiv verändert. Die Pubertät verwandelt Leib und Seele in eine große Baustelle.

In keiner anderen Lebensphase verändert sich ein Mensch so schnell und so sehr wie in der Pubertät und in keiner anderen Phase des Lebens ist das Thema der eigenen Identität präsenter als in der Pubertät. Aber der Übergang in das Erwachsenenleben kann mit großen Schwierigkeiten und auch mit großem Leid verbunden sein. Wenn Jugendliche

die Empfindungen haben, im falschen Körper zu leben, nennt man das dann Geschlechtsdysphorie.

Glücklicherweise ist eine Geschlechtsdysphorie bei Heranwachsenden in den allermeisten Fällen nur ein vorübergehendes Phänomen. Laut Studien dauert diese in bis zu 15 % der Fälle an, das heißt, in 85 % der Fälle versöhnen sich die Kinder von selbst wieder mit ihrem Körper.

Fakt ist: Pubertätsblocker verhindern diese Aussöhnung in den meisten Fällen, wie wir aus wissenschaftlichen Auswertungen wissen. Pubertätsblocker verhindern, dass sich mit der beginnenden Pubertät die sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln können. Befürworter von Pubertätsblockern behaupten, dass Jugendliche damit angeblich die Zeit gewinnen, um sich darüber klar zu werden, ob sie wirklich im anderen Geschlecht leben wollen. Aber das, meine Damen und Herren, ist ein gefährlicher Irrglaube; denn mit der Einnahme von Pubertätsblockern gehen die Kinder fast zwangsläufig den Weg zu einer Geschlechtsumwandlung, was wir Ihnen anhand einiger Zahlen zeigen werden.

Das sagt zum Beispiel auch der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Alexander Korte, der seit fast 20 Jahren – zwei Jahrzehnte lang – Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsdysphorie behandelt. Sein Fazit ist Folgendes – ich zitiere –: „Früher lag der Anteil derjenigen, die bei dem Wunsch nach körperverändernden Maßnahmen blieben, bei 15 bis 20 Prozent. Seit Pubertätsblocker gegeben werden, liegt dieser Anteil bei nahezu 100 Prozent.“

100 %! Das ist fast eine Versechsfachung von Geschlechtsumwandlungen, und zwar, seitdem Pubertätsblocker zum Einsatz kommen. Was muss also die logische Schlussfolgerung aus dieser alarmierenden Zahl sein? Pubertätsblocker sind riskant, sie sind gefährlich, sie gehören verboten. Punkt.

(Beifall bei der AfD)

Wir fordern Sie auf: Setzen Sie sich im Bundesrat für den Schutz unserer Kinder ein!

Werte Kollegen! Pubertätsblocker sind kein unbedenklicher An- und Ausschalter, mit dem man eine Pubertät stoppen und später einfach wieder ankurbeln kann; im Gegenteil, die Substanzen wirken auf das komplexe und sensible menschliche Hormonsystem ein, und sie bringen immense Nachteile körperlicher Veränderungen von Dauer mit sich.

Wie in der Sachverständigenanhörung im Ausschusses für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt eindrucksvoll dargestellt worden ist, greifen diese Substanzen auch direkt in Gehirnvorgänge ein. Es ist nicht auszuschließen, dass der Gabe von Pubertätsblockern erhebliche Nebenwirkungen folgen.

Beachten wir bitte auch die Erkenntnisse aus dem Ausland, die auf eine verringerte Knochendichte, eine verminderte Intelligenz, eine hochschnellende Suizidrate und eine verkürzte Lebenserwartung um 10 bis 20 Lebensjahre hinweisen.

Wir in Deutschland stehen bei der Anwendung noch am Anfang, wogegen andere Länder wie Schweden, Finnland, England, Australien und Teile der USA uns um Jahre voraus sind. Das Ergebnis ist dort: Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Pubertätsblockern wurde aufgrund fehlender Evidenz in puncto Sicherheit und klinischer Wirksamkeit inzwischen wieder stark eingeschränkt. Warum? Die Risiken sind zu groß, der Nutzen ist fast null. Das sind die Fakten. Daher dürfen Pubertätsblocker in diesen Ländern nur noch in klinischen Studien angewendet werden. Die alternative Lösung ist dort: Eine Behandlung von Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie erfolgt standardmäßig mittels Psychotherapie. Dagegen folgt der Gabe von Pubertätsblockern – wie gesagt – fast immer die Geschlechtsumwandlung.

Wir wollen unsere Kinder aber vor seelischen und körperlichen Schäden schützen, die sie für ihr gesamtes Leben sehr schwer zeichnen und die sie irgendwann bitter bereuen könnten. Das betrifft nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch deren Eltern und Großeltern. Wir wollen unsere Kinder vor späteren Operationen schützen, bei denen vollkommen gesunden Kindern – man muss sich das einmal live vorstellen – die Genitalien abgenommen, Brüste, Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt werden. Wir wollen unsere Kinder in der unsicheren Zeit der Pubertät nicht durch Regenbogenideologen in den Schulen verunsichern lassen, welche ihnen fatale unumkehrbare Entscheidungen einreden.

(Zuruf des Abg. Markus Scholz, BÜNDNISGRÜNE)

Wir fordern Sie auf, dass Sie Ihre steuergeldfinanzierte Einflussnahme durch außerschulische private Träger kritisch prüfen und vorzugsweise komplett einstellen.

(Beifall bei der AfD)

Wer von Ihnen nun immer noch Ja zu Pubertätsblockern und der dahin gehenden Verunsicherung unserer Kinder sagt, der bekommt nochmals einige Fakten aus unseren Expertenanhörungen wiederholt;

(Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE)

Sie kennen das alles bereits. Sie wissen, dass die derzeitige transpositive Beratung dazu führt, dass sich in der Zeit von 2007 bis 2021 die Zahl der Geschlechtsoperationen bei den 15- bis 25-Jährigen von 54 auf 917 versiebzehnfacht hat. Mitverantwortlich dafür sind wiederum die niedrigschwelligen Manipulationsveranstaltungen, bei denen Minderjährigen Transgeschlechtlichkeit regelrecht eingeredet wird –

(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Quatsch!)

ein Thema, das Sie sonst vermutlich gar nicht interessiert hätte.

Hier findet also eine ideologisch motivierte und vollkommen verantwortungslose Beeinflussung von Kindern mit der Folge statt, dass diese in ihrer geschlechtlichen Identität künstlich stark verunsichert werden. Und das, meine Damen und Herren von der Staatsregierung, haben Sie für

Kinder in einem Lebensalter, in dem sie natürlicherweise mit ihrem Körper und ihrer Identität hadern, ganz bewusst auf den Weg gebracht und politisch beschlossen.

Bitte vergleichen Sie auch diese Fakten: 95 % der Kinder, die Pubertätsblocker erhielten, entschieden sich für eine Geschlechtsumwandlung; dagegen haben sich 85 % der Kinder, die keine Pubertätsblocker enthielten, mit ihrem natürlichen Geschlecht von selbst wieder ausgesöhnt.

(Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE)

So jedenfalls steht es in der Stellungnahme von Dr. Martin Voigt, der auch sagt, dass von 2009 bis 2019 – innerhalb von nur einem Jahrzehnt – die Bereitschaft zu Geschlechtsumwandlungen in einzelnen deutschen Medizinzentren um schwindelerregende 4 000 % hochgeschnellt ist. Auch das ist eine Folge der unverantwortlichen Verunsicherung und Beeinflussung,

(Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE)

wie sie unter anderem steuergeldfinanzierte außerschulische Vereine mit dem Segen einer CDU-geführten Regierung und dem Geld der Steuerzahler durchführen dürfen.

Werte Kollegen von der CDU, Sie haben hier die Regierungsmehrheit. Setzen Sie diesem ideologischen Irrsinn ein Ende, und schützen Sie unsere Kinder, soweit Ihnen das C wie christlich noch irgendetwas bedeutet.

(Beifall bei der AfD)

Werte Kollegen! Wir fordern mit unserem Antrag deshalb drei Dinge. Erstens: Psychotherapie statt Pubertätsblocker. Zweitens: Verbot der Pubertätsblocker für Minderjährige, und drittens: Stopp der ideologischen Manipulation unserer Kinder.

Ich möchte noch eine andere Sache klarstellen, nämlich, dass ein Verbot von Pubertätsblockern keine Einmischung der Politik in ärztliche Entscheidungen darstellt, sondern dass wir aufgrund ärztlicher Entscheidungen und wissenschaftlicher Erfahrungen aus anderen Ländern Schäden von Pubertätsblockern hier in unserem Land von Kindern fernhalten wollen. Unsere Kinder dürfen in ihrer unsichersten Lebensphase nicht mit gesundheitsschädlichen Pubertätsblockern behandelt werden, sondern sollen erst mit erlangter Reife, mit erlangter Vernunft, mit der Volljährigkeit darüber entscheiden dürfen, ob sie irreparable geschlechtsverändernde Entscheidungen an ihrem eigenen Körper treffen dürfen.

Ich bitte Sie deshalb sehr eindringlich, werte Damen und Herren, auf unsere Sorgen und Bedenken einzugehen und unseren Antrag zu unterstützen. Stimmen Sie unserem Antrag zu! Und keine Panik: Sie sollen das nicht für uns tun. Tun Sie das für unsere Kinder! Sie sind es den Schutzbefohlenen unserer Gesellschaft schuldig.

Vielen Dank.

(Beifall bei der AfD – Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Ich höre nur, wie es immer wieder hallt: Selbstbestimmungsrecht von Kindern! – Zuruf von der AfD: Das ist etwas völlig anderes!)

Für die CDU-Fraktion erteile ich jetzt das Wort Frau Kollegin Kuge.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Unabhängig von der Komplexität dieses Themas ist festzustellen: Transsexualität ist kein Phänomen, sondern real. Man kann Berichterstattungen und gewisse Darstellungen kritisch sehen, aber wir verwahren uns mit diesem Antrag dem zugrundeliegenden Gedanken, transsexuelle Menschen diskriminieren zu wollen.

Den Rest meiner Rede gebe ich sehr gern zu Protokoll.

(Beifall von der CDU – Roberto Kuhnert, AfD: Das ist doch gar nicht gesagt worden! – Zuruf von der AfD: So peinlich! – Weitere Zurufe von der AfD)

Hat die Fraktion DIE LINKE Redebedarf? – Das sehe ich nicht. Wünscht die Fraktion BÜNDNISGRÜNE das Wort? – Ja. Bitte, Herr Kollege Scholz.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist bereits spät, und wir tagen immer noch. Gut so, denn dieses Parlament ist ein Arbeitsparlament

(Heiterkeit bei den BÜNDNISGRÜNEN und der CDU)

mit Aktuellen Debatten, Änderungsanträgen zu Gesetzesinitiativen und eigenen Anträgen,

(Zuruf von der AfD: Zum Thema, bitte!)