Möchte Herr Sodann als Berichterstatter noch etwas dazu sagen? – Nein, das möchte er nicht. Nun wird den Fraktionen das Wort zur allgemeinen Aussprache erteilt. Es beginnt die CDU-Fraktion. Danach folgen AfD, DIE LINKE,
BÜNDNISGRÜNE, SPD und die Staatsregierung, wenn sie es wünscht. Ich erteile nun Herrn Abg. Fritzsche das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf setzen wir eines der zentralen hochschulpolitischen Vorhaben des Koalitionsvertrags um. Ziel dieser Weiterentwicklung ist es, die Berufsakademie Sachsen zu einer vollwertigen Hochschule weiterzuentwickeln, die damit gleichberechtigt neben den Universitäten, den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und den Kunst- und Musikhochschulen hier im Freistaat Sachsen bestehen soll.
Mit der Weiterentwicklung der BA zur Dualen Hochschule wird unsere sächsische Hochschullandschaft nicht nur erweitert, wir passen sie auch an die aktuellen Erfordernisse an. Die Berufsakademie Sachsen ist seit mehr als 30 Jahren nicht nur ein verlässlicher Partner für die sächsischen Unternehmen, sie sichert zudem wichtige Fachkräfte, und das insbesondere durch das duale Prinzip der Verknüpfung von akademischer Theorie und betrieblicher Praxis. An ihren sieben Standorten hier im Freistaat – in Bautzen, in Breitenbrunn, in Dresden, in Glauchau, in Leipzig, in Plauen und in Riesa – leistet sie eine hervorragende Arbeit und einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Gerade im ländlichen Raum sind die Standorte eine wichtige Säule der akademischen Ausbildung.
Mit dem Gesetzentwurf und der Umwandlung erhöhen wir die Sichtbarkeit der Dualen Hochschule und schaffen gleichberechtige Voraussetzungen in unserer Hochschullandschaft. Zudem steigt die Qualität des Studiums – davon waren auch die Sachverständigen in der Anhörung überzeugt. Die Zahl der Studentinnen und Studenten, die ihr Studium an der Berufsakademie absolvieren, steigt seit Jahren kontinuierlich an.
Am 1. April 2024 soll die Gründungsphase starten, die die Umwandlung der Berufsakademie Sachsen zur dualen Hochschule vorbereitet, und am 1. Januar 2025 soll die Duale Hochschule Sachsen kraft Gesetzes errichtet werden und ihren Regelbetrieb beginnen.
Damit erfüllen wir die Vereinbarungen, die wir uns gemeinsam in der Koalition im Koalitionsvertrag gesetzt haben. Dort heißt es: „Die Koalitionsparteien werden die Berufsakademie Sachsen schrittweise zur Dualen Hochschule Sachsen weiterentwickeln. Dabei sollen das eigenständige Profil mit einem dualen Studium und die Verbundenheit zur mittelständischen Wirtschaft erhalten bleiben, um Wissenstransfer in der Region sicherzustellen.“
Zur Umsetzung der Weiterentwicklung bedarf es neben einem Errichtungsgesetz – also dem Gesetz über die Duale Hochschule Sachsen – insbesondere einiger Anpassungen im Sächsischen Hochschulgesetz, um die Duale Hochschule Sachsen gleichberechtigt in die sächsische Hochschullandschaft zu integrieren, wobei ihr besonderes duales System berücksichtigt wird.
Zentrale Aufgabe der Dualen Hochschule Sachsen wird die Entwicklung, das Angebot und die Umsetzung dualer praxisintegrierender Bachelorstudiengänge – und in der Perspektive auch von Masterstudiengängen – sein, und zwar immer im Zusammenwirken mit dualen Praxispartnern nach dem Modell der bisherigen Berufsakademie. Das grenzt sie von den Hochschulen für angewandte Wissenschaften ab, die auch weiterhin ihre dualen Studiengänge – sofern sie sie anbieten – insbesondere, aber eben nicht nur ausbildungsintegrierend anbieten können.
Durch die Verleihung des Hochschulstatus wird dieser Form der dualen Bildung überregional und international Anerkennung verschafft; denn bei der positiven Entwicklung der Anerkennung der Berufsabschlüsse der Berufsakademie in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der derzeitige Status der Berufsakademie Sachsen für eine weitere Entwicklung nicht mehr ausreichend tragfähig ist. Daher diese Weiterentwicklung, zu der wir heute einen gesetzlichen Auftrag erteilen.
Mit dieser Weiterentwicklung wird das bisherige Studium aufgewertet, und es ermöglicht auch der sächsischen Wirtschaft, den Fachkräftebedarf noch zielgerichteter zu decken. Damit trägt es auch zur Weiterentwicklung unseres Freistaates sowohl als Wissenschafts- als auch als Wirtschaftsstandort bei.
Auch für die Absolventen bedeutet das eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Mit der Verleihung des Abschlusses als akademischen Grad werden sowohl der Studienform als auch den Absolventen dualer Studiengänge in Sachsen neue Perspektiven eröffnet. Auch für all diejenigen, die bereits ihr Studium absolviert haben, besteht natürlich die Möglichkeit einer relativ unkomplizierten Nachgraduierung ihrer bereits erworbenen Abschlüsse.
Für die Studierenden erschließen sich außerdem bessere Zugangsmöglichkeiten zu Studienkrediten, aber auch zu Stipendien und weiteren Programmen – beispielsweise des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, dem DAAD – sowie im Bereich des BAföG.
Ein weiterer wichtiger Punkt, auf den ich noch kurz eingehen möchte, war für unsere Fraktion bei der Umwandlung, die Attraktivität für qualifiziertes Lehrpersonal zu erhöhen. Die Gründe dafür sind, dass es bisher deutliche Verdienstunterscheide zu den bestehenden Hochschulen gibt und sich jetzt mit dem Gesetz Möglichkeiten zum eigenständigen Forschen ergeben, und zwar auch in Form der kooperativen Forschung, die wir hier im Gesetz festgeschrieben haben; denn Sachsen ist und bleibt das Land der Forscher und Denker. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf, der hochschulrechtlichen Gleichstellung und den hochschulischen Berufungs- und Einstellungsvoraussetzungen für das hauptberufliche Lehrpersonal wird dies sowohl als Pflicht als auch als Recht der Lehrkräfte verankert.
Dadurch wird in der Perspektive der Wissenstransfer vereinfacht, ebenso wie die Teilnahme an Forschungsförderprogrammen des Bundes und des Landes. Dies wird die Attraktivität dieser dualen Ausbildung in Form der akademischen Ausbildung weiter erhöhen, und zwar sowohl für das Lehrpersonal als auch für die im Mittelpunkt stehenden Studentinnen und Studenten.
Sachsen wird damit als Studienort insgesamt noch attraktiver. Wir wollen in der Perspektive das Kernland der dualen Hochschulausbildung werden und hoffen auf diesem Weg, auch Studieninteressenten von überall anzuziehen; ich denke, dass das tatsächlich ein Erfolgsmodell für Sachsen werden kann.
Uns ist wichtig, dass wir die bewährten Strukturmerkmale und die Studienkonzepte der BA bewahren, im Grundsatz weiterentwickeln und erfolgreich in die Zukunft führen.
(Langanhaltender Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD – Beifall des Staatsministers Sebastian Gemkow)
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich spreche hier nicht nur als Abgeordneter des Sächsischen Landtags,
Ich habe meine ersten Vorlesungen noch in Holzbaracken auf der Weinbergstraße und der Heideparkstraße halten dürfen. Trotz schwieriger räumlicher Ausstattung und technischer Anbindung in den Anfangsjahren waren schon damals der Leistungswille der Studenten und der erhöhte persönliche Einsatz durch das BA-Personal und die Lehrbeauftragten spürbar. Der unbedingte Leistungswille der Studenten führte häufig zu zusätzlichen unbezahlten Vorlesungen, weil der Wissensdurst groß war. Es haben sich viele davon einen Vorteil für das spätere Berufsleben versprochen. Dieser trat dann auch tatsächlich ein.
Gerade im Fachbereich Steuern und Prüfungswesen war sichtbar, dass bei der späteren beruflichen Karriere die häufig schwierige Steuerberaterprüfung zu meistern war und dort angestanden hat. Doch hier zeigte sich der Vorteil des dualen Studiums; denn die Kenntnisse aus der Praxis, die intensiven Vorlesungsinhalte und deren permanente Prüfung führten dazu, dass Absolventen der BA weitaus höhere Bestehensquoten hatten und haben – und das im speziellen Vergleich mit Absolventen von FHs und Unis.
Da ich das Glück hatte, auch in anderen Studienrichtungen zu unterrichten, beispielsweise in der Wirtschaftsinformatik und im Bankwesen, kann ich Erfahrungen aus der Verzahnung mit der Industrie und dem Bankwesen einbringen. Speziell in der Wirtschaftsinformatik war das Zusammenspiel von Theorie und Praxis sichtbar, da viele nicht nur sofort in den Unternehmen übernommen wurden, sondern selbst Unternehmen gründeten. Genau dieser Gründergeist ist heute notwendiger als jemals zuvor.
Viele meiner Absolventen sind heute in der Steuerberatung, der Wirtschaftsprüfung oder in Unternehmen tätig. Manche sind Bürgermeister, Politiker, Bühnenbildner oder Tanzlehrer. Mit einem Abschluss der BA kann man alles werden. Ab und zu schaue ich mir die News von German Tax Desk in London an – dort referiert ein ehemaliger Student in seiner Rolle als Senior Partner einer der größten Steuerkanzleien der Welt über die Irrungen und Wirrungen des deutschen Steuerrechts – oder ich treffe mich mit inzwischen erfolgreichen Unternehmern, welche für die gute Ausbildung immer noch dankbar sind. Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass die BA nun auch formell als vollwertiges Mitglied in die sächsische Hochschulfamilie aufgenommen wird.
Was zeichnet die BA oder bald Duale Hochschule besonders aus? Im Vergleich zu einem Studium an der Uni oder HTW wissen die allermeisten BA-Studenten worauf sie sich einlassen und warum sie genau dort studieren wollen. Sie entscheiden sich bewusst für ein Studium an der BA. Sie wollen ein kompaktes, strukturiertes Studium. Sie wollen eine enge Verzahnung von Praxis und Theorie. Die Anwesenheitspflicht wird nicht als Nachteil, sondern vielmehr als Vorteil für einen zügigen akademischen Abschluss gesehen. Für die sächsische Wirtschaft ist es ein absoluter Gewinn.
Anders als an den meisten Hochschulen kommen über 70 % der Studenten aus Sachsen, und sie bleiben später auch in Sachsen. Dazu kommt eine Vermittlungsquote von 90 %. Die Absolventen der BA sind nicht nur akademisch gut qualifiziert, praxiserfahren und zügig fertig, sondern sie sind als Fach- und Führungskräfte sofort vermittelbar. Welche andere Hochschule kann diese Quote im Durchschnitt erfüllen? Durch ihre Standorte in Bautzen, Breitenbrunn, Glauchau, Plauen oder Riesa werden junge Menschen auch außerhalb der großen Städte zum Bleiben im Freistaat animiert.
Ein Grund dafür, warum die BA so erfolgreich ist, ist die enge Verzahnung mit der sächsischen Wirtschaft und die Konzentration auf nachgefragte Studiengänge, und es gibt keine Fantasiestudiengänge im Gegensatz zu anderen Hochschulen. Eine immer stärkere Diversifizierung von Studienangeboten, ausgelöst durch die Bologna-Reform, birgt jedoch die Gefahr von Überspezialisierung, fehlender Vergleichbarkeit von Abschlüssen und Qualitätseinbußen. Das hat sogar die Staatsregierung erkannt.
Ich erinnere da an die SWOT-Analyse im Rahmen der Fachkräftestrategie 2030. Allerdings finde ich es bedauerlich, dass der Übergang vom allseits anerkannten Diplom hin zum Bachelor im Rahmen des Bologna-Prozesses an der BA erfolgte. Unser Studiengang Steuer- und Prüfungswesen war einer der letzten, die das Diplom aufgegeben haben, was ich persönlich stark bedauere. Während des Bologna-Prozesses war man daran interessiert, mit 210 statt 180 Credits als Intensivstudiengang anerkannt zu werden. Das wäre durch die vielen Studieninhalte berechtigt gewesen. Dies wurde jedoch nicht anerkannt und akkreditiert.