Würden wir tatsächlich umsetzen, was in Ihrem Antrag steht, wären diese Familien nicht nur weiterhin stärker von Armut betroffen, sondern auch stigmatisiert. In Wirklichkeit zielt Ihr Antrag nicht auf eine Beseitigung von vermeintlichen Nachteilen, denn für diese Nachteile für traditionelle Familien sind Sie jeden Beleg schuldig geblieben. Ihr Antrag zielt auf eine Stigmatisierung von allem, was davon abweicht, und das ist ein ganz wichtiger Unterschied.
Denn wie von Ihnen gefordert, ein positives Bild des Lebensentwurfs der traditionellen Familie als Lerninhalt geht gleichzeitig einher mit einer Abwertung anderer Entwürfe.
Niemand relativiert – wie Sie es schreiben – das Konstrukt aus Vater, Mutter, Kind. Das tut überhaupt niemand, das hat auch noch niemand von Ihnen hier nachweisen können. Aber Sie werten Konstrukte ab, und das kann für Kinder folgenreich sein. Wie mag es sich denn für einen Jungen anfühlen, dessen Vater die Familie verlassen hat und der gern in einer Mutter-Vater-Kind-Familie aufwachsen würde, wenn ihm im Kindergarten erklärt wird, dass dieses Modell, was er sich selbst oft wünscht und nicht bekommen wird, das einzig wahre ist? Und wieso muss eine Tochter, die von zwei Frauen großgezogen wird – mit viel Liebe und Empathie –, sich weniger wert fühlen als andere? Das müssen Sie mir erklären.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den von Ihnen so verteufelten Projekten. Ich würde gern wissen, wer von Ihnen schon einmal einen Träger dieser Projekte besucht hat und wer auch schon einmal an so einem Projekttag teilgenommen hat. Das würde mal ganz guttun. Nehmen wir zum Beispiel einmal den different people e. V. Chemnitz. Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, was die machen. Sie gehen an Schulen und reden mit Kindern und Jugendlichen darüber, dass es normal ist, verschieden zu sein – das, was Sie hier permanent leugnen. Gerade im ländlichen Raum kann das jungen Menschen sehr helfen; denn in Regionen, wo bis zum heutigen Tag gleichgeschlechtliche Paare noch immer mit Ausgrenzung bis hin zu körperlichen Übergriffen zu rechnen haben, ist es wichtig, Ermutigung zu erhalten und Hilfe zu bekommen.
Also, bitte! Es war abzusehen, dass das heute hier eine emotionale Debatte wird – und trotzdem bitte ich um Mäßigung, und zwar auf allen Seiten, aber besonders von mir aus auf der rechten.
Ich schlage vor, wir beruhigen uns jetzt alle wieder, und wenn es Sie so aggressiv macht, dass es Menschen gibt, die eine andere Meinung haben als Sie, müssen Sie darüber nachdenken, ob das Parlament dann der richtige Raum für Sie ist.
Ich sprach über Menschen, die im ländlichen Raum leben und sich dort nicht gleichgeschlechtlich liebend offen auf der Straße zeigen können, weil sie angefeindet und angegriffen werden,
(Zuruf von der AfD: In Berlin können Sie es erst recht nicht – im arabischen Viertel! – Oh-Rufe von mehreren Fraktionen – Zuruf der Abg. Sarah Buddeberg, DIE LINKE)
Eine solche Beratung für diese jungen Menschen als das Werk von Interessengruppen zu bezeichnen, zeigt ja schon, dass Sie das Thema sexuelle Identität gar nicht verstanden haben. Sie tun ja Homosexualität ab, als wäre es ein Spleen oder ein Hobby, was sich irgendjemand als eine Art Lifestyle aussuchen würde. Damit zeigen Sie deutlich, dass Sie noch Nachholbedarf im Bereich sexuelle Identität haben.
Nach der Wahl von Tessa Ganserer, einer Transperson, in den Deutschen Bundestag kommentierten viele Leserinnen und Leser von „TAG24“: Das ist beschämend und widerlich für die Deutschen. Wenn ich so etwas lese, dann werden wir noch sehr, sehr viele Projekte und Gespräche mit Kindern und Jugendlichen brauchen, damit eine Person, die in den Bundestag gewählt wird – und dazu das Recht hat wie jeder andere auch –, nicht als widerlich und beschämend bezeichnet wird.
Natürlich geht es in Sachsen um eine kind- und altersgerechte Sexualpädagogik, wie sie bereits jetzt im Sächsischen Bildungsplan im Kapitel Somatische Bildung verankert ist. Dort ist treffend formuliert: Der Umgang mit Geschlecht, kindlicher Körperscham und Sexualität sowie Akzeptanz – – Jetzt fehlt mir tatsächlich das letzte Stück vom Zettel.
Es soll im Großen und Ganzen darum gehen, dass Kinder lernen, mit Verschiedenartigkeit umzugehen, und dass sie Festigkeit bekommen; dass sie als gesicherte, als gefestigte Menschen durch diese Welt gehen können – egal, für welche Art der Sexualität sie sich eines Tages entscheiden.
Was ziemlich schräg an Ihrem Antrag ist – das hat auch der Kollege Gasse schon sehr schön herausgestellt –, ist, dass Sie einerseits sagen, man soll ja Kinder gar nicht so früh und in so einem Alter mit irgendetwas konfrontieren. Aber damit, dass es die einzig wahre ideale Traumfamilie Mutter, Vater, Kind gibt – damit soll man sie sehr wohl konfrontieren, nur eben mit allem anderen nicht, was es sonst noch auf der Welt gibt. Da sind Sie dann wirklich sehr kindlich. Sie sind so ein bisschen wie Kinder, die sich die Hände vor die Augen halten und sagen: Was ich nicht sehe, das gibt es nicht. Aber das gibt es doch, und das ist auch gut so!
den Weg geben. Wir haben bei uns im Kreisverband jemanden, der genau mit diesem Problem ein Leben lang kämpfen musste, sich eben im falschen Körper gefühlt zu haben – Mitglied der AfD. Diese Dame, mit der ich einige Gespräche geführt habe, hat klipp und klar gesagt, dass sie ab dem 13. Lebensjahr mit diesem Problem zu kämpfen hatte und mit dieser Umwandlung vom Mann zur Frau jetzt ihren Frieden zu finden versucht. Sie hat von uns maximale Unterstützung. Sie sagt aber auch ganz klar, dass man Kinderseelen – und darum ging es heute hier – in Frieden zu lassen hat.
Erst ab dem pubertierenden Alter ist es nur im Ansatz möglich zu überlegen, ob irgendwie etwas ein bisschen anders ist, als es vorgegeben wurde, und darum geht es. Lassen Sie die Kinder in Ruhe! Nur darum geht es. – Danke.
Vielen Dank. Es ist sehr auffällig, dass die AfD in letzter Zeit bei fast allen Reden gerade zu Themen, die Kinder betreffen, immer nur aus persönlicher Betroffenheit heraus argumentiert, und das macht die Sache natürlich sehr problematisch. Wir haben hier sehr viele Reden im Parlament gehört, wo es nur um die kleine Anna und den kleinen was weiß ich alles ging. Das ist weder statistisch besonders wertvoll, noch ist es irgendwie für eine parlamentarische Debatte besonders gut geeignet, so impressionistisch zu urteilen.
Es wird weitere geben, wenn das so weitergeht! Das ist jetzt hier so ein bisschen, als würde man gleich über die Bänke steigen und dann geht hier etwas los – deswegen wirklich! Und es sind meistens Männer, das muss ich dazusagen.
Frau Kliese, wollen Sie weitersprechen? – Gut, dann war das die Reaktion auf die Kurzintervention. Jetzt meine Frage: Gibt es weiteren Redebedarf? – Frau Jost für die AfD-Fraktion.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten! Ich will mal versuchen, dass wir das jetzt ein bisschen hier in Ruhe vielleicht noch zu
Ende bringen. Ich finde eigentlich – und das bestätigt unseren Antrag –, alles, was die Damen gesagt haben, ist natürlich sehr weit gefasst, wie Sie unseren Antrag verstehen; auch Herr Gasse. Natürlich sind die Lebensmodelle aller Menschen akzeptiert – wir leben ja nicht im Mittelalter – und es geht uns nicht um die Eltern und deren Lebensmodelle. Das kann jeder machen, wie er möchte, das ist grundgesetzlich verbrieft.
Es geht uns um die Kinder und ich will dann noch mal ganz deutlich sagen – vielleicht schweife ich ab, aber ich will das mal sagen; Sie haben verschiedene Aspekte benannt, aber darauf komme ich vielleicht zum Schluss noch einmal zu sprechen.
Kinderrechte ins Grundgesetz. Wir haben jetzt auch eine neue Initiative, weil Sie das noch einmal sehr breit gefächert aufgearbeitet haben. Wir bekommen auch die Abtreibung als Menschenrecht. Wir wissen schon, warum wir die Anträge stellen. Ich möchte noch einmal ganz deutlich sagen – aufgepasst: Laut dem Kitagesetz, um nochmals zu sagen, worum es wirklich geht –: Es sind Kinderkrippenkinder, also Einrichtungen bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres, und Kindergärten – vom dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt – und die Horte bis zur Vollendung der 4. Klasse. Das heißt, wir haben es hier ausschließlich mit vorpubertären Kindern zu tun.
Was bedeutet vorpubertär? Das heißt doch, dass die Geschlechtsreife noch nicht erreicht worden ist. Wir sprechen also über Kleinkinder und über Grundschulkinder. Ja, worum geht es? Um unsere Jüngsten. Und warum hat die AfD diesen Antrag gestellt? Erstens – ich hoffe Sie bleiben alle ruhig – kennen wir die links-rot-grüne Genderideologie, und die macht auch vor unseren Kindergärten keinen Halt.
Ich nenne Ihnen ein Beispiel: das Regenbogenportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Darin gibt es eine Themenseite zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt als Thema in der Kita. Hier ist die Rede von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung. Das hat nichts mit der Orientierung der Eltern zu tun. Wir reden über Kinder. Wir erinnern uns: Wir reden von Kindern im vorpubertären Alter. Auf dieser Seite, deshalb auch unser Antrag, wird explizit auf den Zusammenhang mit den Kitagesetzen der Bundesländer verwiesen, auf Beispiele aus anderen Bundesländern. Wie so eine Art der Vielfalterziehung in Kindergärten mit Projekten untersetzt wird, hat mein Kollege schon gesagt. Wir kennen es: SchLAu steht für schwul, lesbisch, bi, trans. Die Murat spielt Prinzessin, den Sexkoffer – das haben wir alles schon gesehen. Das kennt man alles.
Aber schauen wir uns an, was in Sachsen unterwegs ist. Man findet genügend Irrsinn, zum Beispiel das Modulprojekt „MUT“ bei der AGJF, vielfaltspädagogisch gegen Heterosexismus, #nichtneutral. – Sorry, ich weiß nicht, wer sich so etwas ausdenkt. Wir wissen auch – jetzt spanne ich den Bogen noch etwas weiter –: Das queerste Programm der GRÜNEN aller Zeiten. Jetzt komme ich noch einmal zu den Eltern. Sie wollen Personenstandsregister usw. erweitern. Wie heißt das bei Ihnen? Bei den LINKEN heißt