wo wir jetzt wissen, wo die Schüler im März 2021 nach Lehrplan ungefähr stehen. Da wird es die Schule geben, die ein Stück weiter zurück ist, die andere ist ein Stück weiter vorn, aber im Mittel sind wir im Lehrplan. Sonst können wir den Lehrplan auch zerreißen. Deshalb sollten wir das abfragen und nicht nur sagen, na ja, es reicht, wenn die Kinder mal ein bisschen Einblick in das Thema bekommen haben.
Das Zweite ist: Auch wir sehen eine Auswirkung des aktuellen Schulausfalls auf die Zukunft der Kinder, auf Berufsleben und Erwerbseinkommen. Antwort der Staatsregierung: Das wäre rein spekulativ. Gut, da gebe ich Ihnen etwas mit auf den Weg, eine Aussage vom ifo Institut. Ich zitiere: „Geht etwa ein Drittel des Schuljahres an Lernen verloren, so geht dies mit rund 3 bis 4 % Erwerbseinkommensminderung einher.“ Das können Sie dort nachlesen. Also, es gibt einen Zusammenhang. Das haben sich nicht die bösen Populisten von der AfD ausgedacht, sondern wirkliche Experten. Deshalb ist es wichtig, darauf noch einmal einzugehen.
Sie sagen, ja, der Ausfall der Betriebspraktika in den Schulen hat keinen Einfluss auf den Schulabschluss. Das ist völlig klar, aber wir möchten doch, dass die Kinder die richtige Entscheidung treffen, dass sie eintauchen, dass sie beim Bäcker, beim Landwirt, im Labor, wo auch immer sie hingehen, praktische Erfahrungen machen und sagen, genau in diesen Beruf steige ich ein. Deshalb wollen wir es auch in den Sommerferien oder im Sommer haben. Wir können da ein Konzept auf den Tisch legen, und letztes Jahr haben wir auch die Sommerschulen geschafft, meine Damen und Herren. Stellen Sie sich doch nicht so auf die Hinterbeine!
Was aber den Vogel ein wenig abschießt, Herr Piwarz, in der Stellungnahme der Staatsregierung: Sie schreiben: Die Verschlechterung der Lebensqualität der Kinder und der Sportausfall, das wäre rein spekulativ. Das steht so in Ihrer Antwort. Ich meine, wir als AfD denken uns den Bewegungsmangel der Kinder nicht aus, und wir könnten ja gemeinsam mit Ihrem sportpolitischen Sprecher, Herrn Rost, einmal eine gemeinsame Sportstunde machen, Herr Hahn, ich mit, wir vier, vier Männer, vier Disziplinen.
(Jan-Oliver Zwerg, AfD: Ich mache mit! – Staatsminister Christian Piwarz: Ich würde Herrn Hentschel noch mitnehmen!)
Herr Piwarz, dann wird das eine gute Sache, und dann werden wir herausfinden, warum der Sport so wichtig ist, oder wir lesen das in der COPSY-Studie vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf oder beim Landessportbund nach, meine Damen und Herren.
Wir haben mit unserem Antrag wesentliche Punkte zusammengestellt, um das Bildungsniveau nicht weiter absinken zu lassen. Bildung ist kein Glücksspiel. Geben Sie unseren Kindern eine faire Chance. Im Spiel „6 aus 49“ beträgt die Chance auf einen Mindesttreffer – ja, der muss jetzt sein – eins zu 31. Das kann nicht das Ziel in Sachsen sein. Bildung ist kein Glücksspiel. Stimmen Sie deshalb unserem Antrag zu.
(Heiterkeit bei Präsidentin – Zurufe von den LINKEN, der CDU und der AfD – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Du hast wieder Bilder im Kopf. Das musst du jetzt verdrängen! Verdrängen Sie das, Frau Vizepräsidentin!)
(Anhaltende Heiterkeit der Präsidentin – Heiterkeit bei der CDU und den LINKEN – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ich bin gespannt, was anschließend im Protokoll steht, was sie jetzt mitschreiben müssen!)
Ja, Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, es waren schon zwei lange Plenartage, die wir miteinander zugebracht haben. Das Sportbild geht mir nicht wirklich aus dem Kopf.
Das gebe ich ehrlich zu. Ich werde mal bei meinen Jungs vom American Football nachfragen, dann gäbe es, glaube ich, richtig Spaß.
Die andere Sache: Man kann darüber reden, ob das ausreichend war oder nicht. Wir haben uns viel Mühe gegeben: Lernplattform, nicht nur LernSax, Schullogin, OPAL Schule, BigBlueButton, edudip, wie die ganzen Dinge heißen. Wir haben uns bemüht, dort zusätzliche Angebote zu unterbreiten mit Sofatutor, mit naklar.io usw., und nach dem, was Sie gesagt haben, Herr Weigand, ärgere ich mich gerade, dass ich nicht selbst darauf gekommen bin: Ich hätte einfach nur Kreidetafeln anschaffen müssen.
Jetzt aber zum Ernst des Antrags, wobei: Ganz so ernst kann ich den nicht nehmen, weil – das hat Frau Leithoff schon gesagt – Sie eigentlich Ihren Antrag vom Juli letzten Jahres erneut eingebracht haben. Frau Melcher hat Ihnen damals eine Auffrischung in Mathematik im einstelligen Zahlenraum empfohlen. Ein paar Schnitzer haben Sie versucht auszumerzen. Sie haben noch einige weitere schulische Themen angedockt, aber wirklich zustimmungsfähig ist der Antrag doch nicht geworden.
Es steht ohne Zweifel außer Frage, dass die lange Zeit der Schulschließung zu Defiziten in der Wissens- und Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler geführt hat. Aber ob diese vollumfänglich kompensiert werden können, hängt entscheidend davon ab, wie der weitere Schuljahresablauf ist – ich will in Erinnerung rufen, dass wir ein sehr langes Schuljahr haben, bis Ende Juli – und zum anderen von der jeweiligen Klassenstufe und der Zeit, die bis zum Abschluss bleibt, die Lernlücken zu schließen.
Unser besonderes Augenmerk – darauf ist auch schon eingegangen worden – liegt daher von Anfang an auf den Abschlussklassen. Ihnen soll kein Nachteil für ihren weiteren Lebensweg entstehen; denn bereits zu Schuljahresbeginn wurden Themen benannt, die keine Schwerpunkte der zentralen schriftlichen Prüfungen sein werden. Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen sind seit dem 18. Januar bzw. dem 8. Februar wieder in den Präsenzunterricht zurückgekehrt, und sie sind es auch weiterhin, auch in den Landkreisen, in denen wir die Schulen für die anderen Schülerinnen und Schüler momentan wieder schließen mussten, und sie können sich auf den Unterricht in den Prüfungsfächern konzentrieren. So ermöglichen wir auch unter den gegenwärtigen Bedingungen eine angemessene Prüfungsvorbereitung.
Die landes- und bundesweite Vergleichbarkeit der Abschlüsse ist so gesichert, und das ist uns unwahrscheinlich wichtig. Bei einer teilweise dezentralen Aufgabenstellung wäre das nicht der Fall. Der Gesetzgeber sieht diese Möglichkeit auch nicht vor. Für die Abiturprüfungen wären zudem die Abstimmungen der Kultusministerkonferenz zu beachten. Ohne deren Zustimmung wird das Abitur nicht länderübergreifend und damit bundesweit akzeptiert. Außerdem müssen alle schriftlichen Prüfungen zentralen Vorgaben entsprechen. Dazu gehören Passfähigkeit der Aufgaben zu den Bildungsstandards, bestimmte Anforderungsniveaus und Prüfungsregularien, die die Länder im Rahmen der Kultusministerkonferenz ausgehandelt haben.
All dies einzuhalten wäre nicht möglich, wenn einzelne Aufgabenteile der schriftlichen Prüfungen dezentral gestellt würden, und im Ergebnis würden solche Prüfungen nicht anerkennt sein. Sie sehen, meine Damen und Herren, vermeintlich einfache Lösungen sind bei näherer Betrachtung oft kein gangbarer Weg.
Die Vorbereitungen für das kommende Schuljahr laufen – das will ich auch ganz deutlich sagen. Mit Blick auf die Abschluss- und Abiturprüfung im Jahr 2022 werden die Schulen zum Schuljahresbeginn weitere Hinweise zu Prüfungsschwerpunkten und -themen erhalten. Sie werden angepasst sein an die lange häusliche Lernzeit und tiefgreifender als für die Prüfung in diesem Jahr.
Mit der Rückkehr der Schülerinnen und Schüler an die Schulen erfolgte eine unterrichtsbegleitende Lernstandsermittlung, und sie erfolgt weiterhin. Daran orientiert sich in allen Fächern die weitere Unterrichtung. Das heißt, es wird zunächst eine gründliche Nachbereitung der häuslichen Lernprozesse und damit einhergehend eine Vorbereitung auf die nächste Lernzeit erfolgen.