Warum ist das so? - Wenn auch das Wissen über eine gesunde Ernährung zwar noch vorhanden ist, so fehlt es an der Umsetzung in die Tat. Das Lebensmittelangebot, das uns präsentiert wird, ist schlichtweg so unübersichtlich geworden, dass bei jedem Einkauf im Supermarkt ein neues Produkt im Einkaufswagen landet. Der Werbung ist es gelungen, die Produkte ansprechend zu verpacken oder mit vielversprechenden Zusatznutzen anzureichern, sodass wir dieser Versuchung kaum widerstehen können. Der Gang in den Supermarkt ist so reizvoll geworden, dass er vielfach zum täglichen Ritual im Tagesablauf gehört. Ein Leben von der Hand in den Mund im wahrsten Sinne des Wortes liegt mehr im Trend als Vorratshaltung.
So werden Kinder heute groß. Frühkindlich prägen sich diese Gewohnheiten ein, Essen immer und überall. Unsere Kinder lernen vom Vorbild ihrer Eltern. Es gibt ein Brötchen in die Hand, das Fruchtsaftgetränk in bunter kindgerechter Verpackung und einem Aufdruck „mit besonders viel Calcium“ dazu, und dann in der Quengelzone des Kassenbereichs noch eine kleine süße Überraschung. Wer greift da zu Hause noch zum Pausenapfel oder zum Becher Milch? Essverhalten wird frühkindlich geprägt und bleibt ein Leben lang; denn was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr. Das gilt für unser Essverhalten ganz besonders.
Jetzt kommen wir zur Schule. Da kommen wir mit unseren Erkenntnissen rund um die gesunde Ernährung und sagen: Die Schule soll es richten. Hier soll nun das gute Essverhalten erlernt werden. Hier sollen die Fehlentwicklungen erkannt werden, und hier wollen wir dem gestörten Essverhalten vorbeugend begegnen. Ich bin davon überzeugt, dass dies ein ganz wichtiger Ansatz ist; denn ein gesundes Essverhalten gehört wie das Lesen und Schreiben zu den Grundfertigkeiten eines jeden Menschen. Da uns die Kosten und auch die Folgen diverser Formen der Fehlernährung bekannt sind, sollten wir alles tun, damit die Menschen in unserem Land nicht nur die glücklichsten, sondern auch diejenigen sind, die bestens und gesund ernährt sind.
Aber es ist bereits einiges passiert. Verbraucherbildung steht in den Lehrplänen, und gesunde Ernährung ist Bestandteil des HSU-Unterrichts in der Grundschule. Im laufenden Schuljahr wurde das EU-Schulernährungsprogramm neu aufgelegt und an 126 Schulen in unserem Land eingesetzt. Zweimal wöchentlich erhalten diese Schulen kostenlos
Obst und Gemüse, um es an die Kinder zu verteilen. Verbunden wird dieses Projekt mit einer pädagogischen Begleitung. Die Kinder lernen etwas über die Herkunft der Lebensmittel, besuchen Bauernhöfe und bereiten ihr Frühstück gemeinsam vor.
Wenn dieses Projekt erfolgreich ist, kann es dazu beitragen, dass die Wertschätzung von Lebensmitteln verbessert wird. Genau das ist der zweite Aspekt unseres Antrags beziehungsweise unseres Vorhabens.
Nur wer sich mit der Produktion und Herkunft von Lebensmitteln befasst, der entwickelt ein Verständnis dafür und geht in der Regel wertschätzend mit unseren Mitteln zum Leben um. Bringen wir sie also auf den Geschmack.
Mit unserem Antrag bitten wir die Landesregierung, die Ergebnisse aus den Erfahrungen des EUSchulprogramms zu evaluieren, damit weitere Schritte zur gesunden Ernährung an Schulen abgeleitet werden können, wie es mit dem Koalitionsvertrag zugesagt ist. Daher bitte ich um Ihre Zustimmung zu diesem Antrag. Den Antrag der AfD lehnen wir deshalb ab, weil aus unserer Sicht das Problem
- ja. - nicht damit gelöst ist, weitere finanzielle Mittel bereitzustellen. Denn diejenigen Schulen, die sich für das Schulprojekt beworben hatten, konnten bedient werden. Jetzt sollten wir nach den Erfahrungen im Schuljahr weitere Schlüsse ziehen und dann das Thema auf die Tagesordnung bringen. Vielen Dank.
Vielen Dank. - Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der CDU ist zu verdanken, dass wir uns in diesem Hause einmal intensiv mit dem Schwein befasst haben. Heute geht es ums Obst.
Obst war ja schon immer ein treibender Faktor der Weltgeschichte. Wo wären wir, wenn Adam und Eva nicht von den Früchten vom Baum der Erkenntnis gegessen hätten? - Wahrscheinlich immer noch im Paradies.
Wo wäre Troja, wenn Eris nicht den Zankapfel unter die Götter geworfen hätte? - Es könnte immer noch stehen.
Zwischen dem Landvogt Gessler und Wilhelm Tell wäre es sich wahrscheinlich nie so eskaliert, wenn da kein Apfel im Spiel gewesen wäre.
Und schließlich soll Kaiser Marc Aurel seinen Adoptivbruder Lucius Verus vergiftet haben, indem er einen Apfel mit einer Messerklinge, die nur auf einer Seite mit Gift bestrichen war, in zwei Hälften schnitt und zu seiner Entlastung die eine Hälfte selbst aß.
Ich finde das in der Durchführung etwas schwierig, wenn man nicht selbst etwas von dem Gift abbekommen will. Aber ich will ja auch nicht Kaiser werden, meine Damen und Herren. Ich will ja nicht einmal adlig heißen.
Sie will, dass die Kinder und Jugendlichen wieder flink wie Kruppstahl werden und zäh wie ein Windhund und dass sie ihre Essgewohnheiten umstellen.
Zurzeit nehmen 126 Grundschulen und Förderzentren am EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch teil; weitere 17 können vermutlich einbezogen werden. Aber auf ganz Schleswig-Holstein bezogen müssen wir feststellen: Das Programm dient nicht dazu, in ganz Schleswig-Holstein hungrige Kinder satt zu machen. Es dient auch nicht dazu, in ganz Schleswig-Holstein übergewichtige Kinder schlank zu machen. Es hilft in einigen oder vielleicht sogar in vielen Fällen, für gesunde Ernährung
zu werben und sich mit landwirtschaftlichen Produktionsweisen zu befassen. Man wird den Verdacht auch nicht ganz los, dass es auch dazu dient, Agrarüberschüsse subventioniert abzubauen.
Ich frage mich, ob wir ein solches Programm, das vom Land in erheblichem Maße mit Personalkosten und zugehörigen pädagogischen Maßnahmen bezuschusst wird, tatsächlich brauchen. Einer kritischen Evaluation stimmen wir zu. Diesem haben wir, glaube ich, schon einmal zugestimmt. Die ist, glaube ich, ohnehin Beschlusslage, aber das schadet nichts.
Wichtiger finden wir aber einen anderen Punkt: Seit Jahr und Tag reden wir über die Notwendigkeit, Kindern in Schulen und Kindertagesstätten ein gesundes und bezahlbares Mittagessen anzubieten. Dieses Essen wird hoffentlich Obst und Gemüse in angemessener Form beinhalten. Hier anzusetzen, schiene uns der sinnvollere Weg zu sein, wenn es darum geht, satte und gesund ernährte Kinder in Schleswig-Holstein zu haben.
Nach unserer Überzeugung sollte sich die Diskussion auf diesen Aspekt konzentrieren und nicht auf ein eher kleines, verwaltungsaufwändiges Programm.
Meine Damen und Herren, damit Frau von SaynWittgenstein sich in unserer Gesellschaft nicht mehr gar so verlassen vorkommt, habe ich die restliche Redezeit den volkspolitisch wegweisenden Forderungen in der „Front deutscher Äpfel“ reserviert. Die lauten:
Erstens. Keine Überfremdung des deutschen Obstbestandes mehr! In der Vergangenheit wurden rein deutsche Obstsorten wieder und wieder durch das Aufpfropfen fremder Arten verunreinigt. Schluss damit!
Zweitens. Südfrüchte raus! Es kann nicht angehen, dass deutsche Kinder mit Bananen und Apfelsinen aufwachsen und den Nährwert eines guten deutschen Apfels oder einer reinen saftigen Birne nicht mehr zu schätzen wissen. Deshalb: Grenzen dicht für Fremdobst!
Drittens. Weg mit faulem Fallobst! Unter deutschen Bäumen lungert immer mehr faules Fallobst herum. Egal, ob es ehedem an deutschen Bäumen hing, muss es endlich wieder einer der Volksgemeinschaft nützlichen Verwendung zugeführt werden. Fallobst zu Mus!
Vielen Dank, Herr Kollege. - Das Wort für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat der Abgeordnete Bernd Voß.
Werter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Obwohl ich in der Gemeinde Wewelsfleth geboren bin, in der Henneke Wulf der schleswigholsteinische Wilhelm Tell beheimatet war, will ich mich nicht in den letzten Jahrhunderten verlieren, sondern in die allerjüngste Geschichte gehen, in die Geschichte der Küstenkoalition.
In der letzten Wahlperiode haben wir uns als Grüne dafür eingesetzt, dass sich Schleswig-Holstein am EU-Schulprogramm beteiligt.
Es gab viel Für und Wider in der Debatte. Bedenken gab es vor allem aufgrund des relativ hohen Verwaltungsaufwandes, der für die Inanspruchnahme der EU-Mittel erforderlich ist. Diese Bedenken waren auch nicht ganz unbegründet. Trotzdem freue ich mich, dass wir uns diesen Schritt nicht leichtgemacht, aber ihn umgesetzt haben. Das Programm wird gut angenommen. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichen aus. Jede Schule, die teilnehmen möchte, kann teilnehmen. Ich möchte betonen: Die Mittel haben ausgereicht. Wir haben daher einen Schwerpunkt gesetzt. Man muss sich immer wieder fragen, inwieweit es die richtige Botschaft ist, wenn Lebensmittel umsonst sind. Wir werden daher den Antrag der AfD ablehnen, denn die Forderung nach ausreichenden Mitteln erübrigt sich.
Fehlernährung und Bewegungsmangel sind häufig die Ursache für Übergewicht und damit verbundene Folgekrankheiten. Dieses Schulprogramm leistet einen wichtigen Beitrag. Es kann aber nicht allein die Probleme aus der Welt schaffen. Das haben die Vorrednerinnen und Vorredner deutlich gemacht. Es ist eine große, eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die auf unterschiedlichen Ebenen und breit angegangen werden muss. Wir brauchen mehr Aufklärung und Information über gesunde Ernährung, das wissen wir.