hen. Es ist ein besonderer Moment insbesondere fĂŒr diejenigen, die sich schon seit Jahrzehnten ihre eigene Pflegekammer wĂŒnschen. ZukĂŒnftig wird nicht mehr ĂŒber ihren Kopf hinweg entschieden.
Die Pflege wird sich selbst vertreten und ihre Angelegenheiten selbst regeln. Sie wird eine laute - das wĂŒnsche ich mir - und deutliche Stimme in politischen Prozessen haben. Sie wird bei wichtigen Entscheidungen und Gesetzen selbst gefragt werden mĂŒssen. FĂŒr uns GrĂŒne steht fest: Das ist auch dringend erforderlich.
Sehen wir uns einmal die aktuellen Zahlen an, liebe Kolleginnen und Kollegen: 90.000 PflegebedĂŒrftige sind es jetzt in Schleswig-Holstein. 100.000 PflegebedĂŒrftige werden es in fĂŒnf Jahren sein. Ăberlegen Sie einmal, wie lange eine Ausbildung zur Pflegefachkraft dauert. Dann wissen Sie, wie dramatisch diese Zahlen sind. 116.000 PflegebedĂŒrftige werden es in 15 Jahren sein. Parallel dazu gibt es immer weniger junge Menschen, die ĂŒberhaupt fĂŒr einen Pflegeberuf infrage kommen. Deswegen ist es richtig und wichtig, dass zukĂŒnftig die Pflege auf Augenhöhe mit Ărztinnen und Ărzten und Therapeutinnen und Therapeuten in politische Entscheidungsprozesse eingebunden wird.
Wenn es um Fragen zur Berufsordnung, zur Weiterbildung und vor allem zur Sicherung der QualitĂ€t in der Pflege geht, wird die Pflege zukĂŒnftig selbst mitberaten und mitentscheiden. Das ist gut fĂŒr die Pflege, und das ist auch gut fĂŒr die PflegebedĂŒrftigen.
Schleswig-Holstein richtet als eines der ersten BundeslÀnder eine Pflegekammer ein. Heute geht Schleswig-Holstein voran. Ich muss allerdings sagen: Rheinland-Pfalz war noch ein ganz kleines bisschen schneller als wir; das ist schade. Aber ich bin ganz optimistisch, dass auch andere BundeslÀnder folgen werden.
Es wurde diskutiert und es wurde gestritten, auch hier im Landtag. Gerade gab es ja eben noch einmal einen zaghaften Versuch. Die Argumente sind ausgetauscht. VerbĂ€nde, Gewerkschaften, Wissenschaft und Expertinnen und Experten haben ihre Stellungnahmen abgegeben. Wir haben das, was wir im Sozialausschuss diskutiert haben, in unseren Ănderungsantrag aufgenommen. Ich wĂŒnsche mir sehr, dass Sie vielleicht doch noch zustimmen, weil ich denke, dass wir uns alle gemeinsam fĂŒr die Pflege einsetzen wollen. Der heutige Vorschlag, der
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen ehrenamtlich engagierten PflegekrĂ€ften, insbesondere beim Landespflegerat, ganz herzlich fĂŒr das jahrelange Engagement bedanken. Die Pflegekammer ist seit Jahren unser gemeinsames Ziel. Der heutige Erfolg ist auch Ihr Erfolg. Mein Dank gilt auch meiner Sprecherkollegin Birte Pauls, meinem Kollegen Flemming Meyer sowie unserer Sozialministerin Kristin Alheit.
Die Pflegekammer ist kein Allheilmittel - da gebe ich Ihnen recht, liebe Kollegin Katja Rathje-Hoffmann -, aber sie ist eine riesengroĂe Chance. Lassen Sie uns jetzt, hier und heute diese groĂe Chance ergreifen! - Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Lassen Sie mich mit einem Zitat aus der Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft der freien WohlfahrtsverbĂ€nde beginnen. Diese Stellungnahme steht stellvertretend fĂŒr viele andere. Dort hieĂt es:
âUnser gemeinsames Ziel ist es, in Schleswig-Holstein heute und in Zukunft eine Pflege auf qualitativ hohem Niveau fĂŒr alle PflegebedĂŒrftigen anbieten zu können....
Wir haben den Gesetzentwurf anhand dieser Ăberlegungen geprĂŒft und sind zu dem Schluss gekommen, dass er
ganz entgegen der Intention des Gesetzgebers - die Gefahr birgt, die Situation der Pflegenden - und damit der Pflege insgesamt - zu belasten. Das erfĂŒllt uns mit Sorge.â
Ich glaube den Kolleginnen und Kollegen der Koalition sogar, dass sie eigentlich etwas Positives fĂŒr
Wir Freien Demokraten haben in den letzten Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass das jetzt vorliegende Pflegekammergesetz in keiner Weise die Erwartungen der in der Pflege BeschĂ€ftigten erfĂŒllt, dass keines der Probleme gelöst, sondern stattdessen weitere Probleme geschaffen werden. Gleiches hat die Regierungskoalition schwarz auf weiĂ in der umfangreichen schriftlichen Anhörung von mehr als 70 FachverbĂ€nden und -personen dokumentiert bekommen. Selbst in der mĂŒndlichen Anhörung waren die Experten klar in ihrer ablehnenden Haltung.
795 bei der Landtagsverwaltung eingegangene Schreiben von Einzelpersonen aus der Pflege, umfangreiche Unterschriftenlisten aus Pflegeeinrichtungen und Kliniken, die sich alle ausdrĂŒcklich von einer Pflegekammer mit Zwangsmitgliedschaft distanzieren, sprechen eine deutliche Sprache und lassen die angefĂŒhrte reprĂ€sentative Umfrage zur Farce werden.
Zieht die Regierungskoalition nun Schlussfolgerungen aus den vielen negativen RĂŒckmeldungen? Nein, ihr vielzitierter Dialog ist wieder einmal nur Rhetorik. Offensichtlich interessiert es Sie ĂŒberhaupt nicht, welche Sorgen die PflegekrĂ€fte zu den fĂŒr sie persönlichen Auswirkungen des Gesetzentwurfs haben, wie zum Beispiel die Zwangsmitgliedschaft und die Aberkennung des Pflegeexamens bei Nichtzahlung des Beitrags, dessen Höhe im Ăbrigen auch noch völlig unklar ist.
Die PflegefachkrĂ€fte zweifeln zu Recht, dass sich durch die Pflegekammer irgendetwas an den Rahmenbedingungen ihrer tĂ€glichen Arbeitsbelastung positiv verĂ€ndert. Es wird nicht mehr FachkrĂ€fte allein durch die Errichtung einer Kammer geben, und fĂŒr die Ausbildung ist die Pflegekammer auch nicht zustĂ€ndig. FĂŒr die wichtigen Fragen der Arbeitsbedingungen und Entlohnung sind weiterhin die Tarifpartner, also die Gewerkschaften und Arbeitgeber zustĂ€ndig. Und ich betone an dieser Stelle, dass wir die Tarifautonomie in keiner Weise eingeschrĂ€nkt wissen wollen.
Auch Sie, Frau Ministerin Alheit, frage ich, ob Sie sich ĂŒberhaupt ernsthaft fĂŒr die Probleme der Menschen in der Pflege interessieren, wie Sie in Ihren GruĂworten immer gern betonen.
Die Errichtung der Pflegekammer ist mit 730.000 ⏠und jÀhrliche Folgekosten sind mit bis zu 4 Millio
nen ⏠veranschlagt. In den Stellungnahmen sind sogar BetrÀge von bis zu 8 Millionen ⏠kalkuliert. Das Ganze ist also auf Schulden aufgebaut, die durch die spÀteren Beitragszahler refinanziert werden sollen, also durch die PflegekrÀfte.
Ich will aber auch nicht unterschlagen, dass es einige wenige kleinere BerufsverbĂ€nde gibt, die sich fĂŒr Kammer ausgesprochen haben, was allerdings paradox ist; denn erstens hĂ€tten diese VerbĂ€nde eine starke Lobby fĂŒr die Pflege werden können, und zweitens werden diese jetzt ĂŒberflĂŒssig, sobald es diese Kammer gibt. Warum also sind gerade diese VerbĂ€nde die glĂŒhendsten Verfechter einer Kammer?
Die Antwort ist ganz einfach, Herr Kollege Baasch. Rheinland-Pfalz macht es vor. Dort sind FunktionĂ€re gerade dieser VerbĂ€nde auf gut dotierte Positionen in der Pflegekammer gehoben worden. Von daher, Frau Pauls, glaube ich Ihrem Horoskop heute. Wir werden also sehr genau darauf achten, wie in Schleswig-Holstein die FĂŒhrungspositionen bei der Pflegekammer besetzt werden.
Damit die PflegekrĂ€fte genau dokumentiert bekommen, wer die Verantwortung trĂ€gt, beantragt meine Fraktion fĂŒr die Schlussabstimmung ĂŒber den Gesetzentwurf namentliche Abstimmung.
Die Kolleginnen und Kollegen des SSW erinnere ich gern noch einmal daran, dass sie sich immer gegen das Kammerwesen ausgesprochen haben, jetzt aber sogar eine Kammer fĂŒr abhĂ€ngig BeschĂ€ftigte einfĂŒhren wollen.
Ich appelliere an dieser Stelle noch einmal an alle Abgeordneten: Stoppen Sie diesen unsĂ€glichen Gesetzentwurf, und bleiben Sie bei den Worten der Kollegin Dr. Bohn: nichts ĂŒber den Kopf der PflegefachkrĂ€fte hinweg. - Vielen Dank.
Kollegin Pauls sehe ich die Dinge heute. Heute ist nĂ€mlich kein guter Tag, auĂer fĂŒr die Familie Hansen.
Sie sollten mitbekommen haben, dass in den sozialen Medien seit 14 Tagen das Thema Pflegestreik das beherrschende Thema ist - bei Facebook und bei Twitter. Geben Sie einmal den Hashtag ein. Dann finden Sie Tausende von Stellungnahmen, und Sie finden darunter nicht eine, die die Pflegekammer als Rettungsring fĂŒr die eigenen Probleme sieht. Ganz im Gegenteil: Man sucht ganz andere Lösungsmöglichkeiten fĂŒr die Steigerung der AttraktivitĂ€t.
Bei Twitter habe ich diesen tollen Satz gefunden, der eigentlich den Punkt genau bezeichnet und der aussagt, wie es um die Pflege bestellt ist. Ich darf das zitieren:
âDeutschland ist, wenn in einem kleinen Supermarkt an der Fleischtheke mehr Personal steht als pro Schicht PflegekrĂ€fte auf einer Intensivstation.â