Die Flensburger Uni hat sich klar zu den Gemeinschaftsschulen bekannt. Da sind wir PIRATEN ganz nah bei ihr. Aber wir haben Fragen, Fragen nach den Praktikaplanungen. Sind die Praktika besser als das Referendariat? Oder dienen die angehenden Lehrer als billige Arbeitskräfte in Zeiten des Lehrermangels? Nach dem Status des Sonderschullehramts, nach dem Lehramt mit einem Fach - Präsident Reinhart der Universität Flensburg sagte ausdrücklich, dass die Lehrerausbildung immer zwei Fächer haben muss -, nach der Verlagerung der Musiklehrerausbildung nach Lübeck frage ich Sie, wie das mit dem zweiten Fach klappen soll. Wollen Sie die Studenten von Kiel und Flensburg nach Lübeck pendeln lassen? Herr Kollege Andresen hat vorhin schon gesagt, dass er ein ausgeweitetes Semesterticket fordert. Ich finde das als PIRAT natürlich prima, da wir ja auch für den fahrscheinlosen Nahverkehr sind.
Sie müssen aber immer noch bedenken, dass die Vorlesungszeiten untereinander kompatibel sein müssen. Ich bin sehr darauf gespannt, was Sie im Ausschuss dazu sagen.
Wir haben Fragen zum Amt des Berufsschullehrers, zur Anerkennung über die Landesgrenzen hinaus sowie zur Besoldung der zukünftigen Lehrer. Die jetzige Situation allerdings versperrt den Blick auf diese Frage. Ministerin Wende muss ganz neu aufbauen. Sie hat Vertrauen verspielt und verbrannte Erde hinterlassen. Man traut ihr nicht mehr,
Was die Schulen schon wussten, erfährt die Hochschullandschaft jetzt. Da muss ein Neustart her, wenn er überhaupt noch möglich ist. Den Entwurf
zurückziehen, sich entschuldigen und von vorne anfangen. Das ist das Zeichen, das wir erwarten. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Gerade für den SSW mit seiner starken regionalen Verankerung für den nördlichen Landesteil will ich hier eines deutlich machen: Bei der Frage der Neuordnung der Lehrerbildung stand und steht für uns das Ziel der bestmöglichen Ausbildung unserer Lehrkräfte im Vordergrund, und das ist sicher keine Standortfrage.
Leider scheint man das an der Kieler Universität plötzlich anders zu sehen. Diesen Sinneswandel bedauern wir außerordentlich. Denn gerade in Sachen Lehrerbildung haben Kiel und Flensburg in jüngster Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet. Um ehrlich zu sein, verwundern mich die Äußerungen aus Kiel sehr stark. Denn sowohl Kiel als auch Flensburg wurden umfangreich in den Gesamtprozess einbezogen.
Die Ministerin hat auch den endgültigen Entwurf noch einmal mit beiden Universitäten beraten und letzte Änderungswünsche aufgenommen. Mit dem vorliegenden Gesetz zur Lehrerbildung wird die Lehrkräfteausbildung in Kiel mitnichten gefährdet. Noch einmal: Ziel ist eine landesweit einheitliche und qualitativ gleichwertige Ausbildung unserer Lehrkräfte.
Dies setzt ein beiderseitiges Geben und Nehmen voraus, sowohl in Kiel als auch in Flensburg. Eine einseitige Schlechterstellung kann ich beim besten Willen hier nicht erkennen. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf den umfassenden Dialog mit den Hochschulen kann ich das Verhalten des Präsidenten wirklich kaum nachvollziehen.
genden Gesetzentwurf setzen wir das um, was unsere Vorgänger jahrelang vor sich hergeschoben haben. Die Lehrerbildung der Zukunft entspricht damit endlich den faktischen Strukturen unserer Schullandschaft. Wir machen Schluss mit dem unhaltbaren Zustand, indem munter Lehrkräfte für Schulformen ausgebildet werden, die es in der Praxis gar nicht mehr gibt.
Mit diesem Gesetz werden unsere Lehrerinnen und Lehrer nicht nur fachwissenschaftlich exzellent ausgebildet, sondern sie werden auch flexibel einsetzbar sein. Sie wissen, dass zu diesem Zweck sowohl in Kiel als auch in Flensburg Sekundarlehrerinnen und -lehrer ausgebildet werden, die von Klasse 5 bis Klasse 13 einsetzbar sind. Damit bekommen sie die höchstmögliche Qualifikation und die erforderlichen Kompetenzen für Gymnasien wie auch für Gemeinschaftsschulen. Damit wird es keine Lehrkräfte erster und zweiter Klasse mehr geben.
Damit sind unsere Absolventen endlich auch bundesweit wettbewerbsfähig. Ich habe schon zu Beginn erwähnt: Übergeordnetes Ziel der rot-grünblauen Koalition ist die bestmögliche Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer. Sie sollen in Zukunft schon im Studium das Rüstzeug für die zentralen Anforderungen des Schulalltags bekommen. Gerade mit Blick auf die immens wichtige Aufgabe und große Herausforderung, die ein wirklich inklusives Schulsystem mit sich bringt, ist diese Neuordnung besonders wichtig. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass angehende Lehrerinnen und Lehrer viel stärker für die individuelle Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn hierdurch werden unsere Lehrerinnen und Lehrer von Beginn an in die Lage versetzt, ihren Unterricht entsprechend zu gestalten.
Ewiggestrige mögen weiterhin von Gleichmacherei oder von notorisch überforderten Einheitslehrern sprechen. Aus unserer Sicht ist es aber zu begrüßen, dass pädagogische wie auch didaktische Basisqualifikationen für den Umgang mit Heterogenität und Inklusion in die Ausbildung für alle Lehrämter integriert werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Gesetz nicht nur im Bereich Inklusion einen großen Schritt vorankommen.
Auch den faktischen gesellschaftlichen Realitäten unseres Landes wird endlich Rechnung getragen, denn die Vermittlung der Bedeutung der Sprache, Geschichte und Kultur der nationalen dänischen Minderheit, der friesischen Volksgruppe und der
Gerade im Hinblick auf die europäischen, angrenzenden und mit uns befreundeten Länder ist eine gute Minderheitenpolitik aktive Friedenspolitik. Deshalb finde ich es gut, dass wir in SchleswigHolstein mit unserem neuen Lehrkräftebildungsgesetz aufzeigen, dass wir in Schleswig-Holstein etwas Besonderes sind.
Zusammengenommen sehe ich dieses Gesetz zur Lehrerbildung als ganz wesentlichen Beitrag für ein modernes und qualitativ hochwertiges Bildungssystem in Schleswig-Holstein. Es ist nicht zuletzt Ergebnis des Bildungsdialogs, in dem deutlich wurde, wie wichtig und überfällig eine konsistente Lehrerbildung ist. Hier sind wir mit dem vorliegenden Entwurf auf einem sehr guten Weg.
Ich freue mich auf die Debatte im Ausschuss. Einige Wortmeldungen der Opposition sind total verfehlt. Ich freue mich trotzdem auf die Beratungen. Endlich neue Lehrer für die Kinder von morgen und für die Kinder, die schon im Schulsystem sind. - Vielen Dank.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir kommen jetzt zu den Dreiminutenbeiträgen. Als Erster hat der Herr Abgeordnete Torge Schmidt von der Piratenfraktion das Wort.
Sehr geehrtes Präsidium! Sehr geehrte Damen und Herren! Zu dem Vorgehen der Frau Ministerin ist heute bereits vieles gesagt worden. Dazu werde ich mich nicht noch weiter äußern müssen. Was mich wirklich bewegt und was mich interessiert - deshalb bin ich Finanzpolitiker -, sind die Zahlen. Die Kosten, die Frau Ministerin Wende in ihrem Gesetz darlegt, mit denen sie der Universität Flensburg Chancengleichheit ermöglichen will, überzeugen mich nicht.
Sie überzeugen mich auch deshalb nicht, weil die profitierende Universität Flensburg auf konkrete Nachfragen aus Journalistenkreisen Hurra gerufen und es sich bestätigt hat. Ich zitiere gern einmal den letzten Satz aus der Pressemitteilung vom 7. April:
„Ob über die derzeit von der Landesregierung vorgesehene Auswahl der jeweiligen Fächer bereits das letzte Wort gesprochen ist, wird nach der ersten Lesung im Landtag in aller Ruhe mit der Landespolitik und der Christian-Albrechts-Universität erörtert werden können.“
Was heißt das im Klartext? - Im Klartext bedeutet das, dass sich die Universität Flensburg darauf vorbereitet, Fächer zu tauschen, vermutlich mit dem Ziel Kosten zu sparen, um die Vorgaben der Ministerin irgendwie erfüllen zu können. Denn verschiedene Fächer sind unterschiedlich teuer. Chemie ist sehr viel teurer als WiPo. Das ist völlig klar. Wer Chemie vollwertig anbietet, braucht Labore, und zwar aufgeteilt in Plätze für organische und für anorganische Chemie. Er braucht Laborplätze für physikalische Chemie, Professoren und Mitarbeiter, Mitarbeiter für die Laborsicherheit und technische Mitarbeiter. Ihm entstehen Kosten für Chemikalienentsorgung und so weiter und so fort.
Danke, Herr Kollege. Ich freue mich sehr, dass Sie bereit sind, den Gedankengang zu unterbrechen und als PIRAT noch einen Dialog zu führen. Das scheint nicht bei allen der Fall zu sein. Ihr Fachkollege wollte es ja nicht beantworten. Deswegen frage ich jetzt Sie: Gibt es in der Piratenfraktion eine Vorstellung darüber, wie das Lehramt in der Zukunft aufgestellt sein sollte? Falls ja, wie sieht das aus? Wäre es dann nicht eine gute Idee, im Rahmen der parlamentarischen Anhörung - dazu haben die Abgeordneten der Regierungsfraktionen ja schon eine Menge gesagt - diese Ideen konstruktiv in den Prozess einzuspeisen?
- Natürlich sind wir bereit, unsere Ideen konstruktiv einzuspeisen. Herr König hat das schon vorgetragen. Aber ein Gesetzentwurf ist nicht nur Sachpolitik. Er muss auch vernünftig mit Zahlen und Fakten hinterlegt sein. Er muss auch geplant sein.
Man kann die schönsten Dinge fordern. Wenn sie aber nicht bezahlbar und nicht vernünftig finanziell hinterlegt sind, dann nutzt der schönste Gesetzentwurf nichts.
Der von Ihnen erwähnte Aspekt ist ja hinlänglich von allen Kollegen angesprochen worden. Er wird auch weiterhin eine Rolle spielen. Ich habe jetzt verstanden, dass Sie Ideen haben. Das freut mich. Meine Folgefrage ist: Wie sehen diese Ideen denn aus?
Möchten Sie von mir jetzt einen kompletten Gesetzentwurf hören? Herr Kollege Andresen, vielleicht sollten Sie sich noch einmal mit meinem Fachkollegen, Herrn König, unterhalten.