Natürlich haben wir in dem Bereich Probleme, weil es natürlich auch die Lehrkräfte sind, die die Schülerinnen und Schüler insoweit begeistern können. Natürlich hat auch Frau Franzen recht, wenn sie auf den Informatikbereich hinweist.
- Ja, Herr König; auch darüber haben wir gesprochen. Das ist ja keine neue Erkenntnis. Das Problem besteht nicht nur darin, dass nur wenige Leute das Lehramt Informatik studieren. Es gibt außerdem einen großen Sog vom freien Markt in Richtung dieses Bereichs. Wir haben also nicht nur in einigen Bereichen Fachlehrermangel, sondern wir haben einen Fachkräftemangel. Das ist wirklich ein Problem. Man kann also nicht sagen: „Jetzt geht mal unbedingt in die Schule.“
Vielen Dank, Frau Kollegin. Ich habe vor zwei Wochen ein Gespräch mit einem der vier Absolventen für das Lehrfach Informatik von der Uni Kiel geführt. Der sagte mir, er habe jetzt das Problem, dass er um einen Referendariatsplatz kämpfen muss, weil Informatik kein Mangelfach sei. Das kann es nicht sein, weil es kein Pflichtfach ist. Ich glaube, wir sind uns an dieser Stelle darüber einig, dass wir die Informatiklehrerausbildung fördern müssen. Aber wenn wir jetzt vier Absolventen haben, dann wäre es doch sinnvoll, wenn wir denen quasi eine Freifahrtkarte ins Referendariat geben würden, damit sie zumindest ihr Refe
rendariat in Schleswig-Holstein machen und nicht, wie viele Lehrer es machen, in andere Bundesländer abwandern und dann auch dort bleiben.
Das sehe ich genauso wie Sie. Nach der letzten Debatte über Informatik als Pflichtfach - das war übrigens eine sehr gute Debatte - hat mich ein Vater angesprochen, der sagte: „Mein Sohn wäre gerne Informatiklehrer in Schleswig-Holstein.“ Da gab es auch ein Problem. Es bedurfte nur eines Anrufs im Ministerium, und das Problem war gelöst. Deswegen glaube ich, dass Frau Ernst insoweit sehr offen ist. Man guckt einfach, in welchem Bereich das funktioniert. Ich empfehle also den engen Draht auf alle Fälle.
Ich komme noch einmal zurück zu der Begeisterung der Lehrkräfte. Wir wissen, dass viele Leute im MINT-Bereich durchstarten, wenn sie Lehrkräfte haben, die begeisterte Chemikerinnen sind oder begeisterte Physiker und dann auch die Schülerinnen und Schüler mitreißen. Das geht natürlich nicht per Fingerschnippen. Aber die haben auch zur Stiftung Kontakt aufgenommen. Deshalb glaube ich auch hier, dass vieles unkonventionell gelingen wird. Ich denke zum Beispiel an die MuthesiusSchule, um am Naturwissenschaftsbild zu arbeiten.
Ich möchte noch auf einen Punkt zu sprechen kommen, der mir sehr wichtig ist. Herr Günther ist jetzt nicht anwesend, vielleicht auch deshalb, weil das hier jetzt eine Qualitäts- und nicht eine Strukturdebatte ist. Von Herrn Günther wurde behauptet, unsere Abiturienten müssten erst einmal Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Das ist eine interessante Beobachtung, die ich nicht teile. Aber es kann nicht an G 8 liegen, weil unsere Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit G 8 gerade erst an den Universitäten angekommen sind, und zwar gleichzeitig mit den anderen des Doppeljahrgangs. Daraus also jetzt diese Schlussfolgerung zu ziehen, ist schwierig.
Was aber möglicherweise zutrifft - damit haben wir mehr Erfahrung -, sind sechs Jahre Abiturerfahrung mit der Profiloberstufe. Was auch immer naturwissenschaftlich begeisterte junge Menschen hier widerspiegeln und auch die Lehrer, wird hieran deut
lich: Die sagen nämlich: „Wir wünschen uns in der Oberstufe eine Mathematik auf erhöhtem Niveau.“ Momentan ist es so: Deutsch, Mathematik, Englisch, alles muss vierstündig gemacht werden. Bei Englisch ist das sicherlich auch kein Problem. Aber bei Deutsch und Mathematik sollte man passend zum Profilfach wählen können: Mache ich Mathe auf erhöhtem Niveau, oder mache ich Deutsch auf erhöhtem Niveau? Dann hätten wir einige, die mit fünf Stunden Mathe in der Woche dastehen könnten, und andere könnten dann möglicherweise fünf Stunden Deutsch machen, aber nur drei Stunden Mathe. Ich glaube, das wäre bei der Frage Spezialisierung und Profilierung in der Oberstufe ein Punkt, den man mit den Schulen besprechen sollte.
- Nein, das können Sie nicht. Ich bin auch für Mathe bis zum Abi. Wenn man nachher zum Beispiel Volkswirtschaft als Underperformer studieren will, so wie wir beiden, dann macht es trotzdem Sinn.
Dann möchte ich kurz auf den Punkt „Hochbegabung“ eingehen. Da möchte ich meinen Dank ausweiten, und zwar nicht nur in Richtung des Ministeriums und der beteiligten Lehrkräfte, sondern auch in Richtung von Dr. Klug; denn, Frau Franzen, es war nicht alles schlecht unter Schwarz-Gelb. Ich finde, dass Herr Klug damals den Bereich Hochbegabung auf eine gute Spur gesetzt hat. Dieses Ministerium beziehungsweise diese Landesregierung hat es weiter gefördert und den Ausbau der Strukturen angeschoben. Viele Kinder kommen in den Genuss dieser zusätzlichen interessanten Angebote, die nicht durch Extraklassen entstehen.
Das ist, finde ich, das Neue an Ihrem Antrag. Deswegen finden wir den auch nicht zustimmungsfähig. Die Kinder bleiben über Drehtürmodelle, Enrichment-Programm oder 4-plus-1-Modelle einerseits in ihren Klassen, bekommen aber andererseits das Futter. Das war alles sehr gut angelegt. Ich finde es gut, wenn man sagt, in dem Bereich läuft es gut an. Wir machen jetzt einmal eine Evaluation; denn man muss ja auch nicht so eine nervöse Bildungspolitik machen.
Also, ich habe ein Problem: Die CDU sagt, wir stellen das Kind in den Mittelpunkt. Ich sehe es wie Herr Habersaat. Ich habe den Eindruck, bei Ihnen steht immer noch das Sortieren im Mittelpunkt: Bist du hochbegabt, kommst du in eine Extraklasse.
Vierte Klasse: Ich sage dir erst einmal, welchen Abschluss du Zehnjähriger später machen wirst. Machst du Abi, oder wird es nur für den ersten allgemeinbildenden Abschluss reichen? - Du hast Förderbedarf. Dann überlegen wir einmal, ob du nicht zurück in die Sonderschule gehst.
Ja, sortieren, sortieren, sortieren. Ich glaube, unsere Schulen sind weiter. Ich habe den Eindruck, dass uns und auch den Schulen die Debatte in den letzten Jahren gut getan hat. Wir haben sehr viele Qualitätsaspekte ansprechen können. Eine MINT-Offensive entsteht nicht dadurch, dass man sich wieder in Schulstrukturdebatten verhakt, liebe CDU.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! 90 Tage vor der Wahl versucht die Landesregierung ganz geschickt, ihr Engagement für eine an diesem Thema interessierte Wählergruppe noch schnell zu suggerieren, und Herr Habersaat nutzt es, um sein Wahlprogramm vorzustellen. Chapeau!
Meine Damen und Herren, der erste MINT-Bericht ist lediglich eine Zusammenstellung verschiedener Initiativen. Eine echte Reflexion fehlt. So verwundert es auch nicht, dass die Präsidentin der Fachhochschule Lübeck, Muriel Helbig, zum Thema MINT erklärt:
„Wir beobachten mit Sorge, dass die Schulbildung in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik vernachlässigt wird. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in den MINT-Disziplinen gibt es hier erheblichen Nachholbedarf.“
Meine Damen und Herren, die FDP fordert seit Jahren eine echte MINT-Offensive, passiert ist leider nur wenig. Ich möchte ein paar Fakten nennen. Die
60.000 € wurden für den MINT-Bereich zur Verfügung gestellt. Aber Sie verschweigen, dass Sie genau diese Summe bei der Begabtenförderung gestrichen haben. Welchen Wert die MINT-Fächer für die Koalition haben, erkennt man am Haushalt: 500.000 € stehen für die Förderung von Regionalund Minderheitensprachen an Kitas zur Verfügung. Also, Plattdeutsch im Kindergarten ist Ihnen mehr als acht Mal so viel wert wie die MINT-Förderung. Das ist wirklich Prioritätensetzung!
Große Ankündigung von Ministerpräsident Albig im Jahre 2014: Diese Landesregierung wolle das MINT-Lehramt an der Uni in Flensburg stärken. Das Ergebnis: Flensburg bekam einen weiteren Studiengang, den man wirklich nicht dem MINT-Bereich zurechnen kann und den es in ähnlicher Form schon in Sonderburg gibt. Also, null komma null Gewinn für MINT.
Und noch ein Faktencheck: 20 MINT-freundliche Schulen bei fast 800 Schulen im Land. Müssten nicht ehrlicherweise alle unsere Schulen MINTfreundlich sein?
An dieser Stelle erinnere ich dann auch an unseren gestrigen Gesetzentwurf zur Klarstellung der Lernmittelfreiheit für digitale Endgeräte; das gehört nämlich auch dazu.
Meine Damen und Herren, die technischen Berufe bieten unseren jungen Menschen eine Perspektive, und zwar weltweit. Diese Landesregierung verschenkt jedoch schlicht und einfach Potenziale. Es muss bereits in der Grundschule der Grundstein dafür gelegt werden, dass Interesse, die Begeisterung für naturwissenschaftliche Fächer, für Mathematik geweckt werden. Wir tun es nicht; denn es gibt einen ganz gravierenden Systemfehler: Mathematik wird in der Grundschule am häufigsten fachfremd unterrichtet. Studien belegen, dass sich Defizite aus der Grundschule durch die ganze Schullaufbahn ziehen können.
Was also muss geschehen? Erstens. Der fachfremde Unterricht sollte dringend beendet werden. Zweitens - das hat meine Kollegin Heike Franzen auch schon formuliert -: Das Fach NaWi gehört in die Mottenkiste. Chemie, Physik, Biologie und Informatik müssen von Fachlehrern unterrichtet werden, und zwar auch an der Gemeinschaftsschule.
Drittens. Ja, wir brauchen mehr Fachlehrer, und zwar insbesondere in den Mangelfächern. Wie lösen wir das? Herr Habersaat hat gesagt, wir können niemanden zwingen. Nein, aber können wir nicht Grundschullehrkräfte mit besonderen Rahmenbedingungen, Angeboten dafür motivieren, dass sie Deutsch oder Mathematik als eines der zu studierenden Fächer wählen? Vielleicht denken wir einmal darüber nach, ob man nicht doch verpflichtend macht, dass der Grundschullehrer zwingend Mathe oder Deutsch studieren muss. Ich finde, in der Grundschule werden für alle Bereiche die Grundsteine gelegt. Nicht nur Mathe, sondern auch Deutsch ist elementar wichtig. Lesen, schreiben und rechnen sollte man können. Das erleichtert es in der Oberstufe erheblich. Tun wir etwas dafür! Damit wir motivierte Grundschullehrkräfte bekommen, sollten wir sie ihrer Ausbildung entsprechend A 13 bezahlen.
Dazu empfehle ich zusätzliche Ausbildungskapazitäten in den Berufsschulen, berufsbildenden Schulen für technische Berufe. Gerade in den Bereichen Elektro- und Maschinenbautechnik kann über eine Erweiterung von Studienmöglichkeiten an den Fachhochschulen der Lehrermangel entschärft werden.
Und noch eines: Die Phänomenta ist im Übrigen eine wichtige Institution, gerade für Kita und Schule. Sie schafft auf spielerische, beeindruckende Art und Weise Begeisterung für die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge. Die müssen aber immer wieder darum kämpfen, dass sie Finanzmittel bekommen. Da hat sich Gott sei Dank im letzten Jahr Staatssekretär Fischer noch eingesetzt. Aber er hat Mittel aus dem Hochschulbereich dafür verwenden müssen.
Meine Damen und Herren, auch der Bericht zur Begabtenförderung ist mehr als dünn. Ich freue mich, dass die Kollegin Erdmann anerkannt hat, welche Leistungen Dr. Klug als Bildungsminister seinerzeit erbracht hat, als er die Begabtenförderung angeschoben hat.