- Gut, dann frage ich noch einmal. Mir liegt eine andere Information vor. Es gibt also keinen Wunsch auf Ausschussüberweisung? - Nein, wir machen das einfach so: Wir lassen über die Ausschussüberweisung abstimmen, Sie überlegen sich, wie Sie abstimmen wollen und können dann immer noch in der Sache abstimmen.
Dann stimmen wir in der Sache ab. Wer dem Antrag mit der Drucksachennummer 18/5128 seine Zustimmung erteilen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. - Gegenprobe! - Enthaltungen? - Damit ist auch dies einstimmig so beschlossen.
Meine Damen und Herren, ich möchte Sie darauf hinweisen, dass sich die Tagesordnung nach Verständigung der Parlamentarischen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer verändert hat. Ich werde gleich die Tagesordnungspunkte 32, 68 und 72 aufrufen, danach die Punkte 34 und 63. Nach der Mittagspause werden die Tagesordnungspunkte 73 und 38 aufgerufen. Die Tagesordnungspunkte 31, 35 und 40, 39 und 41, 42 und 62 werden ohne Aussprache, zum Teil mit Abgabe der Reden zu Protokoll, behandelt.
b) Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen an den öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein
Wird das Wort zur Begründung gewünscht? - Das ist nicht der Fall. Dann erteile ich zunächst der Ministerin für Schule und Berufsbildung, Britta Ernst, das Wort.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Eine gute Schule fördert alle Schülerinnen und Schüler so, dass sich Talente und Begabungen entfalten können. Das soll gleichermaßen für die leistungsschwächeren wie für die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler und für die mit besonderen Begabungen und Talenten gelten.
Schauen wir uns die Ergebnisse wichtiger Studien wie die PISA-Studie und den IQB-Länderbericht an oder greifen auf die Erfahrungen in unseren Schulen zurück, so stellen wir fest, dass es uns in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen ist, die schwächeren Schülerinnen und Schüler immer besser zu fördern. Wir waren dort sehr erfolgreich. Die Zahl der Schülerlinnen und Schüler ohne Abschluss ist deutlich gesunken. Auch die sogenannte Risikogruppe ist viel kleiner geworden. Das ist eine gute Entwicklung.
Schauen wir uns jedoch die Leistungsspitze an, die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen, mit Talenten, dann stellen wir zwar fest, dass wir Schülerinnen und Schüler mit hervorragenden Leistungen haben, die Gruppe im internationalen Vergleich aber nicht größer und nicht besser wird. Damit wollen wir uns nicht zufriedengeben. Deshalb widmen wir uns in den beiden Berichten, die Ihnen vorliegen, die wir Ihnen übrigens auch aus eigenem Antrieb zur Diskussion zur Verfügung gestellt haben, einmal dem Thema MINT und einmal dem Thema der Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen, mit besonderen Talenten.
Lassen Sie mich zu Letzterem sehr deutlich sagen: Wenn wir uns mit Talenten befassen, fassen wir die Gruppe sehr groß. Wir rechnen dazu die Gruppe derjenigen, die als hochbegabt gelten. Das sind im
merhin rund 2,2 % eines Jahrgangs. Dazu kommen die Leistungsstarken, rund 20 %. Mit diesen wollen wir uns stärker befassen, weil wir alle Schülerinnen und Schüler besser erreichen wollen.
Bevor wir zu besonderen Angeboten kommen, ist uns sehr wichtig festzustellen: Im Zentrum steht der gute Unterricht. Es ist nämlich Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Schaut man zum Beispiel auf die besonderen Begabungen, gibt es weitere Unterstützung, die wir in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. So haben wir 17 Kompetenzzentren Begabtenförderung, 48 SHiB-Schulen, die sich besonders der Begabtenförderung widmen, und wir haben 10 Enrichmentverbünde. Das sind Schulen, die sich zusammengeschlossen haben und für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen eine ganze Reihe zusätzlicher Kursangebote machen, die die Schülerinnen und Schüler interessieren. Darüber hinaus unterstützen die Schulen junge Menschen, indem sie sie anregen, an den vielen, vielen Wettbewerben teilzunehmen und sich dort einzubringen.
Schaut man sich den MINT-Bereich an, stellt man fest, auch dort sind wichtige Dinge auf den Weg gebracht worden. Wichtig sind die Fachanforderungen, die wir auf der Grundlage der Standards der Kultusministerkonferenz überarbeitet haben. Für das Fach Mathematik sind sie im Schuljahr 2014/15 fertiggestellt worden, für die Naturwissenschaften an den Gemeinschaftsschulen im Schuljahr 2015/ 16, und mit dem aktuellen Schuljahr 2016/17 für die Fächer Biologie, Chemie und Physik jeweils für die Sekundarstufe I und II. Das sind hervorragende Grundlagen.
Besonders verstärkt wurde die Aus-, Fort- und Weiterbildung in den letzten Jahren, insbesondere das Programm „Niemanden zurücklassen: Mathe macht stark“, aber auch das seit vielen Jahren sehr erfolgreich laufende Projekt „SINUS-SH“.
Beide Bereiche, besondere Begabungen, aber auch der MINT-Bereich, können noch viel erfolgreicher gelingen, wenn die Schulen durch Partnerinnen und Partner außerhalb der Schulen unterstützt werden. Das geschieht in Schleswig-Holstein. In erster Linie sind das natürlich die Universitäten, das sind aber auch Wirtschaftsverbände, und es sind auch eine ganze Reihe von Stiftungen, die sich hier außeror
dentlich großartig engagieren. Sie unterstützen die Enrichmentprogramme, die JuniorAkademien, aber auch so etwas wie die START-Stipendien für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die besondere Begabungen haben.
Es gibt auch andere Projekte wie das „TüftelEi“, „Robothlon“, „Roberta“, „Haus der kleinen Forscher“, „LüttIng“ und „Schülerlabore“ und natürlich „Jugend forscht“ und „Jugend experimentiert“. Nicht zuletzt gibt es die vielen Auszeichnungen für MINT. Die MINT-freundliche Schule, die MINT EC-Schulen, die MINT-Schule SH sind einige Beispiele, bei denen unsere Schulen ganz besonders unterstützt werden und die gerade in diesen Bereichen sehr wertvoll sind.
Bei den besonderen Begabungen haben alle Kultusministerinnen und Kultusminister mit der Bundesbildungsministerin zusammen ein Programm zur Unterstützung besonderer Begabungen auf den Weg gebracht. Schleswig-Holstein will sich daran sehr aktiv beteiligen. Dieses Programm hat den gleichen Fokus, den auch wir als notwendig erkannt haben. Es geht darum, die vorhandenen Initiativen noch besser in einen Austausch zu bringen mit dem Ziel, auch in die Fläche zu gehen, damit wir sicher sein können, dass wir alle Schülerinnen und Schüler erreichen.
Mir ist ein zweiter Punkt wichtig. Ich möchte zu diesem Bereich den Dialog mit vielen im Lande suchen. Es gibt Elterninitiativen, die sich immer wieder an uns wenden. Ich würde aber auch gern mit Schülerinnen und Schülern sprechen, die unsere Angebote in Anspruch genommen haben, um herauszufinden, wie wir noch besser vernetzen und konzentrierter arbeiten können. Deshalb werden wir noch vor der Sommerpause zu einem Runden Tisch zum Thema Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit besonderer Begabung einladen, um hier noch besser zu werden.
Im MINT-Bereich werden wir zwei besondere Projekte weiter voranbringen. Erster Bereich: Wir haben in Kiel ein Schüler-Forschungslabor. Kiel ist für viele im Land weit weg. Deshalb wollen wir weitere Schüler-Forschungslabore in die Fläche bringen.
Wir sind gerade dabei, die Auswahlentscheidung zu treffen. Es wird so sein, dass ganze Klassen von Schülerinnen und Schülern dort, angeleitet durch Forscherinnen und Forscher der Universität, noch näher an der Arbeit der Universität darin unterstützt werden, wie man im Bereich der Forschung arbeitet. Das werden wir zusammen mit der CAU, dem IPN und der Joachim Herz Stiftung machen. - Ich bedanke mich an dieser Stelle sehr herzlich für diese Unterstützung. Das wird uns in diesem Bereich wirklich sehr voranbringen.
In einem zweiten Bereich, der ebenso wichtig ist, wollen wir an die Erfahrungen von Bremen und Hamburg anknüpfen. Auch dort hat man die Erfahrung gemacht, dass die vielen MINT-Initiativen da sind, aber nicht alle voneinander wissen. Deshalb wollen wir uns in einem großen MINT-Forum zusammenschließen, um den Austausch zu unterstützen. Wir sind gerade dabei, alle MINT-Angebote in Schleswig-Holstein zu ermitteln, alle Initiativen zu ermitteln, um die Schulen vor Ort zu unterstützen und ihnen zu zeigen, wo es in der Region und in der Fläche Kooperationspartner gibt. Das können sehr gut Wirtschaftsverbände sein, das können aber auch einzelne Betriebe sein, weil uns der Einblick in die reale Berufswelt besonders wichtig ist, um mehr Schülerinnen und Schüler zu ermuntern, diese Fächer zu belegen und vielleicht einen Beruf in diesen interessanten Bereichen der Mathematik, der Ingenieurwissenschaften, der Naturwissenschaften zu finden. Hier gibt es attraktive Arbeitsfelder, und unser Ziel ist es, diese in unseren Schulen noch bekannter zu machen.
Das sind unsere beiden Berichte. Ich freue mich auf die Diskussionen. Unser Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler gerade in diesen Bereichen noch weiter zu unterstützen. Ich bin gespannt auf die Diskussion. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Ministerin. - Die Ministerin hat die vereinbarte Redezeit um knapp 2,5 Minuten überzogen. Ich schlage vor, wir stellen für jeden eine Redezeit von 7 Minuten ein und sind - was das weitere Verfahren angeht - flexibel und großzügig. - Das Wort hat die Kollegin Heike Franzen für die CDU-Fraktion.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank, Frau Ministerin. Ich glaube, wir hätten noch mehr Redezeit gebrauchen können. Wenn wir Bildungspolitiker im Ältestenrat hätten, dann wären an dieser Stelle andere Tagesordnungspunkte gesetzt.
Das ist vielleicht eine Anregung für die nächste Legislaturperiode. Deswegen nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass ich in 5 Minuten nicht auf alle Punkte eingehen kann. Wir haben drei wirklich schwierige Themen, und alle drei hätten es verdient, dass man sich intensiv mit ihnen befasst.
Zunächst möchte ich auf den vorgelegten MINTBericht eingehen. Wenn man ehrlich ist: Je nachdem welche Studie man zugrunde legt, die die MINT-Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler misst, schneiden wir mal besser und mal schlechter ab. Das hat gerade das letzte Jahr gezeigt. Dass sich die Landesregierung, das würden wir vielleicht auch tun, zunächst einmal die positiven Aspekte zu eigen macht, das kann man tun.
Aber egal wie man die Leistungen der MINT-Studien bewertet, ob man sie nun als gut betrachtet oder eher die negativen Dinge herausfiltert; eines bleibt definitiv zu tun: Egal wie viele Initiativen wir auch außerhalb der Schule haben, und wir begrüßen es auch, dass diese Initiativen noch in die Schulen hineinragen, wir brauchen doch Rahmenbedingungen innerhalb der Schulen. Das ist unsere Aufgabe hier. Das ist unsere Aufgabe als Parlament, als Land. Hier muss man sagen: Wir brauchen entsprechende Rahmenbedingungen an den Schulen und gut ausgebildete Lehrkräfte.
Hier muss man ehrlicherweise sagen: Die Landesregierung floppt da im Augenblick komplett. Ich will beispielsweise die Situation unserer Gemeinschaftsschulen im Land aufgreifen: In Mathematik und Biologie ist die Sachlage noch einigermaßen entspannt. Danach ergibt sich allerdings folgendes Bild: Durchschnittlich kommen auf jede unserer 182 Gemeinschaftsschulen 2,5 Physiklehrer, 2,3 Chemielehrer, 1,2 Techniklehrer und sage und schreibe 0,03 Informatiklehrer.
Meine Damen und Herren, in Schleswig-Holstein werden wir bis zum Jahr 2018 insgesamt 57 Chemielehrer, 44 Physiklehrer, 13 Techniklehrer und 2 Informatiklehrer für die 182 Gemeinschaftsschulen und 99 Gymnasien ausbilden. Meine Da
men und Herren, was unsere Schulen brauchen, ist kein Bericht der Ministerin, sondern eine MINTOffensive im Land, was die Versorgung mit Lehrkräften betrifft.