Dabei geht es uns nicht um ein schlichtes Mehr an Touristen, um ein Mehr an Übernachtungen, sondern um eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in Schleswig-Holstein. Das heißt, wir investieren in Qualität, wir setzen auf ressourcenschonenden Umgang mit der Natur, und wir zielen darauf ab, Schleswig-Holstein zu einem ganzjährigen Reiseziel zu machen, denn dies sorgt bei den Beschäftigten in Gastronomie, Hotelerie und anderen touristischen Betrieben für bessere Perspektiven und für mehr soziale Sicherheit. Ganzjährige Beschäftigung und gute Arbeit sind hier ganz wichtige Stichworte. Mehr als 150.000 Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein sind direkt vom Tourismus abhängig. Der Tourismus zählt zu den wichtigsten und erfolgreichsten Wirtschaftsbereichen unseres
Landes, doch genießt der Tourismus auch die Aufmerksamkeit, die er verdient? Allzu häufig heißt es, der Tourismus funktioniere doch von allein und benötige keine Unterstützung. Was für ein Denkfehler, meine Damen und Herren.
Auf dem Tourismustag Schleswig-Holstein 2012 in Damp war die Verunsicherung vieler Akteure deutlich zu spüren. Es fehlte an Wertschätzung. Um den Tourismus erfolgreich weiterzuentwickeln, haben wir 2013 und 2014 unter Beteiligung aller relevanten Akteure im Land die Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025 erarbeitet. Das Besondere an dieser Strategie ist, dass wir uns messbare Ziele gesetzt haben, die wir bis 2025 erreichen wollen. Auch dies unterscheidet uns positiv von vielen Konzepten und Strategien, die ich aus anderen Bundesländern kenne.
Die Ziele möchte ich kurz in Erinnerung rufen. Die Zauberformel heißt 30, 30, 3. Wir wollen die jährlichen Übernachtungen bis 2025 auf 30 Millionen steigern. Der touristische Bruttoumsatz soll um 30 % auf 9 Milliarden € wachsen, und wir wollen zu den Top-drei-Bundesländern mit der höchsten Gästezufriedenheit gehören.
Wo stehen wir? - Bei den Übernachtungen haben wir im Jahr 2016 erstmals die Grenze von 28 Millionen geknackt. Wir konnten also auf hohem Niveau weiter zulegen und liegen nun bei 28,2 Millionen Übernachtungen. Das ist ein Rekord für Schleswig-Holstein.
Beim touristischen Bruttoumsatz lagen wir 2015 bei 7,9 Milliarden €, und wir sind auch hier auf einem guten Weg, unser Ziel zu erreichen, und das Beste: Auch die Gästezufriedenheit steigt gemeinsam mit der Zahl der Urlauber, die immer wieder in den echten Norden kommen.
Meine Damen und Herren, die Rekordwerte, die wir derzeit in Schleswig-Holstein haben, sind das Eine. Viel wichtiger ist, dass wir etwas erreichen, was wir uns zum Ziel gesetzt haben, nämlich dass die Auslastung in der sogenannten Nebensaison steigt, dass wir in Schleswig-Holstein zur Ganzjahresdestination werden und damit die Wirtschaftlichkeit der Betriebe erhöhen und Dauerarbeitsplätze sichern und schaffen.
Was sind die Erfolgsfaktoren? - Sicher hat die angespannte Sicherheitslage in manchen Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer, in Nordafrika, dazu beigetragen, dass der Deutschlandtourismus profitiert. Schleswig-Holstein hat allerdings überdurch
schnittliche Zuwächse erzielt. Wesentlicher Grund dafür ist eine Qualitätsoffensive, die sich nun in konkreten Gästezahlen widerspiegelt. Viele Urlaubsorte haben kräftig in ihre öffentliche touristische Infrastruktur investiert. Es sind neue Promenaden, Seebrücken und Gästeeinrichtungen entstanden, die erheblich zur Steigerung der Attraktivität der Orte beigetragen haben. In der Folge wurde privat investiert, zum Teil in erheblichem Ausmaß. Viele neue qualitativ hochwertige Hotels und Ferienhäuser sind entstanden und locken neue Gäste an. Überall wird modernisiert. Wie gut öffentliche und private Investitionen ineinandergreifen, kann man am Beispiel von Heiligenhafen sehen.
Dort haben die Seebrücke und die Promenaden den Ort erheblich aufgewertet. In der Folge sind zahlreiche Ferienwohnungen und Hotels entstanden beziehungsweise werden in Kürze eröffnet. Die Zahlen steigen. Die Kommune profitiert davon, insbesondere aber die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die gleichen Effekte können Sie in Grömitz, Sankt Peter-Ording, Büsum oder Scharbeutz beobachten, aber auch in Städten wie Lübeck oder Flensburg.
Das Land unterstützt diese Entwicklung nach Kräften. In der neuen EU-Förderperiode gibt es zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für den Tourismus. Wir haben das alles zum ersten Mal in Schleswig-Holstein in einem Sonderförderprogramm Tourismus gebündelt.
Seit Beginn der Legislaturperiode wurden zahlreiche öffentliche touristische Infrastrukturprojekte gefördert. Zu den ganz großen Projekten gehören zum Beispiel die Grömitzer Welle, das europäische Hansemuseum in Lübeck und die Promenaden auf Helgoland, in Büsum, in Pelzerhaken, am Priwall, in Lübeck und in Laboe.
Meine Damen und Herren, wir werden unsere Tourismusorte an der Ostseeküste natürlich auch nicht im Regen stehen lassen, wenn es um die Folgen der Sturmflut vom 4. und 5. Januar 2017 geht.
An der Westküste haben wir zusätzlich 30 Millionen € für innovative Projekte an der Schnittstelle von Tourismus und Ressourceneffizient reserviert.
Mit dem sogenannten IT-Wettbewerb haben wir einen kräftigen Impuls für die Region gesetzt. Zahlreiche gute Projekte sind entstanden, die demnächst an den Start gehen können.
reich der Neuerrichtung, Erweiterung und Modernisierung von Hotels haben wir mit Zuschüssen von 36,5 Millionen € allein 286 Millionen € an Investitionen in Schleswig-Holstein ausgelöst. Dadurch sind mehr als 2.000 Arbeitsplätze neu entstanden beziehungsweise gesichert worden.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle deutlich sagen: Die einzelbetriebliche Förderung ist gerade im Tourismus ein erfolgreiches Instrument, das wichtige Impulse setzt, die sich nachhaltig auszahlen werden. Zuletzt konnte ich am vergangenen Freitag in Wyk auf Föhr beobachten, wie mit einem neuen Hotel am Südstrand ein Produkt entsteht, das es bisher auf dieser Insel nicht gegeben hat. Also auch hier geht es voran.
Zur Begleitung des Tourismus haben wir die Unterstützung eines Clustermanagements auf den Weg gebracht. Auch das ist neu, meine Damen und Herren, weil wir mit den Kernaufgaben dieses ClusterManagements die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen hervorrufen wollen, die Verbesserung der Nachhaltigkeit im Tourismus, eine bessere Vernetzung der Akteure sowie das, was uns alle gesagt haben, nämlich ein Monitoring, ein Controlling der Tourismusstrategie. Genau das macht die Cluster-Organisation, die bis zum 30. Juni 2018 mit insgesamt 860.000 € unterstützt wird.
Meine Damen und Herren, zu den Faktoren einer erfolgreichen Tourismuspolitik gehört natürlich auch das touristische Marketing. Das Land hat die Gesellschafteranteile der TASH zu 100 % übernommen. Das mussten wir tun, um in Beihilfefragen eine saubere Lösung zu finden. Ich will auch nicht verhehlen, dass uns die Vakanz der Geschäftsführerposition gerade im letzten Jahr in einer Zeit getroffen hat, die nicht einfach für die TASH war. Aber wir haben inzwischen alle rechtlichen Fragen geklärt. Ich bin zuversichtlich, dass wir demnächst eine geeignete Persönlichkeit für diese verantwortungsvolle Position finden werden.
Ungeachtet dessen wird die erfolgreich gestartete Imagekampagne zum Glückswachstumsgebiet fortgesetzt. Wir haben uns auch eine Umsetzung der Ausgangsmarketingstrategie mit den Hauptzielländern Dänemark, Schweiz und Österreich vorgenommen. Ich sage sehr deutlich: Um das umsetzen zu können, braucht die TASH ab 2018 mehr Marketingmittel zur Verfügung.
Meine Damen und Herren, wir haben im Tourismus in Schleswig-Holstein viel erreicht. Wir stehen glänzend da. Aber ich warne davor, dass wir uns
ausruhen. Wer sich ausruht, wird keine Fortentwicklung haben, wird wieder zurückfallen. Deswegen ist Kontinuität wichtig. Dazu gibt es drei große Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen:
Erstens dem Thema Qualität. Das heißt, dass Hoteliers und Gastronomen auch künftig in ihre Angebote investieren müssen. Gleiches gilt für die Urlaubsorte und ihre öffentliche touristische Infrastruktur. Ich sage jetzt schon: Das Land wird diesen Prozess auch künftig mit Fördermitteln unterstützen.
Aber nicht nur die Hardware muss stimmen, auch die Software im Service ist eminent wichtig, um am Markt weiterhin wettbewerbsfähig zu sein.
Wir brauchen zweitens in den juristischen Betrieben die qualifizierten Fachkräfte für die zukünftige Entwicklung im Tourismus. Hier müssen wir aktiv gegensteuern. Hier sind aber vor allem die Unternehmen selber gefragt.
Erfolgreiche Initiativen, wie zum Beispiel „Die guten Gastgeber“, in der sich Betriebe aus Neumünster zusammengeschlossen haben, sind ein gutes Beispiel dafür, wie man das Problem annimmt und aktiv durch konkrete Maßnahmen angeht.
Gleiches gilt für das Programm „Festmachen auf Sylt“, mit dem Flüchtlinge für Arbeitsplätze im Gastgewerbe auf der Insel fit gemacht werden sollen. Aber auch mit unserer Fachkräfteinitiative „Zukunft im Norden“ haben wir einen speziellen Branchencheck für die Tourismuswirtschaft entwickelt, weil es ganz wichtig ist, in dieser Branche für Fachkräfte zu werben.
Die dritte große Herausforderung ist das Thema Digitalisierung. Touristische Vermarktung und Vertrieb sind ohne die Nutzung digitaler Medien nicht mehr denkbar.
Nein, danke. - Schon heute nutzen 61 % der Urlauber das Internet für Reiseinformationen und -planung. 43 % buchen ihre Reise über das Internet. Das wird weiter zunehmen. Für Tourismusakteure bedeutet dies, dass sie ihre Kenntnisse über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung
stetig erweitern und sich gegebenenfalls auch von Experten beraten lassen müssen. Ein professioneller Internetauftritt und eine Präsenz in den sozialen Medien sind heutzutage ein Muss für alle touristischen Leistungsträger, die wettbewerbsfähig bleiben wollen. Dazu gehört natürlich die entsprechende Breitbandinfrastruktur, die wir mit unserer Breitbandstrategie 2030 bereitstellen. Wir sind bereits heute mit 73 % aller Haushalte bei 100 Mbit und mehr und belegen damit Platz eins aller Flächenländer.
Meine Damen und Herren, Sie sehen, trotz aller Erfolge liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Lassen Sie uns auch künftig gemeinsam für einen starken Tourismus im Land Schleswig-Holstein streiten. Ich kann Ihnen sagen, es lohnt sich. Dazu gehört ein klares Bewusstsein über die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Schleswig-Holstein. Denn ohne den Tourismus wäre unser Land nicht das, was es ist, nämlich der echte Norden. - Vielen Dank.
Meine Damen und Herren, die Landesregierung hat die vereinbarte Redezeit um 3 Minuten überschritten. Diese Zeit steht deshalb zusätzlich auch allen Fraktionen zur Verfügung.
Herr Minister, herzlichen Dank für Ihren Bericht. Es ist üblich, dass Tourismuspolitik eigentlich keinen Parteienstreit hat. Vielmehr waren wir uns in all den Jahren, auch in der Zeit, in der wir an der Regierung waren, darüber einig, dass Tourismus in Schleswig-Holstein wohl das wichtigste wirtschaftliche Standbein ist mit den meisten Arbeitsplätzen, mit den meisten Betrieben, also klassisch mittelständisch geprägt ist. Deshalb ist es gut, dass wir hier gemeinsam an einem Strang ziehen.
Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede. So schön, wie Sie unser Land finden, finden wir dies natürlich auch und sagen: Dieses Land ist nun mal das schönste Bundesland, und wir sind das einzige Land, das Küsten an zwei Meeren hat, an Nord- und Ostsee. Dies gilt es entsprechend zu vermarkten.
Ich will an dieser Stelle auch Folgendes sagen: Ich bin bereits viele Jahre lang hier im Landtag. Wir hatten selten an so prominenter Stelle eine Debatte über den Tourismus in Schleswig-Holstein. Deshalb ist Ihre Regierungserklärung darüber, heute über diesen Teil der Politik zu sprechen, auch wichtig.
Am Anfang - lieber Herr Kollege Dr. Garg, bitte hören Sie zu! - gilt es, der Branche zu danken. Denn die Branchen sind die Visitenkarte Schleswig-Holsteins. Die mittelständischen Unternehmen in Schleswig-Holstein, die Hotelbetriebe, die Restaurants, die Dorfgaststätten, all das sind unsere Visitenkarten.