Protocol of the Session on July 10, 2019

Vielen Dank, Herr Loose. – Herr Baran, 1:30 Minute für Sie, um zu reagieren. Bitte schön.

„Fremdmitarbeiter“ – das spricht ja schon einmal Bände, was Ihre Sprache angeht. – Ich würde Ihnen als Abgeordneter empfehlen, einmal das Aktienrecht zu lesen. Wenn jemand in einem Aufsichtsrat sitzt, ist er dem Unternehmen verpflichtet und darf sich nicht in das Alltagsgeschäft einmischen.

(Zuruf von Christian Loose [AfD])

Ich stehe hier, weil ich versuche, ehrliche Politik zu machen, und zu ehrlicher Politik

(Beifall von der SPD – Lachen von der AfD)

gehört eben das Reden mit allen Beteiligten. Wenn Sie mit der RAG, wenn Sie mit der Gewerkschaft und wenn Sie mit den Betriebsräten gesprochen hätten,

(Zurufe von der AfD)

hätten Sie gewusst, dass es immer noch Bemühungen gibt, diese Menschen, diese Kumpel irgendwo in eine Beschäftigung zu bekommen.

Sie machen es sich aber einfach: Sie machen einen Skandal daraus und versuchen,

(Zuruf von Christian Loose [AfD] – Weitere Zu- rufe – Glocke)

Leute für Ihre dreckige Arbeit zu instrumentalisieren. – Da komme ich nicht rein. – Glück auf!

(Beifall von der SPD, der CDU und der FDP)

Vielen Dank, Herr Kollege. – Für die FDP hat nun der Abgeordnete Brockes das Wort.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn man sich ansieht, wie die AfD überall gegen jedwede Art von Subventionen vorgeht, ist dieser Antrag nun wirklich so etwas von verlogen, wie ich es vorher kaum einmal gesehen habe.

(Beifall von der FDP, der CDU und der SPD)

Ihnen geht es hier eben nicht um die Beschäftigten, sondern Ihnen geht es um billige Effekthascherei.

(Zurufe von der AfD: Ah!)

Deshalb finde ich es, ehrlich gesagt, absolut schäbig, wie Sie versuchen, die Beschäftigten zu instrumentalisieren.

(Beifall von der FDP, der CDU und der SPD)

Ich möchte auch an die Beschäftigten und an ihre Bergmannsehre appellieren: Meine Damen und Herren, lassen Sie sich nicht vor den Karren spannen von Leuten, die einer Partei angehören, die nachweislich rassistisch ist!

(Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Helmut Seifen [AfD]: Das ist üble Nachrede! – Weitere Zurufe von der AfD)

Kommen wir zum Gegenstand des Antrags; der ist kurz erläutert:

Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus wurde von der RAG ein Sozialplan aufgestellt, der mit Landes- und Bundesmitteln finanziertes Anpassungsgeld, Abfindungen und eine Transfergesellschaft inklusive neuer Stellenangebote enthält. Das Ziel eines sozial verträglichen Stellenabbaus ist damit weitestgehend erfüllt. Allein seit 1997 wurden so über 80.000 Arbeitsplätze bei der RAG sozialverträglich abgebaut.

Die nun bekannt gewordenen Kündigungen sind Einzelfälle, zu denen sich eine politische Bewertung im Grunde verbietet. Wir können nicht beurteilen, welche Alternativarbeitsplätze angeboten wurden. Wir wissen nicht, wie viele Stellen angeboten wurden. Wir können auch nicht die Qualifizierungen beurteilen, die verlangt wurden und die bei den Beschäftigten vorliegen.

(Zuruf von Helmut Seifen [AfD])

Mit Erlaubnis des Präsidenten will ich dazu auch noch einmal den Vorsitzenden der Gewerkschaft IG BCE Michael Vassiliadis zitieren. Dieser hat die Bergleute aufgefordert, die ihnen unterbreiteten Jobangebote anzunehmen; sie auszuschlagen, sei grob fahrlässig, so Herr Vassiliadis.

Meine Damen und Herren, ich glaube, damit ist hinreichend belegt, dass es die Schwarz-Weiß-Zeichnung, die Sie hier vornehmen, nicht gibt. Genauso verhält es sich auch mit dem Aufrechnen von Fremdvergaben. Weil dort Spezialwissen erforderlich ist, geht der Schluss, man könne diese Arbeiten durch eigenes Personal

(Zuruf von Christian Loose [AfD])

einfach ersetzen, nicht auf.

Ich will deutlich feststellen: Die Situation ist schmerzvoll, weil es in diesem Land einen Konsens aller demokratischen Kräfte gibt, dass kein Bergmann ins Bergfreie fallen soll; weil wir alle die enormen Leistungen und auch Opfer der Bergleute anerkennen und weil vor diesem Hintergrund alle Landesregierungen – egal welcher Couleur – ihren Teil zu einem sozialverträglichen Ausstieg beigetragen haben.

Wenn es dann in Einzelfällen doch zu betriebsbedingten Kündigungen kommt, ist das mehr als bedauerlich. Natürlich stehen dahinter Menschen, die auch ihre Geschichte und ihre Gründe für die Ablehnung der Jobangebote haben.

Dies jedoch – und das sage ich ganz deutlich – politisch zu instrumentalisieren, verbietet sich,

(Beifall von der FDP, der CDU und der SPD)

zumal hier auch noch Klagen anhängig sind.

Wir werden diesen Antrag ablehnen. – Vielen Dank.

(Beifall von der FDP, der CDU und der SPD)

Vielen Dank, Herr Kollege. – Es gibt eine Kurzintervention von Herrn Loose von der AfD. Bitte, Sie haben das Wort.

Danke, Herr Präsident. – Die Subventionen wurden doch schon an die Ruhrkohle AG gezahlt. Das Geld ist damit vorhanden. Nur werden damit jetzt Personen aus Fremdfirmen beschäftigt, und das ist eben nicht das Spezialwissen, sondern da wurden die Mitarbeiter von den Bergleuten, die jetzt da oben sitzen, angelernt.

(Zuruf)

Ja, sie sind billiger, das ist das Argument der SPD. Ja, das ist super. Das ist die soziale Kälte der SPD, mit der wir es inzwischen zu tun haben. Das ist der Grund, warum Sie nur 15 % haben.

(Zurufe)

Uns haben die Bergleute ihre Geschichten erzählt. Zu uns sind sie gekommen – sie wären auch zu Ihnen gekommen –, und sie waren froh,

(Zuruf von der SPD)

dass wir diesen Antrag gestellt haben. Wir wurden gebeten, diesen Antrag zu stellen.

Wir haben uns die Geschichten angehört: Ingenieuren wurden Pförtnerarbeiten als Ersatzbeschäftigung angeboten, mit einem halben Gehalt,

(Zuruf von der SPD)

und das sind für Ingenieure eben keine gleichwertigen Arbeitsplätze.

(Unruhe)

Das sind gute Arbeitsplätze. Pförtner machen eine wichtige Arbeit, aber es ist vom Ausbildungsberuf eben nicht etwas Gleichwertiges. Dann können Sie sich nicht hier hinstellen und sagen: Die haben alle Jobangebote abgelehnt. – Denen wurden eben keine gleichwertigen Jobs angeboten.

(Beifall von der AfD)

Herr Brockes.