Protocol of the Session on April 11, 2019

Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Kultur und Medien Drucksache 17/5671

Ich eröffne die Aussprache und erteile für die CDUFraktion der Abgeordnetenkollegin Stullich das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Als ich mir 1989 meinen ersten PC gekauft habe, hieß Tennis am Bildschirm noch „Pong“, und Pac-Man fraß sich durchs Labyrinth. Aber es gab noch keinen Multiplayer-Modus; denn es gab noch gar kein Internet.

In den 90er-Jahren spielte ich „Baphomets Fluch“ und musste dafür ständig die Disketten wechseln. Aber immerhin unternahmen die ersten 3D-Grafikkarten schon früh Gehversuche – kreativen Spieleentwicklern sei Dank.

Heute heißen die Spiele „Fortnite“, „Minecraft“, „Call of Duty“ und „Battlefield“.

Der Verband der deutschen Games-Branche hat in der letzten Woche sehr spannende Zahlen bekannt gegeben. Mehr als 34 Millionen Deutsche spielen regelmäßig Computerspiele – am PC, an der Konsole, auf dem Smartphone, auf dem Tablet. Fast die Hälfte der Spielenden sind Frauen, nämlich 48 %.

Im Durchschnitt sind die Gamer 36,4 Jahre alt. Als wir unseren Antrag im September letzten Jahres gestellt haben, lag das Durchschnittsalter noch bei

36,1, vor fünf Jahren noch bei 31 Jahren. Dass es steigt, liegt daran, dass immer mehr Gamer älter als 50 sind. Fast 10 Millionen Menschen in Deutschland über 50 sind begeisterte Gamer.

Diese Zahlen zeigen: Games sind längst viel mehr als ein Jugendmedium. Sie sind ein Kulturmedium. Sie werden als Lehr- und Lernmittel eingesetzt. Sie sind ein Wirtschaftszweig mit Zukunft, bei dem Nordrhein-Westfalen noch aufholen kann.

Deshalb haben wir schon im Koalitionsvertrag angekündigt, den Games-Standort Nordrhein-Westfalen zu stärken. Denn diese Branche bietet, wie ich finde, ganz enormes Potenzial für Innovationen und Entwicklungen, für Existenzgründungen und für Beschäftigung. Dazu schaffen wir die Rahmenbedingungen, die das Entwickeln von Spielen leichter machen, und zwar in sehr engem Austausch mit der Branche.

Wir haben für 2019 die Fördermittel auf 3 Millionen Euro verdoppelt. Das ist der Grundstein, mit dem wir etablierte Unternehmer genauso fördern wollen wie ganz junge Spieleentwickler. Jeder Games-Entwickler in Nordrhein-Westfalen kann bis zu 50 % seiner Produktionskosten erhalten, für einen Prototypen sogar bis zu 80 %.

Der enge Austausch mit der Branche, mit den handelnden Akteuren, ist uns wichtig. Dazu hat der Ministerpräsident den Games-Gipfel in der Staatskanzlei ins Leben gerufen.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Wir werden ein Games-Kompetenzzentrum aufbauen, damit sich Politik, Wirtschaft, Hochschulen und Verbände noch besser miteinander vernetzen, um innovative Anwendungen zu ermöglichen, die aus der Games-Branche heraus wirken sollen und dann auch in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Medizin oder im Maschinenbau, eingesetzt werden können.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Wir wollen die Treffpunkte der Branche weiterentwickeln, zum Beispiel den gamescom congress und den Deutschen Entwicklerpreis.

Alle diese Signale werden in der Branche schon jetzt ausgesprochen positiv bewertet und zeigen bereits erste Wirkung. Das sieht man übrigens auch daran, dass die Gamescom vor zwei Wochen bekannt gegeben hat, in Köln bleiben zu wollen – und das, obwohl viele andere Standorte sich regelrecht um sie gerissen haben. Auch das ist ein wichtiges Signal für Nordrhein-Westfalen als führender Games-Standort.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Meine Damen und Herren, Gaming hat zunehmend gesellschaftliche Relevanz. Dazu trägt auch die le

bendige E-Sport-Szene bei. E-Sport wird immer populärer, sowohl im Breitensport als auch im Profisport, und zwar sehr rasant. E-Sport ist gekommen, um zu bleiben – das war eine der Aussagen in der Anhörung zu unserem Antrag. Zum Games-Standort Nordrhein-Westfalen gehört E-Sport unbedingt dazu.

Computer- und Videospiele sind also längst nicht mehr auf junge Leute oder auf ihren reinen Unterhaltungswert begrenzt. Sie haben eine große Strahlkraft in die Industrie und in den Bildungsbereich hinein entwickelt.

In der Games-Branche stecken ganz viel Mut, Neues auszuprobieren, neue, innovative Techniken zu nutzen, und ganz viel Unternehmergeist. Die GamesBranche in Nordrhein-Westfalen ist ein Innovationsmotor, ein Massenphänomen und ein Wachstumsmarkt.

Darum ist es sehr wichtig, die Games-Branche besser als bisher mit anderen Wirtschaftsbereichen zu vernetzen und Konvergenzeffekte herzustellen. Deshalb gehen wir so aktiv auf die Spieleentwickler zu; denn so kann hier bei uns in Nordrhein-Westfalen wirklich etwas ganz Großes entstehen.

Wir wollen Nordrhein-Westfalen zum Games-Standort Nummer eins machen. Ich lade Sie alle sehr herzlich ein, an diesem Ziel mitzuwirken – einem Ziel, für das es im Ausschuss schon eine breite Zustimmung gab, was uns sehr gefreut hat. Wir stimmen dem Antrag und der Beschlussempfehlung natürlich zu. – Herzlichen Dank.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Vielen Dank, Frau Kollegin Stullich. – Für die SPD hat nun der Abgeordnete Vogt das Wort.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau Stullich, schön, dass Sie uns an Ihrer Gamer-Karriere teilhaben lassen!

Sie wollen mit Ihrem Antrag Nordrhein-Westfalen zum Games-Standort Nummer eins machen.

(Henning Rehbaum [CDU]: Gutes Ziel!)

Vieles von dem, was Sie hier gesagt haben, ist gar nicht falsch. Deswegen haben wir uns auch im Ausschuss enthalten. Allerdings wundern wir uns schon, dass bei so einem gewichtigen medienpolitischen Thema

(Henning Höne [FDP]: Achtung! – Matthias Kerkhoff [CDU]: Der Ministerpräsident!)

nein – der Medienminister, den Sie selber zum Medienminister gemacht haben, weil der alte Medienminister zurücktreten musste, wieder nicht hier ist, und

auch Herr Pinkwart als Digitalminister bei der Debatte um Ihren dramatisch guten Antrag nicht anwesend ist. Das wundert uns schon.

(Beifall von Michael Hübner [SPD] – Matthias Kerkhoff [CDU]: Die Landesregierung wird aber dazu sprechen!)

Herr Kerkhoff, bleiben Sie ganz ruhig. Wir werden jetzt nicht beantragen, jemanden hierherzuzitieren. Sie brauchen Ihre Kollegen nicht reinzurufen.

(Heiterkeit und Beifall von der SPD)

Die Games-Branche boomt. Deutschland ist der größte Spielemarkt Europas mit einem Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro im letzten Jahr und einer Wachstumsrate von 17 % im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt sind das gute Voraussetzungen für Nordrhein-Westfalen – gute Voraussetzungen, die Sie allerdings bereits vorgefunden haben. Mit dem Cologne Game Lab an der TH Köln, der Universität Duisburg-Essen und der Universität Paderborn kümmern sich gleich mehrere Hochschulen um Ausbildung im Games-Bereich. Die von Ihnen erwähnte Gamescom findet seit zehn Jahren hier statt. Wir haben es geschafft, sieben Jahre lang sicherzustellen, dass sie weiterhin in Nordrhein-Westfalen stattfindet.

Natürlich war es Ihre Aufgabe – das feiern Sie ja ab; das ist auch durchaus gut –, diese Messe in Nordrhein-Westfalen zu halten. Alles andere wäre ein Armutszeugnis gewesen.

(Beifall von der SPD)

Der gamescom congress entwickelt sich immer weiter. Die Global Player EA und Ubisoft sind hier in Nordrhein-Westfalen beheimatet.

Und natürlich gibt es den großen Bereich E-Sport. Ich selbst war im letzten Jahr – so wie auch einige Kollegen – dabei, als 15.000 Fans bei der ESL One Cologne ihre Teams angefeuert haben.

Alle diese Dinge befinden sich auf einem positiven Weg. Sie als Landesregierung müssen sie auch weiterentwickeln. Man könnte also sagen, dass alles ziemlich gut läuft.

(Dietmar Brockes [FDP]: Genau!)

Welche Schlüsse ziehen Sie aber daraus? – Herr Brockes, Sie können ruhig applaudieren. Es handelt sich allerdings um Dinge, die sich schon auf den Weg befinden.

Sehen wir uns Ihren Antrag und das, was Sie hier feiern, einmal an: Sie haben etwas draufgelegt; Sie haben die Games-Förderung auf 3 Millionen Euro erhöht. Die Große Koalition in Berlin gibt 50 Millionen Euro für die Games-Förderung. Ihre 3 Millionen Euro sind daher sicherlich eine kleine Ergänzung dazu.

Eines zeichnet Ihren Antrag aus: Es steht nicht viel Falsches darin, aber er enthält ganz viele Fragen. Sie bringen viele Prüfaufträge und wenig Konkretes.

Beispielsweise schreiben Sie, dass eine Blockbuster-Förderung eingeführt werden soll. Das strategische Ziel erschließt sich mir nicht ganz, weil damit sehr erfolgreiche Spiele von Unternehmen gefördert werden sollen, bei denen die Fördergelder, die Sie auf den Weg bringen, allenfalls eine homöopathische Wirkung erzielen können, aber sicherlich nicht dazu beitragen werden, die internationalen Spiele weiter voranzubringen.

Sie haben das Thema „E-Sports“ angesprochen. Es ist grundsätzlich gut, dass Sie das positiv gestimmt in Ihrem Antrag erwähnen. In Ihrer Partei aber – nicht bei der FDP, sondern bei der CDU – gibt es Leute wie Peter Beuth, Innenminister von Hessen und Ihr Parteifreund, der erst kürzlich mit Sätzen wie: „ESport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren“ zitiert wurde. Neben Ihrem Antrag haben Sie daher sicherlich einiges in Ihrer Partei zu tun, um für diesen Bereich und diese innovativen Dinge weiter zu werben.

Ihr Antrag soll vieles prüfen, das ist in Ordnung. Er bietet wenig Konkretes, macht aber auch nichts kaputt. Wir werden uns daher zu Ihrem Antrag enthalten.

Mein Wunsch ist: Nutzen Sie die guten Voraussetzungen, die Sie, als Sie die Landesregierung übernommen haben, vorgefunden haben, und bringen Sie den Games-Standort Nordrhein-Westfalen weiter voran. – Vielen Dank.