Protocol of the Session on February 20, 2019

Das ist die eben schon von Herrn Bischoff und auch von dem Kollegen Nettekoven erwähnte Doppelstruktur. Es gibt bereits – darauf weisen Sie in Ihrem Antrag auch hin – einen Beirat „Umwelt und Sport“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Dieser hat bereits ein Positionspapier entwickelt, das gute Handlungsempfehlungen für nachhaltigen Sport gibt. Gleichzeitig zeigt das Positionspapier auf, dass „Sport und Umwelt“ kein spezielles Problem von Nordrhein-Westfalen, sondern ein deutschlandweites bzw. sogar weltweites Thema ist. Das macht aus unserer Sicht einen weiteren Beirat, der allein durch die NRW-Brille schaut, überflüssig.

Ich freue mich auf die Diskussionen im Ausschuss, um das Thema „Nachhaltigkeit im Sport“ vertiefend zu diskutieren. Vielleicht finden wir dabei ressourcenschonendere Lösungen für eine weitere Implementierung des Themas „Sport und Umwelt“ als Ihr Beiratsmodell. – Vielen Dank.

Vielen Dank, Herr Kollege Terhaag. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun Herr Abgeordneter Rüße das Wort. Bitte sehr.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Nettekoven, ich bin schon etwas enttäuscht darüber, dass Sie das Thema so schnell abgebügelt haben und gesagt haben, einen solchen Beirat bräuchten wir nicht. Eigentlich sollte man diesen Antrag erst einmal im Ausschuss eingehend beraten. Im Anschluss daran können wir dann entscheiden, ob so etwas Sinn macht oder nicht.

An die FDP gerichtet: Wenn wir bei allen Beiräten, die es sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene gibt, sagen, dass wir sie auf Landesebene abschaffen, weil wir sie auf Bundesebene schon haben, werden wir viele Beiräte abschaffen müssen. Ich wäre gespannt auf die Reaktionen derjenigen, die darin vertreten sind und davon überzeugt sind, dass sie dort ordentliche Arbeit leisten. Sie können diesen Vorschlag ja einmal machen.

(Beifall von Horst Becker [GRÜNE])

Alle meine Vorredner haben erwähnt, wie wichtig es ist, zu beachten, dass stellenweise Konfliktsituationen zwischen Sport, Umwelt und Natur existieren. Wir müssen in der Tat Sorge dafür tragen, dass es ein gutes Miteinander gibt.

Dazu will ich Folgendes erwähnen: Mittlerweile reden wir viel über die Entfremdung von der Natur. Jeder von uns kennt Menschen, die jenseits der 30 Jahre, also im Erwachsenenalter, mit dem Laufen beginnen – gerne auch in der Natur. Dasselbe gilt für Wandern, Klettern, Mountainbike-Fahren usw. Man hat

manchmal das Gefühl, dass die Erfahrung von Natur, die früher im Kindesalter stattgefunden hat, heutzutage von vielen Menschen im Erwachsenenalter nachgeholt wird und dann erst ein eigener Bezug zur Natur hergestellt wird.

Insofern sehen wir als Grüne es zunächst einmal sehr positiv, dass es einen solchen Austausch von Sport und Natur gibt.

Ich will aber noch das eine oder andere zum Antrag selbst sagen. Es alarmiert uns immer schon ein bisschen, wenn in einem Antrag das Wort „Nachhaltigkeit“ vorkommt. Ich glaube, es gibt keinen in den letzten Jahren politisch stärker überdehnten Begriff als „Nachhaltigkeit“. Das gilt übrigens auch für die Bundesebene.

Wir müssen uns auch immer überlegen, wie wir den Begriff füllen. Was ist denn im Sport nachhaltig? Wie bekommen wir es konkret umgesetzt? Im Ausschuss können wir ja miteinander diskutieren, was nachhaltige Sportpolitik für uns bedeutet. Dazu wäre ein Beirat auf Landesebene meiner Ansicht nach durchaus sinnvoll, weil er genau diese Frage schon einmal klären könnte.

Ich fände es gut, wenn dieser Aufschlag der SPD nicht ein einmaliger wäre, sondern wir kontinuierlich über die Verbindung von Sport und Umwelt diskutieren würden. Denn da gibt es Konfliktpotenziale, die wir auch hier im Land Nordrhein-Westfalen und nicht nur in Berlin diskutieren müssen.

Ich will noch darauf zu sprechen kommen, dass uns dieses Thema auch aktuell schon bewegt. Wir haben im Umweltausschuss bereits über Reithallenböden diskutiert und einen Antrag dazu gestellt.

(Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucher- schutz: Bitte?)

Reitböden.

(Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucher- schutz: Danke! Ich weiß es wieder!)

Dort ging es um Kunststoffe, die den Böden beigemischt werden, wodurch Reiter und Pferde eventuell eine gesundheitliche Beeinträchtigung erfahren könnten.

Die Frage nach den verwendeten Werkstoffen stellt sich im Sportbereich natürlich immer wieder. Die Reitböden sind ein kleines Beispiel dafür, dass es sich lohnt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und es intensiv zu diskutieren.

Dass in diesem Bereich nicht genug geschieht, will ich daran deutlich machen, dass es den ersten Bericht über Kunststoffbeimischungen, Kabelreste, Glasreste usw. in Reitböden schon vor zehn Jahren gab. Vor zehn Jahren ist das in der Fachwelt bereits

diskutiert worden. Den Aufschlag dazu hat damals eine Reiterzeitschrift gemacht. Es hat aber niemanden interessiert. Keiner hat sich darum gekümmert.

Ich bin der Meinung, ein Beirat böte genau die richtige Möglichkeit, solche Themen aufzugreifen und miteinander darüber zu diskutieren.

(Beifall von den GRÜNEN)

Das ist nur ein Beispiel dafür, was so ein Beirat tun kann und womit er sich beschäftigen kann.

Ich finde es gut, dass der Antrag an den Ausschuss überwiesen wird und wir über ihn diskutieren können. Wir sind der Meinung, dass die Landespolitik in dieser Hinsicht auch in der Pflicht ist.

Hier geht es um einen Beirat, der unseres Erachtens eine wirklich sinnvolle Funktion übernehmen könnte. Er könnte den Dialog zwischen Nutzern und Schützern auch intensivieren. Herr Bischoff hat bereits dargestellt, dass beispielsweise dann Konfliktpotenziale entstehen, wenn Läufer in die Natur hineinlaufen und Naturschützer sagen, dass sie dort keine Läufer haben wollen. Dazu auch auf Landesebene ins Gespräch zu kommen, halten wir grundsätzlich für eine gute Idee.

Wir sagen aber auch: Wenn man einen solchen Beirat einrichten will, muss man natürlich klären, wer ihm angehört, welche Kompetenzen der Beirat in Abgrenzung zur Bundesebene haben soll und womit genau er sich befassen soll. Auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit würden wir uns, wie gesagt, wünschen, diesen Begriff näher zu klären.

Vom Grundgedanken her tragen wir den Antrag also mit. Wir sind aber schon der Meinung, dass er in seiner jetzigen Fassung etwas blumig daherkommt und in der weiteren Diskussion etwas mehr Fleisch an den Knochen muss. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Rüße. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der AfD Herr Abgeordneter Keith das Wort. Bitte sehr.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Da ist er nun, der erste Antrag der SPD zum Thema „Sport“. Wunderbar; hervorragende Arbeit! Er ist so wichtig wie die beiden Ergebnisse in der Champions League gestern Abend und genauso interessant.

„Sport ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.“ Das ist ja der absolute Wahnsinn. Wer hätte das gedacht? Damit werden wir uns jetzt im

Sportausschuss befassen und müssen dort erst einmal aus unserer Lethargie herauskommen, um das parieren zu können.

(Zuruf von Hannelore Kraft [SPD])

Alle Achtung! Diese Aussage kann bloß von einer Partei kommen, die in den letzten Jahren Höchstleistungen für Nordrhein-Westfalen vollbracht hat.

(Hannelore Kraft [SPD]: Ihr sagt im Ausschuss kein Wort!)

Schauen wir doch einmal in den Protokollen nach, ob das wirklich so ist. Sie glänzen ja eher durch Abwesenheit, Frau Kraft.

(Zuruf von Hannelore Kraft [SPD])

Aber Stopp! Eine Partei, die seit Jahren Höchstleistungen abruft? Waren Sie nicht in der letzten Legislaturperiode in der Regierung? Waren es nicht Sie zusammen mit Ihren grünen Freunden, die die Sportinfrastruktur in Nordrhein-Westfalen komplett an die Wand gefahren und hier einen Milliardenstau verursacht haben? Waren das nicht Sie? Ich glaube schon.

(Zuruf von Hannelore Kraft [SPD])

Es darf also festgehalten werden, dass Ihre Kraftanstrengung im Bereich des Sportes in den letzten Jahren maximal Kreisklasse war.

Wer jetzt aber glaubt, die SPD habe verstanden und helfe mit innovativen und konstruktiven Sachanträgen, das von ihr angerichtete Chaos und Unheil wiedergutzumachen, der hat sich leider geirrt. Es kommt, was in der Politik immer kommen muss: Wenn du nicht mehr weiter weißt, bildest du einen Arbeitskreis. – In diesem Fall ist es kein Arbeitskreis, sondern ein Beirat.

Als Schnupperkursteilnehmer könnte man annehmen, das sei gar nicht so schlimm und eine tolle Idee. Leider kommt diese Idee 25 Jahre zu spät. Wir alle haben es festgestellt: Es gibt mittlerweile einen Beirat, und der nennt sich – und da hat man ihm einen tollen Namen gegeben – „Umwelt und Sport“. Das haben wir schon gehört.

Dieser hat im September 2017 das 24-seitige Positionspapier „Sport 2020 – Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft“ entwickelt. Ich hoffe, dass sie in den letzten 25 Jahren auch noch etwas anderes entwickelt haben als dieses Positionspapier; das würde mich freuen.

Schaut man sich dieses Positionspapier aber an, stellt man relativ schnell fest, dass der Antrag, den Sie hier eingereicht haben, fast die Hälfte aller Floskeln, die darin aufgeführt worden sind, übernimmt.

(Gabriele Walger-Demolsky [AfD]: Oh!)

Gegebenenfalls hat Familienministerin Giffey etwas dazu beigetragen; sie kennt sich ja mit solchen Dingen – zumindest nach den Medienberichterstattungen der letzten Wochen – ganz besonders gut aus.

(Heiterkeit von Gabriele Walger-Demolsky [AfD])

Der Antrag der SPD weist einige kreative Ansätze auf. Schon der Name des Beiratsprogramms an sich ist das Kreativste. Das Ganze nennt sich nämlich jetzt „Sport und Umwelt“ anstatt „Umwelt und Sport“. – Na, da haben Sie sich ja mal etwas richtig Kreatives einfallen lassen.

Leider bleibt nicht die Zeit, auf alle vier Forderungen, über die wir etwas gehört haben, einzugehen. Ich möchte nur eine herausgreifen – Herr Bischoff hat zu Beginn darauf hingewiesen –: „Sport in Natur, Landschaft und urbanem Raum“.