Zum Wesentlichen gehören die deutsche Sprache und mathematische Kenntnisse. Die Sprache ist das Mittel, das Organon, das wir brauchen, um unsere Welt bewusst wahrzunehmen, diese zu ordnen, zu strukturieren und zu kategorisieren. Der Umfang des Wortschatzes und die Beherrschung grammatikalischer Regeln und Finessen sind verantwortlich für den Grad der Differenzierung von Wirklichkeitsauffassung und Ausdrucksfähigkeit.
Immer mehr ist zu beobachten, dass die Schüler und Schülerinnen große sprachliche Defizite vorweisen. Wortarten werden nicht identifiziert, Satzgrenzen nicht erkannt, Hypotaxe nicht beherrscht, und der Umfang des Wortschatzes ist eher gering. Die Erfassung von Sachverhalten, wie sie am Gymnasium behandelt werden, und der Erkenntnisgewinn werden durch diese Mängel erschwert. Fragen Sie einmal Geschichtslehrer, die in einer sechsten Klasse unterrichten, wie schwer sich mittlerweile die Schülerinnen und Schüler tun, einfache Lehrbuchtexte zu erfassen. Die Intensivierung des Sprachunterrichts im Fach Deutsch ist deshalb dringend geboten.
Besonders geboten ist sie auch durch die Tatsache, dass wir immer mehr Kinder aus Migrantenfamilien haben, die in ihren Elternhäusern in ihrer Muttersprache kommunizieren und der deutschen Sprache aus diesem Grund weniger mächtig sind. Deshalb ist ein intensiver Unterricht unbedingt notwendig, um die aus diesen sprachlichen Mängeln resultierenden Nachteile zu vermeiden. Daraus folgt zwingend, das Lernen einer zweiten Fremdsprache auf das fünfte Schuljahr zu verlegen.
Zum einen gibt es Interferenzen zwischen Deutsch und Englisch, die das vertiefte Erlernen der deutschen Sprache sehr erschweren, vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund.
Zum Zweiten mangelt es deutlich an Effizienz. Die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen bemängeln die große Unterschiedlichkeit der Kenntnisse im Fach Englisch, wenn die Grundschulkinder auf die weiterführende Schule wechseln, sodass sie in ihrem Unterricht im Grund wieder von vorne anfangen müssen. Dazu fehlt den Schülerinnen und Schülern oftmals die Motivation, denn sie glauben natürlich, sie können bereits Englisch. Letzteres ist leider nicht der Fall.
Die unterschiedlichen Lehr- und Lernmethoden in den Grundschulen, die verschiedenen Formen der Fehlerkorrektur, die unterschiedliche Handhabung der Schreibung, schließlich die Heterogenität der Lerngruppen in den Grundschulen, die nicht ohne Weiteres einen in sich geschlossenen Lernzuwachs erlauben, all das führt zu einem chaotischen Kenntnisstand bei den Grundschülern, der weder den Kindern noch dem Unterricht in den aufnehmenden Klassen der weiterführenden Schulen nutzen.
Im Gegenteil, die Kinder, welche glauben, Englisch zu können, erfahren die ersten Frustrationen beim Anfangsunterricht in den weiterführenden Schulen. Die Englischlehrer der weiterführenden Schulen können nicht mehr auf die hohe Motivation von Lernanfängern aufbauen. Die Ineffizienz des fremdsprachlichen Frühbeginns belegt auch die Studie „Ganz In – Mit Ganztag mehr Zukunft. Das neue Ganztagsgymnasium NRW“ von Jäkel, die 2017 erschienen ist.
Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Kinder, die in der ersten Klasse mit dem Englischunterricht beginnen, sieben Jahre später schlechter in diesem Fach sind als Kinder, die erst in der dritten Klasse in die Fremdsprache einsteigen. Baden-Württemberg hat bereits daraus Konsequenzen gezogen, wenn auch nur halbherzig, hat den Englischunterricht von der ersten in die dritte Klasse verlegt.
Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Mitglieder der CDU-Fraktion hier im Landtag NRW nicht weniger klug sind als ihre Kollegen im Landtag von Baden-Württemberg, und erwarte deswegen, dass sie wenigstens an dieser Stelle uns zustimmen, auch wenn es ihnen möglicherweise schwerfällt. Ich kann sie ja vielleicht noch durch das Zitat von Friedrich Nietzsche etwas befeuern in ihren Entscheidungszweifeln. Nietzsche sagte einmal: „Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.“ – Vielen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Als ich den Antrag der AfD-Fraktion erstmals zu lesen bekam, musste ich unwillkürlich an den Englischunterricht in meiner Schulzeit zurückdenken.
Ende der 1960er-Jahre war noch kein Gedanke daran, schon in der Grundschule mit Englischunterricht zu beginnen. Im Gegenteil: Mitte der 1970er Jahre gehörte ich dank der gerade eingeführten reformierten Oberstufe zu den ersten, die das Fach Englisch vor dem Abitur abwählen konnten. Wenig später war der Film „Star Wars“ der erste Kinofilm, den ich in der Originalfassung ohne deutsche Untertitel gesehen habe, und ich bedauerte zum ersten Mal, dass ich mit meinen bescheidenen Schulenglischkenntnissen die Jedi-Ritter nur begrenzt verstehen konnte. Sie mögen verstehen, warum ich den AfD-Antrag deshalb für einen ziemlich rückwärtsgewandten Antrag halte.
Die bis heute fortgeschrittene Globalisierung des Arbeitsmarktes und der europäische Integrationsprozess machen das Erlernen einer Fremdsprache im Schulunterricht nicht nur wünschenswert, sondern absolut erforderlich. Schließlich gilt auch der Spruch: Language is also the key to understanding another culture. – Die Sprache ist auch der Schlüssel zum Verständnis einer anderen Kultur.
Vielleicht hätte ich diesen Satz etwas akzentfreier ausgesprochen, hätte ich schon Englisch in der Grundschule gehabt.
Ein Generationensprung: Als ich in der vergangenen Woche beim Frühstück mit der Familie genüsslich in mein Wurstbrot biss, saßen meine drei mehr oder weniger erwachsenen Kinder mit am Tisch, die alle schon Englischunterricht in der Grundschule hatten.
Alle drei sprechen heute ein deutlich besseres Englisch als ihr Vater. Ist das vielleicht schon ein Hinweis dafür, dass Englisch in der Grundschule doch funktioniert?
Bei der Frage an meine Kinder, was sie vom Englischunterricht in der Grundschule halten, gab es dann durchaus differenzierte Antworten: Es habe unheimlich Spaß gemacht, eine fremde Sprache auszuprobieren. Man habe ganz schnell auch etwas gelernt, zum Beispiel Alphabet, Zahlen, erste kleine Lieder. – Aber ob das beim späteren Englischunterricht in der weiterführenden Schule wirklich geholfen hat, darüber gingen die Meinungen durchaus auseinander –
Meine Frau, selbst Grundschullehrerin, und meine Tochter, Lehramtsstudentin für die Primarstufe, erinnerten daran, dass inzwischen wohl viele Hundert Grundschullehrkräfte Englisch als Schwerpunktfach studiert haben und landesweit unterrichten. Weitere befinden sich noch im Studium und stehen bald vor dem Abschluss. Will man denen jetzt sagen: „Das Ganze war ein Irrtum; wir brauchen euch nicht mehr.“? – Sie sagen: Ja. – Erzählen Sie das denen mal.
Kurzum, den Antrag, den Englischunterricht in der Grundschule einfach abzuschaffen, greift aus unserer Sicht zu kurz. Umgekehrt wäre es aber auch zu einfach zu sagen, dass der Englischunterricht in der Grundschule in der jetzigen Form und Ausgestaltung unantastbar ist. Wer Englischunterricht in der Grundschule für absolut unverzichtbar hält, um später erfolgreich Fremdsprachen zu erlernen, lebt sicherlich auch im Wolkenkuckucksheim. Denn auch in Zeiten ohne Englischunterricht in der Grundschule hat es – leider außer mir – viele gegeben, die später exzellent Englisch gelernt haben.
Zurück zum AfD-Antrag. Er baut auch noch einen Gegensatz zwischen Englischunterricht einerseits und Lesen, Schreiben und Rechnen andererseits auf. Keiner hier im Saal wird bestreiten, dass das Vermitteln von Lesen, Schreiben und Rechnen zu den Kernaufgaben der Grundschule gehört.
Auch die NRW-Koalition will diese deshalb besonders stärken. Der Englischunterricht ist aber sicher nicht verantwortlich für wirkliche oder vermeintliche Defizite bei der Vermittlung von Schreiben, Lesen und Rechnen.
Ich komme zum Schluss. – Wie eben beschrieben, kann es schon bei einer familiären Diskussion am morgendlichen Frühstückstisch zu einer differenzierteren Befassung mit dem Thema „Englisch in der Grundschule“ kommen als in der immer kleiner werdenden AfD-Fraktion hier im Landtag.
(Beifall von der CDU – Markus Wagner [AfD]: Das war billig! – Zuruf von der CDU: Aber trotzdem richtig!)
Danke, nein. – Die aus dem Antrag sprechende Einseitigkeit und Voreingenommenheit ist deshalb das, was mir und meiner Fraktion gar nicht gefällt.
So einfach darf man es sich mit wichtigen Bildungsfragen nicht machen, es geht hier um Bildung unserer Kinder.
Da möchte ich gerade Ihnen, Herr Seifen, sagen, dass da populistische Vereinfachungen einfach fehl am Platz sind.
Trotzdem gibt uns der Antrag die Chance, dass wir uns intensiver mit der Bedeutung des Englischunterrichts in der Grundschule befassen. Deshalb stimmen wir einer Überweisung des Antrags in die zuständigen Fachausschüsse gerne zu. – Ich danke für die Aufmerksamkeit.
Vielen Dank, lieber Herr Kollege Sträßer. Herzlichen Glückwunsch auch zu Ihrer ersten Rede hier im Hohen Haus! Die Information war nicht zu mir vorgedrungen, sonst hätten wir das anders gehandhabt. – Vielen Dank.
Als nächste Rednerin hat für die Fraktion der SPD Frau Kollegin Spanier-Oppermann das Wort. Bitte schön, Frau Kollegin.
Danke schön. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Sträßer, auch von meiner Seite herzlichen Glückwunsch zu Ihrer ersten Rede. Beim Zuhören habe ich gerade gedacht: Was die Zielrichtung
Dann fange ich jetzt auch mal an. Ich bin keine Lehrerin, aber Mutter eines Sohnes, der noch nicht ganz so alt ist. Ich verfolge natürlich seine schulische Laufbahn ganz extrem. Bei uns war es genauso Thema am Tisch. Unsere Kinder wachsen mit einer Selbstverständlichkeit in einer Welt der sprachlichen Vielfalt auf. Neben dem Erlernen der eigenen Muttersprache ist es für uns in Nordrhein-Westfalen, die wir im Herzen Europas liegen, richtig und konsequent, unseren Kindern die Möglichkeit zu eröffnen, frühzeitig die ersten Englischkenntnisse zu erlernen.