Protocol of the Session on July 22, 2011

Weder wird dort gesagt, wie diese Prioritätensetzung umgesetzt werden soll, noch, an welcher Stelle aus Sicht der CDU gespart werden soll.

(Vereinzelt Beifall von der SPD)

Vor dem Hintergrund, dass es gerade die CDU war und ist, die zusammen mit der FDP auf Bundesebene die öffentlichen Haushalte dezimiert hat – erlauben Sie mir, als Stichworte zu nennen: Schuldenbremse, Steuersenkungsdebatte, Ablehnung

einer sozial gerechten Steuerpolitik usw. –, ist das unerhört.

Wenn es der CDU ernst damit ist, die Sprach-‚ Schreib- und Lesekompetenz von jungen Menschen zu stärken, dann muss sie auch erklären, wie dies finanziell gestemmt werden kann – zum Beispiel mit mehr Personal für individuelle Förderung. So, wie dieser Antrag jetzt hier zur Diskussion steht, können wir ihm jedenfalls nicht zustimmen.

Die Linke unterstützt alle Bestrebungen, junge Menschen zu motivieren, sich kreativ mit Sprache auseinanderzusetzen. Lesen kann das eigene Leben unglaublich bereichern. Und bereits Kinder lieben es, vorgelesen zu bekommen. Es reicht daher nicht, nur junge Menschen anzusprechen.

Zentrale Akteure für das Erlernen von Sprache sind die Familien und die Schulen. Familien müssen auch materiell in die Lage versetzt werden, sich Lesen leisten zu können. Dazu zählen auch preisgünstige Möglichkeiten, sich Bücher und Comics in kommunalen Bibliotheken ausleihen zu können.

(Beifall von der LINKEN)

In den letzten Jahren waren jedoch viele Kommunen aus Geldmangel gezwungen, die Bibliotheksangebote einzuschränken oder Preise heraufzusetzen. Das trifft in besonderem Maße Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Familien.

Damit Leseförderung nicht zur Eliteförderung wird, muss nachgebessert werden. Das Land NRW muss sich dafür einsetzen, dass Kinder nicht unter der Armut ihrer Eltern leiden müssen und dass auch Kindern einkommensschwacher Familien der Zugang zu Büchern und neuen Medien eröffnet wird. – So weit erst einmal.

Der Überweisung an den Ausschuss stimmen wir natürlich zu. Ich freue mich auf die Beratungen und wünsche eine schöne Urlaubszeit. – Danke schön.

(Beifall von der LINKEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Vielen Dank, Frau Abgeordnete Dr. Butterwegge. – Als nächste Rednerin hat für die Landesregierung Frau Ministerin Schäfer das Wort.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! In der Einschätzung sind wir uns alle einig. Herr Dr. Berger, es ist in der Tat ein wichtiges Anliegen, die Lese- und Sprachkom

petenz von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Ich teile auch ausdrücklich Ihre nächste Einschätzung, dass wir tatsächlich Gefahr laufen, die kulturelle Spaltung zu vertiefen; denn sie wird durch die neue mediale Nutzung durchaus noch forciert. Das steht für mich ebenfalls außer Frage.

Was die Einschätzung angeht, wie sich das Leseverhalten verändert hat, gibt es allerdings unterschiedliche Studien. Ich könnte jetzt auch die aktuelle JIM-Studie aus dem Jahr 2010 zitieren, die zu dem Ergebnis kommt, dass genauso wie 1998 nach wie vor 38 % der Jugendlichen regelmäßig Bücher lesen.

Um die geht es uns hier aber gar nicht, sondern es geht uns um die Benachteiligten, die nicht unbedingt in gleicher Form Zugang zu diesen Medien haben und denen die Eltern nicht schon ganz früh vorlesen, wenn sie noch klein sind; denn das ist wirklich das Beste, was man tun kann, um Menschen zu begeisterten Lesern zu machen. Um diese Benachteiligten geht es uns.

Da sind wir mit den Möglichkeiten, die Teil des staatlichen Bildungsauftrages sind, in NordrheinWestfalen durchaus auch gut unterwegs, sowohl in den Kitas als auch in den Schulen.

Natürlich müssen wir aber auch das Zusammenspiel zwischen Kitas, Schulen und außerschulischen Einrichtungen im Blick haben; denn auch hier können wir viele junge Menschen erreichen, denen der Zugang zum Lesen zu Hause eben nicht so selbstverständlich mitgegeben wird.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, einmal eine Einrichtung zu besuchen, die ich mir auch angeschaut habe. In Dortmund ist die Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur NRW „jugendstil“ angesiedelt. In welcher Art und Weise man das Lesen vermitteln kann und wie viel Freude es macht, sich in das Medium „Buch“ hineinzubegeben, kann man sich dort anschauen. Das lohnt sich und ist einen Besuch wert.

Ich möchte ferner erwähnen, dass die 60 Jugendkunstschulen, die jedes Jahr 50.000 junge Menschen erreichen, ebenfalls zu einem großen Teil literaturbezogene Angebote in ihrem Programm haben.

Natürlich danken wir an dieser Stelle auch allen öffentlichen Bibliotheken, die immer wieder Angebote zur Leseförderung für Kinder und junge Menschen bereitstellen und anbieten.

Allerdings muss ich jetzt doch einen kleinen Wermutstropfen in diese Debatte einbringen. Über neue Wettbewerbe geben wir meines Erachtens nicht wirklich noch einmal einen Anstoß in diese Richtung.

(Beifall von der LINKEN)

Ich empfehle Ihnen, sich einmal die Anzahl der Wettbewerbe anzuschauen, die tatsächlich schon bei den Schulen ankommen – verbunden mit der Aufforderung, sich daran zu beteiligen. Als ich kürzlich die Preise beim Geschichtswettbewerb vergeben habe, sagte mir ein Vertreter der KörberStiftung, dass es eine unglaubliche Menge Wettbewerbe gibt und die Schulen gar nicht mehr wissen, wie sie damit umgehen sollen, und diese vielen Wettbewerbe auch gar nicht mehr in Anspruch nehmen – zumal das Curriculum so verdichtet ist, dass oftmals gar keine Zeit bleibt, einen Klassenwettbewerb, in welcher Weise auch immer, durchzuführen.

Neue Wettbewerbe würde ich also nicht unbedingt unterstützen; denn diese Dinge sollten aus unserer Sicht von den Trägern der Jugendhilfe und den Kultureinrichtungen vor Ort ausgelobt werden. Dort kann man mit Projekten anfangen. Ich halte es auch nicht für sinnvoll, als Land noch „ein innovatives Buchprojekt ins Leben zu rufen“, wie Sie es formuliert haben. Das empfinde ich nicht wirklich als originäre landespolitische Aufgabe.

Was wir tun sollen und tun müssen, ist aber – da greife ich Ihren Appell wieder auf –, als Landespolitiker und Landespolitikerinnen sowie als Landesregierung immer dann, wenn es uns möglich ist, deutlich zu machen, wie wichtig uns die Förderung der Lese- und Sprachkompetenz ist und dass wir diesen Bereich auch weiter intensiv in Kita und Schule begleiten. Ich glaube, dass wir da in großer Übereinstimmung sind.

Ich erlaube mir an dieser Stelle – ich glaube, ich bin die letzte Rednerin vor der Sommerpause –, Ihnen wunderschöne Ferien, eine gute Sommerpause und ganz viele spannende Bücher und dadurch neue Ideen und neue Kreativität zu wünschen. – In diesem Sinne, herzlichen Dank.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Ministerin Schäfer. – Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind damit am Schluss der Beratung, weil weitere Wortmeldungen nicht vorliegen.

Wir kommen damit zur Abstimmung über die Überweisungsempfehlung des Ältestenrates, den Antrag Drucksache 15/2367 an den Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend – federführend – sowie an den Haupt- und Medienausschuss und an den Ausschuss für Schule und Weiterbildung zu überweisen. Die abschließende Beratung und Abstimmung soll im federführenden Ausschuss in öffentlicher Sitzung erfolgen. Darf ich hierzu die Zustimmung aller Fraktionen feststellen? – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Dann ist diese Überweisungsempfehlung einstimmig angenommen.

Frau Ministerin, Sie waren in der Tat die letzte Rednerin im Plenum. Das sind für heute auch die letzten Worte von mir. Jeder von Ihnen hat individuell hoffentlich noch ganz viele weitere Worte zu sagen, nicht nur am heutigen Tag.

Ich darf Ihnen auch im Namen des Präsidiums eine sitzungsfreie Zeit wünschen, die für jeden das bereithält, was er sich selber wünscht von Erholung über neue Anregungen, interessante Lektüre bis hin vielleicht zu interessanten Reisen. Bleiben Sie gesund.

Wir sehen uns alle wieder – und das, wie ich gehört habe, nicht erst am 28. September. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Nachmittag und eine schöne sitzungsfreie Zeit.

Ich schließe die Sitzung. – Tschüss.

(Beifall)

Schluss: 15:25 Uhr