Protocol of the Session on February 24, 2011

Oberstufe und kooperiert dazu mit entsprechenden Schulen.

Sie bereitet auf den Übergang in den Beruf vor.

Es wird dann noch konkreter. Unter der Fragestellung „Wie lassen sich Lernwege individuell gestalten und gleichzeitig kompentenzorientierte Standards sichern?“ heißt es:

„Drei Voraussetzungen für eine Didaktik der Individualisierung

1. Vertrauen in die Lern- und Verantwortungs

bereitschaft jedes Kindes

2. Herausfordernde, differenzierende Aufgaben 3. Individuelle Leistungsbewertung“

Am plastischsten wird das bei folgendem Punkt deutlich:

„Gemeinsames Lernen und Spezialisierung

Individuelle Leistungen gehen von der Gruppe aus und kommen dort wieder zusammen.“

Es gibt ein gemeinsames Fundamentum. Das sind die grundlegenden Kompetenzen, die alle Kinder lernen sollen.

Darüber hinaus gibt es ein spezialisierendes Additum. Das sind die erweiterten Kompetenzen, die von Anfang an für alle Kinder im Angebot sind und je nach Lern- und Leistungsfortschritt der Kinder dann in einem guten methodischen Unterricht zur Anwendung kommen.

Dazu werden folgende Aufgaben, Arbeitsformen und Methoden gewählt:

„Differenzierende Aufgaben durch unterschiedliche Zugänge und Schwierigkeitsstufen

Formen kooperativen Lernens (systematisiertes Ineinandergreifen von Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit)

Vielfältige Lernmethoden (u. a. recherchieren, planen, gestalten, diskutieren, vortragen, präsen- tieren …)“

Dazu kommt natürlich eine Diagnostik und Beratung, um dem Anspruch der individuellen Förderung aller Kinder gerecht zu werden. Darunter heißt es:

„Individuelle Zugänge verstehen und zulassen Stärken sehen und verstärken

Lernprozesse steuern

Rückmeldungen und Anregungen geben

Hilfen und/oder Alternativen anbieten Klassenlehrer als Coach

Beratungszeiten als fester Bestandteil von Unterricht“

So viel als kleinen Einblick! Das Konzept ist noch dicker. Es wird aufgrund unseres Symposiums auch im Internet präsentiert.

Damit habe ich Ihnen hoffentlich deutlich machen können, dass erstens unsere Kernlehrpläne für die Fächer so angelegt sind, dass differenzierender Unterricht sowie unterschiedliche Förderung und Gestaltung möglich sind, und dass zweitens unsere Gemeinschaftsschulen wie auch andere Schulen, zum Beispiel unsere Grundschulen, sehr wohl in der Lage sind, durch ein pädagogisches Konzept Kinder auf gymnasiale Standards vorzubereiten und auf diese Art und Weise ihre Leistungspotenziale optimal zu fördern und weiterzuentwickeln, um viele Kinder zu höherwertigen Bildungsabschlüssen zu führen. – Herzlichen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Ministerin Löhrmann. – Frau Pieper-von Heiden hat eine erste Frage. Bitte schön, Frau Pieper-von Heiden.

Frau Ministerin, herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. Ich habe aber doch die Bitte, noch einmal etwas konkreter zu werden.

Sie haben soeben referiert, dass die gymnasialen Standards entsprechend der Ausbildungs- und Prüfungsordnung in den Gemeinschaftsschulen zur Anwendung kommen sollen. Nun werden fünf der Gemeinschaftsschulen allein aus bisher bestehenden Hauptschulen errichtet, und es findet verpflichtender integrierter Unterricht in den Klassen 5 und 6 statt.

Vor diesem Hintergrund konkret die Frage an Sie, wie Sie es denn in diesen Gemeinschaftsschulen mit der zweiten Fremdsprache, die verpflichtend zu erteilen ist, halten – speziell mit Blick darauf, dass

vermutlich überwiegend Hauptschüler diese Schule besuchen werden, wenn Sie nicht von umliegenden Schulen Gymnasiasten und Realschüler abziehen wollen. Wie sieht es also mit der zweiten Fremdsprache im integrierten Unterricht in der 6. Klasse aus? Heißt das, dass alle Schülerinnen und Schüler verpflichtet sind, diese zweite Fremdsprache zu wählen und im integrierten Unterricht zu sitzen?

Außerdem wüsste ich gerne – das wäre fast schon eine zweite Frage; sie ergibt sich aber aus der ersten –, ob Sie nicht meinen, dass der eine oder andere Schüler bzw. die eine oder andere Schülerin damit überfordert sein könnte.

Frau Ministerin, bitte.

Frau Kollegin Pieper-von Heiden, wir haben heute Morgen in der Aktuellen Stunde schon diskutiert, dass ein Kind, das nach der Klasse 4 in die Gemeinschaftsschule geht, damit nicht mit einem Schulformetikett versehen ist. Aufgrund des anderen pädagogischen Konzepts zieht die Gemeinschaftsschule auch an den Standorten, an denen sie vorher Hauptschule war und jetzt Gemeinschaftsschule wird, ein anderes Potenzial von Schülerinnen und Schülern an. Das ist der große Unterschied.

Wir können also davon ausgehen, dass beispielsweise in Köln nicht diese Anmeldezahlen zustande gekommen wären, wenn die Schule keine Gemeinschaftsschule wäre. Deswegen haben wir auch eine größere Heterogenität in der Schülerschaft.

Man kann gerade nicht den Umkehrschluss „Gemeinschaftsschule gleich Hauptschule“ ziehen. So ist es in Baden-Württemberg mit der Werkrealschule gemacht worden. Dort hat man nur das Türschild ausgetauscht und nicht, wie wir das jetzt mit der Gemeinschaftsschule machen, ein anderes pädagogisches Konzept an die Stelle gesetzt.

Zu der zweiten Frage – es waren in der Tat zwei Fragen –: Was die zweite Fremdsprache angeht, gehen wir so vor, wie wir auch bei der Realschule, der Gesamtschule und den Gymnasien vorgehen. In der Klasse 6 wird die zweite Fremdsprache gewählt. Nach der 6. Klasse entscheiden dann aber die Kinder und ihre Eltern, ob sie diese Fremdsprache weiter lernen wollen oder ob sie im Wahlpflichtbereich ein anderes Neigungsprofil für sich wählen.

Sie sollen die Chance haben, sich in Zeiten der Globalisierung auch mit einer zweiten Fremdsprache vertraut zu machen. Weil wir durch Europa wissen, dass wir mit nur einer Fremdsprache international nicht auf der Höhe der Zeit sind, soll es eigentlich das Ziel sein, dass alle Kinder mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Diese Chance sollen alle Kinder und Jugendlichen haben.

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Herr Witzel hat eine Frage. Bitte schön, Herr Kollege Witzel.

Vielen Dank, Herr Präsident. – Auch ich habe eine Nachfrage an Sie, Frau Ministerin Löhrmann. Zunächst einmal vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Das ist ja nicht selbstverständlich. Auch wenn man Dinge anders sieht, freut man sich zumindest, die Konzepte und Überlegungen des anderen auch so weit nachvollziehen zu können.

Weil wir später noch die Diskussion zu Standorterwägungen führen werden, will ich auch sehr eng auf den Inhalt dieser …

(Ministerin Sylvia Löhrmann: Ich kann auch alle Fragen zusammen beantworten!)

Nein, nein. Dazu kommen wir ja später. Wir haben das auch völlig zu Recht getrennt.

(Ministerin Sylvia Löhrmann: Ich kann Ihnen auch noch die Kernlehrpläne vortragen! Dann kommen wir zu nichts mehr!)

Nein. Lassen Sie uns doch bei dem Thema der Frage 27 bleiben, nämlich den gymnasialen Standards. Darauf bezieht sich auch meine Frage, Frau Ministerin. Sie haben gerade gesagt – so habe ich Ihre mündlichen Ausführungen verstanden –, dass Ihnen an Qualität und attraktiven Angeboten vor Ort sowie an Durchlässigkeit liegt.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der BIJUStudie, nach denen bei Schülern mit gleichem Leistungspotenzial das, was sie am Ende der Schullaufbahn erreichen, mit davon abhängt, in welchem schulischen Kontext sie lernen und sich entwickeln können – Sie wissen, dass laut BIJU-Studie Kinder mit sehr vergleichbarem Potenzial und ähnlichen Prognosen für die Zukunft am Ende der Laufbahn, abhängig von dem Lernkontext, in dem sie waren, teilweise einen Lernunterschied von über einem Jahr haben –, frage ich Sie:

Würden Sie sagen, ein Gymnasium auf der einen Seite und eine Gemeinschaftsschule, die auch gymnasiale Standards anbietet, auf der anderen Seite sind eine gleichwertige Bildungsempfehlung für die Eltern, die eine Entscheidung für die Einschuldung ihres Kindes an einer weiterführenden Schule treffen müssen? Wird sich Ihrer Meinung nach ein Kind in einem Gymnasium vor Ort genauso entwickeln wie in einer Gemeinschaftsschule und den gymnasialen Standards, was seine zukünftigen Erwartungen angeht?

(Gunhild Böth [LINKE]: Ist sie Jesus? Kann sie über Wasser gehen?)

Bitte schön, Frau Ministerin.

Herr Präsident! Herr Kollege Witzel, wenn ich Ihre Frage richtig verstanden habe, heben Sie darauf ab, dass Studien zeigen, dass Kinder in unterschiedlichen Lernmilieus konfrontiert mit unterschiedlichen Anspruchsniveaus bei gleicher Ausgangslage unterschiedlich weit kommen und lernen, also mehr lernen können, wenn sie mehr Anregung bekommen.

Diese Auffassung teile ich ausdrücklich und begrüße, dass Sie sie formulieren. Denn das ist einer der Gründe, warum wir sagen: Wir wollen Hauptschulen, in denen nur noch ganz wenige Kinder in bestimmten sozialen Milieus sind, durch ein zusätzliches Angebot weiterentwickeln, damit diese neue Schule an Attraktivität für die Kinder und Jugendlichen gewinnt.

Ob und inwieweit die einzelnen Kinder ihr Leistungspotenzial ausschöpfen können, hängt in der Tat von der Qualität der pädagogischen Arbeit, von der Qualität des Unterrichts ab. Der Unterricht in den Gemeinschaftsschulen ist so angelegt, dass er sehr stark differenziert, um sehr stark den unterschiedlichen Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen gerecht werden zu können.