- Herr Kollege Siebels, Sie wollen Ihre billigen Kalauer verwursten, um mal in der Terminologie zu bleiben.
Sie wollen Ihre billigen Kalauer verwursten. Ob das nun korrekt ist oder nicht, ist mir relativ egal, aber es entspricht den Tatsachen.
Wir wollen das anders, meine Damen und Herren. Wir wollen für die Verbraucherinnen und Verbraucher Klarheit und Wahrheit. Sie wollen das leider nicht.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich weiß auch nicht, wie das Thema auf mich zukommen konnte.
Mein Vorredner hat aus einem Urteil zitiert, das der EuGH heute gesprochen hat. Darauf möchte ich gleich eingehen.
Mein Vorredner hat recht, was den Käse angeht. Das sogenannte Käse-Urteil hat er richtig zitiert. Er hat aber ganz vergessen, dass der EuGH auch noch etwas anderes gesagt hat, nämlich in Bezug auf Fleisch und Wurst. Dazu hat er gesagt, dass dafür die Rechtslage eine gänzlich andere sei; das sei überhaupt nicht vergleichbar.
Deshalb lässt sich dieses Urteil auch nicht zur Begründung des Antrags heranziehen. Damit liegen Sie völlig falsch; denn da haben wir eine andere Rechtslage.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir hatten bis zuletzt die Hoffnung, dass dieser Antrag zurückgenommen wird. Aber was immer die CDU auch getrieben haben mag, eine andere Kennzeichnung von Fleisch- und Wurstimitaten zu fordern - es gibt einfach keine Veranlassung für eine Veränderung. Bezeichnungen wie „vegetarische Bratwurst“, „vegane Schnitzel“ oder „VeggieLeberwurst aus Soja“ sind gut verständlich. Diese Beschreibungen sind auch nach dem heutigen EuGH-Käse-Urteil rechtssicher für die Verbraucher. Das belegen alle Studien, und das entspricht auch der Ergebnislage unserer Expertenanhörung. Es gibt in der Praxis keine Evidenz für verwirrte Verbraucher, weil Irreführungen und Fehlkäufe weitestgehend ausgeschlossen sind.
Meine Damen und Herren, ich bin, wie ich schon angemerkt habe, bekennender Fleisch- und Wurstesser, und ich kenne die Probleme des Fleischerhandwerks und der Fleischerindustrie ziemlich genau. Für die Sorgen der kleinen Fleischermeister im Handwerk ist oft auch die große Konkurrenz der Fleischindustrie mit Billigfleisch verantwortlich; das darf man nicht vergessen.
Für die deutsche Fleischindustrie wäre es deshalb viel sinnvoller, intensiver darüber nachzudenken, wie man zu einer besseren Qualität kommen kann, weil billige Massenware zwar nicht grundsätzlich - wie ich betonen möchte -, aber doch oft Beleg und Hinweis für weniger Tierwohl ist.
Wir kennen doch die Bilder, wenn die Fließbänder auf deutschen Schlachthöfen immer schneller laufen und die Tiere nicht vernünftig betäubt am Haken hängen. Diese Bilder schrecken die Leute ab. Darum verzichten immer mehr Verbraucher auf Fleisch und Wurst. Auch das muss man sehen.
Die CDU wäre deshalb besser beraten gewesen, einen Antrag einzubringen, der sich damit beschäftigt, die Qualität deutscher Fleischerzeugnisse generell zu verbessern, Dumpinglöhne in der Fleischindustrie zu verhindern und den Fleisch-
Meine Damen und Herren, große Produzenten haben längst erkannt, dass auch mit VeggieProdukten Geld zu verdienen ist, z. B. die Rügenwalder Mühle und Gutfried. Die CDU hat die Rügenwalder Mühle besucht. Dem Vernehmen nach sollen die fleischfreien Produkte sogar gemundet haben.
Fast 30 Produkte fleischfreier Wurst findet man dort im Sortiment, und viele Vegetarier kaufen diese Produkte inzwischen auch.
Mitten im Schweinegürtel im Landkreis Diepholz gibt es die Firma LikeMeat. Dort arbeiten inzwischen Fleischer, Ausbeiner und Genusshandwerker für Produkte, die Vegetarier, Veganer und Flexitarier kaufen. Ich finde das alles gar nicht schlimm. Der Kunde verlangt nämlich danach. Und wenn ein Fleischer die Zutaten für eine vegetarische Leberwurst durch den Cutter laufen lässt, dann ist ihm das solange egal, wie er dafür seinen anständigen Lohn bekommt.
Herr Kollege Schminke, ich darf Sie kurz unterbrechen. Herr Kollege Schönecke bittet darum, eine Frage stellen zu dürfen.
Was dann am Ende der Verbraucher bei der Bezeichnung „vegetarische Leberwurst“ eigentlich noch missverstehen sollte, kann ich nicht erkennen. „Vegetarisch“ heißt „ohne Fleisch“. „Leberwurst“ beschreibt die Form, den Geschmack und die Verwendung als Streichmasse; denn Leberwurst ist eine Streichwurst.
Also, liebe Kollegen von der CDU, da ist erkennbar kein Fleisch drin - und nur das zählt. Das versteht jeder Verbraucher.
(Wiard Siebels [SPD]: Herr Oester- helweg versteht das nicht! - Gegenruf von Frank Oesterhelweg [CDU])
Einen Moment, bitte, Herr Kollege Schminke! - Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit habe ich nicht einen Dialog zwischen den Reihen eröffnet.
- Herr Kollege Schminke, das setzt aber voraus, dass Sie nicht selbst in den Dialog eintreten. Ich darf also um Ruhe bitten.
Der Besuch bei der Rügenwalder Mühle war eine erkenntnisbringende Veranstaltung. Die CDU sei auf den Geschmack gekommen, lautete die Überschrift in der NWZ.
Und von einer Zwickmühle war die Rede, in die unsere CDU-Kollegen mit ihrer Lobbyarbeit geraten seien. Man habe die Bedeutung der Sparte Veggie erkannt.
Die Union lenkt beim Wurststreit ein, und Schnitzel dürfen weiter Schnitzel und Wurst weiter Wurst heißen.