Protocol of the Session on February 18, 2011

2010 860 000

Zu 2: Die von der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande e. V. initiierten Angebotsformen haben sich nach eigener Einschätzung der AG sehr gut entwickelt. Das Angebot der „Heuhotels“ ist jetzt bereits seit 25 Jahren am Markt, und es gibt bei der AG mittlerweile 50 Mitgliedsbetriebe, die diese Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Gerade mit Urlaubsaktivitäten wie Radfahren und Wandern ergeben sich gute Kombinationsmöglichkeiten.

Mit dem Angebot „Bett & Box“ hat die AG nicht nur attraktive Übernachtungsmöglichkeiten für die Reitinteressierten geschaffen, sondern auch für die Entwicklung der Reittourismusinfrastruktur viele Anstöße gegeben. So haben die Betriebe ungenutzte, landwirtschaftliche Gebäude für die Unterstellung von Gastpferden umgebaut, es sind für Reiter nutzbare Wege entwickelt worden, und mit einem Kartennavigator im Internet ist das Angebot auch kundenfreundlich aufbereitet worden.

Mit dem Segment „Erleben & Genießen“ hat die AG besondere, sehr gut nachgefragte Pauschalangebote entwickelt, wie etwa zu kulinarischen Themen und Wellness, aber auch für Gruppenreisen und Familienfeste.

Mit dem neuen Angebot „Landreiselust“ hat die AG eine touristische Vermarktung bäuerlicher Gärten und Parks in Niedersachsen gestartet. 2010 konnten bereits mehr als 20 000 Besucher in den Bauerngärten registriert werden.

3. Welche Bedeutung hat der Städte- und Kulturtourismus für die aus anderen Bundesländern bzw. aus dem Ausland nach Niedersachsen reisenden Touristen, und was bedeutet das für Marketing und Vertrieb auf regionaler und Landesebene?

Zu 3: Die Perspektiven für die Urlaubsform Urlaub auf dem Lande werden aus Sicht der Landesregierung positiv eingeschätzt. Eine vom Europäischen Tourismus-Institut an der Universität Trier GmbH 2008 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erstellte Expertise „Urlaub auf dem Bauernhof/Lande“ kommt ebenfalls zu einer günstigen Prognose. Die Erfolgskriterien sind dabei die Ansprache neuer Zielgruppen und ein effektives Qualitätsmanagement. Unter der Voraussetzung, dass die Qualität der Infrastrukturausstattung und des Dienstleistungsangebotes die Erwartungen und Ansprüche der jeweiligen Zielgruppe erfüllt, wird der Urlaub auf dem Land weiterhin von einem wachsenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung profitieren können.

Nach den Ergebnissen des Sparkassen-Tourismusbarometers Deutschland 2008 haben die deutschen Städte im Zeitraum von 2003 bis 2007 Steigerungen bei den Übernachtungszahlen registrieren können. Besonders deutlich war diese Entwicklung bei der Spitzengruppe der Städte nachweisbar, zu der auch Hannover gehört. Aber auch kleinere Städte haben sich besser entwickelt als die bundesweiten touristischen Durchschnittswerte.

Der Kulturtourismus lässt sich als eigenständige Urlaubsart kaum abbilden. Nur rund 1,5 % bis 2 % der Deutschen bezeichnen ihren Urlaub als Kulturreise. Kultur ist somit eher selten das alleinige Urlaubsmotiv. Kulturelle Angebote sind jedoch sehr häufig ein fester Bestandteil von Urlaubsreisen. So besucht rund die Hälfte der Niedersachsenreisenden historische Gebäude und Kirchen. 32 % der Gäste besuchen Museen und Ausstellungen (FUR- Reiseanalyse 2003). Als kulturelle Zentren bieten somit insbesondere die Städte ein breites Angebot für kulturinteressierte Reisende.

Anlage 28

Antwort

des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auf die Frage 29 der Abg. Axel Miesner und Jörg Hillmer (CDU)

Aber auch die ländlichen Räume dürfen als Tourismusregion bei der Thematik Städte- und Kulturtourismus nicht vernachlässigt werden; denn Kultur findet nicht allein in den Städten statt. Mit ihrem vielfältigen Angebot bieten die ländlichen Räume Erholungs- und Kultursuchenden gleichwertige Ausflugsziele. Gerade hier haben Künstler, Bauherren und Architekten, aber auch Handel und Gewerbe bleibende Zeitzeugen einer bedeutsamen Kultur hinterlassen.

Städte- und Kulturtourismus ist ein wirtschaftliches Zugpferd für Niedersachsen

Der Städte- und Kulturtourismus nimmt in Niedersachsen einen immer höheren Stellenwert ein. Niedersachsen ist ein beliebtes Kulturreiseland.

Kultur in der Stadt und auf dem Land bietet ein vielseitiges Angebot für die Besucher. Ausstellungen, Konzerte, Theater, Denkmäler, Museen und Schlösser sind Ziele in Niedersachen, die Sinn stiften, zum Innehalten und zum Verweilen einladen. Genannt seien in diesem Zusammenhang auch die Niedersächsische Mühlenstraße, die Deutsche Fachwerkstraße und die Orgellandschaft zwischen Elbe und Weser.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1: Der positive Verlauf des Städte- und Kulturtourismus in Niedersachsen für den Zeitraum seit 2003 lässt sich gut über die Entwicklung der 20 beispielhaft ausgewählten niedersächsischen Städte (Hannover, Goslar, Braunschweig, Wolfs- burg, Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück, Wilhelmshaven, Lingen (Ems), Papenburg, Celle, Hildesheim, Stade, Hameln, Hann.Münden, Verden (Aller), Emden, Gifhorn, Wolfenbüttel) abbilden:

Wir fragen die Landesregierung:

1. Welche Entwicklung hat der Städte- und Kulturtourismus in Niedersachsen seit 2003 genommen?

2. Welche Maßnahmen wurden seitens der Landesregierung zur Stärkung dieses Sektors seit 2003 unterstützt und initiiert?

Tabelle 1: Entwicklung der 20 ausgewählten Städte in Niedersachsen 2003 bis 2009

Ankünfte Übernachtungen

Insgesamt

VÄR zum Vorjahr

Ausländer

VÄR zum Vorjahr

Insgesamt

VÄR zum Vorjahr

Ausländer

VÄR zum Vorjahr

2003 2.688.370 425.235 5.248.135 910.349

2004 2.742.469 2,0% 423.145 - 0,5% 5.240.698 - 0,1% 889.819 - 2,3%

2005 2.841.436 3,6% 466.984 10,4% 5.469.371 4,4% 1.014.456 14,0%

2006 2.971.623 4,6% 498.790 6,8% 5.749.173 5,1% 1.077.305 6,2%

2007 3.099.178 4,3% 498.074 - 0,1% 6.028.602 4,9% 1.102.109 2,3%

2008 3.245.547 4,7% 511.528 2,7% 6.380.703 5,8% 1.124.507 2,0%

20091 3.272.752 0,8% 469.418 - 8,3% 6.382.043 0,0% 1.020.688 - 9,3%

Quelle: LSKN 2003 bis 2009 (ohne Camping) 1 2009 mit Sondereffekt der Finanz- und Wirtschaftskrise, die insbesondere den Städtetourismus in Deutschland stark beeinflusst hat; für 2010 zeichnet sich jedoch eine mehr als deutliche Erholung ab

Für den Bereich der ländlichen Räume liegen verlässliche Zahlen zu Besuchern aus dem In- und Ausland wegen der zahlreichen Klein- und Kleinstanbieter nicht vor. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass auch für die ländlichen Räume der Kulturtourismus eine zusehends größere Bedeutung erlangt.

Zu 2: Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft gewährt das Land Niedersachsen Zuwendungen zur Tourismusförderung. Ein Schwerpunkt der Förderung ist dabei der Städte- und Kulturtourismus.

Im Rahmen der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der touristischen Entwicklung hat das Land zwischen 2003 und 2007 für rund 50 Projekte mit städte- und/oder kulturtouristischen Bezug mehr als 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Über die derzeit geltende Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft wurden seit 2007 bisher rund 30 Projekte mit einem Fördervolumen von mehr als 57 Millionen Euro unterstützt.

Somit konnten seit 2003 insgesamt mehr als 80 Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 87 Millionen Euro gefördert werden, die die Vielseitigkeit und Qualität der Angebote Niedersachsens im Bereich Städte- und Kulturtourismus stärken.

Beispiele der laufenden Förderperiode sind u. a.:

- Errichtung eines Besucherzentrums Varusschlacht im Osnabrücker Land

- Süderweiterung des Zoos Osnabrück um die Savannenlandschaft Takamanda

- Erweiterung des Zoos Hannover um die Alaskalandschaft Yukon Bay

- Erweiterungsbau und Attraktivierung des Hubschraubermuseums in Bückeburg

- Kulturnetzwerk Abenteuer Wirklichkeit Ostfriesland

- Duderstadt - Erlebnisstationen einer mittelalterlichen Stadt