Protocol of the Session on March 24, 2023

Denn die höhere Tarifbindung in anderen, insbesondere süddeutschen Bundesländern

(Heiterkeit und Zuruf von Torsten Renz, CDU)

ist auch dem Umstand geschuldet,

(Heiterkeit und Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU)

dass dort mehr Unternehmen angesiedelt sind

(Zuruf von Andreas Butzki, SPD)

und diese auch mehr Mitarbeiter beschäftigen.

Wollen wir jetzt eine Pause machen oder wie machen wir jetzt hier weiter, Herr Butzki?

(Tilo Gundlack, SPD: Wir können auch ruhig weitermachen. Mich stört das nicht.)

Dann hören Sie doch mal zu!

(Tilo Gundlack, SPD: Nee! – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU)

Es gilt, je größer der Betrieb, desto höher ist im Schnitt die Tarifbindung. An dieser Tatsache ändert auch Ihr Preis nichts. Bei uns im Land hingegen haben neun von zehn Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter. Gearbeitet wird vorrangig im Dienstleistungsbereich. Hierauf entfallen knapp 75 Prozent der Bruttowertschöpfung. Über 90 Prozent der Unternehmen in M-V bestehen nur aus Unternehmensleitung und ein bis vier Beschäftigten. Kleine Unternehmen und mittlere Unternehmen sind Arbeitgeber für über 80 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern. Ich denke, das wissen Sie alles. Trotzdem wollen Sie einen Betriebs- und Personalrätepreis verleihen.

Es ist im Übrigen Aufgabe der Gewerkschaften, für eine Mitgliedschaft bei den Beschäftigten zu werben und diese über die Möglichkeiten der Mitbestimmung zu informieren.

(Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

Richtig, und so soll es auch bleiben! Und es ist und bleibt die Aufgabe der Beschäftigten, einen Betriebsrat zu gründen. Richtig, und so soll es auch bleiben! Es ist also nicht Aufgabe des Staates, sich in den ureigensten Bereich der Unternehmen einzumischen, am besten noch

zu bewerten, denn der Staat hat die rechtlichen Grundlagen, die Leitplanken für die Wirtschaft zu definieren und sicherzustellen, nicht mehr und nicht weniger. Warum also sollen jetzt zusätzlich Steuergelder ausgegeben werden für ein Element der Mitbestimmung, über das die Beschäftigten selbst entscheiden? Das Geld sollten Sie lieber anderweitig investieren,

(Henning Foerster, DIE LINKE: Neoliberale Vorlesung.)

zum Beispiel in die Ansiedlung neuer Unternehmen oder vielleicht eine bessere Bezahlung im Historischen Museum in Peenemünde.

(Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Katy Hoffmeister, CDU – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Genau.)

Und glauben Sie im Ernst, dass mit staatlich geförderten Spanplattenschecks Beschäftigte motiviert werden, einen Betriebsrat zu gründen? Nein, was für die Firmen gilt und unsere Wirtschaft starkmacht, ist der Wettbewerb. Nur so können wir weltweit mit immer neuen Ideen unsere Produkte absetzen und Wohlstand sichern.

(Rainer Albrecht, SPD: Ja, alles dem freien Markt überlassen!)

Dieser Wettbewerb gilt auch für die Idee der Mitbestimmung.

(Henning Foerster, DIE LINKE: Wir sind hier aber nicht im Manchester-Kapitalismus.)

Gewerkschaften müssen um Mitglieder und die Ideen werben,

(Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU)

einen Betriebsrat zu gründen, sonst geht das nicht.

Doch was mich an Ihrem Antrag am meisten stört, ist das Bild der Unternehmer, das Sie implizit mit Ihrem Antrag zeichnen.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP – Henning Foerster, DIE LINKE: Natürlich! – Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU)

Als ob diese den Staat bräuchten, um gute Löhne zu bezahlen,

(Rainer Albrecht, SPD: Klar, haben wir ja die letzten Jahre erlebt!)

als ob allein die Anzahl der Betriebs- und Personalräte maßgeblich für auskömmliche Löhne wären! Es sind die Unternehmer, die bereits jetzt auch ohne den Staat gute Löhne bezahlen.

(Henning Foerster, DIE LINKE: Warum brauchen wir denn einen Mindestlohn? Weil die Unternehmen so gut gezahlt haben?! – Zuruf von Tilo Gundlack, SPD)

Diese Unternehmen sollten Sie auszeichnen,

(Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

denn die Unternehmen sind es, die Arbeitsplätze schaffen, das unternehmerische Risiko tragen, Steuern erwirtschaften, und nicht die Betriebsräte.

(Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU)

Deswegen –

(Zuruf von Henning Foerster, DIE LINKE)

und da komme ich wieder auf die anfangs erwähnte Hochzeit zurück –

(Jeannine Rösler, DIE LINKE: Die Mitarbeiter zahlen keine Steuern? Ist ja interessant!)

zeichnen Sie wenigstens Braut und Bräutigam aus und verleihen Sie einen Sozialpartnerschaftspreis!

(Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)

Aber das geht jetzt leider nicht mehr,

(Henning Foerster, DIE LINKE: Es gibt schon einen Unternehmerpreis!)

die Bewerbungsfrist ist ja bereits abgelaufen

(Henning Foerster, DIE LINKE: Falls Sie das noch nicht mitgekriegt haben!)

und unseres Votums bedarf es auch nicht. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

(Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)

Vielen Dank, Frau Abgeordnete! Einen Moment bitte, es liegt ein Antrag auf Kurzintervention vor.

Herr Winter, bitte!

(Henning Foerster, DIE LINKE: Ja, die hat noch nicht mitgekriegt, dass es einen Unternehmerpreis gibt, und zwar seit 15 Jahren!)