Protocol of the Session on November 13, 2019

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! SPD und CDU haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, eine Fortschreibung dieser Landeskonzeption vorzulegen. Unter breiter Beteiligung aller Akteure im Landesintegrationsrat in verschiedenen Arbeitsgruppen wurde nun diese

Konzeption erstellt und im Kabinett verabschiedet. Stolze 137 Seiten beschäftigen sich mit einer Themenvielfalt, die sich wahrscheinlich sogar noch fortsetzen ließe, mit Grundsätzen, Zahlen und Fakten.

Apropos Zahlen und Fakten: Herr Förster, ich hoffe, Sie haben die Konzeption gründlich gelesen und haben Seite 12 nicht ausgelassen. In Mecklenburg-Vorpommern leben derzeit 77.809 Ausländerinnen und Ausländer.

(Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE)

Das sind 4,75 Prozent des Anteils der in MecklenburgVorpommern lebenden Menschen.

(Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD – Peter Ritter, DIE LINKE: Die totale Überfremdung ist das.)

Von welcher Menge, die unsere Gesellschaft verändert, reden Sie, zum Teufel? 6,4 …

(Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD)

Sie haben es nicht verstanden! 6,4 Prozent Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Migrationshintergrund, das sind nicht Ausländerinnen und Ausländer.

(Ralf Borschke, AfD: Nicht so doll, sonst geht das Licht wieder aus! – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD)

4,75 Prozent – diese Menge wird unsere Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern derart verändern? Das ist unglaublich! Von welcher Menge reden Sie? Erzählen Sie nicht immer so einen Unsinn!

(Beifall vonseiten der Fraktion der SPD)

Durch verschiedene Beispiele gelungener Integration lässt sich die Theorie einfacher erklären.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Das hat er bei Pastörs abgeschrieben.)

Und so durchziehen sich die 137 Seiten mit Beispielen aus dem ganzen Land, von denen andere profitieren und voneinander lernen können.

Sie haben es bereits gehört, meine Damen und Herren, die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund hat sich in den letzten beiden Jahren fast verdoppelt. Selbstverständlich ist das gerade für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern eine Herausforderung. Und klar wird dann eben auch, dass bei der Integration alle gefragt sind.

(Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Fragen Sie doch mal alle!)

Diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe lässt sich weder allein mit 137 Seiten Papier noch mit guten Absichten der Politik lösen.

Sie können doch gerne noch mal nach vorne kommen und reden. Lassen Sie mich doch ausreden!

(Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Fragen Sie doch mal alle!)

Nee, wahrscheinlich ist es besser, wenn Sie nicht mehr reden, ja.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Richtig!)

Wir brauchen gute Ideen, Willen, Verständnis, Zeit, wir brauchen Mut, Flexibilität und viele Akteure. Und all das lässt sich auf diesen Seiten finden. Als starre Vorgabe sollte man die Konzeption allerdings eben nicht verstehen. Gerade die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, wie schnell man reagieren muss und neue Wege finden muss. Ich danke an dieser Stelle den vielen Akteuren, die sich an der Erstellung der Konzeption beteiligt haben, bei allen, die mit ihren Anregungen auch weiterhin helfen und für Verbesserungen streiten.

(Beifall vonseiten der Fraktion der SPD)

Erschreckend zu lesen ist der Punkt 2.4 – es geht dort um die Stärkung des friedlichen Zusammenlebens –, erschreckend, weil es eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Und doch sagen die Zahlen von Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt etwas anderes. Da wünscht man sich doch, dass die Maßnahmen in den Handlungsfeldern im Bereich der Kinder und Jugendlichen auch bei Erwachsenen Anwendung finden könnten, getreu dem Motto, auf die Frage eines Erwachsenen an ein Kind – und Sie kennen das Video sicherlich alle –, wie viele Ausländer habt ihr denn in der Kita: Eigentlich haben wir da nur Kinder.

Zusammenfassend geht es doch um eines: Zusammen leben, wie auch im Titel der Konzeption zu lesen. Und zusammen leben ist immer eine Herausforderung, in der Familie, im Verein, ja, und wir merken es auch gerade wieder hier, und dabei sprechen wir sogar die gleiche Sprache. Wirklich schade ist, dass ich gestern die einzige Abgeordnete auf dem Fachtag Integration des Sozialministeriums war, eine wirklich gelungene Veranstaltung. Die Einladung ging tatsächlich über den Fraktionsvorsitzenden.

(Maika Friemann-Jennert, CDU: Wir haben keine gekriegt.)

Da hätte der eine oder andere sicherlich noch eine Menge über Integration lernen können und vielleicht auch Vorurteile abbauen können. Allein, dass die AfD bei der Integration über „das Problem“ spricht, beschreibt eigentlich alles, und wie sagt man so schön, da ist, glaube ich, auch Hopfen und Malz verloren. – Vielen Dank.

(Beifall vonseiten der Fraktion der SPD)

Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Ich schließe die Aussprache.

Der Ältestenrat schlägt vor, die Unterrichtung durch die Landesregierung auf Drucksache 7/4178 zur federführenden Beratung an den Sozialausschuss sowie zur Mitberatung an den Wirtschaftsausschuss sowie den Bildungsausschuss zu überweisen. Wer stimmt für diesen Überweisungsvorschlag? –

(Torsten Renz, CDU: Einfach zu wenig.)

Gegenprobe. – Stimmenthaltungen? – Damit ist der Überweisungsvorschlag bei Zustimmung der Fraktion

DIE LINKE, Gegenstimmen der Fraktionen von SPD, CDU und AfD abgelehnt.

Im Rahmen der Debatte ist beantragt worden, die Unterrichtung durch die Landesregierung auf Drucksache 7/4178 verfahrensmäßig für erledigt zu erklären. Wer der Erledigterklärung der Unterrichtung durch die Landesregierung auf Drucksache 7/4178 zuzustimmen wünscht, den bitte ich jetzt um ein Handzeichen. – Gegenprobe. – Stimmenthaltungen? – Damit ist die Unterrichtung durch die Landesregierung auf Drucksache 7/4178 bei Zustimmung der Fraktionen von SPD und CDU und Gegenstimmen der Fraktionen DIE LINKE und AfD für erledigt erklärt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sind am Schluss der heutigen Tagesordnung. Ich berufe die nächste Sitzung des Landtages für Donnerstag, den 14. November, 9.00 Uhr ein. Die Sitzung ist geschlossen.