Protocol of the Session on July 12, 2007

Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich bin etwas überrascht, dass von der NPD-Fraktion der Herr Müller ans Mikrofon tritt und hier seinen Unfug zusammenklempnert. Ich hätte eher erwartet, dass Herr Andrejewski, der Mann aus dem Schwarzwald, hier das Wort ergreift,

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

denn er hat, wenn ich das richtig sehe, jahrelange Erfahrung mit dem Hartz-IV-Bezug

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

und scheint sich damit ganz wohlgefühlt zu haben

(Dr. Armin Jäger, CDU: Richtig, genau.)

und auch über die Runden gekommen zu sein,

(Dr. Armin Jäger, CDU: Richtig, sonst hätte er es nicht solange gemacht.)

ansonsten hätte er sich vielleicht schon etwas eher um redliche Arbeit bemüht.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion der SPD)

Aber da ist es wahrscheinlich komfortabler,

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Transferleistungen in Anspruch zu nehmen, die die arbeitende Bevölkerung aus ihren Steuermitteln für ihn fi nanziert hat.

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Dafür bin ich arbeiten gegangen, dass Sie Leistungen vom Staat entgegengenommen haben. So ist das. Das ist die Realität hier.

(Stefan Köster, NPD: Seit wann steht Ihnen denn der Schweiß auf der Stirn von der Arbeit? Sie wurden doch schon immer vom Steuerzahler bezahlt.)

Das ist die Realität. Das muss an dieser Stelle noch einmal herausgearbeitet werden.

(Heiterkeit bei Udo Pastörs, NPD: Wenn Sie schon von Arbeit reden!)

Zum Antrag: Ich fi nde, dass der Ideologieanteil bei der LINKEN ein bisschen hoch ist.

(Heiterkeit bei Udo Pastörs, NPD – Irene Müller, DIE LINKE: Das ehrt uns.)

Wenn man sich Ihre Aussage einmal auf den Tisch legt, dann sagen Sie nichts anderes, als dass man mit Geld alles richten kann. Gebt den Leuten mehr Geld,

(Stefan Köster, NPD: Das ist doch Ihr Motto!)

dann funktioniert es auch mit der Kindererziehung, mit der Kinderbildung, mit der Schulbildung, mit der Unterstützung für Kinder. Die Realität sieht, glaube ich, etwas anders aus.

(Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Vor einigen Tagen war in der „Schweriner Volkszeitung“ ein größerer Artikel über das Ergebnis von Einschulungsuntersuchungen zu lesen. Es wurde gesagt, der Anteil der Kinder, die Sprachstörungen haben, der Anteil der Kinder, die in Grob- und Feinmotorik gestört sind, ist im Verhältnis zur letzten Schuluntersuchung nochmals gestiegen.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja, das stimmt. – Egbert Liskow, CDU: Genau so ist es. – Udo Pastörs, NPD: Ja, durch Ihre Politik.)

Jetzt können wir gemeinsam Folgendes konstatieren: Wir haben 97 Prozent der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern, die sich im Alter von drei bis sechs Jahren befi nden und den Kindergarten besuchen, und trotzdem haben wir bei den Einschulungsuntersuchungen, also wenn die Kinder sechs sind, solche Ergebnisse. Wir haben die Kinder in den Kindertageseinrichtungen und wenn sie in die Schule kommen sollen, sind sie im Vergleich die dicksten von ganz Deutschland. Dick wird man von falscher Ernährung, aber nicht von Mangelernährung!

(Angelika Gramkow, DIE LINKE: Auch von mangelhafter Bewegung.)

Dick wird man nicht davon, dass einem nichts mehr zu essen zur Verfügung gestellt wird.

(Beifall Dr. Armin Jäger, CDU: Richtig. – Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Und wenn man die Diskussion um die Chancengerechtigkeit führt, denke ich, ist ein anderer Aspekt ganz, ganz wichtig, nämlich dass man der Frage nachgeht: Konzentrieren sich solche Phänomene auf bestimmte Regionen, auf bestimmte Quartiere, auf bestimmte Stadtteile und auf bestimmte Bevölkerungsgruppen? Wie konzentrieren sie sich und was muss man tun, um hier für Kompensation zu sorgen und Abhilfe zu schaffen? Ich sage Ihnen, das ist meine tiefe Überzeugung, und da gebe ich dem Sozialminister völlig recht, das wird man nicht nur mit Geld machen können,

(Beifall Dr. Armin Jäger, CDU: Das ist genau richtig, ja. – Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

was man in die Elternhäuser weitergibt. Das Geld wird dabei das Geringste sein, sondern die Kompensation, die der Staat hier ergreifen muss, die muss meines Erachtens anders aussehen. Das kommt bei Ihrem Vortrag völlig zu kurz.

(Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Dass die Hartz-IV-Leistungen knapp bemessen sind, das weiß ich selber.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Das ist so.)

Und dass es Probleme gibt, gerade im Bereich Krankenhilfeleistungen wie Brille, Hörgerät und dergleichen, also im Hilfsmittelbereich,

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja, das stimmt.)

dass es da auch größere Probleme gibt, das ist mir bekannt. Aber das in Bausch und Bogen so abzutun

(Irene Müller, DIE LINKE: Davon hat keiner heute gesprochen.)

und zu versuchen zu suggerieren, dass Defi zite, die wir haben beim Thema Schulbildung und beim Thema Kindererziehung, ausschließlich mit Geld zu tun haben, ich sage Ihnen, das lehnt meine Fraktion ab. Das greift einfach zu kurz.

(Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Das wird dem Thema nicht gerecht. Da muss man dranbleiben und auch mal ein paar andere Aspekte in den Fokus nehmen.

Eins will ich an dieser Stelle auch noch einmal deutlich herausarbeiten: Auch die Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt sind in den Bereich der Hartz-IV-Leistungen gegangen. Für die Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt hat sich vieles verbessert. Die Leistungen wurden erhöht. Sie sind früher in den Sozialämtern in der Regel nur verwaltet worden. Es gab keine Vermittlung.

(Gabriele Měšťan, DIE LINKE: Das haben wir auch nicht bestritten in dem Antrag.)

Sie haben keinen Zugang gehabt zu Qualifi zierung und dergleichen.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja, richtig. – Angelika Gramkow, DIE LINKE: Für Kinder hat sich nichts verbessert. – Zuruf von Harry Glawe, CDU)

Wenn man diese Geschichte in die Kritik zieht, dann bitte ich darum, dass man auch solche Aspekte dabei nicht zu kurz kommen lässt.

(Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Ich denke, dass das insgesamt auch an dieser Stelle noch einmal gesagt werden muss. – Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion der SPD)