Protocol of the Session on November 30, 2022

Zum einen den Hinweis: Es handelt sich ja gar nicht um eine Steuererhöhung, sondern um eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage. Also, wenn wir hier schon einmal anfangen, dann wollen wir das bitte an der Stelle auch korrekt halten. Die

(Dr. Alexander Wolf)

SĂ€tze bleiben nĂ€mlich so, wie sie sind. Sie werden nur in FĂ€llen angewendet, in denen sie vorher nicht angewendet wurden. Das ist tatsĂ€chlich die Verfahrensvereinfachung, der BĂŒrokratieabbau, den wir an der Stelle nĂ€mlich handhaben können, weil ich nicht mehr unterscheiden muss, welche Form von Übernachtung das ist. Und das ist tatsĂ€chlich ein substanzieller Abbau. Ich wĂŒrde mich zum zweiten Punkt 


(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)

Man kann natĂŒrlich immer, wenn man einen Popanz aufbauen will, alte PresseerklĂ€rungen, die unmittelbar nach einem Urteil geschrieben wurden, hervorholen. Ich kann Ihnen allerdings versichern, wir haben intensiv mit der Tourismuswirtschaft in der Stadt gesprochen. Das, was hier jetzt beschlossen oder zum Beschluss vorgelegt wird, ist eine Vereinbarung mit den Kammern,

(Dennis Thering CDU: Aber sehr unglĂŒck- lich!)

mit den TourismusverbĂ€nden, mit der Hotellerie, die tatsĂ€chlich gemeinsam sagen: Das ist ein vernĂŒnftiger Weg, weil auch Vereinbarungen getroffen worden sind, wie ihnen beispielsweise bei Digitalisierungsprojekten, bei kĂŒnftigen Akquisen von Messen und Konferenzangeboten zusĂ€tzliche Mittel zur VerfĂŒgung gestellt werden, sodass das tatsĂ€chlich gezielte StĂ€rkungen auch in den touristischen Standort Hamburg sind. Das muss man an der Stelle festhalten.

Drittens gibt das Perspektive fĂŒr die Kultur. Wenn wir tatsĂ€chlich – darĂŒber ist viel gesprochen worden – ĂŒber einen Bereich von Wirtschaft reden, der noch stĂ€rker getroffen wurde als die Reisewirtschaft, dann ist das die Kultur. Ausweislich einer europĂ€ischen Studie gab es 90 Prozent Umsatzeinbruch in der Veranstaltungswirtschaft in den letzten Jahren. Und an der Stelle die Mittel zu haben, gezielt dabei zu helfen, dass wir da wieder auf die Beine kommen,

(David Erkalp CDU: MĂŒssen wir doch gar nicht!)

ist nicht nur fĂŒr den Tourismusstandort relevant, sondern tatsĂ€chlich auch dafĂŒr, dass wir in der Zukunft eine lebenswerte Stadt sein wollen.

(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)

Insofern abschließend, sozusagen aus dem Munde desjenigen, der knapp ĂŒber 50 Prozent des Geldes ausgeben kann – was ĂŒbrigens vernĂŒnftig ist, dass es diese Summe ist, weil nur so auch der Konsens mit der Tourismuswirtschaft möglich ist und die VerfassungsgemĂ€ĂŸheit dieser Abgabe möglich ist, dass eben auch Mittel in den Tourismus zurĂŒckfließen –: Wer 100 Prozent fordert, kriegt am Ende 0 Prozent an der Stelle – ĂŒbrigens auch eine politische Erfahrung, die der eine oder andere in diesem Saal vielleicht an anderer Stelle

schon einmal gemacht haben dĂŒrfte. Es ist eine vernĂŒnftige Entscheidung, das so zu machen, und deswegen mein Dank allen, die mitgeholfen haben, die heute diesen Beschluss herbeigefĂŒhrt haben; Mathias Petersen ist mehrmals erwĂ€hnt worden, ich will das auch noch einmal tun. Der Kultursenator freut sich immer, wenn er zusĂ€tzliches Geld bekommt – wenn der Haushaltsausschuss dabei mithilft, dann gleich noch einmal besonders, weil der sonst immer besonders kritisch herguckt. Das ist eine gute Sache, und das wird Hamburg fĂŒr alle attraktiver machen. – Schönen Dank.

(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)

Jetzt erhĂ€lt das Wort Herr Paustian-Döscher fĂŒr die GRÜNE Fraktion.

Vielen Dank, Herr PrĂ€sident. – An zwei Punkten möchte ich dann doch mit einer MĂ€r aufrĂ€umen: Herr Musa, Herr Erkalp, Sie haben beide gesagt, dass es eine schwere Hypothek fĂŒr die GeschĂ€ftsreisenden ist. Herr Erkalp hat einen Preis von 200 Euro fĂŒr eine Nacht aufgerufen. Das heißt, es wĂ€re ungefĂ€hr fĂŒr eine Nacht eine Mehrbelastung von 4 Euro – pro Nacht, wohlgemerkt. Aber das heißt, wenn man so zwei, drei Tage unterwegs ist, sind wir 10, 12 Euro vor Steuern, weil – Herr Pein hat es ja richtig ausgefĂŒhrt – am Ende auch ein Betriebsausgabenabzug und ein Vorsteuerabzug dabei sind und so weiter und so fort. Wenn man sich das alles anschaut, dann muss das GeschĂ€ft, das man hier in Hamburg abgeschlossen hat, schon sehr schlecht sein, dass sich das am Ende nicht lohnt, in Hamburg diese Nacht in einem Hotel zu verbringen.

(Beifall bei den GRÜNEN und der SPD)

Man muss am Ende feststellen, dass sowohl die Handelskammer als auch die DEHOGA deutlich weiter sind als die rechte Seite dieses Hauses.

(Beifall bei den GRÜNEN und der SPD)

Denn wenn man sich am Ende noch einmal zu GemĂŒte fĂŒhrt, was das fĂŒr ein kleiner Beitrag oder verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleiner Beitrag ist, dann, glaube ich, sind, wenn man jetzt einmal eine Woche nimmt, 20 Euro Beitrag vor Steuern nicht deutlich unangenehmer im Vergleich zu einem Kongressfördertopf, der dafĂŒr sorgt, dass diese Stadt auch weiterhin ein guter und nachgefragter Messestandort ist.

ErzĂ€hlen Sie mir also nichts von Marktwirtschaft. Das, was Sie hier erzĂ€hlt haben, ist alles andere, aber ganz bestimmt nicht wirtschaftlich. – Vielen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN und der SPD)

(Senator Dr. Carsten Brosda)

Mir liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Wir kommen jetzt zu den Abstimmungen.

Wer möchte nun zunĂ€chst dem Antrag der Fraktionen von SPD und GRÜNEN aus Drucksache 22/9988, Neufassung, folgen und das darin aufgefĂŒhrte Gesetz zur Änderung des Hamburgischen Kultur- und Tourismustaxengesetzes beschließen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Damit ist das Gesetz in erster Lesung so beschlossen.

Hierzu bedarf es einer zweiten Lesung. Stimmt der Senat einer sofortigen zweiten Lesung zu?

(Der Senat gibt seine Zustimmung zu erken- nen.)

Ich sehe, das ist der Fall. Gibt es Widerspruch aus dem Hause? – Den sehe ich nicht.

Wer also möchte das soeben in erster Lesung gefasste Gesetz auch in zweiter Lesung beschließen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Damit ist das Gesetz auch in zweiter Lesung und somit endgĂŒltig beschlossen worden.

Wir kommen zu dem im Antrag enthaltenen Ersuchen. Wer dem Ersuchen seine Zustimmung geben möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Damit ist auch das Ersuchen angenommen worden.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 23 aus Drucksache 22/9960 auf: Unterrichtung durch die PrĂ€sidentin: BĂŒrgerschaftliches Ersuchen: Digital Hub Logistics unterstĂŒtzen und weiter ausbauen.

[Unterrichtung durch die PrĂ€sidentin der BĂŒrgerschaft: BĂŒrgerschaftliches Ersuchen vom 2. Juni 2021: "Digital Hub Logistics unterstĂŒtzen und weiter ausbauen" (Drucksache 22/4413) – Drs 22/9960 –]

Die Fraktionen haben einvernehmlich beschlossen, auf die Debatte zu verzichten.

Dann gehen wir direkt dazu ĂŒber, diese Drucksache 22/9960 zur Kenntnis zu nehmen. Das ist jetzt der Fall, genau.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 42 auf, Drucksache 22/9987, Antrag der Fraktionen SPD und GRÜNE: FortfĂŒhrung des Programms "Frei_FlĂ€che: Raum fĂŒr kreative Zwischennutzung" in 2023.

[Antrag der Fraktionen der SPD und der GRÜNEN: FortfĂŒhrung des Programms "Frei_FlĂ€che: Raum fĂŒr kreative Zwischennutzung" in 2023

Drs 22/9987 –]

Diese Drucksache möchte die CDU-Fraktion federfĂŒhrend an den Kultur- und Medienausschuss sowie mitberatend an den Stadtentwicklungsausschuss ĂŒberweisen. DarĂŒber hinaus möchte ich vorab noch einmal darauf hinweisen, dass es sich um eine Kurzdebatte handelt, also zwei Minuten Redezeit je Fraktion.

Wer wĂŒnscht das Wort? – Das Wort erhĂ€lt Frau VĂ©rtes-SchĂŒtter fĂŒr die SPD-Fraktion.

Sehr geehrter Herr PrĂ€sident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Programm Frei_FlĂ€che ist ein vergleichsweise junges Erfolgsmodell, und mit unserem Antrag wollen wir gewĂ€hrleisten, dass dieses Modell in die VerlĂ€ngerung gehen kann. HierfĂŒr wollen wir die erforderlichen Mittel in die Hand nehmen; schließlich gibt es weiterhin gute GrĂŒnde. Das Programm hilft nicht nur, Leerstand in Einkaufsquartieren zu reduzieren und innerstĂ€dtische RĂ€ume zu beleben, die auch infolge verĂ€nderter Konsumgewohnheiten VerĂ€nderungen brauchen. Vor dem Hintergrund der bekannten Diskussion um RĂ€ume ist das Programm ein echter Zugewinn fĂŒr Kreative und Kulturschaffende, die Gelegenheit bekommen, ihre Arbeiten zu prĂ€sentieren, und das auf bezahlbaren FlĂ€chen.

(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)

Viele von denen, die diese Chance ergriffen haben, waren zudem als Freischaffende und SoloselbststĂ€ndige durch die Pandemie schwer belastet. Die Nachfrage auch nach temporĂ€ren FlĂ€chen ist ungebrochen. Auch wenn das frĂŒhere KarstadtSport-GebĂ€ude heute symbolisch fĂŒr den Bedarf steht: Projekte, Vorhaben und Ideen gibt es in nahezu allen Bezirken.

Wenn heute vielleicht nicht mehr die Zeit ist, vertieft darĂŒber zu sprechen, welche langfristigen Effekte und Kooperationsbeziehungen zu erhoffen sind – im Kulturausschuss haben wir dann Gelegenheit dazu. Unsere EinschĂ€tzung ist: Indem wir Immobilienwirtschaft mit Kreativen und Kulturschaffenden zusammenbringen, sind wir hier schon einmal auf einem sehr vielversprechenden Weg. – Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)

Das Wort erhĂ€lt Herr Gögge fĂŒr die GRÜNE Fraktion.

Herr PrÀsident, liebe Kolleg:innen! Ungenutzte GeschÀftsrÀume öffnen, die vielfÀltige Kreativwirtschaft einlassen und so unsere Stadt beleben: Das ist die Kurzfassung des Programms Frei_FlÀche.

Zwei Problemstellungen haben wir nĂ€mlich als Chance erkannt: Erstens benötigen Kultur- und Kreativwirtschaft nicht nur kluge Köpfe, sondern eben auch geeignete und bezahlbare RĂ€ume. Zweitens erleben wir einen Leerstand an GewerbeflĂ€chen, also einen Überschuss des begehrten Gutes Raum. Diese beiden Bedarfe bringt die Kreativ Gesellschaft als Vermittlerin kompetent und mit großem Erfolg unter einen Hut. In den vergangenen anderthalb Jahren hat sie vielen Kreativen einen passenden Ort vermittelt; wir haben schon vom Beispiel Karstadt Sport, heute Jupiter, gehört.

(PrĂ€sidentin Carola Veit ĂŒbernimmt den Vor- sitz.)

Ich will noch das Beispiel KREATIV KLIMAAKTIV im CCB Bergedorf nennen. Von diesen kreativen Zwischennutzungen profitiert am Ende die gesamte Stadtgesellschaft angesichts belebter Gegenden.

Der Bedarf an KreativflĂ€chen zu geeigneten Konditionen ist weiterhin hoch, und wir wollen ihm bestmöglich begegnen. Daher ist es nur folgerichtig, dass wir das Erfolgsprogramm Frei_FlĂ€che im kommenden Jahr fortfĂŒhren und mit zusĂ€tzlichen 4,3 Millionen Euro ausstatten, weil wir so aus Orten des Leerstands weiterhin Orte der Inspiration machen.

(Beifall bei den GRÜNEN und der SPD)