Frau Fiedler, wie Sie wissen, ist selbstverständlich auch die Jugendmusikschule im Boot, die Sie und Ihre Fraktion zum Gegenstand Ihrer Großen Anfrage gemacht haben. Ihre Angst, wir würden die Staatliche Jugendmusikschule schwächen, ist lächerlich.
Sie haben kritisiert, wir hätten in unserem Antrag angeblich nicht Ross und Reiter genannt. Nun, wer Ross und Reiter bei Ihrer Großen Anfrage ist, brauche ich hier nicht darzulegen. Es ist mehr als offensichtlich.
Im Gegensatz zu Ihnen ziehe ich es vor, niemanden namentlich vorzuführen, der nicht das Recht hat, in diesem Hause zu reden.
Die musikalische Bildung und Ausbildung ist bei Senator Lange in besten Händen. Selbst die musikalische Früherziehung, die von keiner geringeren Bedeutung ist, ist, wie in unserem Antrag gefordert, im Rahmen eines Modellprojekts geplant. Wir werden in Hamburg umsetzen, was bundesweit einzigartig ist.
Meine Damen und Herren! Der Senat und die Regierungskoalition sind hiermit auf einem guten Weg der musikalischen Erziehung, um dem Musikunterricht den Stellenwert zu geben, den er benötigt und den ihr die Opposition während ihrer Regierungszeit nach und nach genommen hat. – Danke.
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich bin sehr dankbar, dass wir die Große Anfrage vorliegen haben. Das Thema eignet sich nicht, um sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, sondern es stellt die schon seit vielen Jahren bestehende problematische Gesamtsituation an den Schulen aufgrund der nicht vorhandenen Nachwuchskräfte dar.
Sie rennen bei uns Grünen offene Türen ein, Lernen mit Kopf, Herz und Hand sind der richtige ganzheitliche Ansatz. Dazu gehören musische und musikalische Erziehung. Das ist wichtig. Es ist auch ein wichtiger Gegenpol zu der nur auf IT, PC und Hightech orientierten Gesellschaft. Ähnlich war es gestern bei der Debatte um die Hochschulreform. Wir müssen im geistes-, gesellschafts-, kultur- und wissenschaftlichen Bereich Gegenpole setzen, um ganzheitlich zu denken und nicht nur in Informationstechnologien.
Ich will drei Themen aus dieser Debatte herausgreifen, und zwar die Lehrerqualifizierung, die Kooperationsfrage und die Frage, ob wir eine dritte Musikstunde brauchen.
Es gibt schon, wie gesagt, diese Situation seit Jahren. Ich kenne sie bereits seit 25 Jahren, und nicht nur in Hamburg. Wir haben bundesweit zu wenig ausgebildete Musiklehrerinnen und -lehrer. Insofern sollte an der Universität entsprechend dafür geworben werden, Musik zu studieren. Ich glaube, das Thema interessiert hier nur wenige, insofern ist es ein bisschen unruhig hier im Saal.
Mir ist es auch zu laut geworden. Der Vorredner war eben schon schwer zu verstehen. Ich bitte, die Gespräche entweder draußen fortzuführen oder hier zuzuhören.
Noch einmal zur Lehrerqualifizierung. Es gibt die Situation, dass wir neben den zu wenig ausgebildeten Musiklehrerinnen und -lehrern an den Schulen – mit Referendariat – sehr viele Musikerinnen und Musiker haben, die entweder an der Jugendmusikschule oder auf dem freien Markt tätig sind. Da ist es sozusagen das umgekehrte Verhältnis.
Zum zweiten Punkt. Wie erreichen wir, dass das, was in der Verlässlichen Halbtagsgrundschule vorbildhaft begonnen hat, fortgeführt wird? Wie Sie aus der Großen Anfrage auf Seite 13 entnehmen können, haben die hier aufgeführten Schulen zum Beispiel hervorragende Kooperationen mit der Staatlichen Jugendmusikschule in Hamburg. Interessanterweise sind das die Grundschulen, die in ihren Konzepten durch den Rahmen der Verlässlichen Halbtagsgrundschule dazu aufgefordert waren, und die Gesamtschulen. Es stellt sich natürlich die Frage, warum gerade integrierte Systeme besonders gut kooperieren. Drei Sonderschulen sind auch noch dabei. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir eine noch bessere Kooperation erreichen, wenn wir mehr und mehr die Ganztagsschule einführen. Berechtigterweise wird, wie ich schon mehrmals hörte, von freischaffenden Musiklehrern und von der Jugendmusikschule die Frage gestellt, wie es eigentlich nachmittags aussehen soll, wenn wir unseren Unterricht machen. Es ist wirklich angesagt, dass sich alle Sekundarstufen-I-Schulen und auch die Oberstufen weiter in Kooperation begeben. Das halte ich für den richtigen Synergieeffekt, weil wir auf die Schnelle nicht so viele qualifizierte Musiklehrerinnen bekommen.
All die Maßnahmen, die ich in den Antworten auf die Große Anfrage gefunden habe, sind schon in den letzten Jahren begonnen oder initiiert worden. Man kann nur dankbar sein, wenn sie fortgeführt und nicht durch das neue Lehrerarbeitszeitmodell kaputt gemacht werden. Ich sehe da natürlich eine große Gefahr, dass die Musiklehrer zum Teil auf der Strecke bleiben.
Meine Damen und Herren! Ich habe es eben ernst gemeint, dass es ruhiger werden soll. Ich verstehe die Rednerin nicht mehr und Sie sicherlich auch nur noch kaum.
Vielleicht hätten wir lieber ein Musikinstrument spielen sollen. Das hätte die größere Aufmerksamkeit erzeugt.
Vielleicht geben wir einmal ein Konzert mit all unseren musikalischen Kompetenzen des Parlaments. Das hätte auch einen gewissen Reiz.
Zum letzten Punkt, der mir sehr wichtig ist. Wir kommen überhaupt nicht weiter, wenn wir schon wieder eine neue dritte Stunde fordern. Wir haben das Theater schon mit der dritten Sportstunde erlebt. Wenn wir eine weitere Stunde Wirtschaft, eine Stunde Sport, eine Stunde Musik fordern – andere fordern noch eine zusätzliche Stunde für Erziehung, um besser Eltern werden zu können und so weiter, jeder möchte noch eine Stunde mehr –. Das kann keine Lösung sein. Wir brauchen in Hamburg und bundesweit neue Lernkulturen und einen rhythmisierten Schulalltag, ein ganz anderes Lernen. Es kann nicht gut gehen, wenn man in sechs Stunden à 45 Minuten von morgens bis mittags alles hineinpackt. Da kann weder individuelle Förderung noch können Leistungskurse, Neigungskurse, Wahlpflichtkurse stattfinden. Wir erreichen das nur, wenn wir individualisieren und in einen verlängerten, rhythmisierten Schulalltag Möglichkeiten zum Beispiel die musikalische Erziehung einbauen können. Anders ist es meines Erachtens nicht möglich.
Ich wünsche mir, dass diese Große Anfrage in den Ausschuss kommt, um dort mit den Experten der Jugendmusikschule, mit den Verbänden gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen soll. Mit einer dritten Musikstunde kommen wir keinen Schritt weiter, weil wir dann nur das starre System des 45-Minuten-Takts verhärten. Wie schwierig das ist, sehen wir jetzt an der Problematik, die dritte Sportstunde umzusetzen. – Danke.
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Dem Vorschlag von Frau Goetsch, das Ganze musikalisch zu gestalten, wird natürlich von mir nicht entsprochen werden, aber ich hatte, als Sie es vorschlugen, Angst, dass es zu einer ganz dissonanten Veranstaltung wird. An einer Stelle wird es keine dissonante Veranstaltung werden, denn Ihrer Aussage zu einer dritten Musikstunde kann ich voll zustimmen.
Wir wünschen uns wahrscheinlich beide eine dritte Musikstunde, genauso wie wir uns eine dritte Sportstunde wünschen.
Aber wir wünschen uns auch die zusätzliche Stunde Wirtschaft und die zusätzliche Stunde X und Y. Irgend
wann ist einfach Schluss an der Stelle. Deshalb sollten wir uns lieber über die erste und zweite Musikstunde Gedanken machen als über die dritte Musikstunde.
Mit der musikalischen Bildung der Hamburger Schülerinnen und Schüler befasst sich die Bürgerschaft an dieser Stelle zum zweiten Male in den letzten Monaten. Bei unserer ersten Debatte stand die Förderung der musikalischen Breitenbildung im Mittelpunkt. Dort fanden alle fünf Fraktionen einen Konsens, denn das Thema Musikförderung ist ein wichtiges gemeinschaftliches Anliegen der Bürgerschaft. Ich hoffe, dass wir den dort eingeschlagenen Weg gemeinsam weiter fortführen können. Das einzig dissonante Moment in dieser Debatte war bisher, wie auch bei der letzten Debatte, Frau Fiedler. Sie hatte schon wieder entdeckt, wo irgendetwas wegen des Lehrerarbeitszeitmodells nicht stattfindet oder nicht stattfinden darf. Frau Fiedler, das Lehrerarbeitszeitmodell können Sie für alles Mögliche in der Zukunft verantwortlich machen,
aber Sie können nicht jetzt schon behaupten, irgendetwas würde nicht stattfinden. Dieses Modell gibt es noch gar nicht. Insofern sollten Sie ihre eigenen Argumente überdenken.
(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive - Zuruf von Luisa Fiedler SPD)
- Frau Fiedler, Sie funktionieren perfekt. Man braucht Sie nur einmal anzugucken, geschweige denn argumentativ anzusprechen, dann geht das Geschrei gleich wieder los.
Frau Fiedler, für Sie: Die Antwort des Senats auf die Große Anfrage Ihrer Fraktion legt deutlich offen, dass die Behörde für Bildung und Sport im Bereich der Musikförderung unterschiedlichste Maßnahmen ergriffen hat, um den Stellenwert von Musik in den Schulen, aber auch in den Kitas, zu erhöhen. Wie bei der Sportförderung gilt für uns Liberale auch bei der Musikförderung, dass wir durch eine fundierte Breitenförderung im Schulunterricht das Interesse der Kinder und Jugendlichen für die Musik fördern und so auch gleichzeitig die Spitze stärken. Spitze ist zum Beispiel "Jugend musiziert". Am Mittwoch ist die Abschlussveranstaltung des Bundeswettbewerbs. Ich werde dabei sein und ich freue mich, wenn möglichst viele der Kolleginnen und Kollegen dieses Hauses auch mit dabei sind.
Daher kann ich die in der Anfrage vorgestellte Maßnahme, die Kooperation zwischen den Schulen und den Musikschulen zu stärken, auch nur unterstützen. Es ist nicht nur die Kooperation zwischen den staatlichen Schulen, sondern auch mit den privaten Musikschulanbietern. Wahrscheinlich geht es jetzt gleich auf der linken Seite, ungefähr wo Frau Fiedler sitzt, wieder los, wenn ich daran erinnere, wie Sie mit den privaten Musikschulangeboten in der letzten Debatte, die wir zu diesem Thema geführt haben, umgegangen sind. Sie haben das sehr hässliche Wort von den "Drückerkolonnen" geführt, die von wirtschaftlichen Interessen geleitet sind.
Das werden Sie sich immer anhören müssen, wenn Sie hier eine Anfrage zu diesem Thema stellen. Für uns Liberale gehören private Angebote genauso dazu wie staatliche Angebote.
Meine Damen und Herren! Jetzt muss ich Sie zum dritten Mal ermahnen. Ich verstehe, wenn Sie am zweiten Tag etwas geschafft sind. Wir haben inzwischen auch schon einige Debatten gestrichen. Ich bitte Sie, für den Rest des Abends Ihren Kollegen etwas mehr Aufmerksamkeit zu geben. Es ist den Rednern gegenüber unfair. Ich bitte um etwas mehr Ruhe, ansonsten verlassen Sie bitte den Raum.
Vielen Dank, Herr Präsident. Ich möchte gar nicht, dass Herr Buss den Raum verlässt, ich möchte nur, dass er seine Zwischenrufe klar und deutlich artikuliert. Frau Fiedler höre ich da hinten sowieso nicht. Aber wenn Sie anschließend noch einmal ans Mikrofon kommen, dann möchte ich Sie, Herr Buss, darauf hinweisen, dass dies die erste Unterbrechung in meiner Rede ist, bedingt durch Ihre Zwischenrufe. Frau Goetsch musste gleich zwei ertragen. Wenn Sie daraus irgendwelche Wertungen ziehen wollen, ist das sehr unkollegial ihrem Oppositionspartner gegenüber.
Verstärkte Förderung und musikalische Bildung ist auch wichtig, um junge Hörerschichten für das vielfältige Kulturprogramm unserer Stadt zu gewinnen. Das ist ein wunderschönes Thema, Schnittstelle zwischen Kulturpolitik und Schulpolitik. Aber nicht nur die Schulen engagieren sich, Musik Jugendlichen näher zu bringen, sondern auch die kulturellen Einrichtungen probieren mit einem reichhaltigen Angebot – beispielsweise dem Besuch von Proben, eigenen Publikationen für Kinder, dem jährlichen Philharmonikertag – ihren Beitrag zu leisten. Die Antwort auf die Große Anfrage zeigt die ganze Breite des kulturellen Angebots, die wir in dieser Stadt haben.
Wir haben auch eine Institution in dieser Stadt, die mir sehr am Herzen liegt, die diese Breite auch vermittelt, weil sie die richtige Sprache findet, um junge Menschen damit anzusprechen, das ist der "Kulturring der Jugend", der zu Recht in dieser Großen Anfrage mit aufgeführt wird.
Aus unserem Wunsch, den Musikunterricht weiter zu stärken, darf aber jetzt keine Regulierungswut entstehen, wie ich sie manchmal aus den Fragen Ihrer Großen Anfrage herauslese. Ich begrüße es daher, dass die Schulen die Möglichkeit haben, sich frei zu entscheiden, in welcher Form sie im Rahmen der Flexibilisierungstafeln die Stärkung des Musikunterrichts berücksichtigen möchte. So wie die Heinrich-Hertz-Schule zum Beispiel eine Bläserklasse eingerichtet hat, haben alle Schulen die Möglichkeit, nach ihren Wünschen und ihrem Profil dem Musikunterricht einen größeren Stellenwert einzuräumen. Bis zu 18 Wochenstunden stehen dafür zur Verfügung.