Protocol of the Session on June 5, 2003

Ich stelle heute für die CDU-Landtagsfraktion fest: Wir bedauern die Entscheidung, dass geschlossen werden soll, nicht nur, sondern wir missbilligen diese Entscheidung ausdrücklich. Denn es wird ein Eingriff in ein strukturpolitisch schwaches Gebiet vorgenommen. Diese Entscheidung wird sich sehr nachhaltig auf die dortigen Kommunen ausprägen. Zum Zweiten können wir absolut nicht gutheißen, wie der Bundesverteidigungsminister mit dem betroffenen Land, mit den Kommunen und ihren Bürgermeistern umgeht.

Ich will noch eine abschließende Bemerkung machen.Als seinerzeit amerikanische Streitkräfte ihre Standorte aufgegeben haben, ist das Land Jahre vorher über die Maß

nahme informiert worden. Die Kommune konnte sich darauf vorbereiten. Man konnte damit umgehen.

Letzte Bemerkung.

Die letzte Bemerkung.

Herr Präsident, ich komme gleich zum Ende. – In Ihrem letzten Punkt fordern Sie, die Hessische Landesregierung möge mithilfe von Konversionsprogrammen helfen.Wunderbar. – Heute Morgen haben Sie davon gesprochen, dass das Land finanziell am Ende ist. Sie haben von dem Sanierungsfall Hessen gesprochen. Sie haben den Herrn Finanzminister als Schuldenbaron dargestellt.

(Reinhard Kahl (SPD): Richtig! – Lebhafte Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Jetzt gehen Sie her und wollen, dass das Land die marode Politik des Bundes mit den Geldern des Landes Hessen saniert. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.Wir werden unserem Antrag zustimmen.

(Beifall bei der CDU)

Das war Herr Abg. Hugo Klein. Ich bin sicher, dass das Ihre erste Rede war.

(Zurufe: Nein! – Das war die zweite!)

Als Nächster hat Herr Abg. Becker (Nidda) das Wort.

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Kollege Klein, das war ein bisschen sehr klein, was hier von vorne kam.

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der CDU)

Wenn Sie es genauer wissen wollen: Es war sehr kleine Münze.

(Zurufe von der CDU: Was ihr macht! – Frank Gotthardt (CDU): Nanotechnologie!)

Denn die Geschichte von Standortschließungen in der Republik und in Hessen ist eine lange Geschichte. Man sollte vorsichtig sein, wenn man Politiker bestimmter Parteien in Anspruch nimmt.

(Beifall der Abgeordneten der SPD – Widerspruch bei der CDU)

In Bad Arolsen hat mit dem Abbau der CDU-Verteidigungsminister Rühe angefangen. Ich wollte Ihnen das nur einmal sagen.Also bitte einmal anderes Geld bereit legen, wenn man über solche Dinge redet.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Meine Damen und Herren, es ist wohl selbstverständlich, dass wir von dem Verteidigungsminister aufgrund der entschieden geänderten Situation erwarten, dass er die Streitkräfte auch entsprechend einstellt, umstellt, umglie

dert, umstationiert und, und, und, um der neuen globalen Situation gerecht zu werden.Ich weiß ja nicht,wie das aussehen würde, wenn man Frau Merkel gefolgt wäre – die Bundeswehr wäre im heißen Krieg im Irak gewesen –, welche Folgen das für die Standorte gehabt hätte.

(Zurufe von der CDU)

Deswegen komme ich wieder auf die kleine Münze zurück. Man sollte also nicht ohne Not provozieren.

(Zurufe von der CDU)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,wenn schon die Bundeswehr zwangsläufig andere Aufgaben bekommt, zwangsläufig bekommen muss, dann muss man sich auch Gedanken machen, wie das Ganze umgesetzt wird.

(Beifall des Abg. Reinhard Kahl (SPD))

Dann ist mir Ihr Argument: „Aber bitte, bitte bei uns nicht, nur woanders Standorte schließen“, ein bisschen zu sehr Sankt-Florians-Prinzip.

(Frank Gotthardt (CDU): Haben Sie eigentlich Ihren eigenen Antrag gelesen?)

Ich komme noch darauf. Ich kann Ihnen, wenn der Präsident das zulässt, stundenlang Dinge über Standortschließungen erzählen. Aber ich meine, Sie haben eine Feier vor. Ich will Ihnen die nicht nehmen.

(Beifall bei der SPD – Zuruf von der CDU: Das wäre der Verteidigungsfall! – Weitere Zurufe von der CDU)

Heute nicht, Herr Kollege.

Zurück zu Standortschließungen. Es ist natürlich dann sinnvoll, aus militärischer Notwendigkeit solche Dinge vorzunehmen. Dass dabei auch strukturpolitische Gesichtspunkte eine Rolle spielen sollten, ist auch unbestritten. Allerdings können das nicht in erster Linie strukturpolitische Überlegungen sein, denn Bundeswehrstandorte, die man aus militärischer Sicht nicht mehr braucht, zu erhalten, nur um die Struktur im Land zu behalten, macht wenig Sinn.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Was Standortschließungen anbelangt, kann man weiter gehen. Der Minister, der für Landwirtschaft, Forsten und Sonstiges zuständig ist, macht auch in meinem Wahlkreis den forstlichen Maschinenpark einfach platt, ohne auf die Struktur Rücksicht zu nehmen.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der CDU)

Das nur als Nebeneinschub. Nun zu den Standorten. Ich bedauere sehr, wie das auch aus dem Antrag der SPDFraktion hervorgeht, dass wieder zwei hessische Standorte betroffen sind.

(Zuruf von der CDU: Jetzt kommen wir zum Thema!)

Natürlich. – Ich habe allerdings Schwierigkeiten, zu sagen, andere Standorte in anderen Bundesländern wären geeigneter für die Schließung. Ich kann das nicht ent

scheiden. Wenn Sie das wissen, dann wissen Sie mehr. Da fehlt mir die entsprechende Erkenntnis.

(Frank Gotthardt (CDU): Ist es nicht legitim, sich für die eigene Sache einzusetzen?)

Sich für die eigene Sache einzusetzen ist in Ordnung. Nur fehlt mir natürlich ein bisschen der politische Überblick, zu sagen, es gibt Notwendigkeiten. Dann kann es halt sein, dass es nicht anders geht.

Deswegen fordern wir vom Bundesverteidigungsminister, dass er auch unter strukturpolitischen Gesichtspunkten noch einmal die Schließung der vorgeschlagenen Standorte – nicht nur in Hessen, sondern auch woanders – überprüft, um eventuell doch zu einer anderen Entscheidung zu kommen. Das ist klar.Allerdings können wir das nicht hier entsprechend entscheiden. Dazu fehlt uns die Sachkenntnis.

Wie diese Standorte entstanden sind, das wissen Sie. Das kommt aus der Zeit des Kalten Krieges. Das waren strategische, taktische Überlegungen, außer teilweise in Bayern. Da gab es andere Überlegungen. Da gab es gute Baufirmen, die gute Verbindungen hatten. Es wurden Standorte gemacht.

(Dr.Walter Lübcke (CDU): Na, na, na!)

Ja, ja, ja. Ich bin schon lange genug im Geschäft. Ich weiß, wovon ich rede.

Dass dies hinfällig ist,das müssen wir in Kauf nehmen.Ich komme noch zu einem Punkt, wo ich Ihnen zustimme, wie das aus dem Antrag, den ich gut gelesen habe, hervorgeht, und zwar bedauere auch ich die schlechte Informationspolitik des Hauses in Berlin.

(Demonstrativer Beifall bei der CDU und der FDP)

Ich weiß auch in diesem Punkt, wovon ich rede. Das war schon immer so. Das hat große Tradition,

(Armin Klein (Wiesbaden) (CDU): Stimmt! Bei Scharping!)

weil es nun einmal neben der zivilen Verwaltung im Ministerium militärische Ratgeber gibt, die in anderen Kategorien denken. Das ist nun einmal so. Deswegen hätte ich es auch lieber gesehen, dass man gründlicher und zeitiger informiert hätte, und vieles andere mehr. Wer sich aber etwas in der Truppe auskennt, der weiß, dass jeden Tag große Überlegungen einsetzen, ob man denn den täglichen Wetterbericht als NfD-Sache oder als VS-Sache behandeln soll. Das ist keine Entschuldigung, aber das sind die Gründe, warum diese schlechte Informationspolitik zustande kommt.