Protocol of the Session on October 11, 2023

Sorgen vor Arbeitsplatzverlust, die Sorgen vor finanzieller Überforderung

bei privaten Haushalten und bei Unternehmen und die Sorgen, dass

mancherorts die Transformation schneller enden könnte, als sie begonnen

hat, treiben die Menschen in Bremen und Bremerhaven um. Das haben

zuletzt die Demonstrierenden beim Bremer Stahlwerk mit Nachdruck und zu

Recht zum Ausdruck gebracht.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)

Es ist für sehr viele Unternehmen und mitunter für ganze Branchen

hierzulande eine enorme Herausforderung, die Kosten der Transformation

zu stemmen. Daher braucht es öffentliche Investitionsanreize und

Förderprogramme. Der Umbau unseres Bremer Stahlwerks, den wir als

Landesregierung finanziell fördern, ist dafür ein gutes Beispiel. Derartige

Transformationsprozesse, die derzeit im ganzen Land, also bundesweit,

begonnen haben, dürfen aufgrund der Energiekrise nicht abreißen.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen)

Das ist das zentrale Anliegen hinter dem Industriestrompreis. Das gilt

insbesondere für die Grundstoffindustrien. Neben Stahl gehören dazu unter

anderem Chemie-, Zement-, Glas- und Papierherstellung. Diese sind

wichtige Säulen der deutschen und der europäischen Wirtschaft. Diese

Branchen produzieren die Grundstoffe für im Grunde genommen alles: für

Infrastrukturen, Gebäude, Maschinen und Konsumgüter.

Andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben in den letzten

Jahrzehnten bereits in noch viel höherem Maße als Deutschland an

industrieller Wertschöpfung verloren. Es ist daher auch von strategischer

Bedeutung, dass wir in Europa in diesen Bereichen nicht noch deutlich

abhängiger von Dritten werden. Wie die deutsch-französischen

Regierungskonsultationen in Hamburg gezeigt haben, kümmern sich beide

Regierungen daher auch intensiv um dieses Thema.

Oftmals wird der Einwand erhoben, es gebe das Risiko, dass die

Unternehmen trotz dieser milliardenschweren Subventionen nicht zu halten

sind. Meine Damen und Herren, das ist richtig. Das Risiko besteht. Es wäre

ganz und gar unredlich, das zu leugnen, aber Nichthandeln ist auch riskant.

Ich teile an dieser Stelle die Einschätzung des Bundeswirtschaftsministers:

Es ist eindeutig zu riskant.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)

Die Kosten der Transformation unterscheiden sich zwischen den

Unternehmen verschiedener Branchen, sie unterscheiden sich aber

natürlich auch zwischen privaten Haushalten mit unterschiedlichen

ökonomischen Ausstattungen. Der Umbau im Großen bedeutet oftmals eine

Belastung im Kleinen, ganz konkret im Geldbeutel der Menschen.

Die Akzeptanz für den Umbau unserer Wirtschaft in Richtung

Klimaneutralität ist gesellschaftlich nicht allein dadurch herzustellen, dass

man Meilensteine auf dem Weg zur Emissionsreduktion abhakt. Nicht

missverstehen, das ist der Kern der ganzen Sache, deswegen machen wir

das alles. Nichtsdestotrotz muss sich Politik für ihre Interventionen in

wirtschaftliche Zusammenhänge rechtfertigen und um Unterstützung

werben. Dazu gehört, dass sie versucht, Härten für Betroffene zu vermeiden,

dass sie versucht, Belastungen, die im Zuge der Transformation entstehen,

bestmöglich zu minimieren. Wenn wir die Menschen mitnehmen wollen,

dann ist es unverzichtbar, politisch gemäß dieser Einsicht zu handeln.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen)