Protocol of the Session on December 11, 2019

(Abgeordneter Röwekamp [CDU]: Zwei Jahre!)

Nein, wir reden jetzt von einem Jahr, in dem wir 27 Frauen in Ausbildung und 28 in Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt haben. Es lohnt sich durchaus, einen Blick auf dieses Projekt zu werfen, denn aufgrund der Zahlen gehen wir von einer Steigerung aus, denn inzwischen ist dieses Projekt auch bekannter.

(Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)

Frau Müller hat einige Dinge angemerkt, die wir auch machen, die die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt tatsächlich verbessern sollen, und sie hat auch zu Recht darauf hingewiesen, dass wir mit dem Starthaus angefangen haben, eine ganz andere Gründungskultur zu etablieren. Auch das ist wichtig. Es ist auch, muss ich ganz klar sagen, Herr Röwekamp, nicht so, dass wir hier im luftleeren Raum arbeiten.

Ich habe, glaube ich, seit dem 15. August gefühlt jeden Tag ungefähr fünf Gespräche geführt, nicht nur mit den Unternehmen und Unternehmensverbänden, sondern auch mit einzelnen Unternehmern. Natürlich ist auch ein Teil des Gespräches, und zwar immer, egal wo ich bin: Erstens, wie viele Frauen arbeiten bei Ihnen? Zweitens, wenn nicht so viele, warum? Drittens, wie können wir das ändern? Viertens, können wir Sie dazu bewegen, dass wir für Alleinerziehende vielleicht ein Programm aufsetzen, das Teilzeitausbildung in einem total großartigen, interessanten Job bietet?

Da sind wir, das habe ich auch schon vor zwei Monaten gesagt, mit zwei, drei Firmen schon gut im Gespräch und ich hoffe, dass wir dann auch wirklich zum 1. August konkrete Projekte in Unternehmen mit Teilzeitausbildung für Alleinerziehende haben.

(Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)

Abschließend kann ich sagen, auch wir als öffentlicher Arbeitgeber sind in der Pflicht. Ich habe übrigens an dieser Stelle schon ganz oft gesagt, Alleinerziehende bringen wichtige Skills für den Arbeitsmarkt mit, denn wer ein Leben allein mit Kindern unter sehr schwierigen Bedingungen bewältigen kann, der hat ein großes Organisationstalent.

Es ist auch völlig klar, Modellprojekte lösen nicht alle Probleme. Dennoch bietet es individuelle Unterstützung und macht auch die systematische Behinderung und Benachteiligung deutlich und um die geht es. Deswegen gehen wir auch noch einen Schritt weiter. In der zweiten Jahreshälfte werden

weitere Modellprojekte an den Start gebracht und für die nötige Hinterlegung der Ressourcen im Haushalt werde ich mich vehement einsetzen. Ich glaube aber, dass das nicht nötig ist, weil wir uns in den Koalitionsverhandlungen alle sehr einig waren, dass wir die Situation von Alleinerziehenden vorrangig verbessern müssen.

Abschließend, weil ich das nicht oft genug sagen kann, und auch das hat mich in der Debatte von Ihnen geärgert,

(Abgeordneter Dr. vom Bruch [CDU]: Jetzt regen Sie sich wieder auf!)

da kann ich Frau Wischhusen durchaus nachvollziehen: Ich kann diesen oftmals diskriminierenden und defizitären Blick auf Alleinerziehende nicht mehr ab. – Danke!

Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Die Aktuelle Stunde ist damit geschlossen.

Sprachbildung und -förderung in Kindertagesstätten und Schulen weiterentwickeln! Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und DIE LINKE vom 23. Oktober 2019 (Drucksache 20/111)

Dazu als Vertreterin des Senats Frau Senatorin Dr. Bogedan.

Die Beratung ist eröffnet.

Als erste Rednerin hat das Wort Frau Dr. Eschen.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sprachbildung und Sprachförderung entscheiden über Lebenswege, Hartz IV oder auskömmlichen Lohn in einem erlernten Beruf. Sprachförderung im Kindesalter kann den Unterschied machen, denn Sprache ist der Schlüssel zu fast allen Lebensbereichen. Sie ermöglicht Kindern die Aneignung von Wissen, Erkenntnissen und Einsichten sowie Teilhabe am sozialen Miteinander. Sprachförderung ist deshalb für mich das Thema Nummer eins.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, FDP)

Ein Zeitungsartikel, den ich im Sommer 2018 las, berichtete über eine Ferienschule in Bremen, eine

Ferienschule, in der Kinder vor ihrer Einschulung ihre Sprachkenntnisse verbessern können, damit sie später dem Unterricht besser folgen können. Ein großartiges Konzept, das ich nur unterstützen kann. Aber ein Abschnitt in diesem Zeitungsartikel hat mich nachhaltig aufgerüttelt. So nachhaltig, dass er tatsächlich dazu beigetragen hat, dass ich für die Bürgerschaft kandidiert habe und nun hier stehe.

In dem Abschnitt bezüglich der Ferienschule wird ein Vater zitiert mit: „Zu Hause haben wir relativ wenig Deutsch gesprochen. Ich habe gedacht, dass das hier noch einmal eine gute Vorbereitung für meine Tochter ist.“ Das ist sinnvoll, und ich betone, ich möchte hier nicht kritisieren, dass innerhalb der Familie vielleicht wenig Deutsch gesprochen wurde. Im Gegenteil. Es ist erwiesen, dass muttersprachliche Kommunikation mit den Eltern der richtige Weg ist.

Als Psychologin weiß ich: Es ist für das kindliche Gehirn im Normalfall völlig unproblematisch, zu Hause eine oder sogar mehrere Sprachen zu sprechen und dann außerhalb von zu Hause die Landessprache zu erlernen. Das funktioniert natürlich nicht ein paar Wochen vor Schulbeginn und auch nicht ein Jahr vor Schulbeginn. So stehe ich hier als neue Abgeordnete und blicke natürlich auch der Realität des Haushalts und des Regierens direkt ins Gesicht. Dennoch sage ich: Das darf doch wohl nicht wahr sein!

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP)

Wir können es uns weder moralisch noch gesellschaftlich noch volkswirtschaftlich leisten, Kinder mit Sprachdefiziten zurückzulassen. Daran müssen wir arbeiten.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD, FDP)

Den bisherigen Anstrengungen vorhergegangener Bremischer Regierungen ist Respekt zu zollen für das, was vor allem seit 2015 in diesem Bereich geleistet wurde, aber wir müssen definitiv noch mehr verändern. Zu viele Kinder im Land Bremen kommen mit wirklich großen Defiziten in der deutschen Sprache in die Schule, selbst, wenn sie in Bremen geboren wurden. Diesen Kindern nehmen wir Chancen. Allzu oft münden Sprachschwierigkeiten, wenn sie in der frühkindlichen Entwicklung nicht behoben werden, in Schwierigkeiten in der Grundschule, in der weiterführenden Schule und, wenn es schlecht läuft, irgendwann auch in

Schwierigkeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ist unnötig und unfair,

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)

denn Sprachschwierigkeiten können behoben werden. Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte und Sprachförderkräfte leisten hier bereits tagtäglich einen enormen Beitrag. Das ist wertvoll und muss gewürdigt werden, aber es reicht bisher noch nicht.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)

(Glocke)

Frau Dr. Eschen, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Dr. Buhlert?

Ja.

Bitte, Herr Dr. Buhlert!

Frau Eschen, ich frage Sie: Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus Ihren richtigen Ausführungen zur Notwendigkeit eines ausreichenden Kindergarten- und Kita-PlatzAngebotes?

Dazu, denke ich, ist meine Meinung hinreichend bekannt. Selbstverständlich ist es sehr wichtig, dass wir ein ausreichendes Kita-Platz-Angebot haben.

(Abgeordneter Fecker [Bündnis 90/Die Grünen]: Das überrascht jetzt nicht!)

Ich sagte bereits, die Anstrengungen, die unternommen werden, reichen anscheinend noch nicht und wir brauchen ein neues Gesamtkonzept. Wir müssen die Sprachbildung und Sprachförderung so schnell wie möglich neu ausrichten, und zwar so, dass wirklich alle Kinder mit entsprechendem Bedarf gezielt gefördert werden können. Dazu gehört aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen auch eine frühere Sprachstandserhebung. Wir müssen prüfen, ob der Cito-Sprachtest ausreichende diagnostische Informationen für eine solide Sprachstandserhebung liefert, oder ob wir nicht mindestens auch den aktiven Wortschatz von Kindern erfassen sollten. Wir meinen ja.

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)

Wir möchten positive Erfahrungen bisheriger Sprachförderung einbeziehen und weiterentwickeln. Lücken im System müssen identifiziert und behoben werden, und die gewonnenen Erkenntnisse müssen in die Aus- und Fortbildung des gesamten pädagogischen Personals einfließen. Auf geht es, würde ich sagen, es gibt viel zu tun. Wir bitten daher um Zustimmung zu unserem Antrag. – Vielen Dank!

(Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)

Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Ahrens.

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Frau Dr. Eschen, Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass die Aneignung der deutschen Sprache der Schlüssel für den Bildungserfolg unserer Kinder ist, und ich danke Ihnen herzlich für die engagiert vorgetragene Rede. Die jährlich steigenden Sprachauffälligkeiten von Kindern im Lande Bremen sprechen in der Tat eine mehr als deutliche Sprache. Das heißt, inklusive der Tendenz, die man seit dem Jahr 2008 beobachten kann, der Anstiege an Sprachauffälligkeiten, die inzwischen ein Niveau erreicht haben – –. Wir sprechen von festgestellten Sprachauffälligkeiten bei von bis zu 70 Prozent der betreffenden Kinder einer Klasse, die in der Grundschule in Gröpelingen ankommen.

(Präsident Imhoff übernimmt wieder den Vorsitz.)

Es gibt also dringenden Verbesserungsbedarf. Beim Bremer Bildungsmonitor von „buten un binnen“ hat der Sozialforscher Herr Dr. Günter Warsewa vom Institut für Arbeit und Wirtschaft deutlich gemacht, dass die Probleme schon vor der Schule entstehen. Er plädierte daher bewusst dafür, so früh wie möglich zu unterstützen, und das nicht nur bei der Sprachförderung. Das setzt zum einen – wir haben gestern lang und breit darüber debattiert – für alle Bremer und Bremerhavener Kinder einen Zugang zu frühkindlicher Bildung in Krippe und Kita voraus. Da haben wir – wir haben es gestern festgestellt – in der Tat noch mehr als nur ein bisschen Luft nach oben.

(Beifall CDU)

Schon daran scheitert es derzeit. Die Anzahl der unversorgten vier- und fünfjährigen Kinder ohne Kita-Platz steigt in Quartieren mit vielen Disparitäten wie Vegesack, Hemelingen, Huchting oder der

Vahr. Das ist ein Armutszeugnis, das wir als Fraktion der CDU schnellstens abstellen wollen. Deswegen haben wir gestern unseren Antrag gestellt, der überwiesen worden ist. Wir werden uns sehr genau ansehen, ob es tatsächlich zu einer Lösung für die unversorgten fünfjährigen Kinder kommt oder ob Sie das nur elegant schnell vom Tisch gewischt haben, weil man es ja nicht ablehnen konnte, das hätte zu schlecht in der Presse ausgesehen.