weil wir der Auffassung sind, dass wir die Kräfte, die wir im Ressort haben, nicht für weitere Bestandsaufnahmen für unterschiedliche Berufe nutzen sollten, sondern um das Konzept einer flächendeckenden Bezahlung zu erstellen. In unserem Beschluss ist enthalten, dass wir mittellang und kurzfristig eine Bedarfsermittlung erstellt haben wollen und das umfasst alle Berufe. Daher werden wir den Antrag ablehnen. –Dankeschön!
2015 sind die Plätze in der Ausbildung für sozialpädagogische Assistenzen und Erzieherinnen um circa zwei Drittel gesteigert worden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass damit nachgeholt werden musste, was vorher trotz besseren Wissens an Krippenausbau und an einer Anpassung der Erzieherinnenausbildung verpasst wurde.
Anders als die anderen Bundesländer, ich führte es in den vergangenen Tagen schon aus, war Bremen nämlich durch die Studie des Deutschen Jugendinstitutes 2014 umfassend auf die Bedarfe und auch die Inanspruchnahmequoten von bis zu 60 Prozent in den einzelnen Stadtteilen vorbereitet. Das wurde damals schon prognostiziert. Herausreden kann sich also keiner.
Sowohl die Grünen als auch die SPD stellten damals gemeinsam den Senat und beschlossen dieses Vorgehen gemeinsam. Es fehlte also in der Vergangenheit doch am Willen, Herr Zager, und auch noch an der Tat.
In der Aktuellen Stunde der Stadtbürgerschaft hat Sophia Leonidakis von den Linken noch einmal darauf hingewiesen, dass der Senat immer noch mit den Zahlen aus der Großen Anfrage von den Linken aus dem Jahr 2017 arbeitet. Für uns als Fraktion der CDU war deutlich, dass das so nicht weitergehen kann.
Wir brauchen endlich eine umfassende Analyse, wo und in welchen Bereichen Erzieherinnen und Erzieher regelhaft arbeiten und wie die Bedarfe in den nächsten fünf Jahren aussehen. Dabei sind alle Bereiche in Bremen und in Bremerhaven zu betrachten und ihre Bedarfe abzufragen, die regelhaft Erzieherinnen und Erzieher beschäftigen. Das sind die Krippen, die Kindergärten, die Schulen, die das für den Ganztag benötigen, die ambulante und die stationäre Jugendhilfe, im Bereich der Behindertenhilfe, bei denen es zu den verschiedenen ambulanten auch stationären Wohnraum gibt und wo es überall noch im sozialen Bereich der Fall ist.
Denn das muss man ganz deutlich sagen: Jeder dieser verschiedenen Bereiche kämpft um die fertige Fachkraft und deswegen ist das alles bei einer Bedarfsanalyse zwingend notwendig mit aufzunehmen, um zu einem echten Ergebnis zu kommen, wie viele Erzieherinnen und Erzieher wir tatsächlich benötigen.
Man hat so ein bisschen das Gefühl, als habe der Antrag, der von der SPD hier eingebracht worden ist, schon eine fertige Zielzahl im Kopf. Hier wird von 450 Erzieherinnen ab dem Jahr 2021 gesprochen und gleichzeitig, das konnte man in den letzten Tagen in den Debatten hören, von einer Zielzahl von ungefähr 600 Erzieherinnen und Erziehern, die man benötigen wird. Hier wurde also noch schnell ein Antrag gezimmert, um dann hinterher diese Zahl fachlich begründen zu können. Wirklich evaluieren kann man das in dieser kurzen Zeit, nämlich einer Zeit von bis zu vier Monaten, nicht wirklich.
Wenn ich dann feststelle, dass unser Antrag über den Antrag der Koalition ganz deutlich hinausgeht, um wirklich die tatsächlichen Bedarfe abzufragen, wie viele Erzieherinnen und Erzieher wir in den nächsten fünf Jahren benötigen, indem wir fragen, wie viele Personen in diesen ganzen verschiedenen Bereichen bei Soziales, bei Bildung und auch in der Behindertenhilfe denn tatsächlich in den Ruhestand gehen, wie die Zahlen in den nächsten Jahren aussehen, wie die Prognosen aussehen, dann kommt man erst zu einem echten Ergebnis, bei dem man hinterher dann die Schlussfolgerung ziehen kann, wie wir mit welchen Methoden diese Zielzahl denn tatsächlich erreichen, ob bei der praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher, ob bei Erweiterung der Fachschulausbildung und Bezahlung der Fachschulausbildung. Das, meine Damen und Herren, darum wollen Sie sich herummogeln.
Wenn ich dann feststelle, dass hier festgestellt werden soll, in einer so kurzen Zeit – und das Ganze dann nach einem Modell, wie es auch im Gesundheitsbereich gemacht worden ist, allerdings dort mit einem externen Gutachten und einem externen Gutachter, das war ja eine sehr umfangreiche Analyse, dieser Gesundheitsreport –, dann muss ich sagen, wie soll das bitte schön in vier Monaten passieren und wie soll das bitte schön ohne eine externe Evaluation passieren, wie es nämlich genau da im Gesundheitsbereich passiert ist. Sie haben hier überhaupt keine Kosten für einen externen Gutachter in irgendeiner Form eingestellt.
Das heißt, hier haben Sie eine fertige Zielzahl von 600 oder was auch immer im Kopf und Sie suchen eine Begründung, um das hier legitimieren zu können. Da machen wir als Fraktion der CDU nicht mit. Wir wollen eine echte Bedarfsanalyse.
Deswegen bitte ich auch noch einmal um Zustimmung zu unserem Antrag. Da Ihr Antrag auch einige weitere Punkte anspricht, die in unserem Antrag nicht enthalten sind, zum Beispiel der Hinweis, dass die sozialen Berufe in der Kindertagesbetreuung attraktiver gemacht werden müssen und dass es auch zwingend erforderlich ist, die Anzahl der schulischen Ausbildungsplätze zu erhöhen und einen Einstieg in eine möglichst flächendeckende Vergütung zu erhalten – das sind Punkte, die wir unterstützen –, stimmen wir auch Ihrem Antrag zu. Vorrangig wegen dieser Punkte. Nicht wegen des Punktes der Bedarfsanalyse, den wir in keiner Form für ausreichend halten. Alle diese Maßnahmen haben uns dazu gebracht, Ihrem Antrag auch zuzustimmen.
Ich sage aber noch einmal ganz deutlich: Der Landesjugendhilfeausschuss hat uns jetzt zwei Jahre lang immer wieder gebeten, eine fachübergreifende Arbeitsgruppe einzusetzen, in der Bildung, Soziales und Arbeit enthalten sind, die Bedarfe bei Bildung und Soziales festgestellt werden und dann über das Ressort Arbeit überlegt wird, das Ressort von Frau Vogt, wie wir dazu kommen, dieses auch umzusetzen.
Alles dies, genau die Forderung des Landesjugendhilfeausschusses, enthält unser Antrag als Fraktion der CDU. Wenn Sie also der gleichen Auffassung sind, wie die Träger das seit zwei Jahren fordern, müssen Sie unserem Antrag ebenfalls zustimmen. Danke schön!
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben ja hier am Dienstag in der Aktuellen Stunde über den Bedarf an weiteren 1 066 Plätzen, Krippen- und Kita-Plätzen mindestens, gesprochen.
In meiner Rede dazu bin ich auf die Ursachen des Mangels und auf die unzureichende Ausbauplanung eingegangen. Ich bin aber auch auf das, was dann unternommen wurde, eingegangen, nämlich auf den Ausbau durch Qualitätsverschlechterung, durch die Aufnahme der Dritt- und Viertquartalskinder in die Elementargruppen, auf die Vergrößerung der Krippengruppen von acht auf zehn Kinder. Wir haben hier die Richtlinienänderungen be
sprochen, die das 21. Kind in den Elementargruppen zulässt. Ich habe über den ungleichen Ausbau in den einzelnen Stadtteilen gesprochen.
Diese teilweisen Qualitätsverschlechterungen und der Umgang mit der Unterversorgung, nämlich auch der massive Ausbau seit 2015 inklusive des Mobilbauprogramms, sind zumindest teilweise auf die Kosten der Kinder gegangen, aber auch auf die Kosten der Knochen der Erzieherinnen und Erzieher. Die Arbeitsanforderungen werden zunehmend komplexer in den Einrichtungen. Die Kinderarmut bleibt, wie wir wissen, leider konstant hoch und sie ballt sich auch in bestimmten Stadtteilen, bei denen auch teilweise fluchtbedingte Traumata, Sprachförderbedarfe oder auch Gewalt in Familien hinzukommt.
Die Frage von Gewalt oder Vernachlässigung ist eine, die in allen Stadtteilen aufkommt, aber die Personaldecke ist auch in allen Stadtteilen knapper geworden und vor diesem Hintergrund gebührt den Kolleginnen und Kollegen, die unter diesen Bedingungen nach wie vor tagtäglich mit einem hohen Einsatz die Kinder in den Einrichtungen fördern, Anerkennung und Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wir können nicht die Augen davor verschließen, das zeigen Studien unter anderem der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, dass zum Beispiel jede vierte Pädagogin oder Pädagoge den Beruf in den ersten fünf Jahren wieder aufgibt. Auch die Anfragen auf Stundenaufstockung, die Träger haben Abfragen gemacht, ob Teilzeitkräfte auf Vollzeit aufstocken möchten, die verhallen mittlerweile unerwidert, weil viele das einfach nicht mehr bewältigen können und die Arbeitsbelastung in Vollzeit nicht mehr ertragen. Deswegen sind Maßnahmen nötig.
Wir haben hier über die Bremer Erklärung für gute Arbeit in den Kitas gesprochen, die auch die Verbesserung des Gesundheitsschutzes mit sich bringt. Wir haben über die Höhergruppierungen nach b gesprochen. Wir haben über kurzfristige Entlastungen zum Beispiel durch die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger gesprochen. Vor allem, und dazu kommen wir jetzt in diesem Antrag, vor allem braucht es Maßnahmen, die in die Fläche wirken. Deswegen gibt es inzwischen über 600 Absolventinnen und Absolventen der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung pro Jahr und das ist auch nötig, angesichts des noch anstehenden Ausbaus
Wenn man das alles zusammennimmt, dann reicht es noch nicht. Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich für den Erzieherinnenberuf entscheiden. Schon jetzt bleiben Fachschulplätze leer. Die Fachschulen könnten mehr Fachschülerinnen und Fachschüler aufnehmen, aber es gibt zu wenig Bewerberinnen und Bewerber für diesen Beruf.
(Abgeordnete Ahrens [CDU]: Weil sie es bezahlen müssen, das muss man einmal deutlich sagen, das sind ja private Fachschulen!)
Deswegen müssen wir den Beruf selbst attraktiver gestalten und aufwerten. Wir müssen aber auch die Bedingungen in der Aus- und Weiterbildung verbessern, denn bisher ist es so, dass außer den 50 Teilnehmenden in der praxisintegrierten Ausbildung, die Auszubildenden, außer während des Anerkennungsjahres, keine Vergütung bekommen. Vier Jahre lang sind sie ohne Lebensunterhaltssicherung und das bedeutet ganz konkret für die Auszubildenden, dass sie bei ihren Eltern wohnen bleiben müssen, dass sie neben der Vollzeitausbildung noch arbeiten müssen, weil zum Beispiel das BAföG nicht reicht.
Die jungen Menschen wissen ja auch, dass sie nicht nur diese vier Jahre ohne Lebensunterhaltssicherung bewältigen müssen, sondern dass hinterher ein Arbeitsleben auf sie wartet, das immer anspruchsvoller wird. Unter diesen Bedingungen wird es uns nicht gelingen, mehr junge Menschen zu gewinnen für diesen wichtigen und eigentlich auch schönen Beruf. Deshalb wollen wir in die flächendeckende Bezahlung von Auszubildenden einsteigen, und zwar bald, wenn Sie mich fragen. Wir brauchen eigentlich schon seit gestern mehr Auszubildende, damit wir in drei oder fünf Jahren mehr Fachkräfte haben, die wir so dringend brauchen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wir brauchen sie für den weiteren Kita-Ausbau, wir brauchen sie auch zum Beispiel, um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für die Grundschülerinnen und Grundschüler, die ab 2025 greift, zu erfüllen, was auch richtig ist, auch dafür wird es aber Fachkräfte brauchen. Wir brauchen sie, um genau diese Aufgaben bewältigen zu können.
Frau Ahrens hat es schon erwähnt: Dafür brauchen wir auch eine valide Prognose, wie viele Fachkräfte
wir konkret brauchen, in allen Bereichen in denen Erzieherinnen und Erzieher eingesetzt werden. Deswegen soll jetzt eine Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufnehmen, um die flächendeckende Bezahlung während der Ausbildung zu erreichen. Wenn Sie mich fragen, am liebsten schon zum nächsten Ausbildungsjahr. Wir brauchen auch valide Daten dazu, wie viele Auszubildende und Absolventinnen und Absolventen wir eigentlich brauchen.
Wir glauben, dass das Gesundheitsberufsmonitoring ein gutes Beispiel ist und deswegen wollen wir genau das auch für den Erzieherinnenberuf anwenden. Insofern glaube ich, dass wir an der Stelle
dann auch eine gute Basis haben, eine gute Bedarfsprognose und ehrlich gesagt, vor dem Hintergrund finde ich den Antrag der Fraktion der CDU überflüssig, weil wir schon alles machen. Wir machen eine valide Prognose und wir gehen schon jetzt an die Sache heran und werden die Ausbildung vergüten. Insofern werbe ich für die Zustimmung für unseren Antrag. Ihren Antrag lehnen wir ab, denn, wir machen es schon selbst.
Lieber Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte gern generell sagen: Wer sich einmal ausgedacht hat, dass Ausbildungen in sozialen Berufen unbezahlt sein sollen oder, was es ja auch noch gibt, hierfür sogar Schulgeld bezahlt werden soll, hat sich auf einen Irrweg begeben,
einen Irrweg, den wir dringend so schnell wie möglich verlassen müssen. Das hat mit Wertschätzung zu tun und das hat mit wirtschaftlicher Notwendigkeit zu tun. Die Ausbildungsvergütungen verschiedener Ausbildungsberufe lassen sich im Internet leicht recherchieren: wenn ich unter E wie Erzieherinnen und Erzieher suche, finde ich darunter, Eisenbahnerinnen und Eisenbahner mit 904 Euro Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr oder zum Beispiel Elektronikerinnen und Elektroniker für Automatisierungstechnik mit 1 009 Euro Ausbildungsvergütung im ersten Jahr. Erzieherinnen oder Erzieher sind in der Tabelle nicht zu finden.
Ist es aus irgendeinem Grund legitim, dass Menschen die Erzieherinnen oder Erzieher werden wollen, sich anderweitig finanzieren müssen? Haben Sie in ihrer Ausbildung weniger Bedarf an einer Vergütung? Ist es persönlicher Luxus eine solche Ausbildung einzuschlagen, der dementsprechend selbst bezahlt werden sollte? Natürlich nicht.
Wir haben in dieser Woche bereits zurecht viel über Fachkräftemangel und fehlende Kita-Plätze gesprochen. Unser Antrag für ein Konzept für Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern im Land Bremen ist nun ein essenzieller Baustein in dem Prozess der Fachkräftegewinnung. Das wurde schon erwähnt. Denn Anerkennung und Wertschätzung für die Ausbildung müssen deutlicher gemacht werden. Es darf nicht sein, dass Menschen sich fragen müssen, ob sie es sich überhaupt leisten können Erzieherinnen oder Erzieher zu werden.
Ein zweiter wichtiger Punkt unseres Antrages ist die bereits von Jörg Zager und Sofia Leonidakis genannte Prognose für den Bedarf an Fachkräften, denn, liebe Frau Ahrens, in unserem Antrag ist so eine Prognose enthalten. Es muss herausgefunden werden, wie hoch der Bedarf letztendlich ist und entsprechend dieser Prognose müssen dann auch die Ausbildungsplätze an den Fachschulen ausgebaut werden.