Protocol of the Session on April 23, 2015

Frau Kollegin Neddermann.

Abg. Frau Neddermann (Bündnis 90/Die Grü

nen)*): Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolle ginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Ob Smartphone, Tablet oder PC, das Internet und auch die sozialen Netzwerke gehören zu unserem alltäglichen Leben. Das sehen wir schon, wenn wir uns in unserem Saal umschauen.

Auch die Polizei Bremen will sich zeitgemäß um

strukturieren, eine sogenannte Fanpage einrichten und dieses soziale Netzwerk für ihre Arbeit nutzen. Sogenannte Fanpage bei Facebook werden mitt lerweile nicht mehr nur von Stars genutzt, sondern genauso von Unternehmen, Organisationen, Sportver einen und von öffentlichen Verwaltungen in anderen Bundesländern. Mit einem Klick auf „Gefällt mir“ erhalten User Informationen und Neuigkeiten. Ziel ist es, das eigene Interesse und Informationen mit Gleichgesinnten zu teilen oder bei Leuten, die sich mit dem entsprechenden Thema noch nicht ausei nandergesetzt haben, Neugierde dafür zu wecken. Es bietet aber auch die Möglichkeit zur Beteiligung und zur Diskussion.

Verschiedene Bundesländer wie Berlin, Hamburg

und Hessen sowie Städte wie Stuttgart, München und Hannover haben bereits eine Seite bei Facebook, sind zum Teil sogar bei Twitter aktiv und machen damit viele gute Erfahrungen.

Lange hat es gedauert; Herr Hinners, insoweit

gebe ich Ihnen recht. Unter Berücksichtigung des Senatsbeschlusses und der datenschutzrechtlichen Belange und auf der Basis eines Konzeptes der Polizei Bremen geht jedoch nun auch die bremische Polizei online bei Facebook. Dabei liegt der Fokus auf den Bereichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – plus einsatzbegleitender Öffentlichkeitsarbeit –, Krisen kommunikation, Prävention und Nachwuchswerbung.

Die CDU-Fraktion hat zu diesem Thema einen

Antrag eingebracht, der sich unserer Meinung nach durch die Mitteilung des Senats mittlerweile erübrigt hat. Deswegen – sorry, Herr Hinners! – lehnen wir Ihren Antrag ab.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD – Abg. H i n n e r s [CDU]: Facebook- Fahndung ist das Thema! Deswegen haben Sie sich doch damit beschäftigt!)

Keine Frage, der Datenschutz spielt hier eine be

deutende Rolle. Immer wieder berichten die Medien darüber, dass Facebook nicht besonders diskret mit den Daten seiner Mitglieder umgeht. Facebook steht daher ständig in der Kritik von Datenschüt zerinnen und Datenschützern. So hat eine Fanseite der öffentlichen Verwaltung natürlich die Aufgabe, datenschutzrechtliche Belange einzuhalten. Die Polizei Bremen könnte dieses Problem künftig mit einer sogenannten Zwei-Klick-Lösung beheben, sodass zum Beispiel bei Fahndungen nur ein Link zu der eigenen Pressemitteilung gepostet wird, die sowieso im Netz steht, und nicht die Fahndung selbst mit Daten und Fotos hochgeladen wird, die dann nämlich auf die Facebook-Server gelangen wür den. Das halte ich für den richtigen Weg. So wird es einerseits möglich, wichtige Informationen zu verbreiten, beispielsweise bei der Suche nach einer Person nach einer Vermisstenmeldung. Andererseits landen Fotos und andere personenbezogene Daten nicht bei Facebook.

Ich halte es für überfällig und vor allem für hilfreich,

dass die Polizei Bremen bald bei Facebook an den Start geht. Das ist ein weiterer Schritt im Sinne einer bürgernahen Polizei. So kann sie über ihre Arbeit informieren, auf tagesaktuelle innenpolitische The men aufmerksam machen und über die Verbreitung von wichtigen Fakten hilfreiche Hinweise aus der Bevölkerung bekommen.

(Abg. H i n n e r s [CDU]: Das ist doch ein anderes Thema!)

Wenn wir auch weiterhin gute Polizeibeamtinnen

und Polizeibeamte einstellen und bei der Nach

wuchswerbung gegenüber den anderen Polizeien nicht ins Hintertreffen geraten wollen, dann ist es unerlässlich, dass wir dorthin gehen, wo die jungen Menschen auch sind – bei Facebook.

Diese Maßnahme wird nach einem Jahr evaluiert.

Die Ergebnisse werden der Innendeputation vorge stellt. Ich bin gespannt auf das Feedback und die Resultate. Mein „Like“ bekommt die Polizei Bremen auf jeden Fall. – Herzlichen Dank!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD – Abg. Frau N e u m e y e r [CDU]: In der Schule heißt das „Thema verfehlt“! – Zuruf des Abg. H i n n e r s [CDU])

Als Nächste hat das Wort

Frau Kollegin Vogt.

Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Hinners, Sie kennen doch meine Position! Die CDU will Facebook für die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei nutzen. Un ter anderem sollen Fahndungsaufrufe über dieses Netzwerk verbreitet werden. Der Innensenator – das wurde hier schon gesagt – nimmt diesen Vorschlag in abgewandelter Form auf und arbeitet aktuell an der Umsetzung der sogenannten Facebook-Fahndung, die vorerst als Modellprojekt für ein Jahr laufen soll.

(Abg. H i n n e r s [CDU]: Am Facebook- Auftritt! Eine Facebook-Fahndung findet nicht statt!)

Am Facebook-Auftritt! DIE LINKE wird diese

Idee nicht unterstützen, denn es gibt aus unserer Sicht erhebliche datenschutzrechtliche Probleme, die sich unserer Meinung nach auf absehbare Zeit nicht lösen lassen.

Im Kern geht es darum, dass sich Facebook nicht

an Deutschlands Datenschutzstandards hält und auch nicht halten will. Die Polizei als öffentliche Stelle will bei Facebook eine sogenannte Fanseite anlegen und betreiben. Damit liefert die Polizei zukünftig Daten an ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell in ungeregeltem Sammeln und Verkaufen von Daten besteht.

Daran schließt sich unmittelbar die Frage an, in

wieweit Behörden, Ämter oder die Polizei dieses Portal nutzen können, ohne ebenfalls datenschutz rechtlich fragwürdig zu agieren. Im Gegensatz zu Facebook muss sich die Polizei Bremen nämlich an die Datenschutzgesetze halten, liebe Kolleginnen und Kollegen!

(Beifall bei der LINKEN)

Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Infor

mationsfreiheit, Frau Dr. Sommer, hat eine Stellung nahme zur Facebook-Fahndung durch die Polizei

en Bremen und Bremerhaven verfasst. Darin wird umfassend dargestellt, dass die jetzt vorgesehene Variante immer noch nicht datenschutzrechtlich sau ber und einwandfrei ist. Es reicht unserer Meinung nach nicht, Facebook nur für die Weiterverbreitung von Links zu nutzen und die eigentlich relevanten personenbezogenen Daten nur auf der offiziellen Polizei-Webseite zu veröffentlichen.

Eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz

verhandelt aktuell mit Facebook über eine juristisch gangbare Lösung dieser Probleme. Wir sind der Meinung, bis hier keine Klärung vorliegt, kann man auch in Bremen kein Modellprojekt durchführen.

(Beifall bei der LINKEN)

Übrigens stellen sich nicht nur datenschutzrecht

liche Probleme. Darauf haben schon Frau Nedder mann und Herr Senkal hingewiesen. Wer einmal in den Kommentarspalten der großen Zeitungen oder in Facebook- Gruppen von sogenannten besorgten Bürgern unterwegs ist, weiß, wie niedrig die Hemm schwelle bei einigen Menschen ist, sobald sie den Computer auch nur anschalten. Die geplante Fanseite der Polizei Bremen darf nicht der Austragungsort für Beleidigungen, Volksverhetzungen oder gar Gewaltfantasien werden.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Ich befürchte deshalb, dass es wahrscheinlich

nötig sein wird, dass die Polizei rund um die Uhr jemanden einstellen oder abstellen muss, der oder die sich die Kommentare der Userinnen und User ansieht. Wer die Personalsituation bei der Polizei kennt, weiß auch, dass diese Ressourcen vermutlich an anderer Stelle dringender benötigt werden. Die LINKE lehnt diesen Antrag daher ab und eigentlich auch den Modellversuch, zumindest solange nicht rechtlich mit Facebook geklärt ist, wie sie mit den Daten umgehen möchten. Danke!

(Beifall bei der LINKEN)

Als nächster Redner hat

das Wort Herr Staatsrat Ehmke.

Frau Präsidentin, meine sehr

geehrten Damen und Herren! Herr Hinners hat das eine oder andere Mal darauf hingewiesen, dass nach seiner Auffassung Bericht und Antrag nicht vollständig übereinstimmen.