Protocol of the Session on April 26, 2012

(Abg. R ö w e k a m p [CDU]: Dann macht es der Senator selbst!)

Dass Bremen in diesem Jahr voraussichtlich keinen eigenen Teilnehmer entsenden kann, kann vielleicht durch den Umstand ausgeglichen werden, dass es im Jahr 2008 mit Carolin Nytra, Sebastian Beyer und Johanna Tilgner gleich drei Spitzensportler waren, die damals ihren Trainingsschwerpunkt in Bremen hatten. Herr Knäpper und liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, ich bin überzeugt, dass Sie im Sport besonders patriotische Bremerinnen und Bremer sind, aber vielleicht gelingt es Ihnen trotzdem, allen deutschen Sportlerinnen und Sportlern die Daumen für ein erfolgreiches Abschneiden zu drücken, ganz gleich, aus welchem Bundesland sie kommen. Noch eine Bemerkung zu den Blindstellen in Ihrer Anfrage! Bedauerlicherweise haben Sie sich mit dem Bereich des Behindertensports, und hier besonders den Special Olympics, überhaupt nicht auseinandergesetzt. Bremen hat bei den letzten Spielen im Jahr 2011 in Altenbeck in Thüringen drei Sieger gestellt, und wir haben einen eigenen Standort im Land Bremen. (Glocke)

Ich finde es zutiefst bedauerlich, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, dass der Behindertensport in Ihren Köpfen anscheinend noch nicht mit bedacht wird, wenn es um den Leistungssport geht. Ich kann für meine Fraktion hier festhalten, die Höchstleistung, die von Menschen mit Behinderungen im Sport erzielt werden, bleiben uns nicht verborgen, und wir sind stolz auf ihre Erfolge im Behindertensport. (Beifall bei der SPD)

Noch eine letzte Bemerkung! Konzepte für den Leistungssport sind keine Aufgabe der Politik, sie sind in erster Linie eine Aufgabe der Sportverbände. Die Politik muss gute Rahmenbedingungen schaffen, sie kann Partner des Sports sein, aber der Politik fällt nicht die Aufgabe zu, sich dem Sport mit Konzepten und Anforderungen aufzudrängen, die niemand nachfragt. Der Senat hat den richtigen Weg eingeschlagen. Vielleicht verstehen Sie in der CDU-Fraktion ja auch noch irgendwann den Sinn! Ich bedanke mich für die ausführliche Beantwortung der Großen Anfrage durch den Senat und bei Ihnen!

(Beifall bei der SPD und beim Bündnis 90/ Die Grünen)

Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Tuncel.

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Krümpfer, Sie haben eigentlich vieles von dem, was ich sagen wollte, vorweggenommen. Ich möchte mich auch herzlich für die ausführliche Antwort des Senats auf die Große Anfrage bedanken.

Ich möchte noch einmal erwähnen, dass wir als Fußballer natürlich auch noch Werder Bremen und einen DFB-Stützpunkt beim Bremer Fußballverband haben, sodass wir da wirklich hervorragend aufgestellt sind. Es ist so, dass wir auch keine Zuschüsse dazugeben müssen.

Sehr wichtig sind auch – das haben Sie vergessen – die Vereine, die wirklich hervorragende Arbeit dahingehend leisten, dass die Menschen, die Breitensport betreiben, irgendwann zum Leistungssport kommen. – Vielen Dank!

(Beifall bei der LINKEN, bei der SPD und beim Bündnis 90/Die Grünen)

Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Öztürk.

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe jetzt schon mehrfach das Privileg gehabt, um 18.01 Uhr noch eine Debatte mit Ihnen führen zu dürfen. Ich bin dankbar, dass Sie alle noch anwesend und wach sind. Das ist wahrscheinlich auch dem Sport geschuldet. Wer sportlich ist, ist auch noch aufnahmefähig. Der Sport ist natürlich ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und verschafft ihr einen sehr vielfältigen Mehrwert.

Ich möchte darauf hinweisen, Herr Knäpper, dass die Große Anfrage natürlich total berechtigt war, aber für die Förderung des Leistungssports in der Regel erst einmal der Bund zuständig ist. Wenn der Bund hier Bereitschaft zeigt und sagt, der Leistungssport ist wichtig, und entsprechende Mittel zur Verfügung stellt, dann sind wir als Land wahrscheinlich auch in der Lage, nach Stützpunkten zu schauen, an denen wir mit Sportvereinen und Sportlerinnen und Sportlern den Leistungssport etablieren können. Einige Beispiele, die auch sehr erfolgreich laufen, wurden von meiner Vorrednerin Frau Krümpfer genannt.

Aus der Antwort des Senats geht aber auch hervor, auf welche Bereiche sich der Leistungssport in Bremen beschränkt. Das ist auf der einen Seite die Talentsichtung, und auf der anderen Seite ist das die Förderung des Nachwuchses in diesem Anschlusskaderbereich. Dass man das alles aber nicht allein bewältigt, liegt auch auf der Hand.

Ich denke, als Bundesland Bremen haben wir gute Kooperationen mit Niedersachsen, aber auch mit an––––––– *) Vom Redner nicht überprüft.

deren Bundesländern. Wir versuchen, gewisse Sportarten, soweit es geht, zusammenzuführen und die Sportlerinnen und Sportler, so gut es geht, zu fördern. Natürlich können wir uns nicht mit Nordrhein-Westfalen, Bayern oder anderen großen Bundesländern vergleichen, die natürlich auch andere Sportarten, wie zum Beispiel den Wintersport, haben. Der Wintersport kommt bei uns zu kurz, da bei uns kaum Schnee liegt, das kommt auch noch hinzu. Insofern, denke ich, wird hier seitens des Senats doch schon einiges getan, um diejenigen, die bei uns Leistungssport betreiben, zu fördern.

Es ist auch noch wichtig – das ging ja aus der Antwort des Senats hervor –, dass diese länderübergreifende Zusammenarbeit nicht nur mit dem Bund oder mit den Spitzenverbänden stattfindet, sondern auch mit der Sportwissenschaft und den sportwissenschaftlichen Instituten; zu nennen ist die Nationale Antidopingagentur. Auch das ist ein Bereich, der im Leistungssport natürlich nicht zu kurz kommen darf.

Ich habe nicht richtig verstanden, Herr Knäpper, warum Sie gesagt haben, die Antwort auf die Große Anfrage enthalte keine Zahlen. Ich kann, wenn ich mir die zweite Frage und die Antworten darauf ansehe, schon Sätze lesen, die Zahlen enthalten, in welcher Höhe Bremen eine finanzielle Unterstützung leistet. Ein Teil davon sind in der Regel auch Kosten für Trainer. Man braucht nämlich gute Trainer und qualifiziertes Personal, damit die Leistungssportlerinnen und -sportler auch entsprechend gefördert werden können. Ich denke, dass dieser Bereich auch nicht zu kurz kommen kann. Würden wir das Geld nicht zur Verfügung stellen, hätten wir wahrscheinlich nicht das Fachpersonal.

Vielleicht noch ein abschließender Satz! Die Förderung des Leistungssports ist Aufgabe der Politik und wurde auch als Ziel definiert. Sie ist auch Aufgabe und Ziel der Sportorganisationen – das wurde mehrfach definiert – und auch in der Gesellschaft mit einem gewissen Stellenwert verbunden. Das ist die eine Seite. Ich sage auch immer, zum Glück ist der ganze Sportbereich nicht nur auf Leistung getrimmt, sondern Sport soll eben auch Spaß machen und Beschäftigung sein. Auf den Leistungssport wollen wir aber auch nicht verzichten, weil er eben doch ein wichtiger Bestandteil für einige Vereine und für einige Sportarten ist.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei meinen lieben Kolleginnen und Kollegen für die Aufmerksamkeit zu solch später Stunde und bedauere, dass wir an dieser Stelle über Ihre Anfrage nicht länger debattieren können! – Danke!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)

Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Knäpper.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich verspreche, ich werde mich kurz fassen, aber es sind doch einige Dinge, die ich hier gern noch sagen will.

(Abg. Frau B ö s c h e n [SPD]: Was muss, das muss!)

Ja, klar! Natürlich müssen wir den Nachwuchs im Sport fördern. Das wollte ich vorhin auch noch gesagt haben. Wie effektiv wir im Sichten von Talenten sind, hängt maßgeblich von der Zusammenarbeit zwischen Sportlehrern, Übungsleitern und Trainern ab. Sie sind die Bindeglieder zwischen den Schulen und den Sportvereinen. Hier haben sich, wie auch der Antwort des Senats zu entnehmen ist, die Kooperationsprogramme zwichen Leistungssport und Schule bewährt. Der Schulsport fungiert dabei als organisatorischer Rahmen für Sichtungswettbewerbe wie zum Beispiel Schulsportfeste, Bundesjugendspiele und Jugend trainiert für Olympia. Die Vereinbarkeit zwischen Sport und Hochschulstudium muss allerdings auch verbessert werden. Wie wichtig das für unseren Sportnachwuchs ist, zeigt eine aktuelle Zahl, die ich nachgelesen habe: Von den 440 deutschen Olympiateilnehmern in Peking waren ein Drittel Studierende. Jetzt habe ich natürlich Verständnis für die schwierige Haushaltslage, aber wir dürfen unsere Leistungssportler und Talente nicht im Regen stehen lassen. Für die Sportförderung in der Stadt Bremen sowie für die Sanierungsmaßnahmen stehen im Jahr 2012 insgesamt 1,9 Millionen Euro zur Verfügung. Der beantragte Förderbedarf der Sportvereine in der Stadt Bremen und die geplanten Sanierungsmaßnahmen der städtischen Sportanlagen belaufen sich auf ein Auftragsvolumen von 2,5 Millionen Euro. Geld können wir nicht einfach drucken, wir müssen sehen, wie wir damit zurechtkommen. Ich will hier auch gar keine weiteren Summen nennen, aber vor allen Dingen muss natürlich auch das Unibad saniert werden. Ich weiß nicht, ob wir uns diese Mehrkosten leisten können und wie das alles zu schaffen ist. Darum möchte ich noch einmal an die Regierungsparteien appellieren und daran erinnern, dass die staatliche Sportförderung langfristig eine positive Wirkung für die Gesellschaft hat. Der Sport stiftet Gemeinschaft und Zusammenarbeit im Großen wie im Kleinen. Ob bei Massenveranstaltungen oder im Verein, Sportler und Fans gehen in einem hart umkämpften Match gemeinsam durch Freude und Leid. Sie teilen die Begeisterung über einen Sieg, haben aber auch Respekt und Anerkennung für die Unterlegenen. Wir leben heute – und damit möchte ich auch zum Schluss kommen – nicht mehr wie vielleicht vor ––––––– *) Vom Redner nicht überprüft.

30 Jahren in einem ethnisch, kulturell, religiös homogenen Land. Auch die Lebenswelten der Jungen und Alten, der Armen und Reichen entfernen sich eher voneinander, als dass sie einander näherkommen. Deutschland ist durch Zuwanderung vielfältiger geworden. Wir stehen vor großen Herausforderungen, die mit dem gesellschaftlichen Wandel einhergehen.

Der Sport, insbesondere aber auch der Leistungssport, kann eine starke Kraft sein, die Zuwanderinnen und Zuwanderer an unser Land und unsere Bevölkerung bindet. Der Spitzensport kann Identifikationsmöglichkeiten auch für Athletinnen und Athleten schaffen, die anderswo geboren sind. – Danke!

(Beifall bei der CDU, bei der SPD und beim Bündnis 90/Die Grünen)

Als nächster Redner hat das Wort Herr Senator Mäurer.

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit diesen versöhnlichen Worten schließt der Tag ab. Wir haben über den Leistungssport diskutiert, aber wir haben keine Zeit gehabt, um über den Breitensport zu diskutieren. Der Breitensport ist in der Tat der Bereich, in dem fast 160 000 Mitglieder in hunderten bremischer Vereine aktiv sind.

(Beifall bei der SPD und beim Bündnis 90/ Die Grünen)

Es geht aber nicht darum, den einen Sport gegen den anderen auszuspielen, sondern seine Bedeutung zu würdigen und finanziell angemessen zu unterstützen. Das ist einfach das Programm, das wir in den nächsten Haushalten kontinuierlich fortsetzen. Wir werden mit vielen Millionen Euro den Breitensport fördern. Das bedeutet in erster Linie, dass wir dafür sorgen, unsere Hallen und Sportplätze zu erhalten, diese zu sanieren und Mittel zu haben, um die Trainer zu finanzieren; das sind die Pflichtaufgaben. Wenn noch etwas Geld übrig bleibt, werden wir auch noch das Unibad sanieren und dem Breitensport zur Verfügung stellen. Darüber hinaus werden wir natürlich auch den Bereich des Leistungssports – das ist in der Tat eine kleine Pflanze – in Bremen fördern.

Ich muss sagen, ich bin ein großer Anhänger der Rhythmischen Sportgymnastik. Es ist ein Bereich, der, ketzerisch würde man sagen, ein Randsportbereich ist. Wenn Rhythmische Sportgymnastik auf dem Programm steht – selbst bei Europameisterschaften –, dann ist das kein Magnet, dann schaut man das in Fernost, aber es sind keine 100 000 Besucher hier in Bremen zu erwarten. Dennoch kennzeichnet, finde ich, und zeichnet es Bremen aus, dass wir auch Geld in Bereiche investieren, in denen sich nicht die große Mehrheit organisiert. Wir können es uns leisten, dass wir neben Werder Bremen auch eine beschei

dene Rhythmische Sportgymnastik anbieten. Das ist unsere Form von Nachwuchsförderung, und das ist unser Beitrag für Olympia.

Ich sage noch einmal: Ist es wirklich so wichtig, dass wir sagen können, wir haben eine Läuferin, die in Bremen trainiert und bei Olympia startet? Das ist schön, aber wenn wir dafür 200 000 bis 300 000 Euro zahlen müssen, und nächste Woche kommt wiederum ein anderer Verein, Bayer Leverkusen oder sonst jemand, der sagt, ich biete 100 000 Euro mehr, dann trainiert man in Leverkusen. Ich finde, das sollten wir nicht machen.

(Beifall bei der SPD, beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der LINKEN)

Diesen Wettbewerb können wir nicht gewinnen.

Wir können in vernünftige Leichtathletikanlagen investieren, das haben wir in Obervieland bewiesen, und wir schließen dieses Programm jetzt in Huchting ab. Das sind alles Maßnahmen, die sehr viel Geld gekostet haben, die aber auch einfach notwendig sind, weil auch hier gilt, dass wir nicht nur diejenigen fördern, die im Rampenlicht stehen, sondern Leichtathletik gehört auch mit dazu. Das ist ein Bereich, in dem wir einen Nachholbedarf haben. Insofern ist das ein

angemessenes Programm, das wir in den nächsten Wochen dann hier in der Bremischen Bürgerschaft zum Abschluss bringen.

Ich kann insgesamt sagen – das gilt auch für die CDU Fraktion, Herr Knäpper –, das waren heute gute Beiträge. Ich hoffe auch, dass unsere Antwort Ihnen geholfen hat, die Dinge etwas besser zu sortieren. Jedenfalls haben wir, glaube ich, in der Tat seit Jahrzehnten in Bremen eine Menge bewegt, und das sollten wir so fortführen. – Schönen Dank!

(Beifall bei der SPD, beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der CDU)

Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Die Aussprache ist geschlossen.

Die Bürgerschaft (Landtag) nimmt von der Antwort des Senats, Drucksache 18/341, auf die Große Anfrage der Fraktion der CDU Kenntnis.

Mit Abschluss dieses Tagesordnungspunktes ist die Sitzung des Landtags beendet.

Ich schließe die Sitzung der Bürgerschaft (Land- tag).