Protocol of the Session on December 11, 2019

Ich sage nur eines: Sie sind doch an der renommierten Hochschule in München. Dort haben Sie zumindest gelehrt. Es wundert mich. Es muss Ihnen doch klar sein, dass Sie in dieser internationalen Welt nur mit Englisch weiterkommen, gerade Sie, der hier immer die große Fahne für die Wissenschaft schwingt.

(Beifall bei der FDP und den FREIEN WÄHLERN)

Da wundere ich mich, dass Sie hier nicht Flagge zeigen und sagen "Ja, wir brauchen das Englische in unserer heutigen Welt". Ich glaube, dass Sie Ihren eigenen Antrag nicht in seinen Konsequenzen durchdacht haben. Waren Sie eigentlich schon mal auf Start-up-Pitches, auf Start-up-Kongressen hier in München? Haben Sie schon einmal mitbekommen, welche Sprache dort vorherrscht?

(Zuruf von der AfD)

Wie glauben Sie denn, dass Bayern seinen Wohlstand – – Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, ich finde es toll, dass du jetzt gerade zu meiner Rede hierherkommst; das ist wunderbar!

(Martin Hagen (FDP): Weil er gehört hat, dass du redest! – Ministerpräsident Dr. Markus Söder: Ich bin so ergriffen von der Rede!)

Okay, wunderbar. – Geht das alles von meiner Redezeit weg? Entsetzlich!

(Allgemeine Heiterkeit)

Selbst verschuldet, Herr Kollege. Selbst verschuldet.

Die Richtung des Antrags ist doch klar. Aber wirklich, Herr Prof. Hahn: Seien Sie doch etwas vernünftig! Ich wundere mich total. Waren Sie schon einmal bei der Nobelpreisträgertagung in Lindau? Haben Sie schon mal – Herr Wissenschaftsminister – den Bayerischen Abend dort mitgemacht? Welch internationales Flair dort ist, mit Lederhosen aus Bayern und mit Trachten aus der ganzen Welt, aber einer einheitlichen internationalen Sprache: Das ist Englisch. So präsentiert sich Bayern im internationalen Bereich, verehrte Damen und Herren. Wenn ich jetzt noch ein sehr kritisches Wort zum Abschied sagen darf: Ich glaube, Sie wollen der Wirtschaft hier in Bayern vorsätzlich schaden.

(Widerspruch bei der AfD)

Das wollen Sie mit diesem Antrag machen. Das ist die Wahrheit.

(Widerspruch bei der AfD – Beifall bei der FDP und den FREIEN WÄHLERN – Glocke des Präsidenten)

Jetzt weiß ich hundertprozentig, dass ich richtigliege bin. Das zeigt Ihre Reaktion.

(Beifall bei der FDP, der CSU, den GRÜNEN, den FREIEN WÄHLERN und der SPD – Alexander König (CSU): Wir müssen aufpassen, dass nicht die ganze Welt über uns lacht!)

Herr Winhart, Sie können ruhig noch eine Zwischenbemerkung machen. Dann hätte ich ein bisschen länger Zeit, darauf zu antworten.

Also: Ihren Antrag lehnen wir ab. Ich glaube, das ist rübergekommen. Dem Antrag der Regierungsfraktionen werden wir zustimmen.

(Beifall bei der FDP und den FREIEN WÄHLERN)

Herr Kollege, bleiben Sie noch am Rednerpult. Es liegt bereits ein Antrag auf Zwischenbemerkung des Abgeordneten Prof. Dr. Ingo Hahn vor.

(Dr. Fabian Mehring (FREIE WÄHLER): Auf Englisch!)

Herr Abgeordneter, Sie haben das Wort.

Sie haben Lindau und mich als Wissenschaftler angesprochen. Ich kann Ihnen sagen: Ich habe die meisten meiner Publikationen tatsächlich auf Englisch gemacht, über 90 %.

(Zurufe: Oh!)

Ich habe über drei Jahre in Südamerika geforscht. Ich habe mehrere Jahre in Nordamerika geforscht. Wer das gemacht und andere Kulturen kennengelernt hat, weiß erst zu schätzen, was es ausmacht, seine eigene Kultur- und Wissenschaftssprache zu verwenden. Wenn Sie die Nobelpreisträger in Lindau ansprechen: Denken Sie mal an unsere deutschsprachigen Nobelpreisträger. Denken Sie an Einstein usw.

(Zuruf der Abgeordneten Susanne Kurz (GRÜNE))

Das sind Leute, die auch heute noch auf Deutsch gelesen werden. Da weiß jeder, dass man sich auch wissenschaftlich in seiner eigenen Muttersprache besser ausdrücken kann als in jeder anderen Sprache.

(Dr. Fabian Mehring (FREIE WÄHLER): Seit Sie auf Englisch publiziert haben!)

Und Herr Heubisch, mit Verlaub: Es wundert mich, dass Sie hier immer nur einzelne englische Wörter einstreuen, aber nicht einfach mal in tollem Englisch eine ganze Rede hier halten. Warum eigentlich nicht?

(Heiterkeit und Beifall bei der AfD)

Herr Kollege, Sie haben das Wort.

Sehr geehrter Herr Prof. Hahn, allein die Tatsache, dass Sie einen Wissenschaftler, der den Nobelpreis vor über hundert Jahren bekommen hat, als Beispiel anführen, zeigt, dass Sie rettungslos in der alten Welt verhaftet sind

(Lachen bei der AfD – Beifall bei der FDP, den GRÜNEN und den FREI- EN WÄHLERN)

und dass Sie die neuen Zeiten nicht erkennen.

Herzlichen Dank. – Nächster Redner ist der Abgeordnete Prof. Dr. Winfried Bausback für CSU-Fraktion.

(Alexander König (CSU): Bei allem Unterhaltungswert, aber ihr haltet uns auf!)

Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, Kolleginnen und Kollegen!

Der Landtag wolle beschließen: […] 2. rein fremdsprachige Studiengänge an bayerischen Hochschulen auslaufen zu lassen, […]

Und dann weiter unten:

Die Bestrebungen der Staatsregierung, die deutsche Wissenschaftssprache durch Englisch zu ersetzen, sind provinziell […].

Kolleginnen und Kollegen, so ein Mumpitz! Ich weiß nicht, ob Sie die deutsche Wirtschaft schädigen wollen.

(Zuruf von der AfD: Wollen wir nicht!)

Aber Sie von der AfD wollen in jedem Fall den Wissenschaftsstandort Deutschland und insbesondere Bayern schädigen.

(Widerspruch bei der AfD)

Denn, meine Damen und Herren: Wer entscheidet denn über die Wissenschaftssprache? Wer entscheidet, was die Wissenschaftssprache in einer Disziplin ist? – Das ist nicht der Ministerpräsident des Freistaats Bayern.

(Prof. Dr. Ingo Hahn (AfD): Doch!)

Ich glaube nicht, dass das bedauert wird. Das ist nicht der Wissenschaftsminister des Freistaats Bayern. Das ist auch nicht die AfD, sondern es ist die wissenschaftliche Community, die sich auf eine Sprache festlegt. Meine Damen und Herren, wenn Sie

(Unruhe – Alexander König (CSU): Lasst den Bausback etwas sagen, das ist unglaublich!)

die Vorlesungsmitschriften eines Begründers des Völkerrechts lesen, De Vitoria, einen Jesuiten, dann werden Sie den wahrscheinlich, wenn sie die Urfassung lesen wollen, in Latein lesen. Wenn Sie Einstein lesen, dann lesen Sie möglicherweise Werke in Deutsch. Aber heute entscheidet jede wissenschaftliche Community, in welcher Sprache sie den internationalen oder den nationalen Diskurs führt. Das ist zum Teil Deutsch in vielen Fächern. In der Rechtswissenschaft wäre es in vielen Bereichen Mumpitz, auf Englisch zu sprechen. Aber in anderen Bereichen ist es eben Englisch. Wer entscheidet über die Sprache der Studiengänge? – Das sind die Hochschulen, die insoweit unabhängig und frei sind. Wer entscheidet über die Wahl des Studienorts? Wer entscheidet über die Wahl des Forschungsorts? – Das sind die Wissenschaftler. Sie werden sich nach den Bedingungen richten. Wer hier meint, mit einer gesetzlichen Festlegung Englisch in Deutschland tilgen zu wollen, würde unseren Wissenschaftsstandort schweren Schaden zufügen. Deshalb verstehe ich Ihren Antrag nicht, es sei denn, er ist populistisch gemeint.

Deshalb ist es richtig und wichtig, was wir, die CSU und die FREIEN WÄHLER, gemeinsam als Antrag auf den Weg gebracht haben, nämlich, dass wir die Internationalität unseres Hochschulstandortes stärken. Denn es ist wichtig, dass die klügsten Köpfe der Welt nach Bayern kommen und natürlich auch hierbleiben. Deshalb werden wir ihnen Angebote machen, damit sie Deutsch als Umgangs- und Alltagssprache und als Sprache ihrer Disziplin lernen. Aber den wissenschaftlichen Diskurs sollen sie in der Sprache führen können, in der ihre Disziplin unterwegs ist. An diese Möglichkeiten müssen wir unsere Studentinnen und Studenten, die international besten, heranführen, damit sie ihre Rolle in der internationalen wissenschaftlichen Community einnehmen können. – Vielen Dank fürs Zuhören.

(Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)

Herzlichen Dank, Herr Abgeordneter. – Nächster Redner ist Herr Staatsminister Bernd Sibler als Vertreter der Staatsregierung.