Leider liegt die Temperatur der hier in Brandenburg förderbaren Thermalwässer nicht so hoch wie in Süddeutschland, sodass die Möglichkeit, damit sogar Strom zu erzeugen, eher fehlt. Allerdings macht der Wärmesektor 56 % des Energiebedarfs in Deutschland aus. Die Tiefengeothermie ist eine grundlastfähige Option für die Wärmeerzeugung. Sie kann in den Bereichen der kommunalen Wärmeversorgung und Fernwärme zur Anwendung kommen. Das Marktpotenzial in Deutschland wird auf etwa 25 % des Gesamtwärmebedarfs geschätzt. Da sehr viele Menschen auf die Ergebnisse einer kommunalen Wärmeplanung warten, um Informationen zu ihrer zukünftigen Wärmeversorgung zu erhalten, spräche das für eine stärkere Nutzung der Tiefengeothermie; denn sie kann einen Beitrag zur grundlastfähigen Wärmeversorgung leisten, und zwar insbesondere dort, wo es keine industriellen Abwärmeproduzenten für den Betrieb von Nah- und Fernwärmenetzen gibt, wie in den meisten Orten Brandenburgs.
Andererseits gibt es auch viele Risiken einer intensiven Nutzung der Geothermie. Der erste große Hemmschuh ist wie so oft die Bürokratie. Flexibilität, paralleles Arbeiten und Duldung bestimmter Planungs- und Genehmigungsabläufe würden vieles einfacher, schneller und erfolgreicher machen.
Kommen wir zum Fündigkeitsrisiko. Trotz Voruntersuchungen ist es nie sicher, ob eine Bohrung in der prognostizierten Tiefe auf ausreichend Temperatur und eine geeignete Gesteinsschicht trifft. Gegebenenfalls sind tiefere Bohrungen notwendig, die dann mit erheblich mehr Kosten verbunden sind. Im schlimmsten Fall ist das Geld für Bohrungen sogar verloren.
Stadtwerke wollen kein derartiges Risiko. Vor allem deshalb wird die Tiefengeothermie noch nicht so intensiv genutzt, wie es für eine maximal diversifizierte Energiegewinnung und -versorgung angemessen wäre.
Eine Absicherung des Risikos ist notwendig; sonst werden kleine Stadtwerke kaum solche Projekte starten. Dazu bedarf es neben Finanzierungshilfen entsprechender Ausfallbürgschaften. Aber soll das ein kostenloser Vollkaskoschutz ohne Selbstbeteiligung sein? Nein. Kosten und Risiken zu sozialisieren, mögliche Erträge jedoch zu privatisieren ist unangemessen.
Kommen wir zum Risiko von Erdbeben. Es kam in der Vergangenheit mehrfach zu messbaren Erdbeben im Zusammenhang mit Bohrungen, zum Beispiel 2009 in Landau, 2013 in St. Gallen, 2017 in Pohang, Südkorea, und 2020 im Elsass. Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen sagt:
„Induzierte seismische Ereignisse können […] auch in Regionen stattfinden, die keine natürliche Erdbebentätigkeit aufweisen.“
Erstens: Das Land muss bei Voruntersuchungen objektiv das Risiko stärkerer induzierter Erdbeben für die einzelnen Regionen im Land ermitteln. In Gebieten mit solchem Risiko darf es keine Förderung für Tiefengeothermie geben. Zweitens: Das Land soll mithelfen, das Kostenrisiko für Stadtwerke bei Tiefenbohrungen zu reduzieren, zum Beispiel durch anteilige Bürgschaften. Und drittens: Wir brauchen die Tesla-Geschwindigkeit bei Planung und Genehmigung mit all den Maßnahmen, wie sie auch in Grünheide zur Anwendung kamen. Dann könnte es eine runde Sache werden.
Vielen Dank. – Wir fahren in der Rednerliste fort. Für die BSWFraktion wird Frau Abgeordnete Meyer zu uns sprechen.
Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wenn über Klimaneutralität gesprochen wird, ist meist die regenerative Stromerzeugung gemeint. Der Schlüssel zur Energiewende liegt aber in der Wärmewende. Wie meine Vorredner schon sagten: Mehr als die Hälfte des gesamten Energiebedarfs wird für Wärme benötigt. Beim Strom beträgt der Anteil erneuerbarer Energien schon mehr als 50 %; beim Wärmebedarf liegt dieser Anteil erst bei 20 %. Hier muss etwas getan werden.
Geothermie ist erneuerbar und anders als Wind und Sonne jederzeit verfügbar. Deshalb wird sie ein wichtiger Baustein für die Wärmewende im Land Brandenburg sein.
Die Fernwärmebranche setzt große Hoffnungen auf die Nutzbarkeit von Erdwärme. Viele Häuslebauer setzen Erdwärme schon seit vielen Jahren für ihre private Wärmeversorgung ein, mit steigender Tendenz. Auch Fernwärmeversorger wie die Stadtwerke sind prädestiniert, dieses Potenzial zu nutzen.
Aktuell werden in Prenzlau 550 Wohnungen mit Wärme aus Geothermie versorgt. Das hört sich nicht nach viel an und ist ausbaufähig. Ich bin gespannt auf die Projekte in Potsdam und Neuruppin, in deren Rahmen hoffentlich noch in diesem Jahr ein Anschluss ans Fernwärmenetz gelingt.
Aus unserer Sicht gilt es, Potenziale in Brandenburg zu erschließen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Geothermie ist unabhängig von Wetterbedingungen und Tageszeiten, und bei der Nutzung entstehen keine Emissionen. Allerdings gibt es einige Herausforderungen. Da bin ich bei Ihrem Antrag, meine Damen und
Herren von der CDU-Fraktion. Ich gehe davon aus, dass Ihre Initiative im Wesentlichen auf das Fachgespräch im Ausschuss im letzten Jahr zurückzuführen ist. Sie benennen in Ihrem Antrag Baustellen, die wir zum Teil auch sehen. Das Risiko für eine erfolglose Bohrung, Fündigkeitsrisiko genannt, muss minimiert werden. Dazu braucht man geologische Daten. Diese sind – so habe ich herausgefunden – grundstücksgenau online frei zugänglich. Probebohrungen sind natürlich ein Kostenfaktor. Hier sehen wir den Bund in der Pflicht.
Ein Problem sehe ich in der Forderung unter Ziffer 3 des Antrags. Die personelle und finanzielle Ausstattung des Landesbergbauamts zu verbessern ist haushaltsrelevant, aber leider nicht untersetzt. Im Übrigen wurden bereits im letzten Jahr zusätzliche Personalstellen im Landesbergbauamt geschaffen. Laut Bericht des Finanzministeriums aus dem Jahr 2024 ist von den insgesamt 86 Stellen ein Viertel unbesetzt. Mit der Schaffung von neuen Stellen ist es also bei Weitem nicht getan, wenn sie nicht mit Fachkräften besetzt werden können.
Des Weiteren kommt in Ihrem Antrag gar nicht vor, wie die Menschen mitgenommen werden sollen. Akzeptanz für Klimaschutz ist aus BSW-Sicht immer mit einer sozialverträglichen Umsetzung, also Gerechtigkeit, verknüpft.
Wärme muss bezahlbar sein. Andererseits hat Akzeptanz mit Sicherheit und Vernunft zu tun. In Deutschland wurden bisher unterschiedliche Erfahrungen mit Geothermie gemacht. Erfolgreiche Projekte gibt es in Hamburg und München. Es gibt auch problematische Erfahrungen, etwa wenn Schäden an Gebäuden verursacht werden; das wurde schon genannt.
Für Brandenburg sind diese Risiken aufgrund der geologischen Bedingungen eigentlich nicht zu erwarten. Ausschließen kann man es nicht, aber Brandenburg liegt im Norddeutschen Becken, dessen Untergrund aus unterschiedlichen Sedimentgesteinen besteht. Im Gegensatz zu kristallinen Gesteinen sind diese, wie gesagt, gut für Tiefenbohrungen geeignet. Trotzdem wäre es gut, wenn wir uns im Vorfeld um die Akzeptanz der Brandenburgerinnen und Brandenburger im Einzelfall kümmern. Dies ist nämlich auch ein Faktor, der die Planungszeit letztendlich verkürzen kann.
So gern ich die Überweisung des Antrags an den Ausschuss unterstützt hätte, werden wir sie aus den genannten Gründen ablehnen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Sehr geehrter Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Dr. Ludwig, ich würde als Abschlussgeschenk gern sagen, dass ich mich jetzt für die Annahme oder die Überweisung des Antrags ausspreche; das ist aber nicht der Fall. Aber ich bin froh darüber, dass wir heute die Gelegenheit haben, über das Thema Tiefengeothermie zu sprechen. Das ist eine zuverlässige Technologie,
die große Fortschritte bei der Wärmewende bringen kann und in Zukunft auch bringen wird; da sind wir uns, glaube ich, ausnahmsweise – anders als in vielen anderen Diskussionen heute – alle einig.
Schon in den vergangenen Jahren haben das Ministerium und die letzte Koalition – da war die CDU mit dabei – die Thematik erkannt und Vorkehrungen dahin gehend getroffen, dass vor allem auch die Stadtwerke Unterstützung bekommen. In der Vergangenheit habe ich selbst auch schon Gespräche mit Unternehmen, mit Stadtwerken, aber auch mit Verbänden dazu geführt. Weitere Gespräche sollen unter Einbindung der Wissenschaft folgen.
Die Energiewende schreitet mit enormem Tempo voran. Das bestätigen die Zubauzahlen für Windenergie und PV sowie die in die Netze eingespeisten Kilowattstunden Strom. Wir haben also auch mehr Energie zur Verfügung. Hier kann man durchaus von einem Selbstläufer sprechen. Die Abkehr von den fossilen Energieträgern hin zu den erneuerbaren Energien – dazu hatten wir heute Morgen auch schon eine Veranstaltung –, ist vor allem für die Wärmewende, also die Umstellung der Wärmeversorgung, von hoher Relevanz. Die Wärmewende ist in meinen Augen sehr herausfordernd, zum Teil sogar herausfordernder als die Umstellung der Energieversorgung allgemein mit den Zielen, die auch von der Bundesregierung gesetzt wurden. Es ist viel schwieriger, hier geeignete Lösungen zu finden, die zum einen dezentral und regional sind und zum anderen die benötigten Wärmemengen bedarfsgerecht liefern.
Hier bietet sich die ganzjährig verfügbare Tiefengeothermie als eine vielversprechende Lösung an, um unsere Wärmebedarfe zu decken. Es ist unbestritten, dass der Investitionsbedarf in Höhe von ca. 25 Millionen Euro für ein Tiefengeothermieprojekt mit zwei Bohrungen und der notwendigen Wärmeübergabestation mit integralen Wärmepumpen sehr hoch ist. Dafür sind aber am Ende – das ist der große Mehrwert – die Betriebskosten überschaubar. Die Kollegin vom BSW hat es gerade angesprochen: Das kann dann auch einen Beitrag zur sozialen Gestaltung der Wärmewende leisten. Ganz am Ende können die Wärmepreise sinken.
Die Entwicklung der Tiefengeothermie in Brandenburg hat in den letzten Jahren bereits Fahrt aufgenommen. Zahlreiche Projekte wurden initiiert, und es gab erfolgreiche Beispiele in Potsdam, Neuruppin und Prenzlau, die zeigen, wie diese Technologie in der Praxis funktionieren kann. Diese Projekte sind nicht nur ein Schritt in Richtung einer nachhaltigen Energiezukunft, sondern auch ein wichtiger Impuls für die regionale Wirtschaft.
Ich kann allen Stadtwerken, die auf die Tiefengeothermie setzen, nur zu ihrer Entscheidung gratulieren. Ich möchte die Wärmeversorger in Brandenburg ermuntern, bei ihren weiteren Planungen auch die Tiefengeothermie als Zukunftstechnologie zu berücksichtigen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam die Potenziale der Tiefengeothermie in Brandenburg weiter ausschöpfen können.
Vielen Dank, Herr Minister, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. Herr Minister, ist Ihnen bekannt, dass die Stadtwerke Potsdam ein sehr erfolgreiches Projekt durchgeführt haben, das mit der Prämisse verbunden war, dass dieses Projekt sogar bundesweit Beachtung findet und es möglich wäre, daraus ein bundesweites Modell zu entwickeln? Und ist Ihnen bekannt, dass die Frage, wie man die Tiefengeothermie in Brandenburg fördern kann, vor allem auch mit der Frage verbunden ist, wie man etwaige Risiken – Sie haben das ja selbst angesprochen – abdecken kann?
Meine Frage ist jetzt: Was werden Sie ganz konkret tun, damit diese Projekte vorankommen? Denn insbesondere das Projekt in Potsdam ist mit erheblichen Vorfinanzierungen verbunden, sodass die Refinanzierung ein Problem ist. Deshalb noch einmal meine Frage: Was tun Sie ganz konkret, was haben Sie ganz konkret vor, damit diese Projekte in Brandenburg zunehmend erfolgreich sein können?
Gestatten Sie mir noch den Hinweis: Die Tiefengeothermie wäre übrigens auch geeignet, um CO2-Einsparungen zu generieren. Einsparpotenziale wären also nicht über zusätzliche Dämmmaßnahmen, sondern über die Energieversorgung zu heben. Deshalb könnte man dieses Konzept auch mit preiswerten Bauvorhaben verbinden. Haben Sie auch in diese Richtung Überlegungen angestellt, und welche konkreten Ideen schweben Ihnen dazu vor?
Vielen Dank, Herr Bretz, für die Frage. Ich packe einfach die Rede beiseite, und dann machen wir das am Beispiel der EWP in Potsdam. Ich bin auch dankbar, dass eines meiner ersten Gespräche der EWP galt. Die EWP ist eine von sieben Tochtergesellschaften der SWP – das dürfte Ihnen bekannt sein –, die vor der großen Herausforderung der Finanzierung ihrer Projekte zur Geothermie und vor allem zur CO2-Neutralität steht, da diese bei einer Kommune mit mehr als 100 000 Einwohnern mit einer gewissen zeitlichen Frist festgeschrieben ist.
Wir haben hier die besondere Situation, dass es ein sehr gutes Konzept der EWP Potsdam gibt, die gemeinsam mit dem zweiten Gesellschafter, E.ON edis, daran gearbeitet hat. Für die Umsetzung sollen vor allem Bundesfördermittel im Rahmen des BEWProgramms genutzt werden. Insoweit haben Sie Recht, Herr Bretz: Es geht um eine große Vorfinanzierung, die man an dieser Stelle auch sichern muss.
Die EWP Potsdam hat dann zwei Möglichkeiten: Zum einen wurde diskutiert, ob sie durch Thesaurierungen, also unter gemeinsamem Verzicht mit E.ON edis auf Ausschüttungen, ihre Eigenkapitalquote erhöht, um den Bedarf an Drittmitteln abdecken und die Investitionen tätigen zu können. Das stellt sich als schwierig heraus. Sie als ehemaliger Stadtverordneter wissen, dass die EWP – wie viele andere Stadtwerke – Teil eines Querfinanzierungsverbundes ist. Insofern ist es natürlich gut, dass über die EWP unter anderem die defizitären Verkehrsbetriebe und die Bäderlandschaft mitfinanziert werden.