Protocol of the Session on February 22, 2023

Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur

Dr. Schüle:

Herr Vizepräsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich danke Ihnen sehr für diese ernsthafte Debatte, und zwar nicht nur zu diesem, sondern auch zu dem vorherigen Tagesordnungspunkt. Sie zeigt, dass zwischen allen demokratischen Parteien in diesem Landtag ein Konsens herrscht, nämlich: Der Lehrermangel ist eine der größten bildungspolitischen Herausforderungen - oder eines der größten bildungspolitischen Probleme - Brandenburgs, und es gibt ein sehr ernsthaftes Interesse jenseits parteipolitischer Differenzen, die erforderlichen Schritte gemeinsam zu gehen. Das ist gut, denn dieses Thema wird uns noch die nächsten Jahre begleiten - egal wer dann regiert.

Der Lehrermangel ist ein bundesweites Phänomen. Brandenburg steht nicht schlechter da als andere Bundesländer. Aber Brandenburg steht eben auch nicht besser da als andere Bundesländer. Genau das muss aber unser Anspruch sein. Da hilft es auch nicht, darauf zu verweisen, dass wir vielleicht ein bisschen Opfer unseres eigenen Erfolgs geworden sind, denn Brandenburg schrumpft nicht mehr, Brandenburg wächst - und das, meine sehr geehrten Damen und Herren, sah vor zehn Jahren noch gänzlich anders aus.

Weil in der öffentlichen Debatte manchmal der Eindruck entsteht, unsere Hochschulen beschäftigten sich zu viel mit anderen Fächern und zu wenig mit der Lehramtsausbildung, will ich an dieser Stelle festhalten: In Bezug auf den Anteil der Lehramtsprüfungen an allen Abschlüssen liegen wir mit 10,9 % bundesweit auf dem vierten Platz; und unter den ostdeutschen Bundesländern sind wir einsame Spitze.

Wichtig ist, dass wir jetzt schnell das Richtige tun, und das heißt natürlich neue Kapazitäten aufzubauen - zusätzlich zu dem, was die Universität Potsdam in den vergangenen Jahren geleistet hat und in den zukünftigen Jahren wird leisten müssen. Ich freue mich sehr, dass nicht nur die Regierungsfraktionen, sondern auch der demokratische Teil der Opposition die Planung für den Aufbau eines zweiten Ausbildungsstandortes für die Primarstufe in Senftenberg unterstützt,

(Hohloch [AfD]: Machen wir gern!)

denn diese Unterstützung ist nicht selbstverständlich.

Der Zeitplan ist wirklich ausgesprochen ambitioniert: Schon in diesem Jahr sollen die ersten Studierenden immatrikuliert werden. Vom Beschluss des Landtages, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen, bis zur Immatrikulation der ersten Studierenden wird weniger als ein Jahr vergangen sein. Ich kenne kein anderes Bundesland, das einen neuen Lehrerbildungsstandort in einem solchen Tempo etablieren kann.

Ja, das Tempo gebe ich als Ministerin vor, aber die Arbeit und die Umsetzung übernehmen viele andere Menschen. Lassen Sie mich deshalb an dieser Stelle einmal Danke sagen: Danke, liebe Frau Prof. Grande, dass Sie als Präsidentin der BTU die Idee,

Senftenberg dauerhaft als zweiten Standort für die Lehrerausbildung zu etablieren, so schnell aufgenommen haben. Danke, lieber Prof. Schmidt als Vizepräsident für Studium und Lehre der BTU Cottbus-Senftenberg, dass Sie dieses Mammutprojekt mit einem solch immensen persönlichen Einsatz zu Ihrem eigenen machen. Und danke, lieber Prof. Borowski, Direktor des ZeLB. Sie haben die Lehrerbildung an der Universität Potsdam stark gemacht - im Übrigen nicht immer zur uneingeschränkten Freude aller an der Hochschule. Sie helfen uns jetzt, ein an neuen bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen orientiertes Studienmodell in Senftenberg einzuführen. - Ich breche die Vertraulichkeit meiner Gespräche mit Herrn Borowski nicht, wenn ich an dieser Stelle sage: Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Mut für diesen Husarenritt gehabt hätte, wenn Herr Borowski meine Idee nicht von Anfang an unterstützt hätte.

Sehr geehrte Abgeordnete, wir folgen beim Aufbau in Senftenberg strikt den Empfehlungen der Wissenschaft - und zwar nicht allein jenen von Prof. Borowski, sondern auch den zuletzt ja durchaus schmerzhaften Analysen aus den IQB-Bildungstrends. Wir beginnen mit dem Bachelor in den Kernfächern Deutsch und Mathematik; das ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ der Bereich, in dem wir die größte Not haben. Wir alle wissen: Was man in der Grundschule in den Kernfächern nicht an Kompetenzen erworben hat, kann in der folgenden Bildungsbiografie nicht immer aufgeholt werden.

Ich freue mich darauf, mit Ihnen im Ausschuss darüber zu diskutieren, was man noch an innovativen Ideen für den Master entwickeln kann. Einige Ideen aus der Opposition, den Regierungsfraktionen, aber natürlich auch den Verbänden finde ich durchaus sehr bedenkenswert. Nur tun Sie bitte mir, vor allem aber Prof. Grande, Prof. Schmidt und Prof. Borowski einen Gefallen: Lassen Sie uns einen Schritt nach dem anderen gehen. Lassen Sie uns mit dem Bachelor nach Potsdamer Vorbild beginnen. Dann haben wir immer noch Zeit für eine intensive Diskussion in der Öffentlichkeit und im Ausschuss über einen innovativen Master.

An dieser Stelle: Liebe Frau Dannenberg, man muss mich nicht zur Zusammenarbeit mit Britta Ernst zwingen. Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr gut miteinander, und auch auf diesem Gebiet werden wir sehr gut miteinander arbeiten.

(Zuruf des Abgeordneten Münschke [AfD])

Ich möchte die bestmögliche Ausbildung für die Lehrerinnen und Lehrer unserer Kinder erreichen, und ich freue mich auf die Diskussion und auf den Weg dorthin. Vor allen Dingen freue ich mich auf die nächsten Monate und das Werben für den GrundschulBachelor in Senftenberg. Ganz ehrlich: Wir haben keine Zeit zu verlieren. - Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall SPD, CDU und B90/GRÜNE sowie der Abgeordne- ten Stefke und Wernicke [BVB/FW])

Meine Damen und Herren, wir sind damit am Ende der Aussprache angelangt. Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der Fraktionen DIE LINKE und BVB / FREIE WÄHLER. Sie beantragen die Überweisung ihres gemeinsamen Antrages

(Bretz [CDU]: Das beantragen auch die Koalitionsfraktio- nen!)

„Den Lehrkräftemangel konsequent bekämpfen - Neue Wege für die Lehrkräfteausbildung in Brandenburg am Standort Senftenberg“ auf Drucksache 7/7169 an den Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur zur Federführung und an den Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport zur Mitberatung. Ich darf Sie fragen, wer dem zustimmt. - Gegenprobe! - Enthaltungen? - Damit ist die Überweisung ohne Enthaltungen einstimmig beschlossen.

(Vereinzelt Beifall SPD, CDU, B90/GRÜNE, DIE LINKE und BVB/FW)

Meine Damen und Herren, ich schließe Tagesordnungspunkt 12 und beende die 81. Plenarsitzung. Ich verweise auf den nachfolgenden Parlamentarischen Abend: Der dbb beamtenbund und tarifunion landesbund brandenburg freut sich, Sie ab 19 Uhr zu begrüßen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Ende der Sitzung: 18.35 Uhr