Protocol of the Session on February 22, 2023

Jetzt zum Inhalt des Antrags, der für mich Ausdruck allergrößter Ungeduld ist: Wir alle haben die Hinweise des Brandenburgischen Pädagogenverbands und der Studierenden wahrgenommen, dass das Studium praxisorientierter werden soll. Ich will hier offen sagen, dass ich das Konzept eines dualen Masterstudiengangs wirklich unterstütze. Ich sehe große Vorteile in einem praxisorientierten dualen Masterstudium, und ich bin überzeugt, dass regelmäßige Praxiszeiten das universitäre Studium fachlich sogar aufwerten.

Wenn man sich für den Lehrerberuf entscheidet, will man mit Kindern arbeiten - das ist Ziel und Motivation der Studierenden. Ich habe großes Verständnis dafür, dass sich die Studierenden einen früheren und regelmäßigen Kontakt zum Ort Schule wünschen. Ich gehe auch davon aus, dass dies die Abbrecherquote senken würde; das haben mir Studierende auch immer wieder

bestätigt. Ich bekenne mich aber auch zu den in der KMK vereinbarten Standards. Ich möchte nicht, dass Studierende, die in unserem Bundesland ausgebildet wurden, künftig in ihren bundesweiten Einsatzmöglichkeiten begrenzt sind, wenngleich ich mir natürlich wünsche, möglichst viele von ihnen an uns, an Brandenburg zu binden. Es gibt diesbezüglich also noch viele Details zu klären.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir werden zum Aufbau des neuen Studiengangs für Lehrerbildung in den Fachausschüssen - im AWFK und im ABJS - gemeinsam beraten - auch mit Ihnen, Frau Dannenberg, Frau Vandre, Frau Nicklisch und Herr Stefke. Das haben wir bereits vorab verabredet; den Antrag hätte es jetzt also nicht gebraucht.

Der neue Studiengang soll noch in diesem Jahr an den Start gehen, dafür gibt es noch viel zu tun. Ich bitte also um Überweisung an den federführenden Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur. - Vielen Dank.

(Beifall SPD, CDU und B90/GRÜNE)

Vielen Dank. - Wir fahren in der Aussprache mit dem Redebeitrag des Abgeordneten Hohloch fort. Er spricht für die AfD-Fraktion. Bitte schön.

(Beifall AfD)

Sehr geehrter Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Ja, wir reden über den Ausbildungsstandort Senftenberg, und ja, ich sage es hier gern noch einmal: Die AfD-Fraktion bekennt sich auch zu diesem Ausbildungsstandort, und wir finden es gut, dass dort eine zweite Lehrerausbildungsstätte etabliert werden soll.

Was für uns allerdings noch fraglich ist - da muss ich auch einmal Wasser in den Wein gießen, Frau Poschmann -, ist, wie das Konzept aussehen soll. In acht Monaten soll es losgehen. Wir haben im Bildungsausschuss oder im AWFK noch nicht einmal darüber gesprochen, wie die Ausbildung dort eigentlich starten soll. Wie soll sie ablaufen? Welche Gebäude gibt es? Welche Strukturen sind vorhanden? Welche Professuren werden besetzt? Von wem werden sie besetzt? - Nicht eine einzige Information haben wir bis jetzt erhalten.

Deswegen bin ich dankbar für den Vorschlag, den DIE LINKE hier unterbreitet. Wir werden diesem Vorschlag folgen und würden uns eine Überweisung an den Ausschuss wünschen, denn wir denken, dass es sinnvoll ist, gerade das Thema Grundschullehramt noch einmal neu zu diskutieren. Es ist, denke ich, vor allem beim Grundschullehramt möglich, die Studiendauer von fünf auf vier Jahre zu verkürzen, mit einem einjährigen Referendariat. Denken wir an die Ausbildung in der DDR: Dort haben Grundschullehrer - wenngleich sie von der ersten bis zur vierten und nicht von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet haben - eine dreijährige Ausbildung absolviert und nicht einmal ein Hochschulstudium gebraucht. Heute bilden diese Lehrer noch das Rückgrat unseres Grundschulwesens.

Ich denke, dass der Vorschlag der Linken hier zielführend ist. Ich würde darum bitten, dass er an den Ausschuss überwiesen wird,

und möchte damit auch schließen; ich halte mich kurz. - Vielen Dank.

(Beifall AfD)

Vielen Dank. - Wir fahren mit dem Beitrag des Abgeordneten Prof. Dr. Schierack fort. Er spricht für die CDU-Fraktion. Bitte sehr.

Liebe Abgeordnete! Über den Lehrfachkräftemangel haben wir ja ausführlich diskutiert. Alles, was den Lehrkräftemangel reduziert, ist willkommen. Eine der Maßnahmen ist deswegen die Erhöhung der Kapazitäten zur Ausbildung der Lehrkräfte.

Die Koalition hat im Haushalt 2023/24 mehrere Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um gerade die Ausbildung von Lehrkräften zu fördern, und wir haben gehört: Die Landesregierung möchte einen zweiten Standort schaffen - in der Lausitz, in Senftenberg, was ich übrigens sehr begrüße. Darüber freue ich mich, und die Menschen in der Lausitz sind dafür dankbar, denn das ist ein Teil des Strukturwandels. Dieser beruht auch auf Bildung; Bildung ist ein wichtiger Bestandteil des Struktur- und Kulturwandels in der Lausitz.

Ja, wir müssen uns beeilen, denn 2023/24 sollen die ersten Studierenden an den Start gehen. Das ist eine Riesenaufgabe. Wir haben vereinbart, dass wir auch in den Ausschüssen darüber diskutieren; das wird die Aufgabe von uns Abgeordneten, aber auch der Landesregierung sein.

Vieles haben wir heute bezüglich des Inhalts gehört: Praxisorientierung ist ein wichtiges Thema. Auch der Brandenburgische Pädagogen-Verband hat uns da einiges mit auf den Weg gegeben. All das können wir gern diskutieren.

Die Grundidee steht also im Raum. Es ist schön, dass wir das ausschussübergreifend - im AWFK und im Bildungsausschuss - diskutieren; darüber freue ich mich.

Aus diesem Grund freue ich mich, dass wir diesen Antrag heute überweisen. Er wäre zwar nicht nötig gewesen, weil wir uns ohnehin darauf verständigt hatten, darüber zu diskutieren, aber er ist unschädlich - deswegen werden wir ihn überweisen. Ich freue mich bereits auf die Diskussion. - Danke schön.

(Beifall CDU, SPD und B90/GRÜNE - Zuruf: Dann können wir den Landtag ja abschaffen, wenn das nicht nötig ist.)

Vielen Dank. - Wir fahren mit dem Redebeitrag der Abgeordneten Nicklisch fort. Sie spricht für die Fraktion BVB / FREIE WÄHLER.

Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Schule, Bildung und Lehrkräftemangel sind Themen, mit denen wir uns seit Jahren in den Ausschüssen und sich die Eltern und

Lehrer in den Schulkonferenzen sowie die Schulämter in den Kreisen beschäftigen. Wir haben immer debattiert und nicht gehandelt. Jetzt sind die Schulen wegen der geburtenstarken Jahrgänge und der Zuwanderung überlastet. Wir haben es versäumt, den Lehrerberuf attraktiv zu halten.

(Beifall BVB/FW)

Wir haben vergessen, dass wir in den Schulen die Fachkräfte von morgen ausbilden. Die Kultusministerkonferenz hat im Januar in einer Pressemitteilung von voraussichtlich 20 Jahren Lehrkräftemangel gesprochen - 20 Jahre! In den nächsten zehn Jahren scheiden rund 12 500 Lehrkräfte aus dem aktiven Schuldienst aus. Das beeinträchtigt die Qualität des Unterrichts und gefährdet die Bildungschancen einer ganzen Generation.

Derzeit ist der Lehrermangel unsere größte bildungspolitische Baustelle. Hier bedarf es neuer Perspektiven, wie schon überall angebracht wurde. Deshalb fordern wir aufgrund der aktuellen Situation ein Konzept, das die Lehrerausbildung inhaltlich und organisatorisch effektiver und praxisnäher gestaltet.

(Beifall BVB/FW sowie der Abgeordneten Dannen- berg [DIE LINKE])

Ziel muss es sein, ausgebildete Lehrkräfte schneller in die Schulen zu bringen und die Anzahl der Studienabbrecher zu verringern. Wir müssen die Ausbildung schnellstmöglich attraktiver machen, um den Bedarf an qualifizierten Lehrkräften kurz- und mittelfristig zu decken.

(Beifall BVB/FW)

Deshalb fordern wir eine angemessene Vergütung in den Praxis- phasen sowie infrastrukturelle Maßnahmen am Studienort Senftenberg.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Zeschmann [BVB/FW])

Wir denken, hier gibt es nur ein Für und kein Wider.

(Beifall BVB/FW)

Die zentrale pädagogische Aufgabe einer Schule besteht darin, Schüler und Schülerinnen zu fördern, damit sie die notwendigen Fähigkeiten entwickeln, um ein aufgeklärtes, verantwortungsbewusstes und selbstbewusstes Leben zu führen. Dafür benötigen wir dringend gut ausgebildete Lehrkräfte.

(Beifall des Abgeordneten Stefke [BVB/FW])

Wir werden uns als Fraktion weiter dafür einsetzen, dass Schülerinnen und Schüler in unserem Land die bestmögliche Bildung erhalten, damit sie gute Chancen haben - unabhängig von ihrem Elternhaus.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Zeschmann [BVB/FW])

Meine Damen und Herren, statt Schönfärberei braucht Brandenburg endlich eine schonungslose Bestandsaufnahme, eine ehrliche Debatte darüber, wie das Land die Schulen unterstützen und den Lehrkräftemangel beseitigen kann. Ich werbe, genau wie Frau Dannenberg, für eine Überweisung an die Ausschüsse,

aber ich habe schon mitbekommen, dass das mehrheitlich so gesehen wird; darüber freue ich mich sehr. Das ist ein Anfang. - Danke.

(Beifall BVB/FW und DIE LINKE)

Vielen Dank. - Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN spricht jetzt noch einmal Frau Abgeordnete Petra Budke zu uns. Bitte sehr.

(Beifall B90/GRÜNE)

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bildungsinteressierte! Wir haben heute schon zweimal über den Lehrkräftemangel und die Bedarfe insbesondere in den Grundschulen gesprochen. Auch vor diesem Hintergrund hat der Landtag mit dem Doppelhaushalt 2023/24 zusätzliche Mittel in Höhe von 5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt, um an der BTU am Standort Senftenberg ab dem Wintersemester 2023/24 eine universitäre Grundschullehrkräfteausbildung aufzubauen.

Die Einrichtung dieses neuen Studiengangs sollten wir als große Chance nutzen, in der Lehrkräfteausbildung neue Wege zu gehen und damit die Vorschläge für eine universitätsbasierte duale Lehrkräfteausbildung aufzugreifen. Dabei sollte der Schwerpunkt auf die Vermittlung von Wissen in Pädagogik, Psychologie, Didaktik, Methodik und Inklusion gelegt werden, denn wir brauchen nicht nur mehr ausgebildete Lehramtsfachkräfte, sondern wir brauchen auch anders ausgebildete Lehrkräfte. Insofern bin ich für den Antrag der Linken und der Freien Wähler dankbar, denn er zielt genau in die Richtung, die uns auch von vielen Fachleuten und dem Brandenburgischen Pädagogen-Verband nahegelegt wird.

Wir haben nun das Problem, einerseits sehr schnell sein zu müssen, damit die ersten Studierenden im Herbst in Senftenberg auch an den Start gehen können. Andererseits bräuchte die Erstellung eines innovativen Curriculums eigentlich mehr Zeit. Wir hoffen zwar trotzdem auf mehr Praxisbezug auch schon in der Bachelorphase, aber möglicherweise werden sich die Innovationen auf das Masterstudium konzentrieren müssen. Auch wir überlegen, ob es möglich ist, dass Lehramtsstudierende während des Masterstudiums bezahlte Praxisphasen an den Schulen absolvieren. Das wäre gleichzeitig ein Gewinn für die Schulen in der Lausitz. Deswegen ist auch der Vorschlag richtig, die angrenzenden Landkreise und Kommunen in die Planungen einzubeziehen.

Die Koalitionsfraktionen, das Bildungsministerium, das Wissenschaftsministerium, die BTU und die Universität Potsdam befinden sich dazu bereits in Gesprächen. Wir werden diese Gespräche natürlich auch in den Fachausschüssen führen. Deswegen werden wir den Antrag an den Ausschuss überweisen. Ich bin ziemlich guter Hoffnung, dass wir unter den demokratischen Fraktionen einen Konsens darüber erzielen werden, wohin genau die Reise gehen soll. Wir werden uns außerdem dafür einsetzen, dass diese Innovationen auch auf die Lehramtsausbildung an der Universität Potsdam ausstrahlen. - Danke schön.

(Beifall B90/GRÜNE und DIE LINKE sowie vereinzelt SPD)

Vielen Dank. - Für die Landesregierung hat jetzt Ministerin Dr. Schüle das Wort. Bitte schön.

Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur