Werte Kolleginnen und Kollegen, angesichts der Bedeutung, die der Heimatforschung also offensichtlich zukommt, müssen wir uns natürlich die Frage stellen, wie es um die Heimatforschung in Brandenburg bestellt ist. Auf den ersten Blick kann man sagen: gar nicht so schlecht!
Mehrere Hundert Menschen engagieren sich im Land im Dienste der Heimatforschung. Der seit 2005 von Dr. Volker Punzel organisierte Tag der brandenburgischen Orts- und Landesgeschichte ist immer gut besucht. Allerdings ist bei der Unterstützung der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit durchaus noch Luft nach oben. Damit und deswegen komme ich zum vorliegenden Antrag.
Man darf durchaus sagen, dass es einige Zeit gedauert hat, bis der Antrag hier heute endlich diskutiert werden konnte, aber ich denke, das war und ist es uns wert. Ich sage es ganz offen und ehrlich: Mir und der CDU-Fraktion war es ein wichtiges Anliegen, dass dieser Antrag hier diskutiert wird, denn damit würdigt der Landtag Brandenburg das erste Mal in der Geschichte des Landes die Arbeit aller ehrenamtlich in der Geschichtsarbeit tätigen
Ich nutze genau diese Gelegenheit, um Danke zu sagen, Danke an alle, die sich so engagieren, Danke an alle Ortschronisten, an alle Heimatforscher, an alle Denkmalpfleger, an alle Bodendenkmalpfleger. Vielen Dank! Sie leisten nicht nur für die Gegend, in der Sie wirken, sondern, wie ich es am Anfang ausgeführt habe, für die gesamte Gesellschaft einen immens wichtigen Beitrag.
Mit dem vorliegenden Antrag können wir - das ist natürlich klar - nicht alle Schwierigkeiten und Hemmnisse, mit denen die in der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit Tätigen konfrontiert sind, beseitigen, aber es ist zumindest ein Anfang. Wir wollen damit zeigen, dass wir als Landtag die geleistete Arbeit anerkennen und würdigen. Wir sehen, welch immense Arbeit die Menschen erbringen. Wir wollen den engagierten Menschen landesseitig Ansprechpartner anbieten und damit unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen.
Wir wollen die riesigen Potenziale des Wissens und der Arbeit der ehrenamtlich Engagierten noch intensiver nutzen und die ehrenamtlich Tätigen besser in die Programme und Strategien des Landes einbinden, für die Kulturpolitik, für die Tourismuspolitik und auch für die Wirtschaftspolitik. Ja, diese riesigen Schätze, die wir in der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit haben, sollen zukünftig noch besser für die gesamte Gesellschaft genutzt werden. Mit dem Antrag legen wir eine erste Grundlage.
Zu den beiden Änderungsanträgen will ich gar nicht so viele Worte verlieren. Grundsätzlich begrüße ich natürlich sehr, dass wir offensichtlich ein Thema gefunden haben, das auch der Opposition so sehr am Herzen liegt, dass sie dazu eigene Anträge formuliert. Deshalb werbe ich auch bei Ihnen um Zustimmung zu unserem Antrag, der natürlich am besten den Ausgleich zwischen dem Gewünschten und dem Möglichen schafft.
An die Kollegen der AfD nur der folgende Hinweis: Schon der erste Satz unter Punkt 1 ist für uns nicht beschlussfähig. Dazu ein Zitat aus der Gemeinsamen Geschäftsordnung: Gemäß § 4 Abs. 1 ist der Staatssekretär verantwortlich für die Organisation, den Geschäftsablauf und die Koordination der Arbeit im Ministerium sowie für die Aufsicht über den nachgeordneten Bereich. Demzufolge liegt es nicht in der Hoheit des Landtags, einfach so in die Organisation, den Geschäftsablauf und die Koordination der Arbeit des Ministeriums einzugreifen. Entsprechend können wir dem Ministerium auch nicht vorgeben, einen Ansprechpartner im Referat 33 oder 35 anzusiedeln.
Zum Änderungsantrag der Linken erlaube ich mir noch folgenden Hinweis: Der Lehrstuhl für Landesgeschichte wurde in der letzten Legislaturperiode abgeschafft. Damals waren Sie Teil der Regierung. Dass Sie jetzt als Opposition Ihr damaliges Regierungshandeln rückabwickeln wollen, spricht für sich. Mehr will ich dazu nicht sagen. - Vielen Dank.
Dann kommen wir als Nächstes zum Redebeitrag des Abgeordneten Schieske für die AfD-Fraktion. Bitte schön.
Herr Vizepräsident! Meine Damen und Herren! Herr Brüning, wie Sie das hier würdigen wollen, sieht man an den leeren Plätzen in den Reihen der Koalition. Da sitzen zehn Leute. Wunderbar! Das ist eine Würdigung dieses Antrages.
Ob Tagebucheinträge, Straßennamen, Familienanekdoten, Ruinen, Bauwerke, Brauchtum, Sprache oder lokale Identitäten und Kultur - unser Leben in der Gegenwart vollzieht sich niemals losgelöst von Raum und Zeit, sondern das Echo der Vergangenheit dringt bis in die Gegenwart. Wer weiß, woher er kommt und warum seine Umgebung so wurde, wie sie sich ihm heute präsentiert, hat Orientierung in der Gegenwart und der Zukunft.
Geschichte ist insbesondere dann interessant, wenn sie das persönliche Leben der Menschen unmittelbar berührt. Hierbei kommt der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit eine große Bedeutung zu. Als „kleine Schwester“ der universitären Geschichtswissenschaft fristete sie aber zu lange ein Schattendasein.
Die vielen Männer und Frauen, die zur Geschichte ihrer Heimatgemeinden oder -regionen recherchieren, sich als Ortschronisten betätigen und in Heimatvereinen engagieren, Vorträge und Führungen anbieten, Broschüren und andere Schriften herausgeben, stehen zu selten im Zentrum medialer und öffentlicher Aufmerksamkeit - zu Unrecht, wie ich meine, kommt doch ihre Arbeit den Bürgern in Dörfern, Gemeinden, Städten und Regionen direkt zugute.
Wenn der unsinnigen Corona-Politik von CDU, SPD und Grünen überhaupt etwas Positives abgewonnen werden kann, dann das: Die Menschen, deren Bewegungsradius Sie seit einem Jahr ohne Not einschränken, nehmen viel intensiver wahr, was sie umgibt. Dabei fallen ihnen unbekannte Details ins Auge, kleine Auffälligkeiten, denen sie vorher keine Beachtung geschenkt haben. Es können ganz zufällige Beobachtungen sein.
Vielleicht bemerkt jemand bei einem Spaziergang durch den Grünauer Forst an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg die Überreste von verrostetem Stacheldraht an den Stämmen der Kiefern und stellt sich dann die Frage: Was hat Stacheldraht mitten im Wald zu suchen? - Die Antwort darauf liefert ein Heimatverein, der in liebevoll aufgearbeiteten Schriften und Ausstellungen genau darüber Auskunft gibt. Es sind die Überreste einer provisorischen Grenze aus Stacheldraht, die in den Fünfzigerjahren von den Sowjets zwischen Brandenburg und Berlin errichtet wurde. Dort erschoss ein Grenzsoldat 1956 einen 15-jährigen Jungen, der versuchte, von Brandenburg nach Berlin zu flüchten.
Das ist nur ein Beispiel für erstaunliche, vormals völlig unbekannte Erkenntnisse, die von ehrenamtlichen Heimatforschern zusammengetragen und für die Nachwelt dokumentiert werden. Diesem Engagement wollen wir unseren Dank und unsere Anerkennung aussprechen. Wir wollen es aber nicht bei Worten belassen, sondern die ehrenamtliche Geschichtsarbeit spürbar stärken.
Der Antrag der Koalitionsfraktionen ist hierfür ein erster Schritt in die richtige Richtung - ein erster Schritt! Aber Sie wissen, dass Sie mit Ihren Forderungen weit hinter den Erwartungen der ehrenamtlichen Historiker zurückbleiben. Aus diesem Grund legen wir Ihnen heute unseren Änderungsantrag vor, der sich dem grundsätzlichen Inhalt des ursprünglichen Antrags zwar anschließt, aber die zaghaften Minimalforderungen ausbaut und
konkretisiert - deshalb auch unsere Forderung nach einem direkten Ansprechpartner im Ministerium. Man könnte sagen: Wir haben Ihren Antrag perfektioniert.
Auch wir wollen einen Ansprechpartner für ehrenamtliche Geschichtsarbeit im MWFK, aber wir wollen diesen mit konkreten Aufgaben ausstatten. Wir schlagen vor, dass sich diese Stelle vor allem darum kümmert, den vielen Einzelpersonen, Vereinen und Einrichtungen dabei zu helfen, sich untereinander besser oder überhaupt erstmals zu vernetzen. Zu diesem Zweck könnte eine Datenbank eingerichtet werden, in der öffentlich zugänglich alle wichtigen Informationen über lokale und überregionale Tätigkeiten und aktuelle Initiativen vermerkt sind. Ebenso sollte geprüft werden, inwieweit die ehrenamtliche Geschichtsarbeit mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit, materieller und finanzieller Hilfe unterstützt werden kann.
Dass das wirtschaftliche und touristische Potenzial ehrenamtlicher Geschichtsarbeit noch nicht genügend ausgeschöpft wurde, ist korrekt. Dies sollte korrigiert werden. Hier schlummert ein Schatz, der bislang noch nicht geborgen wurde. Dafür aber müssen ressortübergreifende Maßnahmen ergriffen und Vorschläge entwickelt werden.
Schließlich lassen Sie völlig die Chancen außer Acht, die sich aus der Zusammenarbeit von Kitas und Schulen und ehrenamtlicher Geschichtsarbeit ergeben. Das heißt nicht, dass nicht schon vielfach enge Kooperationen bestünden, aber ein Ausbau vorhandener Kontakte und die Intensivierung der bestehenden Kontakte sind notwendig. Hierbei kann von offizieller Seite, das heißt vom Bildungsministerium, tatkräftig unterstützt werden. Wie sonst ließe sich besser an die unmittelbare Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anknüpfen und Geschichte greifbarer machen als dadurch, dass sie Wissen über einen Ort erlangen, der Heimat bedeutet und Lebensmittelpunkt ist?
Geben Sie sich einen Ruck und stimmen Sie unserem Änderungsantrag zu. Dann können wir uns im AWFK zusammen mit den Vertretern der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit über weitere Schritte austauschen. Ein entsprechender Tagesordnungspunkt wurde von der AfD-Fraktion bereits angemeldet. - Ich danke Ihnen.
Vielen Dank. - Wir setzen die Aussprache mit dem Beitrag des Kollegen Scheetz für die SPD-Fraktion fort. Bitte schön.
Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Brandenburgerinnen, liebe Brandenburger! Wenn wir über ehrenamtliches Engagement reden, dann sprechen wir häufig über die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks, die breite Unterstützung durch Übungsleiterinnen und Übungsleiter in den Sportvereinen oder das politische Ehrenamt in den kommunalen Vertretungen. Heute widmen wir uns einem der Bereiche, die zumindest landespolitisch seltener im Fokus stehen, der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit.
Die ehrenamtliche Geschichtsarbeit wird getragen von den zahlreichen Ortschronisten, die in akribischer Kleinarbeit die Geschichte ihres Ortes erforschen und das kulturelle Erbe aufrechterhalten. Es sind die Ortschronisten, die durch ihren Einsatz vor Ort maßgebliche Grundlagenforschung für die Geschichtsarbeit
betreiben. Heimatforscher und Ortschronisten liefern elementare Bausteine für die übergeordnete Geschichtsarbeit in der Wissenschaft.
Ortschronisten stiften regionale Identität. Durch das Erinnern an die Geschichte des eigenen Wohnorts kann Heimat erwachsen und die Verbundenheit zum Wohnort zusätzlich gestärkt werden. Dabei sind Ortschronisten so unterschiedlich wie die kulturelle und historische Vielfalt selbst.
Ich selbst kenne Menschen wie Erich Oehring aus Storkow, ein sehr engagierter Stadthistoriker, Stadtchronist und Heimatforscher, der seine Heimat nicht nur liebt, sondern auch dazu beiträgt, die Geschichte der Stadt für nachfolgende Generationen zugänglich und anschaulich zu machen. Er wird nicht umsonst „Gedächtnis der Stadt“ genannt. Er forscht, sammelt und sortiert, wie sich das Gesicht von Storkow verändert hat. Erich Oehring ist deshalb im Jahr 2020 auch zu Recht vom Ministerpräsidenten mit einem Ehrenamtspreis ausgezeichnet worden.
Oder Uwe Wolff aus Königs Wusterhausen, der nach der Wende gemeinsam mit vielen Mitstreitern den Mut aufgebracht hat, sogar ein eigenes Heimatmuseum aufzubauen, der sich mit Engagement und Herzblut darum gekümmert hat, dass es in der Region jährlich den Heimatkalender gibt, und der mit seinen legendären Stadtrundfahrten, gepaart mit unverwechselbarem Humor, jedem Besucher, aber auch jedem KWer Stadtgeschichte erlebbar gemacht hat. Leider hat er das inzwischen eingestellt; die Stadtrundfahrten finden nicht mehr statt. Aber wenn Mitglieder des Landtages Interesse hätten, würde er sicherlich eine Ausnahme machen.
Wir wollen diese wichtige Arbeit, diese vor allem kommunale Aufgabe unterstützen. Das betone ich ausdrücklich auch im Hinblick auf den Änderungsantrag der AfD, denn die Kreise und die Städte, die Gemeinden leisten den zentralen Anteil. Das ist auch richtig und sinnvoll, weil sie das lokal viel besser begleiten und unterstützen können. Wir wollen diese wichtige Arbeit für diese kommunale Aufgabe unterstützen, eine Anlaufstelle im Geschäftsbereich des zuständigen Kulturministeriums schaffen und sicherstellen, dass die ehrenamtliche Geschichtsarbeit bei der Entwicklung zentraler kultur-, wirtschafts- und tourismuspolitischer Strategien einbezogen wird.
Die über 800 ehrenamtlichen Ortschronisten, die knapp 600 Heimat- und Geschichtsvereine und die 200 Museen leisten einen wichtigen kulturellen Beitrag gerade im ländlichen Raum. Wer organisiert denn das Dorffest, kleine Oster- oder Weihnachtsmärkte oder Herbstfeste für Seniorinnen oder Senioren? Die Heimatvereine sind immer mit dabei. In den meisten Fällen organisieren und veranstalten sie selbst. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir ihre Arbeit würdigen und unterstützen.
Das ist auch deshalb wichtig, weil wir dafür Sorge tragen müssen und wollen, dass nach Überstehen dieser bewegenden und herausfordernden Zeit die Arbeit, die an vielen Orten auch hier stillstehen muss, erhalten bleibt. Deshalb will ich nicht unerwähnt lassen, dass viele Vereine und Einrichtungen im vergangenen Jahr Unterstützung aus der Corona-Kulturhilfe erhalten haben. Dafür Dank an Ministerin Schüle und Ministerin Lange.
Mangels verbliebener Redezeit gehe ich nur kurz auf die Änderungsanträge ein. Zur AfD habe ich schon etwas gesagt.
Dem Änderungsantrag der Linken können wir uns nicht anschließen, weil wir ihn in Teilen für überflüssig halten - insbesondere auf den ersten Punkt bezogen. Die Kreise und Gemeinden sind
sich der Bedeutung der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit bewusst und unterstützen das in entsprechender Form. Punkt 3 halten wir zumindest für ungewöhnlich, nämlich per Landtagsbeschluss auf die inhaltliche Ausgestaltung einer Professur einzuwirken.
Für den Entschließungsantrag von BVB / FREIE WÄHLER gibt es aus unserer Sicht keine haushalterische Grundlage, auf der eine Förderrichtlinie erstellt werden könnte. Außerdem verweise ich hier erneut auf die Zuständigkeiten von Land und Kommunen. Daher lehnen wir diesen Antrag ebenfalls ab.
Abschließend bedanke ich mich ausdrücklich bei allen Ehrenamtlichen in der Geschichtsarbeit. Sie leisten hervorragende und unglaublich wichtige Arbeit. Ohne sie würde uns einiges fehlen, denn Zukunft braucht Herkunft. - Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.
Vielen Dank, Herr Scheetz. - Das Wort geht nunmehr an Frau Abgeordnete Vandre für die Fraktion DIE LINKE. Bitte sehr.
Herr Vizepräsident! Liebe Abgeordnete! Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist der Versuch, einen Eindruck von vergangenen Realitäten zu erlangen, und zwar nicht nur zum reinen Selbstzweck, sondern um Entwicklungen, Wandel, Kontinuitäten, aber auch Diskontinuitäten und Brüche der menschlichen Existenz sichtbar zu machen, zu verstehen und zu analysieren. Und ja, es geht natürlich auch darum, die dabei gewonnenen Erkenntnisse ins Verhältnis zum Hier und Jetzt zu setzen. Nach den ersten Debattenaufschlägen möchte ich anfügen, dass es dabei nicht um eine Glorifizierung oder eine Heimattümelei und auch nicht um die Herausbildung einer Abgrenzung zu Nachbarinnen und Nachbarn geht, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen, sich des stattfindenden Wandels bewusst zu sein sowie Lücken in der Repräsentanz von vielleicht neu in den Kommunen lebenden Menschen wahrzunehmen und diese zu schließen.
Mit dem vorliegenden Antrag wendet sich der Landtag all jenen zu, die diese Aufgabe der ehrenamtlichen Geschichtsarbeit übernehmen. Auch ich möchte mich natürlich bei dieser Gelegenheit dem bereits genannten Dank anschließen, und zwar dem Dank an alle im Land Brandenburg tätigen Ortschronisten, Forscherinnen und Forscher, Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger, Bodendenkmalpflegerinnen und Bodendenkmalpfleger.
Sie sind es nämlich, die zum Teil seit Jahrzehnten in ihren Regionen Erkenntnisse zutage fördern, Dinge bewahren und die Erinnerung an spezifische Ereignisse, aber auch an historische Entwicklungen wachhalten. Wir wissen, dass der regionale Bezug einen ganz essenziellen Zugang zu historischen Komplexitäten schaffen kann. An dieser Stelle möchte ich auf ein Projekt hinweisen, das der Landesjugendring seit vielen Jahren betreut, nämlich das Projekt Zeitensprünge, das sich genau dieser Sichtbarmachung und der Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen in den Kommunen durch Kinder und Jugendliche zum Ziel gesetzt hat. Auch den an diesem Projekt Beteiligten sollte heute unser Dank gelten.
Was uns alle heute eint, ist, dass wir die ehrenamtliche Geschichtsarbeit anerkennen und stärker unterstützen wollen. Allein über die Wege und die hierfür zu ergreifenden Maßnahmen
gibt es offensichtlich einen Dissens. Ich will Ihnen auch begründen, worin dieser Dissens aus unserer Sicht besteht.
Schaue ich mir den Antrag der Koalitionsfraktionen an, muss ich leider sagen, dass ich den Eindruck gewinne, dass die Benennung von Ansprechpersonen und die Einbeziehung in die Überarbeitung der kulturpolitischen Strategie, ehrlich gesagt, Exekutivhandeln ist, das sehr einfach umzusetzen ist. Deswegen stellt sich mir die Frage, inwiefern wir diese Punkte, die Sie in Ihrem Antrag festgeschrieben haben, überhaupt brauchen. Sicherlich, die Anerkennung ist wichtig und notwendig. Aber das ist - wie gesagt - etwas, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur schon jetzt umgesetzt werden kann.
Wir finden tatsächlich, dass es noch einen größeren Handlungsbedarf bei den vier in unserem Änderungsantrag benannten Punkten gibt, nämlich erstens bei der Zusammenarbeit - übrigens auch an der Verzahnung - der Landes- mit der kommunalen Ebene, zweitens an der stärkeren Einbeziehung der kleinen ehrenamtlich betriebenen Gedenkorte im Konzept „Geschichte vor Ort“, so wie wir es hier im Landtag bereits stellenweise diskutiert haben, drittens, ja, auch die fachliche Unterstützung muss erfolgen - wie wir das eben vorschlagen -, beispielsweise durch eine Professur für Landesgeschichte. Der vierte und letzte Punkt ist, glaube ich, der wichtigste, und insbesondere wenn Sie, Herr Brüning, auf Dr. Punzel abgestellt haben, finde ich es nur folgerichtig, den Antrag dadurch aufzuwerten, dass eine Koordinierungsstelle bei der Brandenburgischen Historischen Kommission eingerichtet wird, um die ehrenamtliche Koordinationsarbeit, die Herr Punzel seit vielen, vielen Jahren im Land Brandenburg leistet, aufzuwerten und zu unterstützen. Das wäre eine konkrete Maßnahme, die Ihr Antrag vermissen lässt.
Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten, wir hoffen auf Ihre Zustimmung zu unserem Änderungsantrag; sollten Sie sie verwehren, werden wir uns beim Antrag der Koalitionsfraktionen enthalten. - Vielen herzlichen Dank.
Vielen Dank. - Wir setzen die Aussprache mit dem Beitrag der Abgeordneten Damus für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fort.