Protocol of the Session on March 21, 2024

(Beifall CDU, SPD und B90/GRÜNE)

Das Zweite: Frau Spring-Räumschüssel, auch ich bin ein alter Ossi, wenn auch etwas jünger als Sie. Ich weiß, dass viele Ostdeutsche den Eindruck haben, dieser Verfassungsschutz und der BND einerseits und die Stasi andererseits, das sei doch dasselbe.

(Zuruf von der AfD: Ja!)

Dazu von mir ein Vorwurf gegen Ihre Partei - nicht gegen Sie persönlich: Sie befeuern genau diese Darstellung. Sie behaupten immer, die Stasi der DDR, die Leute umgebracht hat, die sich nicht an Recht und Gesetz gehalten hat, die private Dinge ausgeschnüffelt hat,

(Zuruf des Abgeordneten Dr. Berndt [AfD] - Weitere Zurufe)

die Hunderttausende informelle Mitarbeiter hatte, sei in irgendeiner Weise mit dem Verfassungsschutz vergleichbar.

(Stefke [BVB/FW Gruppe]: Unerhört! - Weitere Zurufe)

Das ist populistische Propaganda - extremistische populistische Propaganda -, und deshalb ist die gegen Sie gerichtete Beobachtung auch richtig!

(Beifall CDU, SPD, B90/GRÜNE und Die Linke sowie des Abgeordneten Stefke [BVB/FW Gruppe])

Herr Minister, es gibt zwei weitere Fragen. Zwei Nachfragen darf man stellen - das ist laut Geschäftsordnung möglich. Aber es liegt natürlich in Ihrem Ermessen, das zuzulassen.

Bitte.

Dann bitte Herr Abgeordneter Hohloch und gleich im Anschluss daran Herr Abgeordneter Dr. Berndt.

Herr Minister, Ihr Kollege Haldenwang hat sich auf jeden Fall nicht an Recht und Gesetz gehalten. Deshalb stelle ich jetzt diese Frage noch einmal - Sie haben sie ja nicht beantwortet.

(Zuruf der Abgeordneten Block [Die Linke])

Sie haben versucht, sie mit Umschweifen zu umgehen. Haben Sie Kenntnis darüber, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz im Prozess vor dem OVG Münster zugegeben hat, dass es in mindestens zwei Fällen eigene Mitarbeiter waren, die „Beweise“ dafür geliefert haben,

(Zurufe von der Fraktion Die Linke sowie der Abgeordneten Damus [B90/GRÜNE])

dass die Beobachtung der AfD rechtens ist, und haben Sie Kenntnis darüber …

(Zuruf des Abgeordneten Bretz [CDU])

- Darf ich die Frage zu Ende stellen, Herr Bretz?

(Bretz [CDU]: Nein!)

Sie stellen auch immer ganz einfache Fragen, auf die man mit Ja oder Nein antworten soll.

(Zuruf der Abgeordneten Johlige [Die Linke] - Weitere Zu- rufe)

Haben Sie Kenntnis darüber, dass der Verfassungsschutz in dem Verfahren außerdem gesagt hat, dass er die Überprüfung der Äußerungen oder Belege der Landesämter nicht durchführen kann? Deswegen habe ich Ihnen die Frage gestellt: Können Sie heute hier mit absoluter Sicherheit sagen,

(Unmut des Abgeordneten Bretz [CDU])

dass alle Belege, die das Landesamt für Verfassungsschutz für dieses Verfahren vor dem OVG oder für die Einschätzung der AfD in Brandenburg an das Bundesamt weitergeleitet hat, nicht von eigenen Mitarbeitern oder von Mitarbeitern anderer Landesämter für Verfassungsschutz stammen?

(Bretz [CDU]: Mit absoluter Sicherheit kann man sagen, dass Sie verfassungsfeindlich sind! - Zuruf der Abgeordne- ten Fischer [SPD])

Wir schließen gleich an - mit Herrn Abgeordneten Dr. Berndt.

(Zurufe der Abgeordneten Keller und Scheetz [SPD] sowie des Abgeordneten Hohloch [AfD])

Herr Minister, Sie haben eben dargelegt, dass es zu den widerwärtigen Methoden der Stasi gehörte, Privatpersonen auszuspionieren - ich füge hinzu: auch Zersetzungsmethoden anzuwenden. Ich frage Sie: Spioniert der Verfassungsschutz auch Menschen aus? Wendet er auch Zersetzungsmethoden an?

(Zuruf: Um Gottes willen! - Weitere Zurufe)

Herr Minister, bitte schön.

(Unruhe)

Meine Damen und Herren, wir können die Antwort jetzt nur hören, wenn wir auch alle tatsächlich still sind. - So, jetzt probieren wir es. Herr Minister, bitte sehr.

Also noch einmal, Herr Hohloch: Sie wollen sehr gerne über das Gerichtsverfahren in Münster diskutieren. Aber unabhängige Gerichtsverfahren werde ich hier nicht kommentieren - garantiert nicht.

(Beifall SPD sowie des Abgeordneten Bretz [CDU])

Ich werde allerdings - wie alle Demokraten - das Urteil akzeptieren - egal, ob es mir gefällt und ob ich das für richtig halte. Das ist bei Ihnen aber offensichtlich anders.

(Hohloch [AfD]: Antworten Sie einfach auf die Frage!)

Zu Ihrer Behauptung über meinen „Kollegen“ Herrn Haldenwang: Er ist Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Er ist nicht mein Kollege; meine Kollegin ist die Bundesinnenministerin.

Ich will nochmals auf das Folgende hinweisen - Sie versuchen immer, es wegzudrücken und es Ihren Leuten anders beizubringen: Es ist ein Gerichtsverfahren, in dem Sie klagen - das dürfen Sie!

(Dr. Berndt [AfD]: Danke!)

Sie haben das Recht,

(Hohloch [AfD]: Auf die Frage antworten! Das war nicht so schwer!)

mit Ihren Rechtsanwälten rechtsstaatlich unabhängig untersuchen zu lassen, ob die bundesweite Einstufung Ihrer Partei als Verdachtsfall richtig ist und ob die Informationen, die gesammelt wurden, um das zu belegen, korrekt aufgenommen wurden. Sie haben alle Möglichkeiten des Rechtsstaates!

(Zuruf des Abgeordneten Hohloch [AfD])

Da zeigt sich aber, inwieweit Sie keine Demokraten sind: Sollte dieses Gericht Ihnen sogar recht geben, weil es so nicht sein durfte, würden Sie jubeln und sagen: Ja, das Urteil ist okay! - Jeder, der vor Gericht gewinnt, jubelt - das ist klar. Ich weiß aber jetzt schon, was Sie tun werden, sollten Sie nicht gewinnen. Dann werden Sie diesem OVG unterstellen, es arbeite nicht rechtsstaatlich, es sei gegen Sie und man wolle Sie bespitzeln. Das ist der Unterschied zwischen Demokraten und Ihrer Partei - danke, dass Sie das hier so deutlich gemacht haben!

(Beifall CDU, SPD und B90/GRÜNE sowie des Abgeordne- ten Stefke [BVB/FW Gruppe] - Zuruf des Abgeordneten Hohloch [AfD])

Herr Berndt, ich bin fast dankbar, dass Sie mich das fragen, weil das wirklich unglaublich ist. Sie kennen die alten Stasi-Handbücher genauso wie ich, vermute ich.

(Zuruf des Abgeordneten Hohloch [AfD])

Sie reden von Zersetzung, Herr Berndt - das haben Sie doch jetzt nicht ernst gemeint!

(Frau Kotré [AfD]: Natürlich! - Zuruf des Abgeordneten Dr. Berndt [AfD])

Meine Damen und Herren, im Moment spricht der Minister.