Protocol of the Session on March 21, 2024

Und es passiert eben genau das,

(Zuruf des Abgeordneten Dr. Berndt [AfD])

was alle anderen fürchten, die erstens verstanden haben, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, zweitens, dass alle Menschen vom Grundgesetz geschützt sind - dass zum Beispiel Religionsfreiheit garantiert ist -,

(Zurufe von der AfD)

und drittens, dass wir alle Anstrengungen unternehmen sollten, Menschen, so schnell es geht, Chancen zu eröffnen. All diese Menschen beunruhigt es massiv, was Sie so aufschreiben.

(Dr. Berndt [AfD]: Das ist doch alles Quatsch, was Sie sa- gen!)

In dem Antrag, der uns heute dankenswerterweise erspart bleibt,

(Dr. Berndt [AfD]: Quatsch!)

ist ja zu lesen, dass Sie jetzt noch nicht einmal mehr mit der Bezahlkarte glücklich sein können, sondern Wertmarken erwarten.

(Frau Kotré [AfD]: Das ist gut! - Weiterer Zuruf von der AfD)

Ich sage ja: Das Niveau sinkt unaufhörlich.

(Raschke [B90/GRÜNE]: Ja! - Zuruf von der AfD)

In diesem Antrag geht es nun wieder einmal um Ihr geliebtes Wort „sogenannt“. „Sogenannt“ bedeutet „scheinbar, vorgeschoben, vermeintlich“ - nur, damit das noch mal klar ist.

(Abgeordneter Dr. Berndt [AfD] tritt an ein Saalmikrofon.)

- Sie brauchen sich gar nicht aufzubauen, Herr Berndt!

(Heiterkeit)

Ich meine, Sie können natürlich stehen bleiben, aber …

(Münschke [AfD]: Er will doch nur eine Frage stellen! - Dr. Berndt [AfD]: Ich möchte hier nur eine Frage stellen!)

- Ja, abgewählt!

(Frau Kotré [AfD]: „Abgewählt“? Sie sind bald abgewählt! - Dr. Berndt [AfD]: Sie sind so schwach! - Weitere Zurufe von der AfD)

Ich frage Sie erst, Frau Abgeordnete.

Entschuldigung, selbstverständlich.

Möchten Sie die Frage beantworten?

Nein, möchte ich nicht.

Bitte sehr.

Es geht Ihnen also um „sogenannte Geflüchtete“, um „sogenannte interkulturelle Öffnung“ - die von Ihnen natürlich abgelehnt wird -, um „sogenannte Ausgrenzung“, um „sogenannte Diskriminierung“, um „sogenannten Rassismus“ - weil es das hier angeblich alles nicht gibt.

(Dr. Berndt [AfD]: Sie müssen mich gar nicht angucken, wenn Sie keine Frage zulassen! Dann können Sie weggu- cken!)

Wissen Sie, es hat keinen Sinn, ernsthaft ein ums andere Mal zu versuchen, Ihnen,

(Dr. Berndt [AfD]: Gucken Sie doch woanders hin!)

die Sie auf der rechten Seite des Parlaments sitzen, inhaltlich zu widersprechen, gar zu versuchen, Sie davon zu überzeugen, vielleicht noch einmal über diese Themen nachzudenken und zu erkennen, wie menschenverachtend Ihre Inhalte sind, wie sehr Sie irren, wie viel Rassismus und Diskriminierung es in diesem Land eben doch gibt.

(Beifall Die Linke sowie vereinzelt B90/GRÜNE)

Dass ich dennoch für die Koalition etwas zu diesem unsäglichen Antrag sage, hat vor allem damit zu tun, dass ich unbedingt will, dass Menschen in diesem Land, woher auch immer sie kommen mögen, wissen, dass viele - ich hoffe, die meisten - Mitmenschen erkennen, - erstens - wie rassistisch, diskriminierend und ausgrenzend Sie mit jedem Wort, das Sie sprechen, schreiben, in die Welt posaunen, sind, und dass Sie - zweitens - zum Beispiel Integrationsziele zu religiösen Einstellungen formulieren. Noch bleiben Sie nebulös und formulieren nicht weiter aus, was genau damit gemeint sein soll.

(Zuruf des Abgeordneten Münschke [AfD])

Das ist erprobte Strategie.

Die Rechtsextremismusforschung erklärt uns, womit wir es zu tun haben. Phase 1: Sie testen aus, wie die Reaktionen so sind, ob die Empörung groß ist. Wenn ja, kann man ja sagen: Ach Mensch, Leute, das habt ihr völlig missverstanden. So meinen wir das gar nicht.

(Münschke [AfD]: So haben die Grünen das in den 80ern gemacht!)

Phase 2: Sollte der Text so hingenommen werden und wenig Gegenwind bekommen, wissen Sie: Wir können beim nächsten Antrag noch etwas klarer, noch menschenverachtender, noch rassistischer, noch diskriminierender formulieren.

(Zuruf von der AfD)

Übrigens: Der Spitzenkandidat Ihrer Partei für die Europawahl, Maximalian Krah, ist Ihnen da sicherlich ein großes Vorbild.

(Münschke [AfD]: Er heißt Maximilian Krah! - Weitere Zu- rufe von der AfD)

Er hat schon einmal gesagt: Einwanderung ist Völkermord, denn dann gibt es ein Mischvolk.

(Münschke [AfD]: Sie sagen ja auch, dass es eine Klima- krise gibt!)

Ich bin schon ganz gespannt, wann das in Ihren Anträgen auftauchen wird.

Frau Abgeordnete, lassen Sie jetzt eine Zwischenfrage zu?

Nein, ich lasse keine Zwischenfrage zu.

(Dr. Berndt [AfD]: Sie schauen mich nur die ganze Zeit an! - Weitere Zurufe von der AfD)

Ich wende mich also nicht an Sie, die Sie es wagen, diesen vorliegenden Text tatsächlich als Antrag einzubringen, sondern an alle, die wissen, was das Grundgesetz dieses Landes allen garantiert - und die wollen, dass es so bleibt.

(Münschke [AfD]: Und für wen gilt das Grundgesetz? - Wei- terer Zuruf von der AfD)

Was Sie wollen, ist Ausgrenzung. Ich will das genaue Gegenteil. Ich will wirkliche Integration ermöglichen - und viele andere auch.

(Zuruf von der AfD)

Hans Vorländer, Politikwissenschaftler und Vorsitzender des Sachverständigenrates für Integration und Migration der Bundes-