Protocol of the Session on February 22, 2024

Herr Walter, wie Sie meinen Ausführungen entnehmen konnten, habe ich auf politische Debatten verwiesen, die wir führen. Darin werden verschiedene Vorschläge geäußert, und es muss zulässig sein, auf diese Vorschläge zu erwidern und eine andere Meinung als der Vorschlagende zu vertreten,

(Zuruf: So ist es!)

ohne Gefahr zu laufen, dafür aus dem Kreis der Demokraten ausgeschlossen zu werden. Das ist es, worum es mir geht: dass wir es wieder schaffen, eine Debatte miteinander zu führen, in der wir unterschiedliche Meinungen aushalten.

Überlegen Sie doch einmal: Wie laufen denn in unseren Tagen größere Familienfeiern ab? Vielleicht kommt der Onkel, den man lange nicht gesehen hat.

(Dr. Berndt [AfD]: Der schwurbelt!)

Wenn man dann auf das Thema Politik kommt, wird es sehr häufig kontrovers. Entweder sagt man: „Wir wollen den Familienfrieden nicht gefährden und reden gar nicht mehr über Politik.“ Oder es spitzt sich zu, es wird hitzig, und die feierliche Stimmung ist dahin.

(Walter [Die Linke]: Meine Familie ist vernünftig, Herr Red- mann!)

Das ist etwas, was wir in diesen Tagen viel zu oft erleben. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, verschiedenste politische Meinungen wieder in den demokratischen Diskurs zu integrieren,

(Beifall CDU sowie des Abgeordneten Dr. Zeschmann [AfD])

sie an Argumenten zu messen, sie nicht auszugrenzen. Wir sollten nicht denen da drüben

(Der Redner weist in Richtung der AfD-Fraktion.)

das Geschäft besorgen, indem wir Menschen das Gefühl geben, sie könnten in der politischen Debatte ihre Meinung nicht äußern, ohne aus dem Kreis der Demokraten ausgeschlossen zu werden. Darum geht es mir: Breites politisches Spektrum! Offenes Visier! Alle Argumente auf den Tisch! Sich gemeinsam für Demokratie einsetzen!

Deshalb gehe ich zu Demonstrationen. Ich fand zum Beispiel den Aufruf des Potsdamer Oberbürgermeisters sehr gelungen; denn dieser ging genau in die von mir beschriebene Richtung. Wenn ich zu einer Demonstration gehe, achte ich darauf, dass es - zum Beispiel - eine Demonstration gegen Rechtsextremismus ist,

(Frau Walter-Mundt [AfD]: Genau!)

nicht aber eine Demonstration, die bestimmte Meinungen aus dem politischen Spektrum von vornherein ausschließt. Darum geht es mir, meine Damen und Herren.

(Beifall CDU, vereinzelt SPD sowie des Abgeordneten von Gizycki [B90/GRÜNE])

Deshalb sage ich Ihnen: Lassen Sie uns unsere Demokratie beleben! Trauen wir uns, wieder mutigere Debatten zu führen! Lassen wir uns nicht von denen da drüben diktieren,

(Hohloch [AfD]: „Denen da drüben“?)

welche Meinungen noch ausgesprochen und in die Diskussion eingeführt werden dürfen! Hören wir auf mit Totschlagargumenten! Seien wir mutig in der Diskussion! Streiten wir lebhaft! Denn davon lebt die Demokratie in unserem Land. - Danke schön.

(Beifall CDU und SPD sowie des Abgeordneten Rostock [B90/GRÜNE] - Freiherr von Lützow [AfD]: Fangen Sie doch mal an damit!)

Danke schön. Für die Gruppe BVB / FREIE WÄHLER spricht der Abgeordnete Vida.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Hallo, Livius! In dieser Aktuellen Stunde schlägt die Doppelmoral wieder gnadenlos zu:

Die einen reagieren empört auf das Thema und sehen nichts weniger als den Staat in Gefahr. Die anderen suggerieren mit ihrer Kritik, es gehe ihnen wirklich um die Demokratie. Doch das Thema ist zu ernst - zu ernst, um es der AfD zu überlassen, aber auch zu ernst, um es den selbstgerechten Schulterklopfern und Sonntagsrednern der Koalition zu überlassen.

(Beifall BVB/FW Gruppe)

Ja, meine Damen und Herren, das Vertrauen in die Demokratie sinkt; dieser Befund ist richtig. Doch dieser Befund ist kein alter. Die Politisierung des Lebens nimmt zu - das gefällt sehr vielen nicht und schafft Polarisierung. Wenn sich der Staat einmischt und vorschreibt, wie wir sprechen und schreiben sollen, wie wir uns ernähren sollen, dann darf man sich nicht wundern, wenn es harte Auseinandersetzungen gibt, die die Menschen spalten statt sie zu versöhnen.

(Beifall der Abgeordneten Nicklisch [BVB/FW Gruppe])

Statt die wahren Probleme zu lösen, werden neue erfunden. Ein elitärer Postmaterialismus trifft auf identitätspolitische Selbstverwirklichungsfantasien.

(Beifall BVB/FW Gruppe sowie des Abgeordneten Dr. Zeschmann [AfD])

Meine Damen und Herren, seit Jahrzehnten regiert die SPD im Land, teilweise auch im Bund - die Partei, die sich auf die Fahne geschrieben hat, für den kleinen Mann da zu sein. Doch wir hören alljährlich, dass sich Armut verfestigt. Viele Menschen müssen seit Jahren Kaufkraftverluste hinnehmen. Die Mittelschicht schrumpft. Das Leben wird teurer; gerade Energie wird immer teurer -

(Rostock [B90/GRÜNE]: Billiger!)

auch dank Ihrer Politik. Dann wundern Sie sich ernsthaft, warum die Kritiker immer lauter werden?

Eines der Ziele von uns als BVB / FREIE WÄHLER ist, eine Revitalisierung der Demokratie mit auf den Weg zu bringen. Doch nach Revitalisierung sieht es in Brandenburg gerade nicht aus. Im Gegenteil:

(Beifall des Abgeordneten Dr. Zeschmann [AfD])

Der Status quo wird zementiert. - Wir hatten den Vorschlag unterbreitet, mit wechselnden Mehrheiten bei Sachthemen zu arbeiten. Doch es gilt weiterhin die alte Logik: Anträge der Opposition werden abgelehnt - komme, was wolle, unabhängig vom Inhalt.

(Beifall BVB/FW Gruppe - Rostock [B90/GRÜNE]: Stimmt doch gar nicht!)

Von den absurden Pirouetten, die die Koalitionsfraktionen in ihren Begründungen zur Ablehnung teilweise drehen, wird manchen Bürgern schwindlig. Wir könnten hier Bibelverse zur Abstimmung stellen - auch die lehnen Sie ab!

(Beifall BVB/FW Gruppe)

Meine Damen und Herren, das ist nicht das einzige offensichtlich parteipolitisch getriebene Fehlverhalten, das wir in Brandenburg beobachten. Schauen wir in den Landkreis Barnim: Der Landrat der SPD hat letzte Woche im Barnim den Antrag eingebracht, die Direktwahl des Migrationsbeirates abzuschaffen.

(Hohloch [AfD]: Guter Mann!)

Begründung der SPD: Die Briefwahl ist zu teuer, und die Migranten sind zu dumm, um zu wählen - so in den Papieren des SPDLandrates.

(Oh! bei der AfD - Unruhe bei der SPD - Keller [SPD]: Die Quelle, Herr Vida!)

Meine Damen und Herren, dass Sie damit den Rechtspopulisten sogar in die Karten spielen, wenn Sie Migranten als unfähig zum Wählen beleidigen

(Keller [SPD]: Nennen Sie die Quelle! Nennen Sie die Quelle, wo er das gesagt hat, Herr Vida! Peinlich!)

und unverhohlen demokratische Elemente abschaffen, merken Sie nicht einmal - und das in dieser Situation, wo Sie zu Demonstrationen aufrufen und ein Zusammenhalten einfordern.

(Beifall BVB/FW Gruppe)

Oder schauen wir in den Ort Breese in der Prignitz, meine Damen und Herren, wo den Bürgern trotz gesammelter gültiger Unterschriften durch die SPD-Mehrheit in Breese über Jahre hinweg einfach ein Bürgerentscheid verweigert wurde, den sie sich über zwei Jahre auf demokratischem Wege erst erkämpfen mussten. Aus der Beobachtung von solchem Verhalten entwickelt sich bei den Bürgern das Gefühl, einigen Parteien gehe es nicht mehr um die Lösung der Probleme der Bürger. Eine Kritik am Verhalten vieler Funktionäre von Parteien ist also berechtigt.

Doch natürlich ist es so, dass die AfD mit ihren Aussagen maßlos überzieht, um damit die Medien- und Empörungslogik zu bedienen,

(Zuruf von der AfD)

was - am Rande gesagt - übrigens auch zur Erosion der Demokratie beiträgt.

(Beifall BVB/FW Gruppe)

Die AfD als Partei redet von einer Monopolstellung der Parteien. Doch in den kommunalen Parlamenten haben die Parteien längst nicht mehr die Stellung wie noch vor einigen Jahren; in den Kommunen findet eine kleine Revolution von unten statt: Wählergruppen, viele von ihnen bei BVB / FREIE WÄHLER, geben Zeugnis davon.