Protocol of the Session on March 23, 2006

„Der unterschätzte Minister, der pariert die Attacken der Opposition inzwischen souverän und witzig, dass sich auch Skeptiker zu Begeisterungskundgebungen hinreißen lassen.“

(Lebhafter Beifall bei der FDP und bei der CDU)

„Murrend müssen selbst SPD und Grüne zugeben, dass sie sich in Sander gehörig verschätzt haben.“

Was können Sie eigentlich inhaltlich bieten? Im Gegensatz zu Ihnen hat Minister Sander ein Leitbild:

(Unruhe - Glocke des Präsidenten)

Umweltpolitik mit den Menschen. Das wird in Niedersachsen geschätzt. Ich werde für Sie aus seiner Grundsatzrede zitieren:

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN)

„Was ist Umweltpolitik mit den Menschen? Das Leitbild meiner Umweltpolitik ist eine Umweltpolitik mit den Menschen. Das bedeutet: Wir müssen die Menschen mit in die Natur nehmen. Wer die Umwelt nicht kennt, dem fehlt auch der Anreiz, die Umwelt zu schützen.“

Genau so ist es.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

„Wir müssen den Umgang der Verwaltung mit den Menschen verbessern. Der Ton macht die Musik.“

Das sehe ich genauso.

(Wolfgang Jüttner [SPD]: Der Ton macht die Musik!)

„Wir brauchen auch in der Umweltpolitik mehr Eigenverantwortlichkeit statt übertriebener Regulierung.“

Und viertens:

„Wir brauchen einen noch sparsameren Umgang mit dem Geld der Bürger. Deshalb müssen wir die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Umweltpolitik verbessern.“

Das sind Leitlinien, die sich sehen lassen können. Wir sind stolz darauf!

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Auch die vielen anderen positiven Berichte in den überregionalen Zeitungen und auch in den Zeitungen vor Ort, die Ehrenmitgliedschaften und die Auszeichnungen des Ministers von Verbänden, die im Umwelt- und Naturschutz aktiv sind, sprechen ihre eigene Sprache. Schade, dass die SPD keine

Vision für Umwelt- und Naturschutz vorweisen kann.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Bezeichnend sind auch die Aussagen von dem bis vor kurzem noch stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bündnisgrünen im Bundestag, Herrn Dr. Reinhard Loske. Ich zitiere dazu die FAZ vom 16. März 2006:

„Als Ökologe fühlt man sich bei den Grünen mittlerweile ziemlich einsam.“

Zitat Ende.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Lieber Hans-Heinrich,

(Oh! bei der SPD - Zuruf von der SPD: Ist das schön!)

mit deiner Umweltpolitik mit den Menschen wird es um dich in der bürgerlichen Mehrheit von CDU und FDP ganz im Gegensatz zu Herrn Dr. Loske bei den Grünen niemals einsam werden.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Nicht die Amtsführung ist zu missbilligen, sondern dieser Antrag, lieber Herr Jüttner.

(Zuruf von Axel Plaue [SPD])

Niedersachsen hat gewaltige Probleme. Wenn dies der Beitrag der Opposition zur Zukunftssicherung Niedersachsens sein soll, dann gute Nacht!

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Wir haben bei weitem Wichtigeres zu tun, als uns mit Ihren Kinkerlitzchen zu beschäftigen. Deshalb haben Sie heute einen einzigen guten Dienst getan, als Sie die sofortige Abstimmung beantragt haben. Wir stimmen dem gern zu und lehnen den Antrag ab.

(Starker, nicht enden wollender Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Frau Kollegin Steiner, Sie haben jetzt das Wort. Bitte schön!

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der formale Anlass für den vorliegenden Antrag der SPD-Fraktion ist die Tatsache, dass sich Herr Sander weigert, auf Anfrage seine Äußerung für Parlamentarier zu erläutern. Der inhaltliche Anlass ist der Wunsch nach Erklärung und Entschuldigung für dreiste Unterstellungen gegenüber kommunalen Unternehmen und üble Nachrede in Bezug auf ihr Geschäftsgebaren in der Debatte über die Privatisierung der Abwasserentsorgung im Oktober 2005. Sie haben, wie wir sehen, alle Protokolle gelesen.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Solche Anwürfe sind kein einmaliger Ausrutscher des Umweltministers. Bereits im Herbst 2003, wie wir bereits gehört haben, fiel er bei der Tagung der NNA voll aus der Rolle, als er vor Umstehenden Vertreter der kommunalen Spitzenverbände als „korrupte Bande“ und als „undemokratischen Haufen“ beleidigte. Bei Nachfragen im Landtag verwies er dann, wie vor ihm auch schon manch anderer, auf Erinnerungslücken; aber er wollte es auch nicht dementieren.

(Vizepräsidentin Silva Seeler über- nimmt den Vorsitz)

Meine Damen und Herren, wir sind schon daran gewöhnt, dass der Umweltminister Wortkaskaden absondert, deren sachliche Basis bei näherem Hinsehen nicht einmal für einen Zimmerspringbrunnen reichen würde.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD - Oh! bei der CDU und bei der FDP)

Mal fährt er verbale Attacken gegen die EU im Allgemeinen und gegen EU-Richtlinien im Besonderen, mal kämpft er mit starken Worten gegen Windkraftanlagen, und mal attackiert er eben die Vertreter von Unternehmen in kommunalem Besitz unter der Gürtellinie. Nach den Abwasserbetrieben kommen wahrscheinlich als Nächstes die noch nicht verkauften Stadtwerke dran; das ist ja Wahlkampfstandard bei der FDP.

Aber Herr Sander ist nicht nur ein Sprücheklopfer, er ist ein liberaler Sprücheklopfer, und deshalb bekommt er regelmäßig heftigen Beifall von der FDP-Fraktion. Er präsentiert sich gerne als großer

Deregulierer, und auch damit verhält er sich ganz FDP-konform.

(Zustimmung bei der FDP)

Wenn er behauptet, dass private Unternehmen auch im Trinkwasser- oder Abwasserbereich die Dienstleistungen prinzipiell besser und billiger als kommunale Unternehmen erbringen können, will er eigentlich privaten Dienstleistungsanbietern nur die lästige kommunale Konkurrenz vom Halse schaffen und ihnen auch im Bereich der Daseinsvorsorge die Möglichkeit verschaffen, ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Dazu schwingt der Umweltminister pathetisch das Banner der Freiheit des Marktes und des Wettbewerbs. Von daher beantwortet sich die Frage leicht: Wessen Geschäft betreiben er und die FDP eigentlich?

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Ich sage: Das Geschäft derjenigen, die auch die essentiellen Bereiche der Daseinsvorsorge mehr der Renditeerwartung als Sozial- oder Umweltstandards unterwerfen wollen.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Dabei ist er in der sachlichen Debatte - Zahlen, Methoden, Deponien, Kontrollmechanismen, Umweltziele usw. - nicht wirklich fit, und deshalb muss uns dann, wie gerade gehört, der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion die Politik von Herrn Sander erklären.