Protocol of the Session on April 5, 2006

Also 1.702 Personalstellen sollen mit der Aufgabe auf die Kreise übergehen

(Sigrid Keler, SPD: Ja.)

und führt dann diese Erfüllung der Aufgaben zu einer Mehrbelastung bei den Kreisen,

(Angelika Gramkow, Die Linkspartei.PDS: Nein. – Sigrid Keler, SPD: Führt zu Synergieeffekten.)

dann wird das natürlich ausgeglichen. Nach dem Konnexitätsprinzip – es gibt ja den berühmten Paragrafen 99 Absatz 2 des Verwaltungsmodernisierungsgesetzes und die Zahl werden Sie auch nicht bestreiten – sind das 47.453 Euro.

(Heinz Müller, SPD: Millionen! Millionen! – Zuruf von Harry Glawe, CDU)

47.453.427 Euro – so ist die Zahl richtig.

(Sigrid Keler, SPD: Na gut.)

Dieser Betrag entspricht – so sagt die Begründung des Gesetzes auf Seite 414 – den Aufwendungen, die die Landesregierung selbst hätte, plus diese berühmten zehn Prozent Sachaufwand, Sachkostenanteil. Und das heißt, auch das ist eine reine Kostenverschiebung.

(Angelika Gramkow, Die Linkspartei.PDS: Aber das ist doch der Sinn.)

Es hat nichts mit Kostenabbau zu tun, sondern es ist eine reine Verschiebung.

(Zuruf von Sigrid Keler, SPD – Heiterkeit bei Dr. Ulrich Born, CDU: Sie halten ja eine Gegenrede. Das gibt’s nicht. – Zuruf von Rainer Prachtl, CDU)

Meine Damen und Herren, die Frage ist doch wirklich, wenn es um Einsparung geht, die doch offensichtlich bei den Personalkosten eine wirkliche Relevanz hätte,

(Sigrid Keler, SPD: Ja.)

dann müssen Sie einfach zugeben, dass diese ganze Verwaltungsreform nichts anderes ist als ein großer Verschiebebahnhof, auf dem alles Mögliche verschoben wird, der Zug aber nach nirgendwo abfährt.

(Beifall bei einzelnen Abgeordneten der CDU – Heiterkeit bei Dr. Margret Seemann, SPD – Sigrid Keler, SPD: Ha, ha!)

Das ist so. Und ich frage Sie: Wann wollen Sie eigentlich begreifen, dass Sie mit diesem Personalübergangsgesetz – was eigentlich ein trauriges Anhängsel eines noch traurigeren Verwaltungsmodernisierungsgesetzes ist,

(Zuruf von Heinz Müller, SPD)

zumindest, was den Teil des Kreisgebietsreformgesetzes betrifft – die Probleme dieses Landes nicht einmal im Ansatz lösen?

(Wolfgang Riemann, CDU: So ist es.)

Das ist das Schlimme, Sie schieben im Grunde alles vor sich her.

(Wolfgang Riemann, CDU: Alles bis 2011.)

Sie schieben alles vor sich her, schön weit weg, bei der Straßenbauverwaltung zum Teil jetzt sogar bis 2015. So weit schieben Sie alles von sich weg.

(Angelika Gramkow, Die Linkspartei.PDS: Ja, weil es Sinn macht. Fragen Sie mal Herrn Petters! – Heiterkeit bei Sigrid Keler, SPD, und Dr. Margret Seemann, SPD – Zuruf von Wolfgang Riemann, CDU)

Und ich frage Sie: Wann wollen Sie endlich begreifen, dass Sie mit so einer Augen-zu-und-durch-Mentalität und diesem aberwitzigen Glauben, dass von diesen großen zentralistischen Strukturen die Heilungskräfte ausgingen,

(Dr. Margret Seemann, SPD: Das ist entweder zu viel oder zu wenig. – Zuruf von Sigrid Keler, SPD)

dem Ehrenamt und der Demokratie, die uns in unserem Lande so wichtig sind, einen nicht wieder gutzumachenden Schaden zufügen, meine Damen und Herren? Wann endlich wollen Sie wirklich begreifen, dass Sie mit diesen überdehnten Strukturen und den zwangsläufig immer neuen Hierarchien – von wegen Häuptling und Indianer, es wird jedes Mal ein Häuptling mehr, auch wenn es weniger Indianer werden –

(Heiterkeit bei Sigrid Keler, SPD)

der gelebten Teilhabe an demokratischer Selbstverwaltung, dem, was uns Kommunalen so wichtig ist und was auch mit kommunalem Herzblut zu tun hat,

(Angelika Gramkow, Die Linkspartei.PDS: Aber Sie sind trotzdem hier Landtagsabgeordneter.)

großen Schaden zufügen?

(Sigrid Keler, SPD: Nein, nein!)

Am Ende werden kommunale Strukturen zerschlagen sein und bis zum Schluss – das ist das Schlimmste –

konnten Sie auch wirklich nicht ansatzweise belastbare Zahlen liefern.

(Sigrid Keler, SPD: Doch! Doch, Herr Ringguth!)

Sie haben so viele verschiedene Zahlen geliefert, dass das im Grunde nicht mehr auszuhalten war.

(Sigrid Keler, SPD: Nein, nein, Herr Ringguth! Wir können das mit Zahlen belegen.)

Sie haben sehr viele verschiedene Zahlen im Laufe der Zeit verwendet.

(Sigrid Keler, SPD: Nein.)

Da ist selbst Leuten, die sich damit sehr intensiv beschäftigt haben, wirklich...

(Zuruf von Sigrid Keler, SPD)

Also, Frau Ministerin, das lassen wir einfach mal.

(Heiterkeit bei Sigrid Keler, SPD)

Meine Damen und Herren, zum Personalübergangsgesetz: Dass wir dieses Personalübergangsgesetz als CDU-Fraktion für überflüssig und von Anfang an für überbürokratisch gehalten haben und es daher auch ablehnen, hatte ich bereits bei der Ersten Lesung deutlich gemacht.

(Angelika Gramkow, Die Linkspartei.PDS: Und was sagen Sie den Beschäftigten?)

Ich werde Ihnen gleich sagen, was Sie den Beschäftigten zum Teil antun.

(Beifall bei einzelnen Abgeordneten der CDU – Wolfgang Riemann, CDU: In den Landkreisen. – Zuruf von Torsten Koplin, Die Linkspartei.PDS)

Die CDU-Fraktion muss sich daher nicht damit beschäftigen, ein schlechtes Gesetz zu verbessern, und folgerichtig gibt es deshalb auch von uns zu diesem Gesetz zumindest keine Änderungsvorschläge. Aber Sie, die Abgeordneten der SPD und der PDS, müssen sich doch fragen lassen,

(Zuruf von Torsten Koplin, Die Linkspartei.PDS)

warum Sie die Kritik der vielen angehörten Sachverständigen zu diesem Gesetz kaum aufgegriffen haben.

(Angelika Gramkow, Die Linkspartei.PDS: Wer hat denn was kritisiert zu diesem Gesetz?)