Wir fordern eine rasche Entscheidung. Diese Entscheidung wollen wir von Ihnen hören, Herr Minister Spaenle, möglichst rasch und kompetent.
Vor allem – das muss man auch sagen; ich und auch Kollege Piazolo haben das schon angesprochen – sind bei der Einführung des G 8 immense Fehler gemacht worden. Man muss sich die Zeit nehmen nachzudenken, um diese Fehler zu vermeiden. Das G 8 war eine Hopplahopp-, eine Hauruck-Entscheidung. Ich bitte Sie, die Chance zu ergreifen; denn so etwas darf zum Wohle der Schülerinnen und Schüler, zum Wohle der Eltern und vor allem der Lehrkräfte und Schulleiter, die das vor Ort ausbaden müssen, nicht mehr passieren. Ich erwarte, dass Sie diese Chance
nutzen. Schluss mit dem Hin und Her! Schluss mit dem Herumgeeiere. Machen Sie endlich Nägel mit Köpfen! Eine klare Ansage jetzt, Herr Minister! Sie sind gefordert.
Vielen Dank, Frau Kollegin. – Jetzt hat Herr Kollege Gehring für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Wort. Bitte schön, Herr Kollege.
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will mit den Schülerinnen und Schülern beginnen, die wir nicht vergessen sollten, wenn wir über dieses Thema sprechen. Gutes Lernen braucht Zeit für Schülerinnen und Schüler. Es braucht Zeit, um nachzudenken, um zu reflektieren, um etwas zu vertiefen. Das G 8 bedeutet zum Beispiel zu wenig Zeit, um das Gelernte praktisch anzuwenden, um zu üben. Ein Lernen, das nur Druck schafft, ist kein gutes Lernen. Eine Schule, die nur Druck macht, ist keine gute Schule. Deswegen muss das G 8 beendet werden.
Politisch ist die Sache ganz klar. Kollege Reichhart, Vorsitzender der Jungen Union, hat deutlich gesagt: Die Marke G 8 ist verbrannt. Sie ist auch nicht mehr zu retten. Das G 8 ist ins Kippen gekommen. Ins Kippen gebracht hat es der Ministerpräsident Seehofer mit seinen Äußerungen, dass er wieder zum G 9 zurück will. Man kann jetzt zuschauen, wie die ganze Lage kippt. Der Einzige, der bei diesem Kippen noch schleudert, ist die CSU-Fraktion.
Die Eltern haben sich klar geäußert. In einer Umfrage der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern – LEV – waren 80 % der Eltern für die Einführung des G 9. 8 % der Eltern sind für das Wahlmodell G 8/ G 9, das der Kultusminister entwickelt hat. Der Philologenverband hat sich geäußert. Der BLLV hat sich geäußert. Die Schülerinnen und Schüler haben sich geäußert und haben in Jugendsprache gesagt: Make G 9 again. Auch der Städtetag und der Landkreistag haben sich ganz klar geäußert. Alle sind dafür, das G 9 einzuführen. Deswegen, Kolleginnen und Kollegen, muss man jetzt schnell entscheiden. Das hat auch Kollege Reichhart gesagt. Jetzt brauchen wir die schnelle Entscheidung für das G 9.
Man muss schon sagen: In der gesamten Debatte spielt Minister Spaenle eine unglückliche Rolle, um es vorsichtig auszudrücken. "Der neue Tag" spricht davon, dass Kultusminister Spaenle eine Menge pädagogischen Irrsinn vertreten hat und nicht die glücklichste Figur macht. Ich denke an den Irrsinn und die
Vorschläge, die kamen, etwa an das G 8 und G 9 der zwei Geschwindigkeiten als Wahlmöglichkeit. Das ist in der gesamten Bildungsszene völlig durchgefallen. Alle haben gesagt: Bitte so nicht; dann lieber G 9. Das haben auch G-8-Befürworter gesagt. Nach diesem Vorschlag waren alle beim G 9. Zumindest das hat Herr Spaenle erreicht.
Auch die Mittelstufe Plus war von Anfang an – das haben wir deutlich gemacht – ein totgerittenes Pferd. Sie hat nicht funktioniert. 47 Schulen haben dieses Modell angewandt. Es ist klar: Dieses Modell wird nicht fortgesetzt. Wertvolle Zeit ist verloren gegangen, viel pädagogische Energie ist verschwendet worden. Letztendlich hat die Mittelstufe Plus nicht dazu geführt, die Schulen besser zu machen, sondern dies hat den Umstieg zum G 9 verhindert und verzögert.
Deswegen brauchen wir jetzt eine schnelle Entscheidung. Pädagogische Konzepte müssen entwickelt werden. Wir brauchen die schnelle Entscheidung für das G 9. Diese Entscheidung brauchen die Eltern, die ihr Kind zum Beispiel auf das Gymnasium schicken wollen, und die Schülerinnen und Schüler. Sie müssen wissen: Wie lange dauert diese Schule, auf die ich mein Kind schicke? Diese Entscheidung brauchen die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulentwicklung betreiben. Sie müssen wissen: Wofür investiere ich meine Zeit, wenn ich in einer Arbeitsgruppe tätig bin? Diese Entscheidung brauchen die Kommunen. Städtetag und Landkreistag haben das geäußert. In Mering sind die Planungen und Bauarbeiten für den Umbau des Gymnasiums gestoppt worden, weil gesagt wurde: Wenn ein G 9 kommt, müssen wir noch einmal umbauen, müssen wir anders planen, müssen wir neu bauen. Alle warten täglich auf die Entscheidung, wohin die Reise geht, ob jetzt das G 9 kommt oder nicht. Eine schnelle Entscheidung ist notwendig. Wenn Sie noch ein Gefühl für Ihre kommunalen Partnerinnen und Partner haben, müssen Sie sich schnell für das G 9 entscheiden.
Eine Entscheidung brauchen auch die Schulen, die die Mittelstufe Plus eingeführt haben. Wir haben immer gesagt, dass wir von diesem Modell nichts halten. Vor Ort ist nachgefragt worden. 60 % der Eltern haben sich für dieses Modell entschieden. Diese darf man jetzt nicht am langen Arm verhungern lassen. Diese müssen wissen, wie es weitergeht, und brauchen die klare Ansage: Es gibt ein G 9. Wir brauchen einen eigenen Weg, einen schnellen Weg für diese Schulen zum G 9. Diese Entscheidung muss jetzt gefällt werden, jetzt im März, wenn die Entscheidungen für das kommende Schuljahr gefällt werden.
Es ist klar: Das G 9 muss ein gutes G 9 sein. Wir brauchen eine pädagogische Reform. Wir brauchen dafür 1.000 Lehrerstellen. Wir brauchen Zusagen an die Kommunen für die Finanzierung der Schulumbauten und der Schulerweiterungsbauten.
Es ist aber alles gesprochen. Der Dialog ist geführt. Alle haben sich klar zum G 9 geäußert. Der Einzige, der ständig einen Dialog mit sich selbst führt, ist die CSU-Fraktion. Sie müssen diesen immerwährenden Dialog mit sich selbst endlich beenden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Es ist klar: Die schwarze Kugel G 8 muss versenkt werden. Die Kugel liegt bei Ihnen auf dem Tisch. Stoßen Sie zu! Machen Sie ein Ende. Versenken Sie G 8. Machen Sie G 9!
Danke schön, Herr Kollege Gehring. Bitte bleiben Sie noch. Zu einer Zwischenbemerkung hat sich Kollegin Brendel-Fischer gemeldet. Bitte schön.
Herr Gehring, wie erklären Sie sich denn die Tatsache, dass trotz des lange Jahre bestehenden G 8 die Übertrittsquote an das Gymnasium so deutlich gestiegen ist? Sie haben doch so betont, dass die Eltern nicht wissen, ob es acht oder neun Jahre dauert. Wieso konnte dann in den letzten Jahren überhaupt ein solcher Anstieg stattfinden?
Tatsächlich haben sich die Übertrittsquoten erhöht. Dazu muss man sagen, dass Bayern mit Blick auf andere Bundesländer nachgeholt hat. Der Druck auf das Gymnasium war vorhanden. Trotzdem ist das G 8 kein Erfolgsmodell. Trotzdem hat sich gezeigt, dass die Eltern mit dem G 8 nicht zufrieden sind. Trotzdem ist das G 8 nicht aus dem Gerede gekommen. Trotzdem haben Sie es nicht geschafft, das G 8 sozusagen in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Letztendlich ist das G 8 politisch gescheitert. Die Ansage zu diesem politischen Scheitern hat Ihr eigener Ministerpräsident gemacht. Jetzt müssen Sie endlich Farbe bekennen und diesem G 8 tatsächlich ein Ende machen. Sie können es nicht mehr mit heilenden Worten retten. Nein, Sie müssen sich jetzt entscheiden.
Sie können jetzt nicht mehr herumeiern. Das hilft nicht mehr weiter. Sie müssen sich jetzt entscheiden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Werte Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ehemaligem Gymnasiallehrer liegt mir natürlich das Gymnasium ganz besonders am Herzen. Nichtsdestoweniger bräuchte ich deshalb nicht fast wöchentlich entweder im Ausschuss oder im Plenum Anträge zum Gymnasium. Man fühlt sich dadurch nämlich schon sehr an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnert.
Es ist in unserem differenzierten Schulsystem eine wichtige Schulart. Aber aufgrund der ständigen Anträge zum Gymnasium könnte die Öffentlichkeit schon fast der Meinung sein, dass wir im Bildungsausschuss nur noch das Gymnasium und nur noch die akademische Bildung im Blick haben. Das ist aber mitnichten so. Auch wir im Bildungsausschuss, insbesondere wir von der CSU, sind der Meinung, dass alle anderen Schularten genauso wichtig sind, egal, ob es Grundschulen, Mittelschulen, Realschulen, Förderschulen oder berufliche Schulen sind,
(Thomas Gehring (GRÜNE): Stellen Sie halt einmal Anträge zur Realschule! Sprechen Sie hier jetzt aber zur Sache! – Weitere Zurufe von den GRÜNEN und der SPD – Unruhe – Glocke der Präsidentin)
Mir war es einfach wichtig, dies eingangs zu betonen, liebe Kolleginnen und Kollegen, damit auch die Damen und Herren, die heute zu Besuch hier sind, nicht den Eindruck haben, dass es bei uns nur noch um das Gymnasium geht. Bildung ist etwas breiter gefächert.
Das Gymnasium liegt mir am Herzen. Es ist eine gute, wichtige Schulart in unserem differenzierten Schulsystem. Und: Unser Gymnasium hat ein hohes Niveau. Das zeigen nationale und internationale Bildungsstudien. Wir brauchen uns wirklich nicht zu verstecken. Es gibt einen Spruch, den wir sicherlich alle unterschreiben können: Es ist schwierig, an die Spitze zu kommen, aber noch schwieriger, an der Spitze zu bleiben. Damit wir auch im Bildungssektor an der Spitze bleiben, müssen wir immer dann, wenn es notwendig ist, das eine oder andere optimieren bzw. weiterentwickeln. Aber jede Änderung birgt natürlich die Gefahr des Absturzes.
Wenn wir in diverse andere Bundesländer schauen, die ihr jeweiliges Schulsystem sehr schnell und umfänglich reformiert haben, dann sehen wir, wohin ein solches Vorgehen führen kann. Schon der Blick in ein bestimmtes Nachbarland belehrt uns darüber.
(Beifall bei der CSU – Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD): Geschwurbel, Geschwurbel, Geschwurbel! – Zuruf von den FREIEN WÄHLERN – Unruhe – Glocke der Präsidentin)
Wer schon zur Spitzengruppe gehört, muss sich sehr genau überlegen, an welchen Stellschrauben er wie stark dreht. Wenn zu große Veränderungen auf einmal vorgenommen werden, wächst eben nicht nur die Chance auf positive Auswirkungen, sondern auch die Gefahr negativer Auswirkungen. Deshalb sollten wir die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums mit Sorgfalt betreiben.
Da soeben ständig die Einführung des G 8 thematisiert wurde, sage ich: Wir sollten aus diesen Erfahrungen lernen und im Zuge der Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums wie gewohnt unsere Verbände einbinden.
Dabei geht es uns aber um einen ehrlichen Dialog, in dem Anregungen aufgenommen, abgewogen und gespiegelt werden. Es muss möglich sein, über das eine